Die Hallen der alten Sprache

Vergebung

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Verfasst am: 17. 04. 08 [21:15]
Avaleth

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Nur mit einem knielangen, weißen Nachthemd bekleidet und schwarzen Federn in beiden zu Fäusten geballten Händen stand sie in der Dunkelheit vor den Toren der Unterstadt. Bis auf einen leichten Wind und ein leises Schluchzen kein Geräusch. Die hüftlangen schwarzen Locken einst glänzend und gepflegt, nun grob und wirr bis zu den Schultern abgeschnitten. Felice hob den Kopf und streckt weinend beide Arme dem sternenlosen Himmel entgegen. Ein schwacher Schrei erfüllte die Luft mit Verzweiflung.

"Es tut mir leid."

Und die Rabenfedern zogen mit dem Wind dahin.



..................


Das Wasser plätscherte sorglos und unbeirrt vor sich hin, während sich das Licht der Sonne in ihm spiegelte. Felice blätterte in einem kleinen Buch, wie schon unzählige Male zuvor. Anyaa bürstete plappernd durch die langen, schwarzen Locken, ihr eigenes Haar zu einem feuerroten Zopf gebunden. "Wenn du mich fragst, ist dieser Qystori.. Qystaria.. wie auch immer, Qyran, nicht? Auf jeden Fall solltest du es dir überlegen. Allein wegen den hübschen Haaren. Er ähnelt Vater ein wenig, das kann keine schlechte.." Felice rollte ungesehen mit den Augen und strich sich eine Locke aus dem Gesicht. "Was hast du?" ertönte die fröhliche Stimme hinter ihr. Ein Kopfschütteln und leises Murren. "Ich rede zu viel, du hast Recht" kicherte Anyaa. "Du plapperst." Lachend begannen die beiden Elfen sich mit dem Wasser aus dem Tümpel zu bekriegen.

Erschöpft fielen sie in das weiche, duftende Gras, immer noch lachend und in ihren nun zerknitterten, leichten Sommerkleidern, mit denen der Wind so gerne sein kindliches Spiel aufnahm. Anyaa schwieg glücklich, für den Moment befreit von den schweren Sorgen um ihren Sohn und dessen Zukunft. Felice bettete ihren Kopf auf den flachen Bauch der Freundin und sah den Blättern in ihrem Flug zu. Das Lächeln verschwand schnell wieder aus ihrem Gesicht. "Ist es die richtige Entscheidung?" flüsterte sie. "Vater ist sicher die bessere Wahl, wenn du mich.." doch Anyaa verstummte, als sie sich der ehrlichen Sorge in der Stimme ihrer Freundin bewusst wurde. "Es ist sicherlich das Beste so. Ansehen, Schutz, er sieht gut aus. Du kannst auch nicht ewig allein bleiben und auf diesen Idioten warten. Das hab ich dir von Anfang an gesagt, vergiss es, du kannst unmöglich.. ausserdem hast du selbst gesagt, das er ein Idiot ist und du ihn hasst." zufrieden nickte Anyaa. "Da war ich auch.." kam es zaghaft zurück. "Du HAST es gesagt." Wieder das leise Murren. "Du bist grausamer als der älteste Orc."

Felice starrte ihr Spiegelbild an. Allein saß sie in diesem dunklen, verfallen Zimmer. Eine Scherbe dessen, was es einmal gewesen sein wollte. Ein wohnliches Gasthaus im unbefleckten Vorgebirge. Eine Ruine dessen, was die Menschen einst erbaut hatten, nun von den Verlassenen bewohnt und "bewirtschaftet". Eine Zuflucht für jeden Reisenden. Illdarius hatte Silbermond verlassen, war vor wenigen Tagen hier gewesen. Noch immer brannte die Frage nach dem Grund in ihren Gedanken, doch war es nicht weiter von großer Wichtigkeit für ihre eigene Reise. Abstand, hatte sie der weinenden Anyaa erklärt. Abstand wovor? Die Frage konnte sie sich nichteinmal selbst beantworten. Die Wahrheit war wohl, das sie das Liebste wieder im Stich gelassen hatte. Anyaa, Qyran, Mearana in ihrem endgültigen Zerfall, vielleicht auch.. nein, nur ein Idiot, redete sie sich selbst ein. Mit zuckenden Ohren lauschte sie nach der ruhig schlafenden Elaire. Ihre Schönheit hatte sie nicht allein gelassen, die zahme Talbukhirschkuh hatte sie auf die Reise mitgenommen. Sie hatte kein Ziel, nur einen kleinen Teil ihrer Habe, Elaire und den schimmernden silbernen Dolch. Stumm starrte sie darauf hinab. Felice atmete tief ein und schnitt sich damit eine handvoll schwarzen Haares ab. Nach wenigen Minuten hing es hässlich von ihrem Kopf ins Gesicht, nur noch schulterlang und strähnig. Der größte Teil lag auf dem Boden und dem kleinen Tisch, darunter einige schwarze Federn, von dem Raben, der am Morgen vor ihrer Tür vom unschuldigen Himmel Silbermonds gefallen war.

Felice zog sich eilig den schwarzen Kapuzenumhang über das kurze weiße Hemd. Mit nackten Füßen und verweintem Gesicht, die wenigen Federn in der Hand rannte sie die Treppen hinunter, riss die morsche Haustür auf und den Ställen entgegen. Zittern fiel sie der schneeweißen Elaire um den Hals und schlief bald mit ihr im warmen Stroh ein.

