andranath
Bund der wilden Pfade
Dabei seit: 27.11.2007 Beiträge: 110
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Da die Ruinen Lordaerons nicht mehr in vollkommene Finsternis gehüllt waren, war davon auszugehen, dass irgendwo hinter dem schweren grauen Vorhang aus Wolken gerade die Sonne aufgegangen sein musste. Andranath sah von ihrem wurmstichigen Schreibtisch auf, als zwei Verlassene gerade den Versuch unternahmen zeitgleich durch die etwas zu eng ausgefallene Tür der Schreibstube zu gelangen. Sie wartete bis die beiden sich wieder entwirrt und vernichtende Blicke getauscht hatten und sah dann zu der Verlassenen deren Wappenrock einen nachtblauen Turm auf schwarzem Untergrund zeigte. Diese salutierte und meldete: "Draußen vor der Stadt ist alles ruhig. Auch innerhalb der Stadt gab es heute Nacht keine nennenswerten Vorfälle. Bitte mich in mein Quartier zurückziehen zu dürfen." Andranath nickte und antwortete: "Gute Arbeit, Wächterin Phyrexia." Dann traf ihr Blick die Robenträgerin, die noch immer mit ungehaltener Mine und einem Brief vor dem Schreibtisch stand. "Ich habe euch das hier zu überbringen...Anweisungen von der Dunklen Fürstin." Die Verlassene legte den Brief etwas zu energisch auf einem Stapel anderer Schriftstücke ab und machte sich daran die Schreibstube wieder zu verlassen.
Wieder einer dieser Briefe... . In den letzten Monaten hatte sie eindeutig zu viele davon erhalten. Andranath brach das Siegel, entfaltete das Schriftstück und begann zu lesen: "An die Quartiermeisterin der Königlichen Nachtwache zu Lordaeron...". Mit jeder Zeile schwanden aus Andranaths Gesicht die Spuren der Hoffnung darauf, dass es sich um gute Nachrichten handeln könnte. Der Sold für die Wächter wurde für den kommenden Monat auf fünf Silberstücke pro Nacht herabgesetzt und die zweite Wachstube im Viertel der Schleicher sollte bis Ende der Woche geschlossen werden, wie zuvor schon die Wachstube im Viertel der Apotheker. Es blieb also einzig und allein der Wachraum am Silbermonder Portal, außerhalb der Stadt.
Ja, Fürstin Sylvanas nahm es sehr persönlich, dass die Wächter ihrer eigenen Stadt es nicht vermocht hatten Varimathras‘ Aufstand zu verhindern.
Andranath las weiter. Die Fürstin ordnete an, dass künftig mehr Vertreter anderer Völker der Horde in die Nachtwache aufgenommen werden sollten. Scheinbar handelte es sich hierbei um ein Abkommen zwischen ihr und dem Kriegshäuptling, das anlässlich der jüngsten Ereignisse getroffen worden war. Die Hexe seufzte schwer. Es war ja nicht so, dass sie es ablehnte Orcs, Trolle oder Tauren in die Nachtwache zu integrieren, aber seit das Feuerholz für die Beheizung der Wächterquartiere nicht mehr gestellt, die Besoldung stark reduziert und der Zuständigkeitsbereich der Nachtwache enorm erweitert worden war, konnte man kaum noch jemanden für den Dienst in der Nachtwache Lordaerons begeistern, der bei der Nennung des Namens der Dunklen Fürstin nicht vor Ehrfurcht erbebte. So kam es, dass sich der überschaubare Trupp inzwischen nur noch aus Verlassenen, ehemaligen Geißelrittern, übereifrigen Sin’Dorei und einem Troll zusammensetzte. Wobei sie den Troll seit Wochen nicht mehr gesehen hatte. Alles was sie wusste, war dass er nach Nordend hatte aufbrechen wollen.
Nun gut, es nützte nichts. Sie hielt hier direkte Befehle Sylvanas‘ in ihren knochigen Fingern und die galt es zu befolgen. Jedoch konnte Andranath nicht umhin, zumindest einen Versuch zu unternehmen mit der Dunklen Fürstin über die Rahmenbedingungen in der Nachtwache zu verhandeln. Die Quartiermeisterin erhob sich um eine neue Kerze zu entzünden, nahm den Federkiel zur Hand und begann zwei Schriftstücke zu verfassen. Eines davon sollte ein Aushang für die Hallen der Alten Sprache werden, das andere ein Gesuch um Audienz bei der Bansheekönigin...
And the raven, never flitting, still is sitting, still is sitting
On the pallid bust of Pallas just above my chamber door;
And his eyes have all the seeming of a demon's that is dreaming,
And the lamp-light o'er him streaming throws his shadow on the floor;
And my soul from out that shadow that lies floating on the floor
Shall be lifted - nevermore!
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