((Ich hab ein wenig im RP- Forum von Blizzard gestöbert und bin auf eine tolle Geschichte gestoßen. Ich möchte diese Euch nicht vorenthalten. Geschrieben wurden sie von Yava.))
Vorbemerkungen der Autorin:
Hallo zusammen!
Ich habe hier im Forum einige Geschichten gelesen, die mir alle gut gefallen haben und mich dazu gebracht haben, selbst eine zu schreiben. Für Kritik bin ich gerne offen. Eins vorweg: Es möge mir verziehen sein, dass meine Geschichte viele Jahre nach der Zeit des jetzigen WoW spielt (und ich Sturmwind in Schutt und Asche gelgt habe). Um lästige Dolmetscher zu vermeiden und es unnötig kompliziert zu machen, sprechen alle eine Allgemeinsprache, Horde als auch Allianz. Ich würde mich auch über ein Paar kleine Ideen eurerseits freuen. Noch eins: Wer Rechstschreib- und Grammatikfehler oder irgendetwas sonst findet darf es gern behalten :)
Teil 1
Mein Schritt hallte in der alten Kathedrale wieder. Die Wände warfen ein immer lauter werdendes Echo zurück. Ich blieb kurz stehen um mich umzusehen. Einst musste das heilige Haus Sturmwinds prächtig ausgesehen haben. Und nun? Dumpfes Licht fiel durch die kaputten Fenster, nur bunte Scherben erinnerten an einst prächtige Bilder. Die Bänke waren vermodert und von Moos übersäht. Ich drehte mich, um einen Eindruck von der riesigen Halle zu bekommen. Am Altar erkannte man noch schemenhaft unter Spinnweben, Moos und Staub eingemeißelte Bilder. Sie mochten vor vielen Jahren Stolze Ritter, Gottheiten und Greifen dargestellt haben. Nun zeigten sie nur noch einige kleine Details, wie einen Greifenflügel oder ein Schwert, der Rest war arbeit meiner Phantasie. Doch diese ließ mich heute im Stich. Sosehr ich mich auch auf Einzelheiten konzentrierte, es gelang mir einfach nicht in dem verwaschenen Stein Bilder zu erkennen. Auf dem Altar lag ein Gebetsbuch, klein und unscheinbar. In Spinnweben gehüllt ruhte es dort sicher schon seit einer Ewigkeit. Ich schlug es auf und wollte einige Worte der alten Schrift lesen, doch sie war verblasst und die Seiten zerfielen schon zu staub. Schade, dachte ich. Der Einband wies noch etwas Blattgold auf. Ich wand mich von dem Altar ab und gleichzeitig dem Deckengemälde zu, von dem die Farbe abblätterte. Ein Teil der Decke war zerstört, so wie das Meiste hier.
Ein rascheln und knarren holte mich aus meinen Gedanken zurück ins hier und jetzt. Ruckartig drehte ich mich um. Hinter einer Sitzreihe erkannte ich ein blau gesteiftes Muster und ich entspannte mich, begann ein wenig zu grinsen. Ich wusste, dass er nicht lange draußen sitzen bleibt, dazu war er scheinbar viel zu dumm, manchmal wirkte er auch ein wenig hyperaktiv.
„Du solltest doch draußen warten.“ sagte ich und nun schauten zwei große, fast trottelige, Augen hinter einer Bank hervor. Sesharrim fing an zu schnurren und trippelte auf mich zu, was recht seltsam bei einem Ausgewachsenen Frostsäbler wirken kann. Ich kraulte ihn kurz hinter seinen Ohren, was er nur zu sehr liebte und bedeutete ihm nun bei mir zu bleiben und keine Dummheiten anzustellen.
Es war schon seltsam. Sesharrim gehörte mir nicht einmal, jedenfalls nicht wirklich. Ich hatte ihn in Winterspring vor einigen Jahren verletzt gefunden. Damals hatte ich ihn gepflegt und wollte ihn wieder seines Weges ziehen lassen. Er jedoch schien mich zu mögen und folgte mir anfangs in weitem Abstand. Nun ist er eher ein guter Freund als ein „Haustier“. Ich gab ihm den Namen meines Nachtsäblers, der vor einigen Jahren an einer unheilbaren Krankheit gestorben war. Es war besser, als ihn die ganze Zeit „Katze“ zu nennen und es tröstete mich ein wenig. Sie waren sich sehr ähnlich, nur die Intelligenz von meinen „Frostsäbler-Freund“ ließ ein wenig zu wünschen übrig. Nunja, eigentlich konnte man nicht von geringer Intelligenz sprechen, er konnte sich einfach nicht auf mehrere Dinge gleichzeitig konzentrieren.
Ich bemerkte wie mein Freund anfing nach etwas zu schnuppern. Wie ein Hund drückte er seine Nase auf den Boden und lief los. Irgendetwas schien seine Aufmerksamkeit erregt zu haben. Er ging zielstrebig auf den eingestürzten Seiteneingang zu, bis ihm ein Stück raus gebrochener Mauer den Weg versperrte und er mit dem Kopf dagegen stieß. Sesharrim blickte die Steine etwas zornig an, fauchte kurz, trat einen Schritt nach rechts und schnüffelte eingeschnappt weiter. Ich musste ziemlich schmunzeln und mir arg das kichern, welches sich in mir aufbäumte, unterdrücken, sonst wäre der Frostsäbler wieder beleidigt gewesen. Nichts ist schlimmer, als eine beleidigte Katze.
Plötzlich fing er an in dem Schutt zu wühlen. Er drehte sich in meine Richtung und sprang auf und ab, bis ich mich in Bewegung setzte um zu schauen, was er von mir wollte. Am Boden lag etwas Glänzendes im Staub. Ich bückte mich danach und hob es auf. Es war ein zerbrochener blauer Anhänger. Ich fragte mich, ob es das war wonach ich in den Ruinen von Sturmwind suchte.
Teil 2
„Komm, Dicker, lass uns gehen.“ ein leises maunzen stimmte mir zu. Mir gefiel der Ort nicht sonderlich und Sesharrim mochte ihn scheinbar weitaus weniger. Ich erkannte das an seiner gebückten Haltung, die er die ganze Zeit über eingenommen hatte. Ich konnte es ihm auch nicht verdenken, es war schon sehr beunruhigend alleine in den Resten von Sturmwind zu stehen, wenn man daran dachte wie belebt die Stadt einst war.
Als ich die Stufen der Kathedrale hinab stieg, betrachtete ich den blauen Anhänger, drehte und wendete ihn. Er war sehr unscheinbar und doch haftete etwas Seltsames an diesem kleinen Ding. Nur was war es? Falten bildeten sich auf meiner Stirn, als ich mich auf den Anhänger konzentrierte. Ein Stein auf meinem Weg aus der Kathedrale riss mich aus meiner Gedankenwelt. Mit einen lauten erschrockenem Quietschen stürzte ich die Treppe hinunter und landete mit dem Gesicht nach vorn auf der Alten Straße. Sesharrim gab ein Geräusch von, das nach „Snsnsnsn.“ klang, wie ein leises zischen. Ich dachte daran, dass er versuchte mich auszulachen, wie er in all seiner Gehässigkeit, die Nase gen Himmel gestreckt, nun an mir vorbeilief und sich mit einem fast grinsenden Ausdruck vor mich setzte. Scheinbar war das die Rache für mein unterdrücktes kichern in der Kathedrale. Wie heißt es doch so schön? Wer zuletzt lacht, …
Ich stand auf, betrachtete mir noch einmal mehr den Anhänger und ließ ihn in einer kleinen Gürteltasche verschwinden. Dann putzte ich mir den Schmutz von der Hose und machte ich mich auf in Richtung des alten Handelsdistrikts, um endlich diese deprimierenden Mauern verlassen zu können. An der Brücke, die zum Handelsdistrikt führte angelangt, hörte ich plötzlich eine Stimme. Bald darauf erspähte ich die zu der Stimme gehörende Person. Es war eindeutig eine Nachtelfe, die spitzen Ohren waren unverkennbar. Irgendetwas an ihr stimmte nicht ganz. Sie war ungefähr so groß wie ich, hatte langes weißes Haar, das in der Sonne glänzte und zwei rote Streifen, Blitzen gleich, zierten ihr Gesicht. Soweit schien alles mit ihr in Ordnung zu sein. Das Seltsame war, dass sie ab und an ihren Kopf seitlich drehte und scheinbar versuchte der Luft neben ihr etwas mitzuteilen. Offenbar war die Elfe sehr verärgert, was ich am klang ihrer Stimme leicht erkennen konnte.
„Wir hätten nach rechts gehen sollen! Ich hab´s dir ja gesagt! Aber nein … Wir müssen ja unbedingt nach links. Jaja, du hast immer Recht, nur weil du vier Minuten älter bist als ich. Und was haben wir davon? Wir stehen wieder an der gleichen verdammten Brücke!“ schrie die Nachtelfe die Luft an. Ich fragte mich, was der Himmel ihr wohl getan haben mochte. Ein großes Fragezeichen bildete sich über meinem und über Sesharrims Kopf. Nun bemerkte uns die Elfe und ihre finstere Miene erhellte sich ein wenig. Wieder drehte sie ihren Kopf:
„Schau mal, da steht ja eine Jägerin. Die könnten wir ja mal nach dem Weg fragen.“ Lächelnd trat sie auf mich zu.
„Seid gegrüßt!“ rief sie und winkte mich zu ihr. Ich fand sie recht merkwürdig und nur widerstrebend ging ich auf sie zu.
„Ähm … Grüße.“ sprach ich ein wenig verdattert.
„Wenn ich uns vorstellen darf: Mein Name ist Dynara und das ist meine Schwester Raniel.“ sie deutete auf die Luft neben ihr. Fragend blickte ich sie an. „Wir haben uns ein wenig verlaufen und wissen nicht, wie wir diesen Haufen Schutt wieder verlassen können. Kannst du uns vielleicht den Weg zeigen, bittteeeeeeeeeeeee.“ Dynara bedachte mich mit einem breiten grinsen, wie ich es bis jetzt nur von einem Breitmaulfrosch kannte. Nicht dass das langgezogene „Bitte“ schon schlimm genug war, nein, das Grinsen machte es noch schlimmer. Sie kam mir wirklich suspekt vor. Dennoch konnte ich die scheinbar recht junge Elfe nicht einfach in Sturmwind stehen lassen und entschied mich ihr den Weg zu zeigen.
Dynara war recht gesprächig, obgleich die sie umgebende Luft es nicht war. Ein Teil des Weges lief sie hinter mir her und unterhielt sich mit ihrer „Schwester“. Zumindest glaubte ich das. Irgendwann wurde das Gespräch, falls man das so nennen konnte, eintönig und Dynara wendete ihre Aufmerksamkeit mir zu.
„Du hast mir noch nicht gesagt, wie du heißt.“ kam es von ihrer Seite.
„Was? Äh … ja … Ich heiße Yava.“ antwortete ich ihr.
„Woher kommst du?“
„Dolanaar.“
„Bist du da geboren?“ langsam ging es mir auf die Nerven. Ständig dieses Frage-Antwort-Spiel. Ich verdrehte die Augen und dachte daran, dass ich zum Glück gleich im sogenannten „Tal der Helden“ ankommen würde und somit diese Ruinen hinter mir ließ.
„Ja.“ sagte ich verdrießlich.
„Raniel und ich kommen aus Darnassus. Wie ist es in Dolanaar? Ich muss zugeben, dass ich noch nie soweit im Osten von Teldrasil war. Als Nachtelfe ist mir das ein wenig peinlich.“
„Es ist meine Heimatstadt, das reicht.“ ich wollte Dynara nichts mehr sagen. Sie war sehr jung und damit auch neugierig. Mir gefiel es gar nicht, da ich die Gedanken an Zuhause verdrängen wollte. Sie bemerkte mein Unbehagen und verkniff sich weitere Fragen. Ich blickte auf und sah die Tore von Sturmwind. Endlich kam ich weg von hier. Das Tal der Helden sah noch schlimmer aus, als der Rest der Stadt. Die großen Statuen am Eingang waren alle zerstört und überall lagen Trümmer. Dynara und ich mussten über den Kopf der einstigen Zwergenstatue klettern um die Brücke verlassen zu können. Sesharrim hingegen sprang einfach in das Wasser und paddelte zum nächstbesten Ufer, kletterte an Land und schüttelte sich genüsslich.
Im Wald von Elwynn angekommen dankten und verabschiedeten sich Dynara und die Luft namens Raniel von mir. Ein kurzer Pfiff erklang und aus dem Unterholz trabten uns zwei Schattensäbler entgegen. Ein Exemplar schien recht dick und träge, ein sehr verwöhntes und faules Tier, wie sich später noch herausstellen sollte. Dynara schwang sich in den Sattel dieses Säblers und versuchte ihn zur Eile anzutreiben. Wie ich erfahren hatte, wollte sie sich Eisenschmiede ansehen. Der Dicke Säbler gähnte und streckte sich. Er machte keine Anstalten sich schneller zu bewegen als Schritttempo. Es sah irgendwie lächerlich aus, wie die kleine Nachtelfe auf dem regelrecht runden Tier saß und ihn mit leichten Fersenstößen antreiben wollte. Langsam setzte sich das Reittier in Bewegung, das andere Tier folgte gehorsam. Dynara drehte sich noch einmal im Sattel und winkte mir zu. Ich erwiderte die Geste. Dann drehte ich mich um und schickte mich an meinen Weg ebenfalls fortzusetzen. Wohin wusste ich nicht, aber das spielte keine Rolle.
Teil 3
Das Einzige was ich wollte, war ein Dach über dem Kopf für die kommende Nacht. Es sah nach Regen aus. Zwischen den Bäumen mit ihrem dichten Laub konnte ich teilweise dunkle Wolken erkennen. Soweit ich wusste, gab es in Goldhain eine Taverne, in der ich übernachten könnte. Ich ging zu ein paar kleinen Felsen und wurde sofort von einen freundlichen wiehern begrüßt. Mein rabenschwarzer Hengst Darus wartete schon sehnsüchtig. Es gab kein anhänglicheres Pferd als ihn. Er war ein Geschenk meines Onkels. Darus war ein sehr gutes Pferd, schnell und zuverlässig. Der große Hengst fing an mich zu beschnuppern um nach einer leckeren Überraschung ausschau zu halten. Enttäuscht schnaubte er mir ins Gesicht als er nichts finden konnte. Das tat er immer, obgleich er wusste, dass ich jedes Mal eine Kleinigkeit für ihn aus den Satteltaschen ziehen würde. Auch diesmal war es nicht anders. Mit seinem samtigen Nüstern schnappte er Vorsichtig nach der Leckerei, die ich nun in meiner Hand hielt. Es krabbelte ein wenig und ich musste lachen. Mit einem sanften klopfen auf seinen Hals stieg ich auf und pfiff nach Sesharrim.
Dem Säbler war sichtlich langweilig gewesen. Ein Schmetterlingsflügel, der zwischen seinen Zähnen hervor lugte verriet mir, dass er das „Ich-jage-und-verängstige-Schmetterlinge-Spiel“ wieder mal übertrieben hatte. Sein Fell war immer noch nass und er bot einen merkwürdigen Anblick. Unschuldig blickend, klatsch nass und die Ohren leicht angelegt hockte der Frostsäbler zwischen den Blumen. Dieses Bild brachte mich unweigerlich zum lachen. Wie immer erwiderte die Katze diese Geste mit einer beleidigten Miene. Er stand auf und setzte sich ein wenig schwerfällig in Bewegung.