Der Morgen war noch weit entfernt, als Felice ihre schwarzen Augen wieder aufriss und Elaire um die letzten Stunden Schlaf beraubte. Mit den Gedanken im weichen Stroh, brachte sie ihre Herrin dennoch vor die Tore der Unterstadt, dem kläglichen Rest, der vom stolzen Lordearon übriggeblieben war. Felice warf sich dort beinahe von dem liebevollen Tier herunter, fiel schmerzend auf die bloßen Knie und blieb dort weinend zusammengekauert. Das kleine Buch, die Erinnerungen der Leleth a'mere Catasta lagen vor ihr im Dreck. Eine eng beschriebene Seite aufgeschlagen mit der verzierten Überschrift: Die Rabenfürstin.

Eine Stunde lang stand sie schreiend und weinend da, bis der Wind ein weiteres Kapitel aufschlug. Scáthach Sar'andra. Fassunglos, stumm und versteinert las sie den Namen. Den einst so verehrten Namen. Mit einem wütenden Schrei warf sie das Buch von sich, in die tiefe Dunkelheit. Dort lag es auf dem Weg. Vor den Toren der Unterstadt.

Ein erstickter Schrei kündigte mit dem schwachen Morgenlicht den nächsten Tag an und waren die letzten Worte der Elfe, bevor sie endgültig auf dem kalten Stein zusammenbrach.

"Lügnerin."




[Dieser Beitrag wurde 6mal bearbeitet, zuletzt am 18.04.2008 um 14:39.]

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Verfasst am: 18. 04. 08 [15:11]
garluk
Sturmaxtclan
Bruderschaft der Qualen

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((ach so ist das..))
[Anyaa]
An dem Tag an dem Felice verschwindet, zerbricht wohl auch in Anyaa etwas. Eine dumpfe Ahnung zur schrecklichen Gewissheit geworden und ein Teil der künstlichen, heilen Welt, die vor ihren Augen existierte zerbrochen. Wie durch einen dämonischen Zauber.
Lange bleibt sie auf der Bank sitzen, in stummes schweigen gehüllt. Der Blick glasig, leer.
Einige Stunden später erhebt sie sich mit einem Ruck "Du hast dein Schicksal gewählt.. Unsere Welten haben sich getrennt" Sie seufzt schwer und geht, ein Skelettpferd an den Zügeln führend, nach Silbermond hinein.
Sie sucht das Haus ihrer Familie der Faldar auf und kramt kurz in ihren Schränken, nur um ein wenig dunkle Kleidung hervorzuziehen, unauffällig.
Das Kleid, dass ihr die Herrin Dariah geschenkt hatte.
Mit einem dunklen Reiseumhang bekleidet eilt sie wieder nach draußen. Aber auf der Türschwelle bleibt sie stehen, es hat angefangen zu regnen und Nebelschwaden treiben durch die Gassen der sonst so goldenen Stadt.
Sie macht kehrt und geht wieder in das Haus um in ihr Zimmer zu hasten.
Sie nimmt Briefpapier hervor und beginnt zu schreiben, alles was ihr auf dem Herzen liegt. Von ihrem verschollenen Mann bis hin zu den Problemen mit Felice.
Schließlich faltet sie den Brief und lässt ihn auf dem Bett liegen.
Hastig sucht sie ihren Sohn und nimmt ihn, auch in ein dunkles Tuch hüllend, an der Hand mit nach draußen.
Sie besteigen das Ross und reiten zügig durch die breiten Alleen von Silbermond, immer nach Südosten durch Quel'Thalas zu dem alten Schauplatz wo sie als Kind gerettet wurde und wo einst die Residenz der Faladar gewesen war - nun nicht mehr als einige Ruinen.
Schaudernd wendet sie ihr Ross und reitet weiter, Tage und Nächte, bis nichtmal die Schneemänner wissen wo sie ist.
Irgendwann findet sie in einem kleinen Tal eine kleine verlassene Hütte, vielleicht von Fischern im nahegelegenen Bergsee. Es ist ihr gleich.
Sie richtet sich mit ihrem Sohn dort ein und beginnt fern ab das ganzen Trubels ihren Sohn großzuziehen, wie Tauren lebend von den Erträgen der Natur.
Weit weg von Familie und Freunden aber mit sich und der Welt zufrieden.
Und so endet die Geschichte von Anyaa Faladar, Erbin des Hauses Faladar und Tochter von Lothandras Faldar.
Verfasst am: 19. 04. 08 [10:17]
Avaleth

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Tiefschwarz fiel die Tinte in dicken Tropfen von der prächtigen roten Falkenschreiterfeder. Ein Bogen teuren Pergaments lag noch frisch und unberührt auf dem massiven, dunklen Arbeitstisch. Viele Schriftrollen stapelten sich zu beiden Seiten, die meisten davon mit alten, komplizierten und auch unverständlichen Worten beschrieben. Behutsam begann die Feder mit Hilfe der schwarzen Tinte dem leeren Pergament Leben und Bedeutung zu verleihen.


