Die Hallen der alten Sprache

Wo sind all Eure Worte nun, Kriegshäuptling?

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Verfasst am: 14. 12. 08 [15:37]
trakar
Sturmaxtclan

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eine Anekdote zu den Vorkommnissen an der Pforte des Zorns aus Sicht eines Orckriegers:

Der Schmied wischte geronnenes Blut von meinem Schwert, betrachtete die Klinge, und warf sie schließlich auf den Haufen zu seinen Füßen. „Zu abgewetzt, besorgt Euch eine andere“, knurrte er und deutete auf den Stapel neuer Waffen hinter ihm. „Der Nächste!“

Nachdem ich die neue Klinge in Besitz genommen hatte, überprüfte ich erneut meine Rüstung. Zerbeult, aber intakt. Mehr als ausreichend für die bevorstehende Schlacht.

Ich war gerade dabei, nach meinem Wolf zu sehen, als der Befehl erscholl: „Gakarah ma!“

Eilig formierten wir Soldaten uns für unseren Kommandanten, Saurfang den Jüngeren. Hinter ihm ragte der gewaltige Schatten von Angrathar auf, der Pforte des Zorns. Er schien es nicht einmal zu bemerken. Nie habe ich einen tapfereren Orc getroffen. Nach allem, was ich bisher gesehen hatte, kam er wahrlich nach seinem Vater, braune Haut hin oder her.

„Einige von euch sind mit mir aus Azjol-Nerub hergeritten, wo wir unsere Kraft gegen das elende Spinnenvolk in die Waagschale geworfen haben. Für die von euch, die nicht dabei waren: Wir haben ihr Königreich gestürmt und ihre Zugangstunnel in die Drachenöde versiegelt.“ Er zeigte uns sein wölfisches Grinsen. „Von denen wird Arthas heute keinen Nachschub mehr erhalten.“

Wir jubelten. Da drehte der Wind und brachte den Gestank von Verwesung mit sich. Als wenn die Verlassenen nicht schon schlimm genug gewesen wären. Ich habe nie verstanden, warum ihnen erlaubt worden war, sich der Horde anzuschließen. Sie mögen ja die Geißel gehasst haben, aber sie waren und blieben dennoch Untote. Schlimmer noch, sie waren Verräter: im Leben dienten sie der Allianz. Wenn die Verlassenen die Seite einmal wechseln konnten, so konnten sie es wieder tun.

„Und die Allianz hat sich an ihre Seite der Abmachung gehalten“, fuhr Saurfang fort. „Unsere Späher haben soeben bestätigt, dass auch Naxxramas abgeschnitten wurde.“ Er erhob eine behandschuhte Hand, um unsere Jubelrufe verstummen zu lassen. „Ja. Naxxramas war vermutlich die leichtere Aufgabe. Deshalb habe ich darum gebeten, Azjol-Nerub zu übernehmen. Es war nur recht, der Horde die größere Herausforderung zukommen zu lassen, ebenso wie die damit einhergehende Ehre. Und dennoch, “ kicherte er, „ist der Stolz der Blasshäute anscheinend verletzt worden. Sie müssen sich die Füße blutig gerannt haben, um vor uns hier zu sein.“

Ein gutturaler Schrei erklang hinter ihm. Er zog seine Axt und wandte sich schließlich um, um Zeuge der Schlacht zu werden, die sich hinter ihm abspielte. Sein Blickwinkel war besser als der meine, aber ich vernahm ein lautes, metallisches Scheppern, gefolgt von einem markerschütternden Brüllen.

Er reagierte sofort. „Erhebt euch, Söhne der Horde!“, rief er, und drehte sich wieder zu uns um. „Blut und Ruhm erwarten uns!“

Was immer er auch gesehen hatte, bedeutete Ärger für die unbesonnenen Menschen. Wir rannten zu unseren Wölfen und saßen auf.

„Lok-tar ogar!“, brüllte Saurfang, als er an unserer Spitze den Hügel herabdonnerte.

„Für die Horde!“, schmetterten wir wie aus einem Munde zurück.

Er stürmte bis tief ins Schlachtgetümmel vor, auf der Suche nach dem General der Menschen. Der Rest von uns verteilte sich und eilte den Streitkräften der Allianz dort zu Hilfe, wo sie gerade benötigt wurde. Sie waren Narren, diese Schlacht ohne uns begonnen zu haben. Vom Kriege hatten sie noch nicht viel gesehen, und wir hatten ja die letzten sechs Jahre in „Frieden“ miteinander gelebt. Sie waren verweichlicht und dennoch so einfältig gewesen zu glauben, sie könnten gewinnen. Es war ihnen nicht mal in den Sinn gekommen, dass sie verlieren könnten. Sie verstanden nicht, was Verlust bedeutete, so wie wir Orcs es verstehen.

Ich sprang von meinem Wolf und warf mich auf einen Ghul, trennte den Kopf von seinen Schultern und schüttelte den Griff seiner verrotteten Hände ab. Ein anderer Untoter griff nach mir, diesmal ein in Lumpen gewandetes Skelett. Dann kam noch einer, und danach noch einer. So viele. Die nächste Untote bemerkte mein Nahen, und ihr Gesichtsausdruck spiegelte Furcht und Wut wider. Eine der Verlassenen. Ich vermochte soeben noch, meine Klinge zu stoppen. Ungeduldig stieß ich sie beiseite und herrschte sie an: “Aus dem Weg!”