„Goldhain liegt in der anderen Richtung.“ brachte ich zwischen meinem Gekichere hervor. Ich erntete einen vorwurfsvollen Blick. Sesharrim drehte sich um und trabte an mir vorbei. Nun setzte ich Darus mit einem leichten Fersendruck in Bewegung. Der Hengst schnaubte und folgte dem nassen Etwas in einem gemütlichen Passgang.
Zum Glück war Goldhain nicht weit entfernt. Wir konnten uns also Zeit lassen und gemütlich am Abend in der Taverne „Zum Goldenen Greifen“ einkehren. Der Wald von Elwynn war ein recht schönes Fleckchen Erde. Ein Kräuterkundiger hätte sich hier sicher richtig austoben können, mit dem Gefühl im Himmel zu sein. Ich kannte nur einige Heilpflanzen, die ich oft gebrauchte, wenn Sesharrim mal wieder einen kleinen „Unfall“ hatte. Friedensblumen wuchsen hier recht häufig und Schmetterlinge und andere Insekten tummelten sich darum. Die Bäume sahen sehr gesund und kräftig aus, sie boten viel Platz für Vogelnester und Eichhörnchenkobel. Die Vögel zwitscherten so gut sie konnten und auch so laut sie konnten. Hätte die Sonne geschienen, wäre ich wohl in einem Bilderbuch unterwegs gewesen.
Ein Eichhörnchen kreuzte unseren Weg. Neugierig sprang Sesharrim auf den kleinen Nager zu. Vor lauter Schreck quiekte das Eichhörnchen laut, biss dem Angreifer in die Nase und verschwand im Geäst des nächsten Baumes. Gleichzeitig hüpfte Sesharrim zurück. Er rieb sich die verletzte Nase im nahen Gras und jaulte dabei wehmütig. Es war einer seiner gewissen Momente. Wäre ich einfach weiter geritten, hätte er sich auf den Rücken gerollt und noch lauter gejammert. Um das zu vermeiden stieg ich augenrollend ab.
„Du bist aber auch ein kleiner Trottel.“ ich streichelte ihm über den breiten Kopf und stupste ihn an der Nase.
„Das ist doch gar nicht so schlimm. Gib es doch zu, du bist nur so wehmütig, weil du Aufmerksamkeit und Futter brauchst.“ sofort erklang ein zustimmendes maunzen. Ein Wolf hätte sicher freudig mit dem S.chwanz gewedelt, der Frostsäbler hingegen wackelte nur mit den Ohren und beleckte sich die Schnauze. Etwas weiter südlich von unserer Position lag eine Lichtung. Durch die Wolken ließ sich die Zeit nicht genau feststellen. Ich schätzte, dass es noch ungefähr fünf Stunden bis Sonnenuntergang waren. Im Sommer war es sehr lange hell.
Ich ging zu Darus und nahm meinen mit goldenen Blättern verzierten Köcher und meinen dazu passenden Bogen, die am Sattel befestigt waren. Ich ließ Darus und Sesharrim bei einem modrigen Baumstamm zurück. Der Säbler wäre mir ohnehin keine große Hilfe gewesen. Jagen konnte er, allerdings nur alleine. In Gesellschaft wurde er zu einem nervösen Tollpatsch.
Ein Hirsch graste am Rand der Lichtung weitab der Herde. Er sollte mein Ziel sein. Ich verschmolz mit den Schatten und schlich mich an ihn heran. Ein gezielter Schuss und mein mit Gänsefedern bestückter Pfeil traf seinen Hals. Der Hirsch sank zu Boden, der Rest der Herde flüchtete. Bei meinen zwei Freunden angekommen entzündete ich ein Feuer und schnitt mir mit einem silbernen Dolch ein Stück Fleisch aus dem toten Leib, das ich am Feuer garte. Sesharrim verschlang gierig den Rest des Tieres laut schmatzend. Am Anfang hatte mich dieser Anblick angewidert, jetzt störte es nicht mehr. Nach dem Essen nahm ich die Wasserflasche, trank einen Schluck und wusch Sesharrim das Blut vom Maul. Den Hirsch ließ ich liegen, die Wölfe in dem Wald würden es mir danken.
Gut gestärkt ging es nun weiter Richtung Goldhain.
Teil 4
Der Rest des Weges war weniger aufregend. Pünktlich zur Dämmerung erreichte ich Goldhain. Es begann schon ein wenig zu tröpfeln, als ich die Straße entlang ritt. Goldhain war eine sehr kleine Stadt, aber immer noch zu groß um Dorf genannt zu werden. Helle Fachwerkhäuser säumten den Weg. An jedem einzelnen hing eine kleine Laterne, in der eine Kerze brannte. Es waren nicht viele Leute unterwegs. Verdenken konnte ich es ihnen nicht, wer war schon gern bei Nacht und Regen draußen, wenn ein gemütliches Kaminfeuer zu Hause wartete. Ich hielt einen eiligen Mann auf, der sich zum Schutz seine Jacke über den Kopf hielt.
„Seid gegrüßt. Entschuldigt, dass ich euch aufhalte. Ich suche das Gasthaus.“ sprach ich den Mann an. Der Mann wies mir mit einem Wink seiner Hand den Weg und lief weiter. Ich fand ihn recht unfreundlich, er würdigte mich nicht mal einer Begrüßung oder dergleichen. Schulterzuckend ging ich meines Weges. Am Gasthaus angekommen fiel sofort das Schild ins Auge: "Zum Goldenen Greifen", las ich. Lächelnd betrat ich den warmen Raum.
Der Wirt war ein dicker älterer Mann, mit rosaroten Wangen. Sein Haar war licht. Er begrüßte mich freundlich mit einem lächeln. Bevor er mir seine Hand reichte wischte er sie sich an seiner fleckigen Schürze ab. Nur widerstrebend griff ich nach der dargebotenen Hand, da ich mir überlegte woher die Flecken wohl stammten. Meine Phantasie ritt mit mir wieder über die höchsten Berge. Offenbar hatte er nur wenig Kundschaft. In einer Ecke saßen zwei Wildhüter Pfeife rauchend und vor dem Kamin schlief ein Alter in einem Schaukelstuhl. Der Wirt rief einen Jungen zu sich, ich schätzte ihn auf ungefähr 13 Jahre. Er wurde angewiesen Darus in den Stall zu führen und zu striegeln. Ohne weitere Fragen stürmte der Junge nach draußen, nahm die Zügel und führte mein Pferd in den Stall hinter der Taverne. Ich bestellte mir ein heißes Wasser mit Zitrone. Met, den man überall gerne trank, konnte ich nicht ausstehen. Mein Säbler legte sich in der Zwischenzeit zu dem Alten am Kamin und schaute diesem beim Schlafen zu. Danach wurde mir mein Zimmer gezeigt.
Es war ein kleines gemütliches Zimmer. Jedoch war es nicht für eine Nachtelfe gedacht. Unweigerlich stieß ich mit dem Kopf gegen einen Deckenbalken. Auf und neben einem Holzstuhl vor einem Fenster lagen meine Sachen, die der kleine Junge her gebracht haben musste. An der gegenüber liegenden Wand hing ein Spiegel, dem eine Ecke fehlte. Darunter stand ein Tisch mit einer Schüssel und einem Krug mit Wasser darin. Das Bett war mit einem dicken Kissen, einer Federdecke und einem Schafsfell ausgestattet. Das Fell legte ich auf den Boden, damit Sesharrim darauf schlafen konnte. Ohne zu zögern streckte er sich darauf aus und zeigte mir ein genüssliches Gähnen, dann rollte er sich zu einer Kugel zusammen und schlief schnurrend ein. Das Bett erwies sich, wie das Zimmer, als zu klein. Meine Füße ragten über den Holzrahmen hinaus. Es war dennoch besser als im Regen schlafen zu müssen.
Ich hörte noch ein wenig dem Regen zu, der gegen die Scheibe prasselte, löschte die Kerze auf dem Schränkchen, dann schlief ich ein. Und ich träumte einen seltsamen Traum. Der Traum ließ mich unruhig schlafen, immer wieder wälzte ich von einer Seite auf die andere. Ich träumte von Sturmwind wie es in Flammen stand. Schreiende Menschen, Zwerge, Gnome, Nachtelfen und auch einige Draenei rannten durch die Flammen. Wachen versuchten die Feuer zu löschen, es gelang ihnen nicht. Mein Traum flog wie ein Greif hinüber zum Kathedralenplatz. Auch dieser Teil der Stadt stand in Flammen. Ich sah eine Frau mit weißer Robe in die Kathedrale laufen, sie trug den Anhänger, den ich gefunden hatte um ihren Hals. Auf dem Platz liefen Kinder weinend und schreiend umher. Dann krachte es und ein Teil der Kathedrale stürzte ein. Nun zeigte mir mein Traum den blauen Anhänger, der aufleuchtete und mir einen kurzen Blick auf einen dichten Dschungel gewährte. Ich hörte noch einmal die Schreie und sah die Flammen gen Himmel lecken, dann wachte ich auf.
Schweißgebadet saß ich im Bett und atmete schnell. Es war fast Mitternacht, wie die Uhr an der Wand verriet. Ein leises schnarchen drang vom Bettende zu meinen Ohren. Ich kroch auf dem Bett entlang, sodass ich über den Rahmen schauen konnte. Sesharrim lag auf dem Rücken, die Hinterbeine nach oben gestreckt, die Vorderbeine angewinkelt. Ich kraulte meinen Schützling kurz am Hals bis das grauenvolle Geräusch ein Ende fand. Das half immer.
Im Zimmer leuchtete es seltsam blau. Suchend wovon das Leuchten ausging, fand ich meine Gürteltasche. Als ich sie öffnete und den Anhänger in meine Hand nahm, funkelte er mir blau entgegen. Sofort fiel mir der Traum ins Gedächtnis. Du warst es, kam es mir in den Sinn, Du hast mir das alles gezeigt! Es war absurd. Wie sollte so ein unscheinbares Ding dazu im Stande sein?
Meine Neugierde war geweckt. Der Anhänger zeigte mir einen Dschungel, Genau! Das Schlingendorntal! Ich wollte wissen, ob mir einfach meine Phantasie einen Streich spielte oder ob etwas an der Sache dran war. Nun wusste ich wenigstens welchen Weg ich einschlagen sollte. Ich legte den Anhänger zurück und ging zurück ins Bett. Nächster Halt: Schlingendorntal, dachte ich und versank in angenehmere Träume.
Teil 5
Am morgen wurde ich von Sesharrim geweckt. Die Großkatze sprang mit einem riesigen Satz auf das Bett und leckte mir mit der rauen Zunge quer übers Gesicht. Ich fand, dass es bessere Möglichkeiten geben musste, um wach zu werden, nur Sesharrim war offenbar anderer Meinung. Mit einem beherzten „Igitt!“ schlug ich die Augen auf, nur um zu sehen, dass der große raue Waschlappen einmal mehr über meinem Gesicht seine Runde zog. Ich gab der großen Katzennase einen Stoß und Sesharrim sprang vom Bett. Erstmal musste ich mir die Überreste meines „Weckers“ aus dem Gesicht waschen. Danach zog ich mir meine leichten Ledersachen an und verließ das Zimmer. Den dunkelblauen Elfenumhang und die goldverzierte Brustplatte brauchte ich zum frühstücken nicht.
Ein Bauer außerhalb von Goldhain brachte frisches Obst und Kannen mit Milch. Sogar warme Brötchen! Ich fühlte mich wie auf Wolke sieben. Seit ich vor zehn Tagen Lakeshire und das Rotkammgebirge über die Berge verlassen hatte gab es nur gebratenes Fleisch und ab und zu etwas Fisch. Ich überlegte mir ernsthaft Vegetarier zu werden. Genüssliches Schmatzen unter dem Tisch verriet, dass auch Sesharrim das Frühstück schmeckte.
Nach dem Essen ließ ich mir vom Wirt den schnellsten Weg ins Schlingendorntal zeigen. Ich sollte meine Schritte gen Westen lenken um über Westfall und den Dämmerwald meinen Weg zu finden. Das erste Mal seit Langem wusste ich wohin ich in den nächsten Tagen gehen sollte. Er warnte mich noch, dass sich in Westfall in letzter Zeit einige Wegelagerer aufhielten.
Ich holte meine restlichen Sachen aus meinem Zimmer im oberen Stock und stieß einmal mehr gegen den Deckenbalken. Wieder unten angekommen stand mein Pferd bereits vor der Taverne und wartete auf mich. Ich bezahlte den Wirt, der mit großen Augen begann das Geld zu zählen. Dann trat ich durch die Tür in den Sonnenschein. Pfützen und tropfende Dächer erinnerten an den nächtlichen Regen. Wie am Vortag versuchten die Vögel mit lautem Gezwitscher ihre Reviere zu verteidigen und vielleicht einen Partner anzulocken.
Ein leises fast flüsterndes „Hilfe.“ lenkte meinen Blick nach rechts. Der Junge von gestern Abend stand wie eine Salzsäule an die Wand gedrückt. Sesharrim saß mit großem fragendem Blick vor dem Jungen. Der Frostsäbler wollte sich ein paar Streicheleinheiten abholen und hat dabei sicher den Jungen etwas zu sehr bedrängt. Erstaunt beobachtete die Katze was das Kind nun tun würde. Ich ging zu dem Säbler und schubste ihn etwas beiseite.
„Du brauchst dich nicht vor dem alten Trampel zu fürchten. Er wollte nur von dir gestreichelt werden.“ der Junge blickte unsicher an mir vorbei auf das große Tier, das sich bereits ein neues Opfer, das Nachbarsmädchen, gesucht hatte. Das kleine Mädchen war vielleicht 5 Jahre alt. Solche Kinder hatten vor keiner Großkatze Respekt. Im Gegenteil, die kleine drückte Sesharrim so sehr, bis ihm die Luft wegblieb, dann kletterte sie auf seinen Rücken und schrie „Hüh, Pferdchen!“ Komischerweise gefiel das dem Frostsäbler. Ich drehte mich zurück zu dem Jungen, der sich inzwischen etwas entspannte und gab ihm 5 Silbermünzen dafür, dass er mein Pferd versorgt hatte. Er bedankte sich gehorsam und ging mit einem breiten Grinsen zurück ins Gasthaus.
Ich stieg auf und ritt ein Stück die Straße entlang, dann bemerkte ich, dass Sesharrim immer noch das Mädchen auf dem Rücken trug.
„Nein, das Kind bleibt hier.“ sagte ich und hob mahnend meinen Zeigefinger. Das kleine Mädchen stieg enttäuscht ab, auch Sesharrim schien ein wenig enttäuscht zu sein. Sie streichelte ihn noch einmal grob von hinten nach vorn über den Rücken, sodass sein Fell völlig wirr nach oben stand. Kopfschüttelnd trieb ich Darus zu einem leichten Trab an und verließ Goldhain auf der Straße nach Westen.