Geliebte Anyaa,

wo auch immer dich dein Weg hinbringen wird, wer ihn auch immer kreuzen mag. Eines sollst du mit jedem einzelnen Atemzug, mit jedem Herzschlag wissen: Ich begleite dich. Ich denke immerzu an dich. Nichts, niemand wird dir und deinem Sohn je etwas anhaben können. Mein Feuer leuchtet dir den Weg und zerstört jeden Übel. Wer dir zu nahe tritt, wir leiden und mein Gesicht soll das letzte Bild vor seinen trüben Augen sein, mein Name das letzte Wort auf seinen zerschundenen Lippen sein.
Selbst wenn die Einsamkeit, der Gedanke an ihn dein Untergang zu werden droht, musst du nur leise in deinem Innern nach mir rufen und ich werde ALLES liegen lassen, beide Welten durchkämmen, nur um bei dir zu sein.
Auch wenn es nur eine einzige Träne wegzuwischen gilt, wird mein Weg nicht umsonst, nicht zu beschwerlich gewesen sein, mein Herz.
Die Splitter meiner dich liebenden Seele ruhen in dir, nie wirst du allein sein.
Dein bruder, Larva Ra'mon Faladar und du, Anyaa Faladar. Das ist alles, was mein Herz wirklich brauch, alles wovon ich lebe. Sonst bewahrt mich nichts mehr vor dem Ertrinken.
Ich denke an das Lächeln, das dir jetzt auf den Lippen liegt und an die Worte, die dein Mund jetzt formen wird.
Du bist auch verrückt, Anyaa.

In Liebe und den Gedanken bei dir,

Leleth


Eine zarte, jugendliche Frauenhand zog langsam eine kleine Schublade auf. Das Sonnenlicht warf sanfte, beinahe heilige Strahlen in den großen Raum. Der Moment schien auf magische Weise behütet, zu einer teuren Kostbarkeit gemacht worden zu sein. Jede Bewegung war langsam, behutsam und bedacht um diesen wundervollen Moment so lange wie möglich andauern zu lassen. Zaghaft kam ein filigranes, silbernes Kettchen aus der Schublade zum Vorschein. Ein zierlichen Medallion, silbern und oval, winzige Diamanten bildeten ein leuchtendes, ein glitzerndes "A". Vorsichtig öffnete es sich.
Das Innere war leer, noch ungebraucht. Die langen, schmalen Finger setzten einen kleinen, herförmigen violetten Splitter in das Medallion. Eine sanfte Berührung des Zeigefingers setzte das Herz auf liebevolle Weise in ewige Flammen. Wärmendes, leuchtendes Feuer für die dunkelsten Momente.
Eine sanfte Frauenstimme flüsterte, während sie den Schatz wieder verschloss: "Herz und Seele auf ewig verschmolzen."
Langsam rollte sie das beschriebene Pergament zusammen und band eine blutrote Schleife darum. Das Medallion bettete sie zärtlich in ein besonders kleines Päckchen und band die Pergamentrolle daran fest.

Ihr schwarzer Falke, den sie lächelnd Miratil getauft hatte, würde Anyaa finden, dessen war sie sich sicher.

[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 19.04.2008 um 17:48.]

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Verfasst am: 22. 04. 08 [14:52]
Aurias

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Eine beunruhigende Stille herrschte in Kammer, die einst das behütende Heim des Lichtwesens und Herz des Ordens war.

Gedankenversunken und scheinbar wehmütig, stand Aurias neben dem Eingang mit leerem Blick auf den Punkt starrend, an dem M'uru unlängst um das Ende seiner Qualen flehte, als eine gepanzerte Hand von hinten nach seiner Schulter griff und sie freundschaftlich drückte.
"Und ich habe schon befürchtet, dass mich an diesem Ort nie mehr jemand zurechtweisen und daran erinnern wird, was für ein unsagbarer Mistkerl ich bin"
sprach er mit ruhiger Stimme ohne sich nach der Person umzusehen, die sich ihm genähert.
"Der Naaru kannte dich nicht, er wusste nie um deine wahren Schwächen, nie um die Dinge an dir, die dein Leben zu dieser Farce verkommen ließen.
Ich bin Derjenige, der dir das immer wieder vor Augen führen wird, mein Junge."

Aurias senkte schmunzelnd den Blick ob der vertrauten Worte seines Bruders, dem Ritterfürsten Yaden Sonnenhoffnung.

"Es ist nicht der Naaru, den du vermisst, Aurias. Nicht der Naaru der dich hier gramvoll verharren lässt.
Niemals wird das Schicksal eines Licht oder andersrassigen Wesens schuld an deinem Trübsinn sein, hör auf dir einzureden, du wärst fähig Mitgefühl für Jene zu empfinden.
Hör auf von dem abzulenken, was dir wirklich zu schaffen macht."

Das gewohnt süffisante Grinsen des Blutritters wich langsam einer schmerzvoll verzweifelten Miene, die von seiner Unfähigkeit zeugte, den Worten des Offiziers noch irgendetwas entgegenzusetzen.

Der Ritterfürst drückte noch einmal die Schulter seines Bruders, während ein selbstgefälliges Grinsen sein Antlitz erfüllte.
"Ich kannte sie nicht, nur aus deinen Erzählungen, von viel größerem Belang ist allerdings, dass ich dich kenne, Aurias.
Und deswegen weiß ich, dass du alles falsch gemacht und dir jedwede Hoffnung verbaut hast"

Yaden ließ von Aurias ab, ihn mit überlegener Distanz musternd.
"Wie steht es um einen Vorschriftsgemäßen Salute, Ritter ?"
Aurias wendete seinen Blick zur Seite ab, als er mit der Faust an seiner Brust salutierte, ohne Haltung angenommen zu haben.


