| Autor |
Nachricht |
|
Verfasst am: 04. 06. 11 [08:31]
|
Retharion
[Themenersteller] Dabei seit: 04.06.2011 Beiträge: 1
|
Stille.
Nur der Wind spielt im Mondschein mit seinen Haaren.
Lächelnd blickt der Elf zum makellosen Firmament - an dem einzigen Ort, der von der Geißel noch unberührt geblieben war.
Quel'Thalas, seit langem die Heimstatt der Elfen erstrahlte selbst bei Nacht in vollem Glanz.
Auch nach Jahren noch erfüllte ihn der Anblick der Hauptstadt mit Ehrfurcht, als er seinen Blick über das Juwel des Reiches streifen lässt.
Doch mit einem Mal verklang das Rauschen des Windes, das Rascheln der Blätter...unnatürliche Ruhe...ein riesiger Schatten...
Keuchend erwachte Retharion aus einem Traum, der ihn heimsuchte, seit er im Auftrag eines blutigen Königs, sollte er noch ein solcher sein, seine einstige Gefährtin beim Sturm auf Tyrs Hand getötet hatte.
Noch immer hallten die Worte Eonys durch seinen Kopf "Tu es Retharion, beende mein Leiden!"
Ein letztes Geräusch, als er ihr mit einem sauberen Hieb den Kopf vom Körper trennte und ihr lebloser Leib dumpf auf den Boden aufschlug.
In den Augen Seuchenfausts war es nur die weitere Hinrichtung einer Gefangenen der Scharlachroten, doch für ihn war es der Augeblick, der den Bann des Lichkönigs brach und seine Zweifel aufs äußerste nährte. Das kurz darauf folgende Massaker an der Kapelle, der Eid Mograines und Fordrings waren nur noch der Tropfen, der den Krug überlaufen ließ.
Doch das war lang her und der Lichkönig war unter schweren Verlusten bezwungen worden...und doch gab es keine Erlösung für sein Volk.
Die vorausgegangene Spaltung der Elfen durch den Verräter Kael'Thas hatte auch trotz seines Versagens angehalten und noch immer marodierten zahlreiche Blutelfen, wie sie sich mittlerweile nannten, durch das zerrissene Draenor, auch bekannt als die Scherbenwelt.
Schweißgebadet legte er die Hand auf eine lange Narbe, die seine Brust zierte - keine Kriegsverletzung, sondern eine selbst zugefügte Wunde, gezogen mit einem nahezu stumpfen Messer.
Doch es war nicht der Selbstzerstörungstrieb, der ihn dies hat vollziehen lassen, sondern ein Ritual, um seinem Schmerz körperliche Form zu geben...Ein Zeichen seiner Schuld...
Die Morgenröte bahnte sich langsam ihren Weg über den Horizont, als er, nur mit einer Leinenhose bekleidet in der Pforte der Baracke stand.
Doch die Kälte machte ihm nichts mehr aus, seit er das Monster, genannt Todesritter, geworden war.
Nun zeichneten ihn eine fahle Haut und bläulich leuchtende Augen, statt seinen ursprünglich, smaragdgrünen, zu jener Zeit, als er noch in den Bibliotheken seiner Vergangenen Heimat sein Studium der arkanen Künste vollzog.
Nun brauchte er keine Magie mehr, denn die Macht, die ihn durchfloss war zweifelsohne finsterer, doch auf ihre Weise mächtiger.
Ein Gedanke, den er mit einem Kopfschütteln vertrieb, als er ruhelos den großen Hof des neu errichteten Lagers der Argentumdämmerung überquerte
|
|
Verfasst am: 04. 06. 11 [13:52]
|
shao
Dabei seit: 18.09.2009 Beiträge: 38
|
An einem einsamen Ort im Eschental, versteckt hinter zahllosen Bäumen und doch den wachsamen Augen der Sterne preisgegeben entspringt eine Quelle aus einem merkwürdig geformten Stein. Kaum jemals verirren sich lebnde Wesen an diesen Ort, kaum ein Geräusch ausser dem leisen Gesang des Windes stört je seine Ruhe.