Teil 6
Nach ein paar Stunden erreichte ich den Waldrand und damit die Grenze zu Westfall. Es dauerte länger als ich gedacht hatte. Sesharrim war daran nicht ganz unschuldig. Nachdem er eine Wespe mit einem hilflosen Schmetterling verwechselt hatte – ich wusste nicht wie so was nur passieren kann – musste ich ihn bemitleiden und am Kopf kraulen, bis die Schwellung an seiner Zunge besser wurde. Danach hatte er ein Eichhörnchen verfolgt und ist im Wald verschwunden. Eine ganze Stunde musste ich nach ihm suchen und fand ihn schließlich feststeckend in einem Dachsbau. Keine andere Katze war so „schlau“.
Jetzt konnte ich endlich den Wald verlassen. Der Wald wechselte zu Wiese und die Wiese wurde zum goldgelben trockenen Grasland Westfalls. Die Luft flimmerte unter der heißen Sonne. Darus ließ den Kopf hängen und wollte nicht schneller laufen als Schritttempo. Dem Frostsäbler machte die Hitze noch mehr zu schaffen. Langsam trottete er im Schatten des Pferdes und hatte sichtlich Mühe Schritt zu halten. Nach einiger Zeit kam ich an einem Bauernhof vorbei. Er war nicht sehr groß. Der Hof bestand aus einem Haupthaus, einem Stall und einem kleinen Weizenfeld. Der Weizen hatte bessere Tage gesehen. Der Bauer erwies sich als äußerst gastfreundlich, gab mir und den beiden Tieren zu essen und zu trinken. Sesharrim gab sich nicht mit etwas zu trinken zu frieden und nahm während der Pause ein Bad im Wassertrog. Er schien sichtlich glücklich in dem nur lauwarmen Wasser, die Kühe, die aus dem Trog trinken wollten waren es weniger. Ein wenig gestärkt ritt ich weiter.
Gegen Nachmittag hatte ich eine beachtliche Stecke zurückgelegt. In Westfall gab es keine Eichhörnchen, Schmetterlinge oder sonst irgend etwas, dass mich zu kleineren Pausen gezwungen hätte. Außerdem war es viel zu heiß um sich mehr als nötig zu bewegen. Einen weiteren Bauernhof ließ ich hinter und erreichte schließlich die Späherkuppe. Die Späherkuppe war ein alter halb zerfallenen Wachturm. Bevor Sturmwind zu Staub zerfiel waren hier einige Wächter stationiert. Auf einer früheren Reise hatte ich hier Halt gemacht. In der Turmruine war es einigermaßen kühl und ich genehmigte mir noch eine Pause. Ein kleines Wasserloch war in der Nähe, in dem Darus und Sesharrim baden konnten. Es musste erst seit kurzer Zeit hier sein, ich erinnerte mich nicht daran.
Während der kleinen Pause holte ich den blauen Anhänger wieder hervor und erinnerte mich an meinen Traum in der letzten Nacht. Seltsames regte sich in mir. Die Hand, in der ich den Anhänger hielt, begann zu kribbeln. Der Anhänger erweckte den Eindruck lebendig zu sein. Meine Gedanken wurden von einem lauten Fluchen unterbrochen.
„Verdammtermistundzugenäht! Jetzt komm du alter Klepper! Verdammtermist!“ Ich stand auf um zu sehen wem die fluchende Stimme gehörte. Draußen auf der Straße stand ein junger Mann. Er hatte schwarzes langes Haar zu einem Zopf gebunden. Seiner verbeulten Rüstung und der großen Zweihandaxt auf dem Rücken nach zu urteilen, war er ein Krieger. Ein besonders laut fluchender Krieger. Er zog an den Zügeln eines kleinen Pferdes, ein Bergpony, wie es die Zwerge neben ihren Streitwiddern züchteten. Diese Tiere wurden zum Lastentransport gezüchtet. Und das Exemplar war voll gepackt mit Dingen, die ein Krieger wohl so braucht. Ein Stück des Rückens war frei von der Last, sicher der Platz des Reiters. Es klirrte als sich ein Schwert aus dem Gepäckberg löste.
„Verdammtermistund, Verdammtermist!“ der Krieger ließ die Zügel sinken und stapfte um das Pony, um das Schwert aufzuheben. Gespannt beobachtete ich die Szenerie. Er steckte das Schwert wieder an seinen Platz und begann sein Reittier zu schieben. Zumindest versuchte er das. Vergeblich. Sein Tier schien beschlossen zu haben sich heute nicht mehr zu bewegen. Vielleicht sah es einfach den Weg nicht. Die dicke Mähne gab lediglich die Nüstern preis, alles andere blieb unter ihr verborgen. Völlig verzweifelt versuchte der Krieger den braun gescheckten Körper in Bewegung zu setzen. Immer wieder schob er das Tier oder zog an den Zügeln. Das Tier bewegte sich keinen Zentimeter. Ich überlegte, ob das Pony sich nur einen Scherz erlaubte. Auch Sesharrim und Darus schienen am Geschehen interessiert zu sein. Ich entschied mich dem Krieger ein wenig zu helfen. Lächelnd ging ich zur Straße.
„Ähm, Hallo? Kann ich Ihnen vielleicht helfen?“ fragte ich den Krieger.
„Verdammtermist … Wa? Wer bist denn du? Und bitte lass das Höflichkeitsgefasel, das kann ich nicht ausstehen.“ er spuckte auf den Boden und stierte mir ins Gesicht. Ich musste nach unten schauen, um den Blick zu erwidern, da ich als Nachtelfe einen ganzen Kopf größer war als er. Eine Narbe reichte über sein rechtes Auge.
„Mein Name ist Yava und ich habe mich gefragt, ob ich Dir helfen kann? Dein Pony scheint etwas störrisch zu sein.“
„Was? Oh, äh, ja Blinky hat mal wieder seine gewisse Stunde in der nichts vorwärts und nichts rückwärts geht. Da kann man nichts machen. Wenn er nicht will ist Ende der Reise.“
„Das sehe ich. Vielleicht ist er nur durstig oder hungrig.“ vermutete ich.
„Hmm … Das könnte man versuchen.“ Er ließ einmal mehr die Zügel zu Boden fallen und kramte in seinem Gepäck bis er einen Topf fand. Bewaffnet mit diesem ging er zu dem kleinen Wasserloch und schöpfte etwas klares Nass. Sesharrim, der sich ans Ufer gesetzt hatte, stand auf und wollte das seltsame Exemplar Mensch begutachten. Mit angelegten Ohren näherte er sich vorsichtig. Der Frostsäbler stand nun hinter dem Krieger und schnupperte an dessen Plattenstiefeln. Dann tat er einen Schritt nach vor und stieß gegen den jungen Mann, sodass er samt seiner Rüstung mit einem lauten „Waaaaahhhh!“ kopfüber ins Wasser stürzte.
„Verdammtermistundzugenäht! Was in drei Teufels Namen?!“ mit einem Seerosenblatt auf dem Kopf tauchte er wieder auf und spuckte Wasser. Die Dramatik solcher Situationen verlangte es, dass auch ein Frosch quakend auf dem Kopf des Opfers saß. Weiter fluchend verließ er das Wasser, griff nach dem Topf, setzte ihn auf und hielt Blinky seinen mit Wasser gefüllten Helm hin. Es war ein zu göttlicher Anblick. Ich kicherte vor mich hin und musste mir die Hand vor den Mund halten um nicht lauthals zu lachen. Der Krieger bedachte mich mit einem bösen Blick und ich verkniff mir die weitere Kicherei, erfolglos. Währenddessen trank Blinky begierig.
„Würdest du bitte aufhören zu lachen? Ich finde das nicht sehr komisch, Herr Gott nochmal!“
„Das würde ich ja, wenn du den Topf von deinem Kopf nehmen würdest.“ brachte ich zwischen meinem glucksen hervor.
„Wie? Was? Oh, … ähm …“ etwas errötet nahm er seinen improvisierten Helm ab. „Mein Name ist übrigens Adrian, um vom Thema abzulenken.“
Teil 7
Ungefähr eine halbe Stunde später hatte Blinky beschlossen den Weg fortzusetzen, auch ohne Reiter. Zum glück bewegte sich das Bergpony nur gemütlich vorwärts. Wir konnten es leicht einholen. Adrian schwang sich auf den Rücken des kleinen Pferdes, indem er etwas voraus ging, ein Bein hebte und wartete bis Blinky vorbei kam und das Bein über den Rücken des Pferdes wieder zu Boden sinken ließ. Danach verschränkte er die Beine im Schneidersitz, sonst hätten sie bis auf den Boden gereicht. Ich hatte aber auch ein Glück. Erst die Begegnung mit der etwas seltsamen Nachtelfe – wie hieß sie noch? Ach ja – Dynara und nun hatte ich einen fluchenden Krieger mit störrischem Minipony als Gesellschaft. Warum passierten nur mir solche Dinge? Wenigstens konnte ich mit jemanden reden, der mir eine bessere Antwort als einen fragenden Blick und ein „Maunz“ gab. Bevor Blinky einfach loslief erfuhr ich von Adrian, dass er ebenfalls auf dem Weg ins Schlingendorntal war. Also konnten wir die Reise gemeinsam fortsetzen. - Habe ich schon erwähnt was ich für ein Glück hatte? Ja? –
Es war schon spät und die Abendsonne tauchte Westfall in ein tiefes orangerot. Es war noch immer heiß und unter der schnell verschwindenden Sonne schien die Steppe zu brennen. Wir entschieden uns an einer Kreuzung ein Lagerfeuer zu errichten und dort die Nacht zu verbringen. In der Nähe der Straße war es sicherer. Unsere Rüstungsteile stapelten wir auf einem Haufen. Ohne das schwere Metall war es gleich bequemer. Adrian befreite Blinky von seiner Last, er kramte in den Sachen, bis er seinen Topf und ein Blechding fand.
„Was ist das?“ fragte ich, große Augen auf das Metall in seiner Hand gerichtet.
„Das? Oh, das nennt man D-o-s-e.“ antwortete er mir.
„Und was hat es mit dieser D-o-s-e auf sich?“
„Ist eine gute Erfindung der Gnome, man kann Lebensmittel darin aufbewahren und frisch halten. Diese enthält, ähm, Moment … Bohnen. Komisch, dass du das nicht kennst. Die Gnome haben das vor so zehn Jahren durch ein misslungenes Experiment entdeckt, bei dem das neu aufgebaute Gnomeregan in die Luft geflogen ist. Verdammtermist … Sind clevere Kerlchen diese Gnome, nur mit ihrer Hauptstadt haben sie weniger Glück.“ Adrian spuckte ins Feuer und reichte mir die sogenannte Dose. Ich drehte das Ding, es spiegelte das Lagerfeuer, in meinen Händen. Ein seltsames Ding. Es war zylinderförmig und nirgends entdeckte ich eine Vorrichtung zum öffnen. Ich fragte mich wie die Bohnen da hinein kamen und wie man sie da wieder rausholte.
„Ich war das letzte Mal vor siebenundzwanzig Jahren in Dun Morogh, das erklärt wieso ich so was nicht kenne.“ mein Blick blieb starr auf die Dose gerichtet. „Und nun verrätst du mir sicherlich, wie man das Ding aufbekommt.“
„Natürlich. Schau her.“ Adrian zog einen kleinen Dolch aus seinen Stiefeln, die neben ihm standen. Er holte damit aus und stach in die Dose. Mit einen leisen Zischen entstand ein Loch im Metall. Dieses kleine Schauspiel wiederholte der Krieger ein paar Mal, bis die Löcher zu einer größeren Öffnung wuchsen. Das Gebräu, das nicht gerade nach Bohnen aussah, kippte er in den Topf und stellte diesen ins Feuer. Nun mit einem Holzlöffel bewaffnet, rührte Adrian in dem Gemisch aus merkwürdigen Bohnen und dickflüssiger Soße. Skeptisch schauten Sesharrim und ich in den Topf. So etwas konnte nicht gesund sein. Ich kostete ein wenig davon und ich wollte mehr. Adrian sagte, dieses „Dosenfutter“ mache süchtig und für mich traf das zu.
„Was treibt dich eigentlich ins Schlingendorntal?“ fragte mich der Menschenkrieger.
„Nun, das hier.“ Ich holte den Anhänger aus meiner Gürteltasche hervor und reichte Adrian den blauen Stein. Er nahm ihn und seine Augen schienen nicht zu glauben, was sie sahen. „Ich habe ihn in Sturmwind gefunden. Es ist ein wenig töricht, aber in einem Traum hat er mir das Schlingendorntal gezeigt. Deswegen will ich dorthin.“ Ich konnte selber nicht wirklich glauben, was ich sagte. Adrian blickte mich abrupt an. Er schien entsetzt.
„Dieses Ding. Zum Teufel. Ich habe es auch gesehen und die alten Trollruinen von Zul´Gurub. Ich dachte vielleicht ist es nur ein dummer Traum, aber in letzter Zeit kam er häufiger vor und naja, Verdammtermist, vielleicht ist da irgendwas dran.“ Ich traute meinen Ohren kaum. Dass jemand auch so etwas komisches träumt und dem Glauben schenkt, konnte ich nicht wirklich begreifen. Aber ich glaubte auch daran und wenn auch nur ein wenig. Etwa ein seltsamer Zufall? Wer wusste das schon.
Wir unterhielten uns noch eine Weile bis wir dann irgendwann einfach einschliefen.
Irgendwann in der Nacht wurde ich von ungewöhnlichen Geräuschen geweckt. Adrian und Sesharrim schnarchten um die Wette, aber das war zumindest für mich schon ein normales Geräusch, nur etwas lauter als sonst. Die beiden waren scheinbar bestrebt den ganzen Wald von Elwynn zu roden. Aus meinem Rucksack zog ich meine dunklen Augengläser und setzte sie auf, damit mich meine hell leuchtenden Augen nicht verrieten, sollten Angreifer in der Nähe sein. Ich stupste den Krieger mit einem Zeigefinger an die Wange, doch das verstärkte das Geräusch nur. Noch ein Versuch brachte das gleiche Ergebnis. Ich verlor die Geduld, griff Adrian an beiden Schultern und schüttelte ihn kräftig.
„zZzZ … Was zum … Oh, guten morgen Schatz. Du könntest mich aber in Zukunft liebevoller wecken.“ halb verschlafen mit einem offenen Auge, das andere wollte weiter träumen, grinste er mir entgegen. So etwas fand ich ganz und gar nicht lustig.
„Psssssst.“ machte ich und presste mir einen Zeigefinger auf den Mund. „Dort drüben beim Hügel sind Wegelagerer und sie wollen deinen Blinky stehlen.“
„Was? Die wollen Blinky mitnehmen? Hahahahaha! Guter Witz. Die werden des Lebens nicht mehr froh, wenn sie ihn haben. Wahrscheinlich kommt er mit Zinsen zurück! Hahaha!“ Adrian konnte fast nicht mehr vor lachen und wischte sich eine Träne aus den Augen. Von dem lauten lachen erwachte auch Sesharrim und gähnte hingebungsvoll.