Der Ritterfürst drehte sich schmunzelnd dem Ausgang zu und verließ die Kammer mit einem schallenden Lachen.


[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 22.04.2008 um 14:58.]
Verfasst am: 22. 04. 08 [20:53]
Avaleth

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( Vor dem Zusammentreffen mit Scathach )


Mit offenen Augen lag sie in Gedanken versunken in ihrem weichen Bett. Man hatte sie am Morgen vor den Toren der Unterstadt aufgelesen und zurück nach Silbermond gebracht. Sie seufzte schwer, musste endlich eine Entscheidung treffen.
Sollte sie hier in der prächtigen Stadt bleiben und Teil der angesehenen Feuerschwingen werden? Mit dem Ritter alt werden und das Kämpfen aufgeben, wie so viele Frauen vor ihr?
Familie, Ruhe, Ansehen, Wohlstand.
Verwirrt stand sie auf und sah aus dem Fenster. Draußen würde es ihr sicher leichter fallen, einen Entschluss zu fassen. Sie warf sich nur einen weißen Kapuzenumhang über ihr ebenso weißes, luftiges Sommerkleid.
Es ging ein sanfter Wind, jedoch stark genug um ihren Umhang wehen zu lassen und die nackten Beine zu streicheln. Er spielte vergnügt mit ihrem Haar, das seit einiger Zeit drei dicke weiße Strähnen aufwies, statt nur der einen. Für jeden Schlag eine, dachte sie, als der Wind ihr eine der Strähnen ins Gesicht blies. Sie war nur eine nutzlose Puppe. Ein Blatt im Wind des Schicksals, mehr nicht.
Am Ufer des Stillwispertümpels blieb sie stehen und starrte gedankenlos vor sich hin. Sie hatte das Gefühl, vom Wasser gerufen worden zu sein. Felice hob den Kopf und flüsterte den Sternen am Himmel ein Kinderlied entgegen.

Funkle, funkle kleiner Stern
Wer du bist wüßt’ ich so gern
Ganz hoch über dieser Welt
Wie ein Diamant am Himmelszelt
Funkle, funkle kleiner Stern
Wer du bist wüßt’ ich so gern

Nachdem die letzten Worte ausgesprochen waren hielt die Elfe inne.
Unwissenheit. Vergessen. Süßes Vergessen.
In einer Schublade lag Nerzariels Phiole behutsam in mehrere Tücher eingewickelt.
Draußen schienen Entscheidungen unendlich leichter zu fallen.


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Verfasst am: 22. 04. 08 [20:54]
Avaleth

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( Und danach )

Felice hob ihre Arme dem Sternenhimmel entgegen und atmete tief durch um den Frieden der stillen Nacht in ihrem Herzen einzuschließen. Der Wind streichelte wie so viele Male zuvor liebevoll ihre zarte, blasse Haut. Ein sonderbares Gefühl von Ruhe kam in ihr auf. Als hätten der Wald und die Stadt sie endlich als eines der Sonnenkinder aufgenommen. Sie kam Silbermond mit jedem Tag einen Schritt im Geiste näher. Vielleicht würde dieser Ort tatsächlich einmal eine richtige Heimat für sie sein.
Die Träume quälten sie nun jede Nacht. Verderbnis, Zerstörung, Hass, Wahnsinn, Verzweiflung, Tod und Kälte – sie alle waren voll davon. Sie hielten Felice davon ab früh ins Bett zu gehen, erschreckten sie davor, es überhaupt zu tun. Zwei Tage und Nächte lang war sie schon auf der Flucht vor den Träumen. Es war ein vergebliches Spiel und bald musste es ohnehin enden.
Deshalb schien ihr Nerzariels Trank auch der beste Ausweg.
Sie hatte ihm einige Wochen vor seinem endgültigen Ableben vom ihrem großen blonden Leid erzählt. „Onkel Nerz“ gab ihr die kleine, unschuldig aussehende Phiole und die Geschichte um sein verdorbenes, in irrsinniger Liebe sterbendes Herz.
„Ich helfe dir – auf meine Weise. Du musst mir nur ein Versprechen geben.
Stell keine Fragen und renn weg, wenn ich es dir sage.“
Die Stimme des Verlassenen hallte in ihrem Kopf als stünde er vor ihr und wiederholte die Worte noch einmal.
Felice stand wieder auf der Treppe, die in die Arena herabführte. Nerzariel lag reglos im Staub, Aurias mit noch immer erhobenem Schwert über ihm. Den alten Ork und die Priesterin nahm sie nicht wahr. Erstickt tönte es in ihren Gedanken.
„Renn, Leleth!“
Sie konnte nicht. Schwachsinniger, dummer Mann. Er hatte sich für etwas geopfert, was ihm mehr Schmerzen bereitete als das verfluchte Schwert des blonden Übels.
Oder war das sein Plan? Wollte er nur den Tod finden?
Vielleicht war ihre Verzweiflung das, worauf er gewartet hatte. Darauf gewartet, einen Grund von ihr zu bekommen. Eine Möglichkeit.
Schwachsinniger, dummer alter Mann.
Felice wollte die Tränen nicht mehr zurückhalten. Für einen Moment wie diesen war sein Geschenk, der Trank gedacht. Die Schuldgefühle überfluteten sie.
Immer wieder flüsterte sie denselben Satz vor sich hin, wie in Trance.

