Die Hallen der alten Sprache

Flammen in der Nacht

Autor Nachricht
Verfasst am: 01. 09. 09 [17:33]
andranath
Bund der wilden Pfade

Dabei seit: 27.11.2007
Beiträge: 110

Ein vielstimmiger Gesang, begleitet von rhytmischem Trommeln, hallte über die Dächer der Mondlichtung. Der sternenklare Nachthimmel hüllte den See und die Bäume in ein unwirkliches, nebliges Leuchten. Doch in der Mitte der Lichtung tanzten die lodernden Flammen eines großen Feuers zu den meditativen Klängen. Rings um die Feuerstelle hatten sich mehrere hochgewachsene Gestalten in langen dunklen Kutten mit Kapuzen versammelt. Die meisten von ihnen gehörten unverkennbar zum Volke der Tauren, doch an ihrer schlanken Gestalt konnte man auch die kleine Gruppe von Nachtelfen erkennen, die der Hochdruidenweihe Anshalais beizuwohnen wünschten. Schon während der letzten Klänge des großen Gebets zu Ehren der Erdenmutter begannen die Gedanken der alten Druidin sorgenvoll in Richtung Zukunft zu driften. Natürlich, sie hatte Zeit gehabt sich auf dieses Ereignis vorzubereiten, dennoch war ihr nicht wohl zumute. Sie hatte sich um soviele Schützlinge zu kümmern, dass ihre Zeit schon jetzt knapp bemessen war. Ihre neue Position brachte viele neue Aufgaben innerhalb des Zirkels mit sich und jede forderte ihre volle Aufmerksamkeit. Doch sie konnte die ihr anvertrauten Seelen nicht im Stich lassen! Sie musste dringend neue Betreuer ausbilden, anders ließ sich dieses Problem nicht lösen. Gerade begann sie im Kopf die Liste mit den für diese Aufgabe potenziell in Frage kommenden Personen durchzugehen, als sie die ruhige, tiefe Stimme des Weihdruiden in das Hier und Jetzt zurückholte.

"Möge mir die Erdenmutter nun die nötige Weisheit und Kraft verleihen eine der unsrigen auf den für sie vorgesehenen Weg zu senden. Von diesem Moment an sollst du, Anshalai Rabenschwinge, der Erdenmutter auf dem Pfad der hohen Druiden unter dem Namen "Yunaru" dienen."

Die Alte lächelte. Yunaru-es bedeutete soviel wie "die vom Mond erhellte". Sie kniete nieder und nahm das milchweiße Gewandt entgegen, das fortan ihr Ornat darstellen sollte. In ihrem geliebten Garten arbeiten konnte sie darin jedenfalls nicht.

Erneut erhob der Weihdruide die Stimme. "Wir verabschieden unsere Schwester Anshalai und begrüßen Mutter Yunaru, auf dass sie auch weiterhin die Wege der Erdenmutter erkennen und beschreiten möge."

Augenblicklich setzte das Trommeln und der Gesang wieder ein und während einige der Umstehenden im Tanz versanken, traten andere heran um die Taurin zu beglückwünschen, die in ihrem weißen Gewandt noch etwas verloren wirkte und sich schließlich dazu entschloss einfach zu lächeln und die Szene auf sich wirken zu lassen.
Sobald der Morgen anbrechen würde, wäre es Zeit sich den neuen Herausforderungen zu stellen, doch nun war es Zeit zu feiern...


And the raven, never flitting, still is sitting, still is sitting
On the pallid bust of Pallas just above my chamber door;
And his eyes have all the seeming of a demon's that is dreaming,
And the lamp-light o'er him streaming throws his shadow on the floor;
And my soul from out that shadow that lies floating on the floor
Shall be lifted - nevermore!