„Pssssst.“ machte ich noch einmal. „Du weist aber schon, dass Blinky noch einige deiner Sachen bei sich trägt?“
„Was? Mistundverdammt! Die Kerle schnappe ich mir! Wo sind sie, wo sind sie!? Zum Teufel mit ihnen! Der blöde Gaul hat meine Schwertsammlung! Verdammt, verdammt, verdammt!“ er wollte mit seiner riesigen Zweihandaxt, die er bis eben noch wie ein Plüschtier in den Armen hielt, in die Dunkelheit stürmen. Ich packte ihn am Knöchel und er fiel mit dem Gesicht nach vorn auf den Boden.
„Hey! Was sollte das denn?“
„Es sind mindestens acht und du bist allein, außerdem siehst du fast nichts. Wie willst du das anstellen?“
„Was, oh, ähm … Acht sagtest du?“ ich nickte „Nun, äh, hm … Dann geh du lieber vor.“ Adrian machte eine Ich-decke-dir-den-Rücken-Geste und kroch ein Stück zurück. Mit den Augen rollend griff ich nach meinem Sattelzeug, an dem mein Bogen und mein Köcher hingen. Meine beiden Schwerter lagen daneben, an einem Riemen befestigt schnallte ich sie mir griffbereit gekreuzt auf den Rücken. Bewaffnet trat ich nun auf die kleine Anhöhe, Adrian folgte mir nur widerstrebend, die Hände um seine Axt gekrampft.
„Nun? Was hast du vor?“
„Wonach sieht das denn aus? Ich hole deine geliebte Schwertsammlung zurück und ganz nebenbei auch dein Pony, so als Bonus.“ erwiderte ich ein wenig genervt.
„Was sollen wir tun?“
„Der Rest greift uns sicher an, wenn ich einen von den Banditen erschieße oder wenigstens verletze. Dann kannst du mir dein Kriegsgeschick vorführen.“ ich lächelte ihm süß entgegen. Das Lächeln schien noch ein wenig nervöser zu machen. Adrian schluckte laut und nickte.
„N-n-na d-dann. I-i-ich b-bin b-bereit.“
„Bist du dir da ganz sicher?“
„J-j-ja.“ er nickte wieder langsam.
„Wirklich? Ganz sicher?“
„J-ja, w-wobei, w-w-wenn i-ich e-es m-mir r-r-r-recht ü-ü-überlege … N-nein, äh, d-doch, j-ja, i-ich b-b-bin b-bereit.“ er schien sich fester an seine Axt zu klammern.
„Na gut.“ ich erspähte einen Banditen auf einem Hügel und spannte die Bogensehne.
„W-warte!“
„Was ist?“ ich wurde ein wenig wütend. Redete er seine Gegner zu Tode?
„J-jetzt b-bin i-i-ich b-bereit.“ nun nahm ich keine Rücksicht mehr auf ihn. Sollte er doch in Ohnmacht fallen, das war sicher besser, als auf ihn aufpassen zu müssen. Sesharrim saß vor dem Krieger und beobachtete ihn. Die Katze nahm das Geschehnis gelassen hin. Er hätte sich sicher eh nicht am Kampf beteiligt. Wieder spannte ich den Bogen und zielte auf die Gestalt in der Ferne. Ein Pfeil traf den Wegelagerer direkt in der Stirn. Ohne einen Ton fiel die Gestalt zu Boden.
„D-d-donnerw-w-wetter!“ entfuhr es Adrian.
„Schau, da vorn kommen sie.“ ich bemerkte, dass sich der Mensch am liebsten irgendwo verkriechen wollte. Doch das ging nicht. Sieben Männer, einige mit Augenklappen, bewaffnet mit Dolchen, Streitkolben oder Schwertern kreisten uns ein. Einer von ihnen hatte sich Sesharrim als Opfer gesucht. Er schlug ihm mit einem Steitkolben direkt auf den Kopf. Zum Erstaunen aller passierte mit der Katze nichts. Sesharrim schüttelte sich kurz und schien nun recht wütend zu sein. Er brüllte sein Gegenüber laut entgegen. Der Zernarbte Mann erbleichte und rannte, gefolgt von der Großkatze, davon. Irgendwie tat er mir Leid. Ausnahmslos alle Anwesenden starrten der Szenerie hinterher. Dann fingen wir uns wieder und strafften die Gestalt.
Nun geschah alles gleichzeitig. Einer der Banditen schmiss ein Wurfmesser nach Adrian, verfehlte ihn und traf seinen Brustpanzer, der neben ihm lag. Erzürnt über den entstandenen Kratzer stürzte er fluchend in die restlichen sechs Angreifer. Ähnlich einem Berserker geriet er immer mehr in Rage, schwang die Axt immer wieder im Kreis und teilte dazwischen ordentliche Fausthiebe und Fußtritte aus, dass die Angreifer nicht mehr wussten wo oben und unten war. Ich war so sehr damit beschäftigt dem Krieger zu zusehen, dass ich mich nicht am Kampf weiter beteiligte. Inzwischen kam auch Sesharrim wieder zurück. Stolz präsentierte er mir seine Beute, die Hose seines Opfers.
Adrian brauchte keine Hilfe. Es beschäftigte sich ohnehin keiner mit mir. Also setzte ich mich ins Gras. Wäre ich begeisterter Raucher gewesen, hätte ich mir jetzt eine Pfeife angezündet und weiter gespannt zugeschaut. Da ich rauchen nicht ausstehen konnte, musste ich mich auf Zuschauen beschränken. Sesharrim saß neben mir und feuerte Adrian mit Knurren, Fauchen und Jaulen an. Wie bei einem spannenden Arenakampf fieberten wir mit. Immer wieder schlug der Krieger mit seiner Axt zu. Nach einiger Zeit hatten die Angreifer keine Lust mehr, sammelten ihre noch lebenden Freunde vom Boden auf und schlurften davon. Adrian blieb nach Luft schnappend stehen und hob nur drohend die Faust.
„Und das ihr euch nie wieder blicken lasst, Gottverdammt!“ schrie er ihnen hinterher. Mit einem zustimmenden murmeln verschwanden die Männer hinter dem nächsten Hügel. Auch Blinky ließ sich wieder blicken. Erst jetzt stellte Adrian fest, dass er Blinky am abend abgesattelt hatte und auch sein Gepäck nicht mehr auf dem Rücken des Pferdes ruhte. Er widmete mir einen bösen Blick, den ich mit einem zufriedenen Grinsen erwiderte.
„Du hast gewusst, dass alles hier war und ich bin auch noch darauf reingefallen, Verdammtermistverdammter, Zum Teufel …“ er fluchte weiter.
„Natürlich wusste ich das. Aber sieh es mal so, die Räuber wären ohnehin zu uns gekommen um uns zu bestehlen. Außerdem hättest du dich sonst verkrochen.“
„Hätte ich nicht, verdammt noch mal!“
„Doch hättest du. Mir kannst du nichts vormachen.“ gelassen ließ ich meinen Oberkörper ins Gras sinken, zufrieden grinste ich den Sternen entgegen. Das es so einfach war ...
„Gottverdammt, NEIN, hätte ich nicht!“
„Doch hättest du.“ so ging die Diskussion noch eine Weile weiter. Danach fluchte Adrian noch einmal.
„Verdammt! Die Mistkerle haben meine Dose mitgenommen! Verdammtermistundzugenäht!“
„Was ist so schlimm daran?“
„Die Gnome zahlen einem 50 Kupfer, wenn man ihnen die leere Dose zurückbringt. Verdammtnocheins!“
Dann kehrte die Stille wieder zurück und der Mond erhellte weiterhin die Steppe, als wenn nichts gewesen wäre.
Der nächste Morgen kam schneller als erwartet. Als ich aufwachte war Adrian bereits wach. Er saß vor seinem Topf, der etwas Wasser enthielt und einem kleinen Spiegel. Ein Tuch hing über seiner linken Schulter. Mit einem kleinen Dolch aus seiner Sammlung rasierte er sich.
„Na, Schlafmütze? Auch schon wach?“
„Guten morgen.“ ich streckte mich und gähnte noch einmal.
„Ich habe Frühstück gemacht. In der Pfanne ist noch etwas.“ ich traute meinen Ohren kaum. Sofort griff ich nach der am Feuer stehenden Pfanne und inspizierte den Inhalt. Es waren mit Kräutern gebratene Eier, endlich etwas anderes als dauernd nur Fleisch. Das Beste daran war, ich musste es nicht zubereiten. Adrian war scheinbar ein geborener Koch.
„Wo hast du die Eier her?“ fragte ich den Menschen, der nun mit der Rasur fertig war und sich das Gesicht wusch.
„Da hinten am Hang sind einige Nester.“ er deutete mit dem Finger in die entsprechende Richtung.
„Also sind das Eier von großen Fleischreißern?“
„Keine Ahnung, was das für Vögel waren. Ich bin kein Jäger so wie du. Das waren große schwarzrote Geier.“
„Du hast also die Eier von den Fleischreißern genommen?“
„Ja, wie auch immer die Viecher heißen.“
„Und du hast alle sie gebraten?“
„Ja.“
„Die Schalen hast du?“
„Weggeworfen.“
„Aha. Also noch mal, du hast die Eier von den Fleischreißern gestohlen, sie alle gebraten, die Schalen weggeworfen und ich esse diese jetzt?“
„Ja.“ eine kurze Pause folgte, in der wir uns anstarrten.
„… Sind wirklich gut …“ ich kaute genüsslich weiter, glücklich darüber jemanden gefunden zu haben, der freiwillig und gut kocht.
Nach dem Frühstück sattelten wir unsere Pferde und brachen auf. Wir wandten uns an der Kreuzung nach Osten und folgten der Straße, die uns zum Dämmerwald führen sollte. Blinky war leider nicht für eine schnellere Gangart als Schritt zu begeistern und es sollte nur schleppend voran gehen. Keine fünf Minuten nach unserem Aufbruch hörten wir hinter uns ein immer lauter werdendes „Kraaaahh!“ Neugierig drehte ich mich um.
„Wo hattest du die Eier gleich noch mal her?“ fragte ich entsetzt den Krieger.
„Von diesen schwarzroten Geiern, die an den Hügeln nisten.“ kam die antwort zurück.
„Sahen diese Vögel in etwa so wie diese hier aus?“ ich bedeutete Adrian sich umzudrehen.
„Verdammtermistundzugenäht!“ ihm fielen fast die Augen aus ihren Höhlen, als er die Vögel hinter uns anstarrte. Es war eine ganze Schar und über uns kreisten noch mehr von den Geiern. Sie schienen alle recht wütend zu sein. Blinky ließ sich nicht zweimal bitten. Ich hatte noch nie ein Tier mit so kurzen Beinen so schnell galoppieren sehen. Gefolgt von den Fleischreißern, die immer wieder herabstießen und uns tiefe Kratzer zufügten, rasten wir die Straße entlang. Es war unser Glück, dass diese Tiere ein ausgeprägtes Revierverhalten hatten und an der Grenze ihres Reviers aufgaben uns zu verfolgen.
Erschöpft mussten wir nun eine Pause einlegen. Adrian verband meinen rechten Oberarm, an dem die Fleischreißerklauen drei tiefe Wunden hinterlassen hatten. Es brannte ein wenig. Sesharrim büßte bei der Flucht ein Stück Fell ein. Adrian hatte keine größeren Verletzungen, seine Plattenrüstung hatte ihn vor dem schlimmsten bewahrt. Auch Darus und Blinky hatten nur einige Kratzer.
„Ich dachte solche Viecher sind Aasf.resser, Verdammtnocheins!“ ließ sich Adrian vernehmen.
„Nicht wenn man ihnen die Eier stiehlt. … Au! Pass doch auf, das tut weh!“
„Ich hab die Eier nicht gestohlen, nur ausgeliehen. Und nun hab dich nicht so wie ein Mädchen, das ist doch nicht so schlimm.“
„Nur so als Randvermerk: Zufällig bin ich ein „Mädchen“, falls dir das noch nicht aufgefallen sein sollte.“ ich sprach das Wort „Mädchen“ bewusst kursiv.
„Sei doch nicht gleich so zickig … Weiber!“ er rollte mit den Augen. Ich hielt es für besser nichts mehr zu sagen.
Durch unsere Flucht hatten wir schneller als erwartet ein ganzes Stück zurückgelegt. Es war erst Mittag, als das öde Grasland von Westfall in sanftes Buschland wechselte. Die Grenze zum Dämmerwald war also nicht mehr weit. Unser Ziel rückte immer näher. Die Wunden versorgt zogen wir weiter. Aus den Büschen wurden schnell junge Bäumchen und aus den jungen Bäumchen wurden stattliche Bäume. Ehe wir uns versahen, standen wir mitten im Wald. Die Pflanzen im Dämmerwald hatten dunkelgrünes bis sogar schwarzes Blattwerk und die Bäume wuchsen so dicht, dass kaum Tageslicht den Waldboden berührte, dadurch schien es stets Nacht im Dämmerwald zu sein. Es war lange her, seit ich das letzte Mal hier war und dennoch erinnerte ich mich sehr gut an das hier lebende Grauen. So etwas vergaß man nicht einfach. Alles war mir lieber von gemeinen Hordlern, die mir die Ohren abschneiden wollten bis hin zu feuerspeienden Drachen.
„Du schaust so verängstigt. Stimmt etwas nicht?“ fragte mich Adrian.
„Nein, nein, alles in Ordnung.“ log ich. Ich hoffte, dass wir dem Schrecken hier nicht begegneten. Immer wieder hielt ich Ausschau, um sofort flüchten zu können, sollte ich es sehen. Auch Sesharrim erinnerte sich gut an das, was hier lebte. Er nahm eine halb gebückte Stellung ein und Spitzte die Ohren. Die Katze war so angespannt, dass sie sich noch nicht einmal von Eichhörnchen ablenken ließ. Erst wenn wir Rabenflucht erreichten würde ich mich ein wenig beruhigen.
„Rabenflucht ist nicht mehr weit. Da vorn kann man schon ein Haus erkennen.“ ich atmete ein wenig auf. In Rabenflucht konnten wir die Nacht verbringen. Auf einmal blieb Sesharrim wie angewurzelt stehen und begann zu winseln. Ich blickte in die gleiche Richtung und sah es. Sofort erstarrte ich zu einer Salzsäule und betete, dass uns das Biest nicht bemerkte.
„Was ist los mit euch?“ Adrian blickte uns verwundert an. Ganz langsam hob ich meine Hand und zeigte auf das Monster.
„D-d-das d-da.“ stotterte ich. Adrian begann zu laut zu lachen.
„Und vor so was hast du Angst? Komisch, Wegelagerer schießt du in den Kopf und vor so einem Ding fürchtest du dich? Und das als Jäger! Tztztz! Hahahaha!“ ich fand das gar nicht lustig. Immerhin war die Spinne, die am Wegesrand saß, riesig. Immer noch kichernd stieg der Krieger ab und ging zu der Spinne, die drohend ihre Vorderbeine hob und fauchte.
„Kusch, kusch, du Vieh oder du lernst meine Streichhölzer kennen.“ er packte ein Streichholz der Marke „Extra Lang“ aus und entzündete es, in dem er sich bückte und es über das Pflaster zog. Die Spinne fauchte ein weiteres Mal, ich zuckte unweigerlich zusammen und Sesharrim verkroch sich unter Darus. Dann warf Adrian der Sinne das brennende Streichholz entgegen. Aus Angst vor dem Feuer verzog sich das Vieh sofort. Der Krieger kicherte noch immer und stieg wieder auf. Den restlichen Weg bis nach Rabenflucht zog er mich mit der Sache auf. Ich war froh als wir endlich das kleine Dorf erreichten und Adrian Ruhe gab.