Schwachsinniger, dummer alter Mann.


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Verfasst am: 22. 04. 08 [21:06]
Avaleth

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Sorglos, unbeschwert und seltsam fern rannte er quietschend vor Glück über das ewig grüne Gras. Mit Staunen und Ehrfurcht in den großen Augen bejubelte er jede noch so kleine Blume, beklatschte jeden noch so eintönigen Schmetterling und streckte die kurzen Ärmchen nach jedem Vogel aus. Glücklich und unverletzt war seine kleine, ganz eigene junge Welt. Fröhlich dahinstolpernd versuchte er sich an dem Lied der Spatzen. Jeder Moment neu und unerforscht, heil, unberührt, unfassbar erstaunlich. Immer wieder kam er zu ihr zurückgewatschelt und schenkte ihr mit stolzem Fiepen die nächste, eigens errungene Kostbarkeit. Um eine besonders duftende Blume wie ein Lordregent für seine geliebte Mutter zu ergattern, hatte er sogar ganz alleine und mutig wie ein junger Löwe ein kleines Häschen mit seinem erschütternden Kampfgeschrei in die Flucht geschlagen. Sicher würde er an diesem Abend als gefeierter Held in die Geschichte Silbermonds eingehen.
Es war alles noch so furchtbar neu und aufregend, er konnte sich nicht im Geringsten vorstellen, wie groß diese Welt noch sein würde. Mutter kannte so viele schrecklich faszinierende Geschichten. Eines Tages würde er alt und stark genug sein all das auf eigene Faust zu erkunden. Viele kostbare Schätze, Freunde aus unerforschten Landen und ein himmelhohes Ansehen würde er seiner schönen Mutter mitbringen.
Er verstand nicht, was da vor ihm aus dem Gebüsch gesprungen war, konnte sich nicht vorstellen, dass dieses Etwas mit seinen Hauern nicht zu den friedlichen Bewohnern des Immersangwaldes gehörte und wusste nicht, dass die erhobene, im Sonnenlicht wunderschön strahlende Klinge nicht das Schmuckstück war, für das er es hielt. Seine Mutter schrie in Panik, er konnte deutlich die Hitze ihres höllischen Feuers spüren, welches nah an ihm vorbei nach dem verzerrten Wesen schlug. Doch das Feuer erreichte sein Ziel zu spät. Der Kopf des kleinen Elfen fiel zusammen mit dem brennenden Amanitroll.

In Schweiß gebadet schreckte Felice aus ihrem Traum, zitternd saß sie auf dem weichen Bett. Schwer atmend konnte sie nichts weiter tun als starr vor sich hinblicken, nicht fähig sich zu rühren. Sie konnte, sie wollte sich nicht beruhigen. Er war wieder da, dieser schreckliche Traum, die verzehrende Erinnerung. Ganz allein ihre Schuld, nichts konnte dieses Verbrechen wieder gut machen. Nichts konnte sie diesen Tag vergessen lassen. Weinend fiel sie zurück in die Kissen. Der kleine Mann hätte groß werden sollen, stark und unerschrocken. Er wäre es geworden. Sein Blut schrie nach einem großen, schicksalsträchtigen Leben. Ein Held, ein stolzer, gefeierter Held. Wütend riss sie die Decke von sich, und schritt unruhig auf dem kalten Boden auf und ab. Achtlos warf sie alles hin, was sie in die zitternden Hände bekommen konnte. Glas zersprang, Spiegel zerbarsten an der Wand, Fenster gingen zu Bruch. Draußen gingen einige Lichter an, Kerzen an den Scheiben, verwirrte Leute auf den Straßen. Wahnsinnig vor Schmerz und Schuld zündete sie das Bett und die Vorhänge mit ihren in Flammen getauchten Händen an. Ihr eigenes Feuer konnte sie nicht verletzen, sie nicht Versengen. Wahllos ließ sie alles in Flammen aufgehen.
Es dauerte nicht lange, bis das ganze Gebäude Feuer gefangen hatte und lichterloh brannte. Immer wieder rief sie verzweifelt nach ihrem Sohn: „Larva!“
Ohnmächtig vor Erschöpfung lag Felice auf dem brennenden Boden.


[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 22.04.2008 um 21:09.]

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Verfasst am: 26. 04. 08 [22:07]
Avaleth

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(( *hustet* Ziemlich lang, aber ich freu mich über jeden, der sich de Mühe macht, sich das durchzulesen und mir was dazu sagt.. was ich nächstes Mal besser machen kann zum Bleistift.))


Schweren Herzens verabschiedete Felice sich von ihrer treuen Elaire. Das Tier schien zu spüren, dass es sich um einen Abschied für längere, unbestimmte Zeit handelte, vielleicht sogar ein Lebewohl war. Doch sie blieb ruhig, verständnisvoll. Aus den großen traurigen Augen sprach der Schmerz, aus diesem tiefen liebevollen Blau. Ein letzter Kuss auf die warme Nase des blendend weißen Wunderwerks war alles was die Elfe ihrer teuren Freundin geben konnte. Jedes Wort wäre falsch gewesen, jedes Versprechen eine Lüge. Ein Kuss und ein stiller Augenblick voller Sehnsucht.