Nacht für Nacht sucht sich eine in reinstes weiß gekleidete Gestallt ihren Weg zu jenem Ort, begleitet von einem kleinen Phönix, welcher sich jede Nacht auf's neue auf dem Stein niederlässt.
Nur die Sterne sind stumme Zeugen wenn die rothaarige Frau Nacht für Nacht einen hölzernen Kelch in die Quelle taucht um damit Wasser zu schöpfen. Jede Nacht vollführt sie das immer gleiche Ritual, ein stilles Lächeln auf den Lippen wartet sie.
Stunde um Stunde steht sie an der Quelle um beim ersten Licht des Morgens einen Schluck aus dem Kelch zu trinken, ein wenig Wasser mit der Hand zu schöpfen und ihr Gesicht damit zu benetzen.
Vielleicht Morgen... lächelnd streckt sie die Hand nach dem Phönix aus, der sich für kurze Zeit auf der Hand niederlässt, sich streckt und seinen Kopf an die Wange der Priesterin schmiegt.
Langsam geht sie davon und nichts deutet darauf hin, dass sie jemals dort war. Zurück bleibt nur der leise Gesang des Windes und die Ahnung eines Geruchs nach würzigen Kräutern.
|
|
Verfasst am: 07. 06. 11 [23:58]
|
shao
Dabei seit: 18.09.2009 Beiträge: 38
|
Ein selbstzufriedenes Lächeln umspielt die Lippen der Schwarzhaarigen Frau, als sie einen Kristallkelch, gefüllt mit blutrotem Wein an ihre Lippen führt - nicht ohne zuvor sein Buket genüsslich zu ihnalieren.
Lächelnd sieht sie einigen Pergamenten dabei zu, wie sie im Kaminfeuer langsam vergehen, die Reste des Siegelwachses verbrennen mit leisem zischeln.
Elegant schlägt sie die Beine übereinander und nimmt einen weiteren Schluck aus ihrem Kelch, als sich die Tür in ihrem Rücken mit einem leisen Knarren öffnet und eine große, breitschultrige, verhüllte Gestalt den Raum betritt.
"Herrin" knurrt es dumpf unter der Kapuze hervor, "Eure Befehle wurden überbracht. Er hat nichts bemerkt."
Die Frau am Feuer nickt leicht und ein grausamer Zug mischt sich in ihr Lächeln. "Das hast du gut gemacht, Roon. Du hast dir eine Belohnung verdient." Behutsam stellt sie den Kelch auf den Tisch neben ihrem Sessel und erhebt sich. Mit wenigen Schritten erreicht sie die Bücherwand im hinteren Bereich des Raumes und betätigt einen geheimen Schalter, der das Wandhohe Regal lautlos aufschwingen lässt. Dahinter wird ein nur spärlich vom Kerzenlicht aus dem Zimmer beleuchteter Gang sichtbar. Wortlos drückt sie der Gestalt eine Fackel in die Hand und nimmt erneut im Sessel vor dem Kamin platz.
Das Licht des Kaminfeuers bricht sich in den gelb-grünen Augen der Frau und verleiht ihnen ein unnatürliches Leuchten. Nach einer Weile hört man ein unheimliches Lachen aus dem Geheimgang, dem ein langgezogener, gellender Frauenschrei folgt. Eine kleine Geste mit der linken der Frau am Feuer und die Regaltür schwingt wie von zauberhand wieder zu. Aus dem Schatten tritt ein kleiner Dämon, der sie gänzlich verschliesst und die Entsetzensschreie aussperrt.
"Gob... ich möchte dass du sie ausspionierst. Ich will wissen wann sie sich wo aufhält. Vor allem wo sie die Nächte verbringt. Wir müssen einen geeigneten Ort für unsere Waffe finden, um ihr aufzulauern... Verhülle dich und lass Meister Keleen in den Salon führen. Zuerst die Arbeit, dann das Vergnügen..." kichernd steht die Frau auf, richtet ihre kunstvolle Frisur und verlässt das Kaminzimmer.
|