Das Gasthaus war schon sehr alt und durch die Feuchtigkeit des Dämmerwalds war die Fassade ein wenig vermodert. Der Schankraum war recht klein. Er war mit vier Tischen und der Theke ausgestattet, hinter der der Wirt Gläser putzte, die danach dreckiger aussahen als vorher. In einem Regal standen mehrere Alkoholflaschen. Daneben zwei große Fässer mit Bier. Das Schicksal verlangte es, dass in solch einem Haus ein Betrunkener an der Theke saß und nicht aufhören wollte zu trinken. Wir setzten uns an einen der vier Tische und der Wirt eilte sofort zu uns. Er servierte uns ein Abendessen, das ich dankend ablehnte. Adrian hingegen war so begeistert von Spinnenkebab und Knusperspinne, dass er auch meine Portion regelrecht in sich hinein stopfte. Ich beschränkte mich auf etwas zu trinken. Mir fiel etwas an dem Krieger auf und um die Stille zu brechen, sprach ich ihn darauf an.
„Sag mal, du hattest dich doch heute morgen rasiert, oder?“
„Ja. Das mach ich jeden morgen.“
„Wieso kommt es dann, dass dein Drei-Tage-Bart immer noch vorhanden ist?“
„Was? Oh, ja. Das ist so ein kleines Problem, das ich habe, wenn ich in der Nähe von Frauen bin. Also immer.“
„Und wieso rasierst du dich dann, wenn du immer so aussiehst?“
„Gewohnheit.“ die Auskunft war genug und ich fragte nicht weiter. Wer wusste woran er in der Nähe von Frauen dachte, dass sein Testosteron seinen Bart förmlich sprießen ließ. Ich für meinen Teil wollte es gar nicht wissen. Wieder kehrte Stille ein, die von Adrians schmatzen und von einem schnarchen - der Betrunkene war an der Theke eingeschlafen - untermalt wurde.
Es wurde spät und wir gingen zu Bett. Die Zimmer waren weniger gemütlich als es die in Goldhain waren. Mein Zimmer war lediglich mit einem Bett und einem Beistelltisch ausgestattet. Meine Sachen warf ich einfach auf den Boden. Die Zimmer hätten eine Putzfrau bitter nötig gehabt, sehr zu meinem Bedauern. Wie von der Tarantel gestochen rannte ich zu Adrians Zimmer und hämmerte wie wild gegen die Tür.
„Was ist denn jetzt noch?“ Adrian blickte in mein verzweifeltes Gesicht, das um Hilfe bettelte, dann beäugte er den Rest von mir argwöhnisch. „Ja. Ich hab schon verstanden.“ er ging zu seinen Sachen und kramte ein merkwürdiges Etwas hervor. Ich schaute verdutzt.
„So ein Ding, falls du das auch nicht kennen solltest, nennt sich Fliegenklatsche. Damit haust du einfach auf die Biester drauf.“ er drückte mir das Ding in die Hand. „Ach übrigens zum Thema von vorhin: Du bist nicht gerade unschuldig daran, dass mein Drei-Tage-Bart nicht verschwindet.“
„Wieso denn das?“ fragte ich verdattert.
„Na wie würdest du reagieren, wenn eine Nachtelfe, eine recht attraktive muss ich dazu sagen, nur mit Unterwäsche bekleidet mitten in der Nacht an deine Tür klopft? Ach und marineblau steht dir gut, passt zu deinen Augen.“ er grinste breit. Ich stierte an mir herab und erst jetzt bemerkte ich, dass ich tatsächlich nur in Unterwäsche im Flur der Taverne stand. Ein anderer neugieriger Gast blickte bereits aus seiner Zimmertür. Ich wurde unweigerlich rot von Kopf bis Fuß und schickte mich an so schnell wie möglich den Flur wieder zu verlassen. Bewaffnet mit dem Ding namens Fliegenklatsche fühlte ich mich ein wenig besser.
Der Morgen dämmerte schon und ich hatte noch nicht geschlafen. Die ganze Nacht war ich damit beschäftigt irgendwelche Krabbeltiere zu erschlagen. Mit Blutunterlaufenen Augen verließen Sesharrim und ich den Insektenfriedhof und gingen nach unten um zu Frühstücken. Adrian saß bereits gut ausgeschlafen am gedeckten Frühstückstisch. Ich setzte mich zu ihm und gähnte beherzt.
„Was ist denn mit dir passiert?“ fragte er und ich reichte ihm kommentarlos die nun am Stiel abgeknickte Fliegenklatsche. „Verstehe.“ gab er als antwort auf diese Geste.
Das Frühstück war ein wenig besser, obwohl ich Eintopf nicht zum Frühstück serviert hätte. Es war besser als nichts und besser als irgendwelche gebratenen Spinnenteile. Wie sehr freute ich mich nach dem Frühstück diesen Schreckensort verlassen zu können.
Teil 9
Gleich nach dem Frühstück drängelte ich Adrian zum Aufbruch. So schnell es nur irgendwie möglich war wollte ich den Dämmerwald hinter mir lassen. Blinky war wie immer anderer Meinung und trottete gemütlich die Straße entlang. Ich musste mir also etwas einfallen lassen damit wir schneller vorankämen. Nach einem kurzen Stück die Straße Richtung Osten entlang führte ein schmaler Weg rechter Hand zu einem Gehöft. Sofort kam mir eine Idee wie ich das Bergpony dazu bekommen könnte schneller zu laufen. Ich stattete dem Besitzer des Hofes einen kurzen Besuch ab und bekam von ihm das nötige Material. Im Handumdrehen zauberte ich aus drei Einzelteilen eine Karotte am Stiel. Gegen alle realistischen Erwartungen funktionierte diese Taktik beachtlich gut und das kleine Pferd lief tatsächlich schneller.
„Mit dem Tempo schaffen wir es heute sicher noch bis zur Grenze ins Schlingendorntal.“ freute ich mich.
„Wieso willst du denn so schnell von hier fort? Also mir gefällt es hier. Vor allem der Ausblick war nicht Übel.“ Adrian fing anzüglich zu grinsen an.
„Welchen meinst du? Den auf meine Unterwäsche oder den auf diesen von Spinnen und Untoten Skeletten und Zombies verseuchten Friedhof hinter Rabenflucht?“
„Na den auf deine … äh … auf den Friedhof natürlich.“ sein grinsen verblasste wieder, als ich den Friedhof erwähnte. „Naja, wenn ich recht überlege so toll war er nun doch nicht. Beeilen wir uns lieber etwas.“ ich musste ein wenig lächeln. Wenn man wusste wie, konnte man den Krieger wunderbar beeinflussen. Endlich konnte ich auch zu letzt lachen.
Nach etwas langweiligen vier Stunden – bis auf das Stinktier, das uns als Bedrohung ansah und wir flüchten mussten – erreichten wir endlich das sehnlichst erwartete Wegkreuz. Es teilte uns mit, dass uns der nach Süden führende Weg ins Schlingendorntal bringen würde. Endlich raus aus diesem – um es mit Adrians Worten zu sagen – verdammten Wald. Innerlich hoffte ich, dass ich nie wieder einen Fuß in den Dämmerwald setzen muss. Um mich noch einmal zu ärgern, winkte der Menschenkrieger einer Spinne, die am Wegkreuz saß und wegen der ich einen Mindestabstand von drei Metern zum Wegweiser hielt. Als wir uns nun der Straße nach Süden zuwandten, blickte ich noch einmal mehr argwöhnisch zu dem grauenvollen Geschöpf um sicher zu gehen, dass es dort sitzen blieb. Als sie aus Sichtweite geriet atmete ich auf. Nur noch weitere drei Stunden in diesem Wald und dann wären wir endlich im Schlingendorntal, mit der Bedingung, dass Blinky weiterhin Interesse an der Karotte am Stiel zeigte.
Zum Glück verlor das Pony die Karotte nicht aus den Augen, soweit man das wegen der dicken Mähne feststellen konnte. Wir kamen langsam dem tropischen Wäldern immer näher. Schon hier im kühlen Dämmerwald wuchsen einige robuste tropische Pflanzen, denen das kühlere Klima nichts ausmachte. Nach ungefähr zwei Stunden stieg die Temperatur auch leicht an. Der Dämmerwald lichtete sich ein wenig und wir konnten von einer Anhöhe aus bereits die saftig grünen Täler zwischen den dunklen Bäumen erkennen. Kurz vor der Grenze sollten uns die ersten bunten Schmetterlinge ein wenig aufhalten. Der Säbler hatte lange keine anderen Tiere mehr geärgert und so musste er sich erst einmal an den wenigen Exemplaren austoben. Immer wieder schnappe er nach den Insekten und sprang in die Luft.
„Macht dein Säbler das oft?“ fragte mich Adrian
„Ja, leider.“ seufzte ich. Sesharrim zwang uns zu einer Pause. Wären wir weiter gezogen, hätte der Säbler den ganzen Tag lang geschmollt. Nach ungefähr zehn Minuten wurde dem Säbler das Spiel langweilig und wir konnten uns wieder in Bewegung setzen. Ich zählte bereits die Minuten um genau zu wissen, wann wir an der Grenze ankommen würden.
Endlich war es soweit. Die Dunklen Bäume lichteten sich und die hell am Horizont stehende Sonne blendete uns. Nachdem sich meine Augen an das Licht gewöhnt hatten, erblickte ich das wundervollste Panorama, das ich je gesehen hatte. Weit unten im Tal erstreckte sich der riesige Dschungel des Schlingendorntals. Tropische Laubbäume wiegten sich im sanften Wind und Paradiesvögel flogen über die Wipfel hinweg. Schon hier konnten wir das Zwitschern deutlich hören. Zwischen den Bäumen leuchteten bunte Blüten hervor. Nun war uns klar, wir hatten das Land der Trolle erreicht.
„Zul´Gurub mach dich bereit! Wir kommen!“ schrie Adrian in den warmen Nachmittag.
Teil 10
Der Weg führte leicht bergab und brachte uns direkt in den Dschungel. Die großen Laubbäume hatten ein nicht zu dichtes Blätterdach, sodass genug Licht den Boden berührte und zuließ, dass hier viele bunte Blumen wachsen konnten. Farne säumten die Straße und Bromelien hingen an manchen Ästen. Eine am Boden wachsende Bromelie hatte etwas Wasser vom letzten Regen gesammelt, in dem ein kleiner rotblauer Frosch saß und das Leben genoss. Eine Schlange lag eingerollt auf einem Stein in der Nähe. Sie gab mit lautem Zischen Sesharrim zu verstehen, dass mit ihr nicht zu spaßen war. Der Säbler verzog sich und wandte sich seinen Lieblingsopfern, Schmetterlinge, zu.
„Wenn wir nach Zul´Gurub wollen müssen wir den Weg sobald wie möglich verlassen und nach Osten gehen. Tiefer im Wald sollten wir eine alte verwitterte Straße finden.“ meinte Adrain und zeigte nach Osten.
„Woher weißt du das so genau?“
„Nun, ich bin eben informiert. Außerdem bist du ein Jäger, ich verlasse mich einfach auf deinen Spürsinn.“
„Jäger suchen nach Fährten und nicht nach alten Straßen oder Ruinen.“
„Na und? Das ist genau das gleiche, nur etwas größer. Wir können auch einfach bis zum Nazferitisee reiten und von dort einfach geradeaus nach Osten, dann sollten wir Zul´Gurub nicht verfehlen können.“ ich rollte mit den Augen.
„Also gut, dann reiten wir eben bis zum See und verbringen dort die Nacht am Ostufer. Morgen früh sehen wir weiter.“ ich zog an meinen Zügeln und lenkte so Darus direkt in die Tiefen des Waldes. Adrian folgte mir.
Nicht lange und wir wurden von Moskitos und anderen Insekten überfallen. In dem feuchtwarmen Klima fühlten sich solche Insekten wohl. Sie behagten uns, als wären wir ihre einzige Nahrungsquelle. Irgendwann wurde es Adrian zuviel und er fing schon wieder an mit kramen.
„Die Fliegenklatsche ist kaputt. Das wird dir nichts helfen.“ sagte ich während ich versuchte die Insekten mit fuchtelnden Armen zu vertreiben.
„Ich suche nicht die Fliegenklatsche, sondern etwas anderes. … Verdammtes Biest! Verschwinde! Verflixt! … Ah ja, da ist es ja.“ triumphierend hielt er mir ein weiteres Exemplar einer Dose vor die Nase. Diese war etwas schmaler und länger, als die mit den Bohnen. Außerdem hatte sie einen roten Deckel.
„I-n-s-e-k-t-e-n S-t-o-p.“ las ich. “Was ist das?”
„Das, meine Liebe, … Au, verdammt, die Biester stechen! … ist eine weitere glorreiche Erfindung der Gnome. Sie wurde von Ingeneuren und Alchimisten entwickelt, die sich hier in Beutebucht nieder gelassen haben. Sie nennen es I-n-s-e-k-t-e-n-s-p-r-a-y.“
„Und wofür ist das nun wieder gut?“ ungläubig schielte ich auf die Dose.
„Pass auf.“ Adrian schüttelte das Ding und nahm den Deckel ab. Dann drückte er auf einen weißen Knopf und die Dose spie feuchte stinkende Luft. Ich musste stark husten. Nachdem sich der entstandene Nebel gelichtet hatte, fielen mehrere Insekten tot zu Boden.
„Und nun. Tadaaaaaaaa! Alle verdammten Biester tot!“ ich musste noch immer husten und meine Augen tränten.
„Das Zeug stinkt ja furchtbar! Falls wir nach Beutebucht kommen sollten, werde ich den Gnomen da mal was von Fliederduft oder der gleichen erzählen!“
„Wie es riecht ist doch egal. Hauptsache wir haben Ruhe vor den Mistviechern.“ das war wenigstens ein Vorteil musste ich zugeben. Innerlich fragte ich mich woher Adrian nur diesen neumodischen Kram bekam.
Es war schon dunkel als wir den Nazferitisee erreichten und der Mond erhellte die kleine Lichtung, die wir uns als Nachtlager gesucht hatten. Ich entzündete ein Feuer und Adrian packte eine weitere Dose, diesmal mit Karotten und Erbsen, aus. Langsam wurde es spät und Adrian schnarchte bereits laut, bei ihm wollte ich nicht den Trick mit dem Halskraulen anwenden, der bei Sesharrim so gut klappte. Also musste ich es wohl ertragen. Ich war noch nicht müde und beobachtete die Glühwürmchen in den nahen Büschen. Das Feuer brannte nur noch als kleine Flamme und knisterte beruhigend, es wurde begleitet vom zirpen der Grillen und anderen nächtlichen Geräuschen. Es erinnerte ein mich wenig an Zuhause. Ich wollte die Gedanken verdrängen und beschloss ein nächtliches Bad im See zu nehmen.