Die Zeit der Abreise drängte sich wie ein erschütternder Schrei zwischen die beiden. Draußen trat das brennende Untier Seelenpein ungeduldig auf der Stelle, immer wieder gab es ein grollendes Wiehern von sich. Felice folgte seinem Ruf widerwillig, sorgsam verschloss sie die Stalltür hinter sich. Nanthes stand bereits mit den wenigen, von ihm mehr als penibel verpackt und verschnürten Dingen die sie mitnehmen wollte neben dem unheimlichen Tier, das zornig auf ihn herabstarrte. Der junge Elf war fleißig und gewissenhaft, Felice hatte keine Bedenken dabei, ihm den Besitz und Stolz der Familie Catasta zu überlassen. Er war auch der einzige, der das Haus gepflegt und auf ihre Rückkehr gewartet hatte.

Sathin. Ihre Blutsschwester. Sie konnte sich nicht erinnern, doch man erzählte ihr von dem Elendshäufchen im Kerker Silbermonds. Nanthes hatte um ihre Hand angehalten, auch wenn sie allem Gerede nach nur noch ein kümmerlicher Schatten war. Um die Hand ihrer Schwester, einer irren Kriminellen. Wie naiv er doch war. Doch schon bald sollte er als Mann seine Ausbildung zum angesehenen Blutritter antreten. Lachend schüttelte Felice den Kopf. Der Junge schnürte das letzte Päckchen an ihrem unruhigen Pferd fest und salutierte vorbildlich. Ganz so, wie er es sich bei den Rittern in seiner Sehnsucht abgeschaut hatte.

"Ihr kümmert Euch auch um alles?" fragte sie noch einmal, bevor die den trippelnden Seelenpein bestieg.

"Sicherlich, Lady Cat.. Sar’andra."

"Lasst nichts anbrennen, Junge."

Nanthes errötete sichtlich und blickte beschämt zu Boden.

"Das Anwesen meiner Mutter, Sonnenzorn."

Felice lachte wieder amüsiert.

"Natürlich, Lady Sar’andra."

Wieder salutierte er steif wie ein Stück Holz, doch ganz genau nach der ritterlichen Vorschrift. Seelenpein trampelte immer begieriger im Kreis, doch Felice war noch immer unentschlossen, etwas Unbestimmtes band sie an diesen Ort.

"Hauptmann Catasta und die Magistrix wären wahrhaft stolz, wenn sie Euch.."

Felice trat dem Untier schmerzhaft in die Seiten und dieses verfiel augenblicklich dem schieren Wahnsinn und der unbändigen Freude.

............................

Von diesem Platz aus konnte Felice die volle Schönheit des verschneiten Gebirges überblicken. Dürre Finger klammerten sich fest an sie, voller Sehnsucht in dem duftenden Stoff vergraben. Immer wieder hörte sie hinter sich das ungläubige Flüstern. "Schwester?"

Das naive Mädchen hatte eine zarte Stimme. Man konnte sie kaum als Frau bezeichnen, so kindlich sah sie aus, so unbekümmert strahlte sie aus ihren blauen Augen heraus der Welt entgegen.

"Wieso halten wir an, Lel?" fragte die kleine Elfe.

"Du musst etwas essen und dich ausruhen, wir bleiben heute Nacht hier."

"Schlafen.. schlafen wir zusammen?"

Ihre Kinderstimme war so voller freudiger Hoffnung.

"Gerne."

Gestärkt und müde lagen sie in die vielen weichen, wärmenden Decken gehüllt unter dem leuchtenden Sternenhimmel. Krampfhaft klammerte sich die junge Magierin an Felice und starrte sie fortwährend an, als wolle sie ganz sicher gehen, nicht nur zu träumen. Vorsichtig, leise brach sie die Stille.

"Woher kam all das schreckliche Feuer? Es hat.. hat überall gebrannt."

"Von mir."

"Oh. Oh.. natürlich. Du hast mich ja.. wo warst du bis jetzt?"

"Verreist. Vielleicht erzähle ich dir alles irgendwann. Ich glaube nicht, das es jetzt gut für dich wäre."

"Ich hatte furchtbare Angst. Sie.. sie haben mir erzählt, du hast mich vergessen. Scathach hat.. hat sogar gesagt, du seist tot. Aber.. aber Lothandras hat dich gesehen. Hat er."

"Hat er. Mir geht es gut."

"Woher wusstest du.. wusstest du, wo ich.. wo sie mich halten?"

"Die ganze Stadt spricht über nichts anderes."

"Wieso bist du nicht früher gekommen?"

"Es.. war nicht einfach."

"Aber jetzt ist alles in Ordnung?"

"Nein, Sathin, im Gegenteil. Wahrscheinlich siehst du Silbermond nie wieder. Das heißt – ich auch nicht, sollte mich jemand erkannt haben."

"Ich mochte Silbermond sowieso nie. Die Wiesen vor der Stadt sind viel schöner."

Sathin quietschte vergnügt.

"Wir bauen uns einfach eine Höhle mitten auf einer Blumenwiese und essen Sträucher."

"Genau."

Felice konnte sich das Lachen nun beim besten Willen nicht mehr verkneifen.

"Aber ich werde Au vermissen, auch wenn er so schrecklich holzig ist."

"Au?"

"Ja doch, der blutige Klappermann mit den goldenen Leuchthaaren. Man könnte so furchtbar tolle Zöpfe daraus flechten. Aber er ist so.. stockig."

"Au..rias?"

"Ich glaube schon. Au. Kennst du ihn?"

