andranath
Bund der wilden Pfade
Dabei seit: 27.11.2007 Beiträge: 110
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Die Nacht ist halb vorüber. Im Apothekarium und in der angrenzenden Wachstube der Nachtwache herrscht die übliche Monotonie dieser Tageszeit. Die Quatiermeisterin taucht nochmals die Feder in ihr Tintenfass um weitere Strohmatten für die Schlaftstätten der lebenden Wachleute zu ordern, als etwas...nennen wir es trotz des Ortes "Leben", ins Apothekarium kommt. Als Andranath um die Ecke späht, erblickt sie eine der Wachen aus der Kanalisation, welche eine leblos wirkende Elfe herein trägt und sie vorsichtig auf einen der Tische legt.
Die Wächterin tritt stirnrunzelnd näher an den Tisch und erkennt die Elfe als Scáthach Sar'andra wieder. Ihre Robe ist zerfetzt und bedeckt von Schlamm und Blut. Am Bauch weist die Elfe eine recht tiefe Stichwunde auf und am Hals... eine Bisswunde? Ja... ganz eindeutig sind die Zahnabdrücke zu erkennen. Das Gesicht der Elfe ist kreidebleich, die sonst kräftig roten Lippen blutleer und blass, doch noch hebt und senkt sich die Brust mit jedem Atemzug ein wenig, noch schlägt das Herz schwach in selbiger. Die Wache blickt hilfesuchend zur Quatiermeisterin:
"Hab sie inna Kanali.. Kanala .. inne Brühe dahinten gefunden.. hat wat vonne Apodingens gefaselt un von Kazayu."
Augenrollend wendet sich die Verlassene wieder der Elfe zu. Ja, kein Zweifel...sie ist es.
Faranell, eilt herbei und beginnt sofort mit der Untersuchung der Elfe und der Versorgung ihrer Wunden, dabei murmelt er etwas von
" Jaja.. recht geschieht es ihr... wieso soll es ihr besser gehn als uns? Den Ganzen Tag mussten wir die schlechte Laune vom Meister ertragen ... nur weil das dumme Ding zu stur ist.. wunderbar.. und jetzt? Wer darf sich um sie kümmern?"
Miesmut tritt an Andranaths Seite und runzelt die Stirn.
"Ich werde dem Meister sofort bescheid sagen."
Andranaths Blick verharrt weiter ausdruckslos auf dem geschundenen Körper der Elfe, als sie dem sich entfernenden Apotheker hinterherruft: "Lasst euch nicht aufhalten, er residiert derzeit in Neu-Agamand. Ich vermute, er wird wenig überrascht sein..." etwas leiser fügt sie hinzu: "Etwa so wenig wie ich."
"Wachen, zu mir!"
Andranath mustert die herbeigeeilten Wachen finster.
"Durchsucht die Stadt und die Umgebung nach einem männlichen Geißelritter elfischer Herkunft. Ausnahmslos alle Verdächtigen sind vorläufig festzunehmen. Ich übernehme die Verantwortung! GEHT!"
Während Faranell weiter sein ganzes Können aufbietet um die Sterbende zu retten, sucht sich Andranath im Apothekarium einen Eimer, mehr oder minder sauberes Wasser und einige Leinentücher zusammen um bei der Säuberung der Wunden behilflich zu sein.
Nun ist es also passiert. Es ging schneller als ich vermutet habe. Wie dumm kann man sein, in ihrer Lage die helfende Hand eines Assasinen der Dunklen Fürstin von sich zu schlagen? Möglicherweise glaubte sie ihn schützen zu müssen...ihn!
Die Absurdität dieses Gedankens lässt die Verlassene freudlos auflachen.
Wahrscheinlicher wahr es wohl, dass sie jemanden VOR ihm hatte schützen wollen...
Aber dieser jemand dürfte inzwischen ohnehin nicht mehr aufzufinden sein.
Wenn Kazayu noch bei Verstand ist, wird er seinem Vorsatz sich fortan herauszuhalten treu bleiben.
Andranath hält inne als sie den wenig amüsierten Gesichtsausdruck Faranells bemerkt, nachdem sie den geschwächten Elfenkörper etwas heftiger als nötig zu säubern begonnen hat. Nachdem sie sich wieder gefasst hat, setzt sie ihre Arbeit besonnener fort.
Wenn Verlassene auf eines stolz sein können, dann auf die ausgeprägte Fähigkeit der Selbstkontrolle. Sicher will ich dieses naseweise Geschöpf hier nicht sterben sehen, doch es wäre eine Schande mitansehen zu müssen, wenn sich ein Verlassener wie Kazayu aufgrund alberner menschlicher Gefühlsregungen dazu erniedrigt, sein Leben für eine Sin'Dorei zu riskieren, die seine Hilfe ausdrücklich abgewiesen hat...
And the raven, never flitting, still is sitting, still is sitting
On the pallid bust of Pallas just above my chamber door;
And his eyes have all the seeming of a demon's that is dreaming,
And the lamp-light o'er him streaming throws his shadow on the floor;
And my soul from out that shadow that lies floating on the floor
Shall be lifted - nevermore!
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