Das Wasser wogte sanft und spiegelte das Mondlicht an der Oberfläche. Ich ließ mich in das kühle Nass sinken und entspannte mich ein wenig. In meinen Gedanken fragte ich mich was wir in Zul´Gurub wohl finden würden. In den nächsten Tagen sollte sich herausstellen, ob es nur ein alberner Traum war oder nicht. Ein rascheln holte mich aus der Gedankenwelt ins Hier und Jetzt zurück. Ich drehte mich um und sah nur noch, wie meine Sachen im Gebüsch verschwunden. Zuerst war ich ein wenig verwirrt und dann wütend. Ich wollte laut losfluchen, zum Glück verbat mir das meine Erziehung. Nass stapfte ich zu unserem Lager zurück und wollte Adrian wecken. Dann fiel mir ein, dass ALLE meine Sachen den Weg ins Gebüsch eingeschlagen hatten. So nackt wie ich war, konnte ich ihn natürlich nicht wecken. Was nun? Ich dachte daran, dass der Krieger immer irgendwas aus seinem Gepäck zerrt, warum dann nicht auch etwas anziehbares? Optimistisch fing ich an zu wühlen und wurde nicht enttäuscht. Ich hätte mir zwar etwas Besseres vorgestellt als einen dicken kratzenden Schafwollpullover mit Schwertmotiv, aber besser als nichts. Mit einem Gürtel hätte ich das Kleidungsstück als Kleid tragen können. So angezogen weckte ich den Krieger, ich musste ihn wach schütteln.
„Schnarch … Was? Wer? … Verdammtermist! Sie war gerade dabei …“ er verstummte als er in mein Gesicht blickte und sah mich verwirrt an. „Wieso trägst du meine Sachen? Den hat Mama für mich gemacht und nun trägst du ihn! Warum, Verdammtnochmal?“
„Schon gut, schon gut. Ich wusste nicht, dass du gleich so wütend wirst. Ich muss ihn mir kurz leihen. Ich war im See schwimmen und ein Katta hat mir meine Sachen gestohlen. Du musst mir helfen sie wieder zu finden.“
„Was zum Teufel ist ein Katta?“
„Ein diebischer Halbaffe. Komm schon, hilf mir. Sonst muss ich mir den Pullover länger ausleihen.“ gähnend stand Adrian auf und streckte sich.
„Also wo ist das verdammte Mistvieh?“ ich zeigte ihm die Stelle, an der meine Kleidung im Gebüsch verschwunden war. Dort begannen wir mit der Suche. Unweit unseres Ausgangspunktes fanden wir meine Unterwäsche an einem Ast hängen. Adrian griff danach und reichte sie mir mit einem breiten grinsen und einem „Süß.“ Zum Glück war es dunkel und mein rotes Gesicht nicht zu erkennen.
„Jetzt kannst du mir ja meinen Pullover wieder geben.“ sein grinsen wuchs in die Breite, es schien bestrebt zu sein, Adrians Ohren zu verschlucken. Ich beharrte darauf weiterhin den Pullover anzubehalten, bis ich den Rest meiner Sachen wieder hatte. Ein Stück weiter saß der Übeltäter in einem Baum und kaute an meinem Hemd. Aus leuchtenden Augen stierte er uns an.
„So, Adrian, du darfst jetzt der Retter in der Not sein, da rauf klettern und mir meine restlichen Sachen wieder zu beschaffen.“ aufmunternd klopfte ich ihm auf die Schulter. Ohne jede Widerrede begab er sich zu dem Baum. Das Katta beäugte ihn neugierig. Dann verschwanden beide im Laub. Ich hörte nur noch laute Flüche, dann krachte es hinter mir. Als ich mich umdrehte lag Adrian am Boden, an ein Stück Ast gekrallt. Ihm hinterher fielen meine Sachen aus der Baumkrone. Freudig strahlen nahm ich meine Sachen und verschwand hinter einem Baum. In den eigenen Sachen fühlte ich mich gleich viel wohler.
Die Aufregung reichte für eine Nacht und wir gingen zurück zum Lager, wo das Lagerfeuer sich in Glut verwandelt hatte. Sesharrim bekam von dem nächtlichen Diebstahl nichts mit und schlief weiterhin wie ein Baby. Adrian legte liebevoll seinen Pullover zusammen und verstaute ihn wieder in dem riesigen Gepäckberg. Dann legten wir uns schlafen.
In der frühen Dämmerung wurde ich von einem neuen Geräusch geweckt. Ich wollte nicht wissen was die Geräusche verursachte, bis ich eine Stimme vernahm.
„Wieso mir denn keiner helfen?“ fragte die Stimme. Ich stand langsam auf und ging in die Richtung aus der die Stimme kam. Nahe einem kleinen Felsen fand ich ein Seil im Gras liegen. Ich hob es auf und betrachtete es.
„Huhu, Elfe, ich sein hier oben.“ kam es aus der Baumkrone. Ich blickte hoch und sah etwas in einem Netz hängen. Es sah aus wie ein Tier, ein sehr merkwürdiges Tier.
„Kannst du mir helfen zu kommen aus dieser Falle?“ fragte mich die Gestalt. Stumm kam ich der Bitte nach und zog an dem Seil, das ich in den Händen hielt. Samt dem Netz stürzte das Tier mit einem „Au!“ zu Boden. Nun erkannte ich, was es darstellen sollte. Es war ein Wolf. Er schien substanzlos zu sein, denn seine goldbraune Gestalt war halb transparent. Mit in Falten liegender Stirn schaute ich zu wie sich das Tier von den restlichen Seilen befreite und schüttelte.
„Wer oder was bist du?“ fragte ich den Wolf. Er blickte mich an.
„Mein Name Von´rajas. Ich sein Trollschamane in Ausbildung.“ erwiderte er.
Teil 11
Ich blickte den Wolf verwundert an. Mir waren schon viele Schamanen begegnet, aber noch nie in dieser Gestalt.
„Und wieso siehst du aus wie ein Wolf?“ fragte ich den Troll.
„Dies sein Geisterwolf-Fähigkeit. Ich nicht kann reiten, also ich benutze Wolf um zu laufen schneller.“
„Klingt irgendwie logisch. Und was machst du hier?“
„Mein Meister mich geschickt hat zu suchen einige Pflanzen. Auf dem Rückweg ich geraten bin in das Netz.“ der Wolf drehte den Kopf und stieß mit den Hinterpfoten das Netz bei Seite. „Ich nur habe ein Problem. Ich nicht kann zurückgehen.“ fragend blickte ich ihn an.
„Wieso nicht?“
„Ich vergessen habe wie ich mich kann zurück verwandeln. Alle mich werden auslachen.“
„Kann dir dein Lehrmeister nicht helfen?“ fragte ich Von´rajas.
„Mein Meister sicher sagen wird ich sein zu dumm um Ausbildung fortzusetzen.“ er seufzte und ließ die Ohren hängen. „Ich werde gehen müssen zu anderem Großmeisterschamanen, der mir kann helfen.“
„Und wo ist dieser?“
„Ich nicht wissen. Ich noch nie war weit weg vom Schlingendorntal. Mit Schiff in Beutebucht man kann fahren nach Ratschet, mein Meister immer sagen. Vielleicht ich finde da jemand, der mir kann helfen. Aber Weg sein gefährlich und ich nicht kann gut kämpfen in Geisterwolfgestalt.“ traurig blickte der Schamane zu Boden. Nach kurzer Zeit schaute er mich mit großen traurigen Hundeaugen an. „Du mir vielleicht kannst helfen?“ so einem Blick konnte ich noch nie widerstehen. Den großen feuchten braunen Augen musste ich einfach helfen. Sobald Adrian und ich in Zul´Gurub waren, wollte ich mit dem Schiff nach Ratschet fahren. Eine Nervensäge mehr oder weniger war dabei nicht schlimm. Ich konnte Adrian ertragen, warum dann nicht auch einen Troll, der vergaß wie man aus einer Wolfsgestalt wieder raus kam?
„Ein Freund und ich reisen heute Richtung Zul´Gurub und dann nach Beutebucht. Wenn du willst kannst du dich uns anschließen.“
„Ich dürfen wirklich?“ freudig wedelte der Wolf mit dem S.chwanz und ich nickte. „Ich noch schnell holen meine Sachen. Sein da drüben in Busch.“ vor Glück hüpfend näherte er sich dem Gebüsch und zerrte etwas daraus hervor. Ich dachte es konnte nicht schlimmer kommen, aber ein rosa Rucksack? Ungeschickt versuchte er sich diesen aufzusetzen. Es sah recht komisch aus und ich musste mir das Lachen verkneifen. Als Von´rajas endlich seinen Rucksack auf dem Rücken hatte begleitete er mich zu Adrian.
„Was, Verdammtnocheins? Ein halb transparenter Wolf mit einem rosa Rucksack?! Wo hast du denn den aufgetrieben?“ ungläubig musterte Adrian das vor ihm stehende Tier. Ich erklärte ihm die Situation. Als ich erwähnte, dass Von´rajas sich nicht zurück verwandeln konnte, weil er schlicht und einfach vergessen hatte wie, musste der Krieger laut lachen.
„Du sehen. Alle lachen.“ wendete sich der Wolf seufzend an mich.
„Mach dir darüber keine Sorgen, über mich lacht er auch manchmal. Das ist ganz normal.“ ich musste ebenfalls seufzen.
„Na das kann ja heiter werden. Eine Jägerin mit Angst vor Spinnen, ein Wolf, der sagt er sei ein Schamane und meine Wenigkeit – zu mir muss ich ja nichts sagen – gehen zusammen nach Zul´Gurub? Verdammtermistundzugenäht. Viel schlimmer kann es ja gar nicht werden.“ mit diesen Worten begann es schlagartig in Strömen zu regnen.
„Was du gerade sagen?“ fragte der Trollschamane mit einem leichten lächeln auf dem Gesicht.
In diesem Regen machten wir uns nun auf nach Zul´Gurub. Der Boden war durch die Nässe matschig. Um nicht zu versinken führten wir die Pferde an den Zügeln durch den Schlamm. Moskitos behagten uns und Adrian behagte die Moskitos mit seinem Insektenspray.
„Ich nehme alles zurück. Ich mag das Schlingendorntal doch nicht.“ sagte ich und wischte mir die Haare, die auf meiner Stirn klebten, beiseite.
„Es sein Regenzeit, da es ist immer so nass. In Trockenzeit es sein, ähm, trocken.“ antwortete mir Von´rajas. Das half mir wenig und es änderte nicht an der Situation. Stumm nahm ich die Antwort zur Kenntnis. Sesharrim stakste an mir vorbei. Sein Fell war bereits von oben bis unten braunschwarz. Immer wieder wälzte er sich im Schlamm. Er war der Einzige, dem das Wetter gefiel.
„Sein deine Katze krank? Sie sich verhalten sehr komisch.“
„Wenn, dann wäre es chronisch. Er verhält sich immer so.“ gab ich Von´rajas als Antwort. Nickend stimmte er mir zu.
„Chronische Krankheiten sehr schlimm sein.“ meinte er weiter nickend. Vorwurfsvoll starrte ihn die große Katze an und über meinem Kopf bildete sich ein Fragezeichen.
Gerade als ich antworten wollte, erschienen vor uns die alten Tore von Zul´Gurub im Dunst. Majestätisch ragten sie empor. Zwei riesige Schlangenstatuen markierten den Eingang. Sprachlos starrten wir den Ruinen entgegen bis ich mich wieder fing. Ich sah zu Adrian, der mit offenem Mund reglos da stand. Mit meiner linken Hand drückte ich gegen sein Kinn und den Mund zu. Dadurch erwachte er aus seiner Trance und ihm entfuhr noch ein „Verdammtnocheins. Der helle Wahnsinn!“ bis er wieder im Hier und Jetzt weilte. Etwas schmunzelnd trat ich auf die Wand rechts von mir zu. Es schien als wäre die Zeit fast spurlos an dem hellen Sandstein vorüber gezogen. Ein wenig Moos wuchs an manchen Stellen und einige Säulen waren umgestürzt, aber das nahm Zul´Gurub nur geringfügig zur Kenntnis. Die alte Stadt strahlte immer noch Würde und vielleicht auch ein wenig Arroganz aus. Der behauene Stein zeigte viele Bilder von Schlangen und anderen hier heimischen Tieren, auch alte Gottheiten und Trolle waren zu erkennen. Wenn man es nicht wusste, konnte man von außen glauben, dass die Stadt immer noch belebt und alles andere als eine Ruine war. Nur die traurig dar liegende Straße, überwuchert von Dschungleplanzen, zeigte, dass es seit langem keine Besucher mehr gab.
Nach ausgiebiger Betrachtung des Gemäuers setzten wir uns in Bewegung und traten durch das riesige Tor. Ein kurzer dunkler Gang folgte. Durch kleine Öffnungen weit oben drang Licht hinein. Die Statuen, die den Weg säumten, wirkten in dem fahlen Schein gespenstisch. Nach wenigen Schritten erreichten wir das Ende des Ganges. Ein eingestürztes Holztor versperrte die Sicht nach draußen. An einer Ecke konnte man hindurch kriechen. Ich sollte den Anfang machen und Adrian wollte mir wieder „Rückendeckung“ geben. Ein wenig genervt begab ich mich auf die Knie und kroch durch das Tor. Das wiederkehrende Licht blendete mich. Ich hätte mir gewünscht, dass dieser Zustand anhielt, denn als ich wieder etwas erkennen konnte, schielte ich auf eine steinerne Speerspitze. Dieser Anblick war wenig erfreulich, aber noch weniger freundlich war der Blick des Besitzers des Speeres. Langsam stand ich auf, den Speer immer auf meine Nase gerichtet. Nun kam Von´rajas durch das Loch gekrochen gefolgt von Sesharrim. Beide wurden mit der gleichen Freundlichkeit empfangen wie ich. Durch einen Wink mit einem dieser Speere wurden beide zu mir an die Seite gewiesen. Mit gesträubtem Fell bewegten sich beide langsam zu mir und verharrten dort zwischen drei der Empfangsdamen.
„Verdammtermistnocheins! Meine schöne Hose! Zum Teufel!“ mit diesen Worten kam nun auch Adrian durch das Loch gekrochen. Er schielte nicht schlecht, als auch ihm der Speer an die Nase gehalten wurde. „Verdammt, …, ähm, Hallo?“ unsicher winkte er den Gestalten entgegen. Als diese freundliche Geste nicht wirkte, ließ er die Schultern hängen und trat Flüche murmelnd zu uns. Alle komplett wurden wir abgeführt. Um uns herum erschienen noch mehr Gestalten, die sich für uns interessierten. Sie murmelten untereinander in einer mir unbekannten Sprache. Dann kamen wir zu einer Art steinernen Bühne auf die wir gebracht wurden. Nicht lange und Adrian und ich standen an eine Schlangenstatue gefesselt vor ziemlich vielen blauhäutigen Zuschauern. Sesahrrim und Von´rajas hingen an den Pfoten gefesselt kopfüber an Holzpflöcken links und recht von uns. Die Zuschauer schienen eine Sympathie für Symmetrie zu genießen.
„Wer sind diese Gestalten?“ zischte ich aus dem Mundwinkel zu Adrian.