Eine seltsame Stille trat ein, Felice spürte die Kälte, die von der fröhlich plappernden Sathin ausging. Sie war auf ihre Weise außergewöhnlich. Es war dieselbe Kälte, die in Lucans Nähe spürbar wurde.

"Nein."

"Das ist schade. Er ist ziemlich lustig und schimpft dauernd mit mir. Wir haben sogar Veresh zusammen besucht."

"Veresh?"

"Jaha doch, Veresh.. mein Dings, du weißt schon."

Ihr Kichern klang noch mädchenhafter als ihre Stimme, wenn sie sprach.

"Ich erinnere mich nicht wirklich. Dal’Endil, einer von denen, hm?"


"Das weiß ich doch nicht. Auf jeden Fall rede ich nicht mehr mit ihm. Er ist ein Idiot, so wie Au."

Wie Recht du hast, ging es Felice durch den Kopf.

"Nanthes hat um deine Hand angehalten."

"Der.. unser Dienstjunge? Sonnenzorn? Der einmal ein Blutiger werden will?"

"Mh-hm, genau der."

Sathin musterte Felice ungläubig.

"Ja, wirklich?"

Felice nickte knapp, womit sie sich ein freudiges Fiepen verdiente.

"Er hat die ganze Zeit auf das Haus aufgepasst und auf uns gewartet. Ich bin erst vor wenigen Tagen wieder eingezogen, weil ich mein eigenes Hau.. weil mein eigenes Haus renoviert werden muss."

"Ein altes Haus?"

"Mhja, ziemlich alt."

Sie schwiegen sich noch eine ganze Weile lang an, bevor Sathins unruhiges Gezappel von ihrem ruhigen, gleichmäßigen Atem beendet wurde. Still lag sie da, Glück sprach aus ihren Zügen. Unvorstellbare Zufriedenheit, als hätte sie die lange Zeit in Gefangenschaft längst vergessen.




Sathin fand sich in ihrer dunklen, feuchten Zelle wieder. Ihre zahllosen Versuche auszubrechen hatte sie gewissenhaft an der Wand dokumentiert. Mittlerweile fand sie das Leben unter dem geschäftigen Treiben Silbermonds beinahe angenehm. Jeden Tag verirrte sich ein neuer Käfer in ihre kleine Heimat. Es war ungemein interessant, was Sathin im Innern eines solchen Insekts schon entdeckt hatte. Nur heute wollte sie ihre wertvolle Arbeit ruhen lassen und betrachtete stattdessen träumend ihre spannende Zellendecke. Es fiel ihr nicht weiter auf, das die Temperatur langsam immer deutlicher anstieg. Auch als der erste panische Schrei ihre Zelle durchdrang hörte sie es nicht. Selbst die sich nähernden Flammen nahm sie nicht wahr. Erst als eine blutrot verhüllte Gestalt die Treppe hinabstieg und sie durch die Gitterstäbe aus den schwarzen Augen anstarrte, erwachte sie aus ihrem blumigen Tagtraum. Die Gitterstäbe schmolzen willenlos dahin, öffneten alle Zellen dieser Etage ohne den geringsten Widerstand. Die Hitze traf Sathin wie ein Schlag, mit aller Kraft versuchte sie sich an die Formel zu erinnern, mit welcher sie sich im schützenden Eis retten konnte.

"Komm!"

Es war ganz deutlich die Stimme, nach der sie sich so gesehnt hatte. Sathin war zu keinem klaren Gedanken fähig, als hätte man sie ihres letzten Bisschen Verstandes beraubt, doch sie folgte. Die Flammen schlugen schmerzend nach ihr, doch irgendwie hatte sie es aus dem Gebäude und der Stadt geschafft. Draußen strahlten ihr die Sterne hell entgegen, am Horizont brach jedoch schon der Morgen an.

...........................

Der Abschied fiel den beiden Schwestern nicht leicht, doch Felice konnte die unbekümmerte Sathin unmöglich weiter mit sich herumführen. Die Spuren zu verwischen wäre unnötige Zeitverschwendung. Nur hier, inmitten der unbändigen Schneelandschaft Winterquells war es für die schwache magiekundige Sathin ein leichtes, ein fröhliches Spiel mit dem Eis. Sie war kein Talent im Umgang mit anderen Elfen oder begabt in logischer Denkweise, doch Eis und Pflanzen, darauf verstand sie sich wie kein anderer. Die ewig blühenden Frühlingswiesen des Immersangwaldes, so wie die weiße Weite Winterquells waren paradiesische Orte in ihren Augen. Sie verbrachte volle drei Tage damit, murmelnd und tief konzentriert durch den Schnee zu stapfen und über zugefrorene Seen zu schweben. So erforschte die angehende Magistrix auf ihre ganz eigene, wundervolle Weise die hochkomplizierte Kunst der Herrschaft über Wasser uns Eis. Im erlösenden Vergessen versunken und den blonden Locken mit leuchtend blauen Bändern zu zwei sich ringelnden Zöpfen gebunden verlor sie sich immer unausweichlicher in ihrer glasigen Welt, die sie wie eine Mauer um ihren Verstand erschaffen hatte. Die gleichaltrigen Kinder Silbermonds wollten nie etwas mit der verrückten Sathin zu tun haben, bis auf Despira, ihre ebenso sonderbare Freundin. Für Felice schien Sathin ein unantastbares Genie zu sein. In diesen wenigen gemeinsamen Tagen verspürte sie immer mehr Neid auf die naive Schwester mit ihren blumigen Gedanken.