Dann ließ ich mich voll und ganz von der vertrauten Woge des Blutrauschs hinreißen. Mein Schwert füllte meine ganze Welt aus: außer ihm sah ich nichts mehr.

Die Ältesten sagen, wir waren ein friedliebendes Volk, bevor wir nach Azeroth kamen. Unsere Clans blieben zumeist unter sich. Sie gingen auf die Jagd, pflanzten Getreide an, gründeten Familien und lebten in Harmonie mit den Elementen.

Als ich ein Kind war, habe ich mich oft gefragt, wie es in Draenor gewesen sein mag. Ich versuchte, mir diese seltsamen Orcs vorzustellen, die eine Welt ganz für sich alleine hatten, eine Freiheit, die ich nie kennengelernt hatte. Die wenigen Male, die ich sie mir bildlich vorstellen konnte, empfand ich Verachtung für sie. Sie hatten ihre Welt nicht verdient, so wie die Menschen Azeroth nicht verdienten.

Bald, zu bald, errang die Horde den Sieg, und Angrathar war unser. Aber die schwierigste Aufgabe stand uns noch bevor. Der vorwitzige Menschen-General verspottete Arthas und lockte ihn aus der Eiskrone, damit er uns angreifen möge. Hinter seinem mit Eisenspitzen bewehrten Helm glühten die Augen des Lichkönigs in eiskaltem Blau. Er warnte uns, dass er uns die wahre Bedeutung von Angst lehren werde, und noch während er sprach, gruben sich weitere Untote ihren Weg aus dem Erdreich.

Aber unser kühner Anführer hatte genug davon, sich mit Arthas‘ Schergen herumzuschlagen. „Genug der Worte! Bringen wir’s zu Ende!” Er stürmte, die Axt erhoben, voran.

Die leuchtende Runenklinge des Lichkönigs traf auf Saurfangs Axt, und die Axt zersplitterte, als wäre sie aus Eis. Metallstücke wirbelten durch die Luft. Saurfang war tot, noch bevor sein Körper auf dem Boden aufschlug. Mit einem einzigen Streich getötet. Unmöglich. Ich starrte in blankem Entsetzen, während Frostgram die Seele meines Kommandanten verschlang.

Wieder tobte der General der Menschen: „Ihr bezahlt für die Leben, die Ihr stahlt, Monster!“

Die Antwort Arthas‘ wurde von einer Explosion und einsetzendem Geschrei übertönt. Ich sah mich um. Eine Wolke aus gelblich-grünem Nebel erhob sich in der Mitte des Schlachtfeldes in einiger Entfernung von mir. Ich konnte nicht genau erkennen, was dort vor sich ging.

Boshaftes Gelächter ließ mich nach oben blicken. Sich klar gegen den hellen, grauen Himmel abzeichnend, stand dort eine verhüllte Gestalt auf einer der Klippen, die sich um die Pforte des Zorns erhoben. „Dachtet Ihr, wir hätten vergessen?“, rief sie mit donnernder Stimme. „Dachtet Ihr, wir hätten vergeben?“ Rechts und links von ihr rollten Katapulte in Stellung. „Spürt nun die schreckliche Rache der Verlassenen! Tod der Geißel! Und Tod den Lebenden!“

Sie hatten uns betrogen. Verflucht seien sie und ihre Missgestalt von Königin!

Zu spät begannen die Streitkräfte von Horde und Allianz sich zu zerstreuen. Wir hatten dicht beieinander gestanden und die Katapulte verschossen bereits ihre Ladung: Fässer, die beim Aufprall explodierten und mehr von diesem giftig aussehenden Nebel verbreiteten. Jeder, der dem Aufprall zu nahe war, starb binnen Sekunden. Andere brachen zusammen, keuchend, würgend, sich verzweifelt die Augen reibend, dabei um Hilfe schreiend – umsonst.

Nach dem Dritten Krieg hätten wir die Menschen ein für alle Mal vernichten können. Stattdessen sprach Thrall von Barmherzigkeit. Als hätten die Menschen uns gegenüber jemals Barmherzigkeit gezeigt. Ich wurde in einem Internierungslager geboren; eine Grube des Schmutzes und der Verzweiflung. Wir hätten dort sterben sollen. Was wusste denn der Kriegshäuptling schon von unserem Leiden, der berühmte Gladiator, das Haustier der Menschen? Nichts. Er hat uns dazu überredet, uns wieder und wieder mit den Menschen zu verbünden. Uns ihren Wünschen zu beugen. In ihren öden Ländereien elend zu verhungern. Es war, als wenn wir von neuem in den Internierungslagern gewesen wären. Die Menschen waren zu feige, uns offen auszurotten, aber auslöschen wollten sie uns dennoch.

In diesem tödlichen Nebel sah es ganz so aus, als hätten sie schließlich Erfolg damit gehabt. Meine Augen brannten und meine Kehle schnürte sich zu. Plötzlich versagten mir meine Beine den Dienst und ich fand mich auf den Knien wieder. Dies war kein heroisches Ende, kein glorreicher Abgang. Ich hatte ja von Anfang an gewusst, dass man Menschen nicht trauen konnte, weder lebendig noch untot. Das hatte ich nicht verdient.

Ich konnte mein eigenes Blut schmecken. Dann war da nur noch Dunkelheit und das Geräusch meines Herzschlags… meines letzten Herzschlags.

Wo sind all Eure Worte nun, Kriegshäuptling?

( gefunden auf www.wow-europe.de icon_smile.gif )


[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 14.12.2008 um 15:38.]