„Keine Ahnung. Verdammtnochmal! Frag doch unseren Möchtegern-Schamanen. … Verdammtermist, die Seile ruinieren meine Haut!“ ich rollte mit den Augen und wendete mich dem Wolf zu, der sich mit heftigen schaukelnden Bewegungen versuchte zu befreien. Die Anwesenden schien das zu belustigen. Ich zischte zu Von´rajas, doch dieser bemerkte mich nicht. Also machte ich ein etwas lauteres „Pssssst.“ bis er mich bemerkte und mir seine Aufmerksamkeit schenkte.
„Weißt du wer diese Leute sind?“ fragte ich den Wolf. Sein Kopf war von dem Herabhängen ein wenig rot angelaufen.
„Ich annehmen es sein alter Stamm von Dschungeltrollen.“ antwortete er mir. Mit einmal verstummten alle Anwesenden und blickten zu dem Wolf. Dieser schaute unsicher und hilfesuchend zu mir. Als ich ihm nicht helfen konnte wendete er sich dem Publikum zu.
„Äh … Wuff?“ fragte er.
Teil 12
Die lila bis grauen Gesichter starrten uns immer noch an. Nur eine mutig zirpende Grille unterbrach die Stille. Dann sprang ein Exemplar auf das Podest, sagte etwas in ihrer Sprache und alle Anwesenden begannen zu jubeln.
„Was hat er gesagt? Verdammtermistnocheins!“ rief Adrian zu unserem verängstigt schauenden Wolf.
„Ich nicht gut können alte Sprache. Grob übersetzt es heißen „Tier böse. Tier und Freunde sterben müssen.“ Mir das ganz und gar nicht gefallen. Soweit ich sehen, der Stamm bestehen aus Jägern. Scheinbar nicht kennen Schamanen und mich halten für bösen Geist.“ Adrian zischte noch ein „Verdammtermist“ bevor wir unsanft von flauschigen Händen verschleppt wurden. Adrian wurde von zwei Trollen an Händen und Füßen fort getragen, ich wurde von einem etwas größeren Exemplar über die Schulter geworfen und jeweils zwei Trolle hievten sich die Holzpfähle auf die Schultern, an denen Sesharrim und Von´rajas hingen. Der Säbler bekam von Allem nichts mit. Seit er an dem Pfahl hing schlief er und schnarchte. Scheinbar hielt er das für ein recht langweiliges Spiel.
Wir wurden in eine kleine Arena gebracht und grob auf den staubigen Boden gesetzt. Der Mob nahm auf den Tribünen platz. Es waren Pfiffe und Jubel zu hören. Ab und zu flogen Tüten mit Käfern und Obst von einem Troll, der auf einer Treppe auf und ab ging, zu einem der Zuschauer. Dann trat ein lilagrauer Troll weiter oben zu einem Sprachrohr und wendete sich an das Publikum mit einigen Worten, die sofort weiteren Jubel anstimmten. Nach und nach standen einige der Anwesenden auf und setzten sich wieder. Es sah aus wie eine Welle aus Trollen. Von den Fesseln befreit wurden wir nun alleine in der Arena zurück gelassen. Dann öffneten sich rechts und links von uns zwei Tore und ein unheilvolles Fauchen drang an unsere Ohren. Adrian war steif vor Angst und regte sich kein bisschen. Seufzend schaute ich zu Sesharrim, der inzwischen aufgewacht war. Interessiert schaute er zu den dunklen Öffnungen und brüllte ihnen entgegen. Von´rajas versteckte sich zitternd hinter mir. Es erklang wieder ein Fauchen und leuchtende Augen starrten uns aus der Dunkelheit an. Langsam näherten sich einige Schlingendorntiger. Sie knurrten und brüllten immer wieder. Sesharrim schien das zu gefallen, da er lange keine Säbler mehr gesehen hatte. Freudig trippelte er auf die fünf Tiger zu. Die Schlingendorntiger schien das zu wundern. Verwirrt traten sie einige Schritte zurück und legten die Ohren an. Bei den Tigern angekommen wurde Sesharrim neugierig beäugt und dann beschnuppert. Kurze Zeit später fingen die Tiere an zu Spielen. Offenbar hatten sie beschlossen Freunde zu werden. Ich griff mir an den Kopf. So etwas war unglaublich, hätte ich es nicht mit angesehen. Unter lauten Buh-Rufen und mit Hilfe von langen Stöcken wurden die erfolglosen Tiger zurück in die Käfige gescheucht. Der Frostsäbler schaute ihnen traurig hinterher. Die Tore schlossen sich.
Nach kurzer Zeit öffnete sich das Tor hinter uns. Diesmal erklang ein noch unheilvolleres Brüllen. Begeisterung machte sich breit, als das, was uns erwarten würde, angekündigt wurde. Nicht lange und wir sahen uns umzingelt von Raptoren. Sie schienen weitaus unfreundlicher zu sein als die Tiger und waren auch nicht gewillt mit Sesharrim zu spielen. Da Adrian immer noch stocksteif da stand und nur ab und zu einen Fluch von sich gab und Sesharrim deutlich furcht vor den Raptoren zeigte, mussten Von´rajas und ich die Sache in die Hand nehmen. Unsere Waffen wurden uns abgenommen, also konnten wir nicht kämpfen. Aus Angst vor dem bösen Geist ließen die Trolle jedoch Von´rajas seinen Rucksack.
„Hast du nicht eine Idee oder etwas Nützliches in deinem Rucksack?“ fragte ich den Trollschamanen. Sofort kam diesem eine Idee.
„Gut, dass du mich erinnern an Rucksack. Ich nehmen Geheimwaffe, aber ich nicht garantieren für Erfolg.“ es war zumindest besser als nichts. Unbeholfen versuchte der Wolf den Rucksack abzunehmen. Ich half ihm ein wenig, da sich der Kreis um uns immer weiter schloss. Dann öffnete Von´rajas ungeschickt den Rucksack und es kullerte eine grüne Kugel aus dem rosa Ding. Sie bewegte sich und machte Geräusche, die an „Fiep“ und an ein „Gliep“ erinnerten.
„Was? Das soll eine Geheimwaffe sein? Ein Smaragddrachenwelpe?“
„Sein Name sein Voo´doo. Ich gefunden habe sein Ei und ausgebrütet. Er sein sehr klug. Ich ihm selbst alles beigebracht habe.“ mit stolzgeschwellter Brust trat Von´rajas vor. „Voo´doo, du gut aufpassen jetzt.“ der kleine Drache zeigte seine aufmerksam schauenden Kulleraugen. „Das sein ganz böse Raptoren. Wollen deinem Papa Aua machen.“ zornig blickend drehte der Welpling seinen Körper. Dann watschelte er auf seinen Hinterbeinen in Richtung des Leitraptors und fiepte ihn laut an. Das Publikum lachte laut. Auch die Raptoren schienen unbeeindruckt und ignorierten Voo´doo. Ich schaute gespannt auf das Szenario. Wütend über die geringe Aufmerksamkeit schnappte der kleine Drache nach dem S.chwanz des nächsten Raptors. Dieser jaulte erschrocken und vor Schmerz auf. Nun galt dem Kleinen wieder alle Aufmerksamkeit. Der gebissene Raptor versuchte den Welpling zu erwischen und drehte sich im Kreis. Die anderen Raptoren stürzten sich ebenfalls auf das kleine Tier um dem Gebissenen zu helfen. Da Voo´doo recht klein war, gingen sämtliche Bisse und Kratzer der Raptoren daneben. Erstaunt beobachteten wir wie sich die Echsen nach und nach selbst ausschalteten. Auch Adrian und Sesharrim hatten sich wieder gefangen und feuerten den Kleinen, der immer noch hartnäckig an der S.chwanzspitze hing, kräftig an. Wieder erklangen laute Buh-Rufe und die Raptoren zogen von dannen. Stolz über seinen Sieg hoppelte der Smaragddrache zurück zu uns.
„Du haben gut gemacht Voo´doo. Papa sehr Stolz sein.“ lobte Von´rajas seinen Zögling. Immer noch fassungslos starrte der Rest von uns auf das kleine Tier, das sich mit lautem Fiepen über das Lob freute.
Wieder öffnete sich ein Tor. Durch dieses Tor drang Licht und wir konnten aus der Arena schauen. Allerdings stellte sich heraus, dass die Trolle uns nicht gehen ließen. Ein weiterer Gegner wurde angekündigt. Die Zuschauer grölten und begannen wieder mit dieser seltsamen Welle. Einige organisierten sich noch eine Tüte Käfer von dem Troll auf der Treppe und setzten sich wieder. Dann sahen wir das Unheil in Person durch das Tor schreiten. Ein Riesiger Raptor, wie ich ihn bis jetzt nur aus dem Un´goro Krater kannte, trampelte uns entgegen. Bei uns angekommen beugte sich das Tier vor und stieß ein lautes Gebrüll an. Von der Seite kam ein „Bähhhh! Verdammtnochmal!“ und ich sah Adrian ein wenig feucht neben mir stehen. Mit weiteren Flüchen wischte er sich weitere Hinterlassenschaften des Gebrülls aus dem Gesicht.
„So das reicht jetzt aber, Verdammtnochmal! Die Rüstung hatte ich gestern erst geputzt! Zum Teufel mit dir du dreimal verfluchtes Riesenechsenvieh!“ mit geballten Fäusten rannte Adrian auf die Echse zu und hämmerte mit diesen auf den linken Knöchel ein. Der Raptor schien sichtlich verwirrt. Diesen Zustand mussten wir nutzen. Ich schnappte mir Voo´doo und klemmte ihn mir unter den Arm. Er protestierte heftig, aber es musste sein. Dann stürmten wir los. Unterwegs griff ich noch nach Adrians Arm und zog ihn hinter mir her.
„Ich bin noch nicht fertig mit dem Freundchen!“ schrie er und wehrte sich gegen meinen Griff.
„Doch bist du. Oder willst du von wütenden Trollen erschlagen werden?“ Adrian blickte auf und sah wie wütende Trolle von den Tribünen in die Arena stürmten. Sie warfen mit Trinkhörnern, zerknüllten Tüten und Steinen. Die Riesenechse wurde von dem Mob überrannt und dann begann eine Massenschlägerei ohne Gleichen. Einige der Trolle, die scheinbar die Aufsicht hatten und mit Speeren bewaffnet waren, versuchten einzuschreiten und wurden einfach zusammengeschlagen. Draußen vor der Arena angekommen blickte ich zurück und bemerkte, dass alle mit der Schlägerei beschäftigt waren. Dennoch rannten wir weiter und machten nur einen kurzen Halt um unsere Ausrüstung einzusammeln. Wieder im Dschungel angelangt fielen wir kollektiv zu Boden und schnappten nach Luft. Voo´doo befreite sich aus meinem Griff und wackelte zurück zu seinem Ziehvater. Unterwegs hielt er noch einmal inne und trat mir mit einer seiner hinteren Klauen gegen den Fuß und beschwerte sich mit einem „Fiep!“
Teil 13
„Warum wir eigentlich gegangen da hinein?“ fragte Von´rajas etwas atemlos und versuchte mit einer Pfote auf das Tor hinter ihm zu zeigen. Als ihm das nicht gelang drehte er sich um und deutete wieder auf das Tor, diesmal gelang ihm das besser.
„Weil wir gedacht hatten, dort etwas zu finden.“ antwortete ich ihm. Dann fiel mir der Anhänger zurück ins Gedächtnis. Ich holte ihn aus meiner Tasche. „Ich glaube das Ding hat uns her geführt.“ Adrian stimmte mir mit einem Nicken zu und schnappte dann weiter nach Luft. Ich hielt Von´rajas den Anhänger hin. Als er näher kam um den blauen Stein genauer zu betrachten, leuchtete er hell auf. Etwas erschrocken wichen wir voneinander und das Leuchten klang ab. Noch einmal hielt ich dem Geisterwolf den Anhänger entgegen und wieder begann dieser zu Leuchten.
„Das sein aber sehr komisch. Wo du her hast die Kette?“
„Ich habe sie vor einigen Tagen in Sturmwind zwischen Trümmern gefunden.“ antwortete ich ihm.
„Ich gesehen habe in Abschriften alter Bücher meines Meisters Bilder von Ketten. Sein von magischer Natur, er sagen. Ich glauben gesehen zu haben auch diesen blauen Stein.“ Adrian und ich blickten gleichzeitig auf.
„Das verdammte Ding da soll magisch sein?“
„Ich nicht genau wissen. Ich nur gesehen haben einige Bilder. Leider die Abschriften des Meisters wurden zerstört, als ich haben experimentiert mit einigen explosiven Kräutern zur Herstellung von guten Tränken.“ er erweckte den Anschein rot zu werden und ließ die Ohren hängen. Die Sache war dem jungen Schamanen sichtlich peinlich. „Mein Meister mir immer noch nicht wieder geben leicht brennbare Substanzen.“
„Das ist auch besser so, Verdammt.“ entgegnete Adrian. Damit hatte er Von´rajas noch mehr in Verlegenheit gebracht.
„Aber sicher kannst du uns gleich sagen, wo man die Originale zu den Abschriften deines Meisters finden kann, oder?“ fragte ich mit einem hoffnungsvollen Blick.
„Soweit ich wissen mein Meister hatte Kopien von Kopien der Bücher, gab es in alter Stadt von Untoten. Wie sie doch gleich heißen? … Unterstadt? Das können sein, … ja. Es heißen Unterstadt.“ ich seufzte laut. Ausgerechnet Unterstadt. Ich mochte Hordler nicht sonderlich, und am wenigsten Untote. Ich musste allerdings zugeben, dass Von´rajas eine Ausnahme bildete. Ihn fand ich lediglich etwas seltsam.
„Also müssen wir wohl einen Weg nach Unterstadt finden, um mehr herauszufinden?“ fragte ich.
„Wieso werfen wir das verdammte Mistding nicht einfach weg?“
„Oh, ich glauben wir nicht müssen nach Unterstadt.“ das war eine Erleichterung. „Die Bibliothek sein eh abgebrannt bei Großangriff von … von … hach es mir liegen auf der Zunge … so Leute in Rot eben.“ und schon verflog sie eben gekommene Erleichterung wieder.
„Den verdammten Verein gibt’s immer noch? Ich dachte seit dem Tot des Hochinquisitors gibt’s die Jungs und Mädels nicht mehr, Verdammtnochmal!“ ließ sich Adrian vernehmen.
„Soweit ich wissen, sie sich neu formiert hat unter neuem Inquisitor.“ ein Seufzer entfuhr Adrian und mir gleichzeitig. Innerlich verfluchte ich die Scharlachrote Legion.
„Und was machen wir nun?“ fragte ich.
„Ich gehört haben, in Burg Schattenfang leben seit einiger Zeit Magier von Verlassenen. Er sein sehr Hochrangig und haben große Bibliothek mit magischen Büchern. Er haben könnte Originale der verbrannten Bücher.“ die Erkenntnis reifte immer mehr in unseren Köpfen. Wenn wir also mehr herausfinden wollten, mussten wir uns nun in die Gebiete der Untoten begeben. Ich ahnte Schreckliches, aber dennoch war ich neugierig und wollte unbedingt mehr wissen. Es blieb nur eine Frage ungeklärt.
„Und wie zum Henker sollen wir in den Silberwald gelangen? Der Weg ist, Verdammtnochmal, sehr weit. Und Yava, du kennst ja die Angewohnheiten meines Mistviehs.“ leider war das wahr. Mit Blinky wären wir in einem Jahr noch nicht im Silberwald.