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Der Mond stand schon hoch am Himmel als Felice lautlos die Treppen hinaufstieg. Vor der dunklen Tür blieb sie atemlos und lauschend stehen. Leise Stimmen drangen an ihre zuckenden Ohren. Anyaa. Es musste Anyaa sein, wer sonst sollte sich dort in ihren gemeinsamen Räumlichkeiten aufhalten. Voll Vorfreude öffnete Felice die Türe und tatsächlich saß dort auf dem Stuhl im unverkennbaren Stil der Kal’dorei eine rothaarige Elfe. Es war nicht Anyaa, dieses Mädchen war deutlich jünger, wie Sathin noch nicht einmal eine wirkliche Frau.

"Calalen?" Sie konnte den Schrecken kaum verbergen.

"Mutter!" Freudig sprang das Mädchen mit den roten Locken auf und warf den Stuhl dabei geräuschvoll um.

"Was tust du hier und wer.. hat dir davon erzählt?"

"Ja aber.. wovon?"

"Von der Mondlichtung. Von diesem Versteck."

"Du selbst. Freust du dich denn gar nicht?"

"FREUEN? Ich wusste bis jetzt nicht einmal sicher, ob du noch am Leben bist. FREUEN? ICH BIN WÜTEND, FRÄULEIN! Warte bis ich DAS Lucan und Zyrion erzählt habe. Nertha erst – was glaubst du, wird sie mit dir anstellen? Pack deine Sachen. SOFORT. Wir reisen noch heut ab! Nun mach schon, BEEIL DICH!"

Erst jetzt bemerkte Felice die verschreckte Kal’dorei, die stumm und zitternd in ein dünnes Tuch gehüllt in der Ecke stand.

"Du verzogenes Biest. Alles, was du von mir und von Nertha bekommen hast – all das war dir wohl nicht GUT GENUG, JA?"

Völlig außer sich schrie Felice ihre Tochter an. Sie griff nach der Vase auf dem kleinen kunstvoll verzierten Tischlein und warf sie nach der weinenden Calalen.

"SO DANKST DU ES UNS? Du versteckst dich HIER IN MEINEN EIGENEN VIER WÄNDEN UND TREIBST ES MIT DIESEM DRECKIGEN, VERHURTEN UNKRAUT? Das du es überhaupt noch wagen kannst, mir in die Augen zu blicken. Du kleines Miststück, gewissenlose Bestie. DAS hast du von mir gelernt? DAS habe ich dir beigebracht? SO DANKST DU MIR ALL DIE ZEIT UND DIE VERFLUCHTE MÜHE?"

Felice’ Augen funkelten zornig, wütend und zu jedem weiteren Wort unfähig stand sie da. Zitternd vor Machtlosigkeit, erfüllt von dem Gefühl, versagt zu haben. Die leicht bekleidete Kal’dorei fürchtete sich noch immer, schwächlich wie sie war bekam sie noch immer nichts über die Lippen.

"Mutter, du kannst doch nicht.. du willst dich doch nicht zwischen.. es tut.. es tut mir leid."

Weinen und flehend blickte Calalen zu ihrer Mutter auf.

"Sag es ihr nicht.. bitte. Niemand würde es verstehen – nur du. Nur du bleibst mir noch. Mutter, ich flehe dich.."

Hart traf sie die Hand ihrer Mutter im Gesicht.

"Ich will NIE wieder etwas von dir und deiner schäbigen Hure hören. Wag es nicht, je wieder in die Nähe Silbermonds zu kommen.
Nertha wird über euch richten."

Calalen schrie gequält auf und warf sich vor Felice nieder.

"Nein, bitte.. ich.."

"Du hast nichts mehr von mir zu erwarten."

Mit diesen Worten trat die zornige Elfe nach ihrem verzweifelten Adoptivkind und schritt durch die Tür hinaus, ungehalten rannte sie die gewundene Treppe hinab. Ein letztes Mal blieb die noch stehen und atmete tief ein.

"Du trägst den Namen Sar’andra nicht länger. Für die Öffentlichkeit existierst du ab heute nicht mehr, so wenig wie für mich."


Pain, without love
Pain, I can't get enough
Pain, I like it rough

Verfasst am: 28. 04. 08 [19:38]
Avaleth

[Themenersteller]
Dabei seit: 22.10.2007
Beiträge: 291

Nanthes blieb am Ende der Straße stehen. Sonnenhoffnung. Er kannte das Haus, auch wenn er nur in der Nähe der großen Tür darauf gewartet hatte, einen Blick auf sein Vorbild werfen zu dürfen. Genau wie seine Freunde.
Mit zitternder Hand klopfte er an.

Pain, without love
Pain, I can't get enough
Pain, I like it rough

Verfasst am: 28. 04. 08 [20:10]
Aurias

Dabei seit: 16.01.2008
Beiträge: 196

Ein lautes Rumpeln mitsamt einem leisen aber noch vernehmbarem thalassischen Fluch ertönt unmittelbar nach dem Klopfen aus dem Haus, ehe sich die Eingangstür langsam mit einem leisen quietschen öffnet und Aurias, mit zerknittertem Wappenrock und einem allgemein leicht verwahrlost wirkendem Zustand, seitlich an den Türrahmen gelehnt offenbart.

"Hm?"