„Wir nehmen könnten Flugschiff aus Lager von Grom´Gol. Es fliegen direkt nach Unterstadt. Von dort wir gelangen schnell zur Burg.“ Von´rajas erntete erheblich böse Blicke von uns und zog sofort den Kopf ein. Dennoch behielt der Troll Recht. Es war die schnellste Möglichkeit in den Silberwald zu kommen. Nun fehlte nur noch eine Idee, wie wir mitsamt Sesharrin und den Pferden – die keinesfalls unauffällig waren – auf das Luftschiff gelangen. Normalerweise improvisierte ich bei solchen Situationen, eine ausgeklügelte Idee funktionierte so gut wie nie. Warum sich also Gedanken machen? Adrian war auch dieser Ansicht, Von´rajas wurde überstimmt und sein Haustierchen hatte nichts zu melden.
Zur Sicherheit hatten wir uns inzwischen etwas weiter von Zul´Gurub entfernt. Langsam wurde es dunkel und selbst am Nazferitisee konnte man hören wie in Zul´Gurub immer noch buchstäblich die Fetzen flogen. Wir suchten Schutz vor dem weiterhin anhaltenden Regen unter einigen Felsen und ein weiteres Mal zündete Adrian ein Feuer an. Gemeinsam setzen wir uns davor. Unsere nassen Kleider oder Felle trockneten schnell in der Wärme. Adrian fluchte ein wenig, da sein ganzes Gepäck auf dem Rücken von Blinky ruhte. Während unseres Aufenthaltes in Zul´Gurub warteten die Pferde mit dem Großteil der Sachen vor der Stadt im Regen, dadurch waren alle zurückgelassenen Dinge durchnässt. Liebevoll versuchte Adrian seine Schwerter mit einem nicht gänzlich feuchten Tuch zu trocknen. Währenddessen erzählte Von´rajas von seinem Heimatdorf. Ich kannte den Ort nicht, er lag tief im dichtbewachsenen Schlingendorntal und existierte erst sein ungefähr dreißig Jahren. Lange sprach er von seinem „Meister“, er war offenbar eine Art Ersatz für seine Familie, die in Orgrimmar lebte. Mit der Zeit wurden wir sehr müde und beschlossen zu schlafen um am nächsten Tag gut ausgeschlafen unser Vorhaben zu verwirklichen. Adrian ermahnte mich noch einmal nicht in Versuchung eines nächtlichen Bades zu kommen und legte sich dann, seine Zweihandaxt im Arm, schlafen. Sesharrim stellte sich für mich als Kissen zur Verfügung und Voo´doo verkroch sich wieder in die Tiefen des rosa Rucksacks. Dann schliefen wir alle ein.
Der Morgen kam viel zu schnell und sehr nass. Es regnete schon wieder in Strömen. Meine Knochen schmerzten noch immer von der groben Behandlung der Dschungeltrolle. Adrian hatte sich bereits um das Frühstück gekümmert. Bevor ich anfing mit essen, schaute ich prüfend aus unserem Unterschlupf, um sicher gehen zu können, dass uns keine wütenden Tiere auflauerten, deren Eier von einem gewissen Krieger gestohlen wurden. Erst danach fing ich an zu essen. Nach dem Frühstück packten wir unsere Sachen und brachen Richtung Grom´Gol auf. Die Karotte am Stiel funktionierte immer noch bestens - ein Jammer, dass eine Karotte verderblich ist - und Von´rajas hatte sichtliche Probleme mit Blinky und Darus mitzuhalten. Wir hielten kurz inne, damit er aufholen konnte. Herzzerreißend keuchte er uns entgegen. Kurzerhand beschloss ich den armen kleinen Kerl mit den großen traurigen Augen – Mist, das funktioniert auch immer wieder bei mir – nicht mehr laufen zu lassen, nahm ihn wie ein ungeschicktes kleines Kind unter den Vorderbeinen und hob ihn so auf Darus´ Rücken. Wie ein nasser Sack hing er nun über dem Pferderücken, aber es war besser als zu laufen. Ohne die kurzen Pausen, um den Geisterwolf aufholen zu lassen, kamen wir viel schneller voran.
Bald darauf kamen wir völlig durchnässt am Lager von Grom´Gol an. Von weitem sahen wir das große Luftschiff der Horde. Es sollte bald ablegen, möglichst mit mir und den Anderen an Bord. Nun mussten wir uns schnell etwas einfallen lassen. Von´rajas konnte einfach so ohne Probleme mit einem der beiden Reittiere als sein Eigen an Bord gehen. Die größte Sorge bereitete mir Darus, er ging so gut wie nie freiwillig an Bord eines Schiffes und wenn, dann hing er die ganze Dauer der Reise mit dem Kopf über der Reling. So etwas würde sicher auffallen. Doch dann zeigte Adrian nach links. Ein Orc hatte Binky dort angebunden und ihm einen Zettel mit der Aufschrift „Frachtgut, Von´rajas, Tirisfal (noch zu verschiffen)“ auf den Allerwertesten geklebt. Nicht lange und ein zweites etwas größeres Pferd gesellte sich zu Blinky, es trug ebenfalls diese Aufschrift. Schnell entsorgten Adrian und ich den Rest der Kohle von einen nahen Feuer und des „zufällig gefundenen“ Reispapiers, dann verkrochen wir uns wieder hinter einem Stapel Kisten. Nun galt es für Sesharrim, Adrian und mich eine Mitfahrgelegenheit zu finden. Suchend ließen wir unsere Blicke schweifen.
Alles hier bestand aus Holz: Holzpalisaden, Holzhütten, Holztürme, Holzköpfen und so weiter. Ein alter Orc vertrieb sich die Zeit indem er Fegte, was jedoch zum scheitern verurteilt war, da der ganze Boden zurzeit durch den Monsun schlammig war.
„Wahrscheinlich suchte er nur eine Möglichkeit um nicht zu Hause bei seiner Frau zu sein.“ vermutete Adrian. Zwei Tauren in Matrosenanzügen und Ankertattoos auf den Oberarmen standen an einem anderen Stapel Kisten gegenüber von uns und unterhielten sich. Ihre geputzten goldenen Nasenringe glänzten auch jetzt im Regen. Meine guten Augen erkannten, dass Zettel an den Kisten klebten. Sie sollten nach Orgrimmar per Luftschiff gebracht werden. Ich stieß Adrian in die Rippen und als er mich ansah zeigte ich zu den Kisten für Orgrimmar. Er verstand sofort. Triumphierend lächelten wir uns an, dann blickten wir nach unten und tatsächlich: Die Kisten, die uns als Versteck dienten, sollten nach Tirisfal verschickt werden. Eine Kiste brachen wir mit einem Dolch auf, warfen das ganze Frachtgut, das aus Verbänden bestand, aus der Kiste und stopften mit großer Mühe einen sich heftig wehrenden Frostsäbler hinein. Ich kraulte ihn noch kurz, dann schloss ich die Klappe und überprüfte, ob es genügend Luftlöcher für ihn gab. Dann nahmen wir uns zwei weitere Kisten vor. Ich grinste noch einmal und dann wurde es dunkel.
Teil 14
Die Kiste wackelte arg, ein gutes Zeichen, dass wir an Bord gebracht wurden. Ich hoffte, dass alles gut gehen würde. Hufe trampelten über die Holzplanke. Sie gehörten sicher den zwei Tauren im Matrosenanzug. Ziemlich grob landete die Kiste auf dem Boden und ich schlug mir dabei den Kopf am Kistendeckel an. Ich beschloss nie wieder diese Reisemethode auch nur annähernd noch mal in Betracht zu ziehen, erst recht nicht, wenn ich mir eine Box mit einem Krieger teilen musste.
„Adrian?“
„Yava?“
„Du könntest mich sehr glücklich machen, weißt du das?“ ich stellte mir ein anzügliches Grinsen des Kriegers vor als er antwortete, erst jetzt merkte ich, dass man meine Frage auch falsch verstehen könnte.
„Wie das denn? … Ich weise nur noch mal darauf hin, dass ich ein Mensch bin und du eine Nachtelfe. Es würde nicht funktionieren mit uns …“
„So meinte ich das jetzt eigentlich nicht.“ antwortete ich genervt.
„Achso?“ fragte der Krieger unschuldig.
„Ich meinte damit, dass ich weitaus glücklicher wäre, wenn du deinen Fuß aus meinem Gesicht nehmen würdest.“
„Oh, achso … Schade …“
„Wie war das?!“
„Ach nichts …“ in letzter Zeit seufzte ich viel zu oft, aber jeder Seufzer war berechtigt. Ich bemitleidete mich selbst. Warum passierte nur mir so was? „Ganz schön dunkel hier drin.“ lenkte er vom Thema ab.
„Ja.“ antwortete ich. Dann war es kurze Zeit still. „Adrian?“
„Was ist denn noch?“
„Ich wäre dir auch sehr dankbar, wenn du deine Hand da wegnehmen könntest.“ schweigend zog er seine Hand weg. Ein erneuter Seufzer entfuhr mir. Ich hatte es wirklich nicht leicht.
Die Geschäftigkeit im Frachtraum nahm langsam ab. Ich erkannte das an den abnehmenden Geräuschen. Durch ein Luftloch konnte ich sehen, wie einige Tauren und Orcs die letzten Kisten festbanden, den Raum verließen und die Tür schlossen. Dann hörten wir den gedämpften Klang eines Hornes. Das Luftschiff wackelte ein wenig. Alles erweckte den Anschein, dass wir ablegten. Die Reise in der Dunkelheit war äußerst langweilig. Wir vertrieben uns die Zeit mit kleinen Rätseln. Neben unserer Kiste erklang ab und zu ein leises wimmern, dass nach einer Weile in schnarchen überging. Schlicht und einfach es mangelte nicht an Langeweile. Mit Rätselraten, dem Spiel „Ich-sehe-was-das-Du-nicht-siehst“, was sich in der Dunkelheit als unpraktisch erwies, und einem untermalenden Schnarchen vergingen die Stunden. Ich beschloss den ersten Baum, den ich in Tirisfal antraf zu umarmen und den Boden zu küssen.
Plötzlich fing das Schiff an zu wackeln. Nach einiger Zeit wurde es stärker. Manche Kisten lösten sich und rutschten im Frachtraum hin und her, unter anderem auch die, in der ich steckte. Lautes Trampeln dahin rennender Füße und Hufe an Deck ließ vermuten, dass wir in einen Sturm oder ähnliches geraten waren. Leise Stimmen, die wohl Befehle riefen, waren zu vernehmen. Der Sturm wurde immer heftiger und die Kisten beschränkten sich nun nicht mehr nur auf Rutschen, sondern flogen im Frachtraum umher. Mein Kopf schlug heftig gegen eine Seitenwand der Kiste und vor meinen Augen wurde es schwärzer, als es eh schon war.
Als ich wieder zu mir kam, blendete mich ein helles Licht. Das Geschrei von Möwen konnte ich nicht überhören, dazu kam eine Portion Meeresrauschen. Langsam gewöhnten sich meine Augen an das grelle Leuchten und ich Blickte in zwei riesige Nüstern, die zu Blinky gehörten. Sie jagten mir einen gewaltigen Schreck ein. Aus verschiedenen Richtungen kamen Stöhnen und Schmerzensklagen. Ich richtete mich vorsichtig auf und schob Blinkys Nase leicht zur Seite um mehr zu erkennen. Sesharrim stakste gerade aus dem Wasser, sein Kopf war mit Algen und Tang bestückt und eine Krabbe hing an seiner S.chwanzspitze, was den Säbler reichlich wenig interessierte. An Land angekommen schüttelte er sich kräftig. Grünpflanzen flogen umher und die Krabbe verzog sich wieder zurück ins Wasser. Hinter mir erklang eine tiefe Stimme, die zu einem Orc, wahrscheinlich dem Kapitän, gehörte.
„O.k. alleee Maaann. Weeer ist nicht Tohot? Meldungen bitte!“ sagte der Orc. Die Meldungen bestanden aus einem kollektiven Stöhnen und einem gelegentlichen „Au, mein Hintern!“ Das schien den Orc zufrieden zu stellen. Wo war ich nur gelandet?
Langsam dämmerte es mir und ich fuhr hoch. Der Sturm! Ich drehte mich um und sah in die Runde aus klagenden Tauren und Orcs. Sie beachteten mich nicht. Bei genauerer Betrachtung der Umgebung musste ich feststellen, dass Tirisfal normal nicht aus weißem Strand, Palmen, Meer und Möwen bestand. Oh nein! Wir waren gestrandet, gestrandet auf einer Insel im Meer. Noch schlimmer: Gestrandet auf einer Insel im Meer und von Hordlern umgeben! Der Sturm musste den Kurs des Schiffes erheblich verändert haben. Oberhalb vom Strand erkannte ich ein kleines grünes Etwas, das versuchte sich aus dem Griff einer Astgabel zu befeien. Es fiepte laut. Kurzerhand lief ich über den Sand und befreite Voo´doo. Auf dem sicheren Boden angekommen fing der kleine Drache sofort zu schnuppern an und hoppelte in eine bestimmte Richtung. Bald darauf fand ich Von´rajas. Seine Schnauze schaute unter einem Busch hervor. Laute Flüche, die durch die Luft flogen, gaben nach kurzer Zeit ihren Ursprung preis. Adrian kam durch das Gestrüpp gelaufen und klagte laut über einen weiteren Kratzer auf seiner Brustplatte. Nicht lange und auch Darus kam über den Strand geschwankt. Der Flug bekam ihm nicht gut. Immer wieder hielt das Pferd inne und taumelte auf der Stelle, bis es festeren Halt fand und weiter torkelte. Nun war die Gruppe wieder komplett.
Ratlos setzten wir uns and den Strand und starrten auf das gemütlich wogende Meer. Meine Knochen schmerzten stark und die Wunde, die ich vor einigen Tagen davon getragen hatte brannte. Sie wollte nicht richtig verheilen. Sesharrim fand eine Möglichkeit mich abzulenken. Der immer noch nasse Frostsäbler wälzte sich im Sand und alles blieb an ihm kleben. Das nun in Sandkatze umgetaufte Tier brachte uns alle zum lachen. Mit einmal erschien ein Schatten, der zu einem riesigen Klumpen Taure gehörte. Scheinbar wollte er Streit. Andere Hordler gesellten sich zu uns und alle, bis auf einen Orc mit zwei geschwollenen blauen Augen, blickten uns grimmig an. Wir standen auf und ein Orc stieß Adrian unsanft an, was einer Todsünde für den Krieger gleichkam. Nicht lange und ich blickte auf eine Staubwolke, in der sich ein Krieger mit mehreren Hordlern prügelte. Ab und an schlugen auch die Hordler auf einander ein. Sesharrim und Von´rajas entschlossen sich auch mitzumischen. Ich ließ die Schultern hängen. Männer! Egal welcher Rasse oder Seite sie angehörten, es war immer das Gleiche. Der Kapitän gesellte sich zu mir. Er schien ein vernünftiger Kerl zu sein und bereits akzeptiert zu haben, dass er sich die Insel wohl mit uns teilen musste, bis wir gerettet wurden. Pfeife rauchend stand er neben mir. Er war recht groß und hatte die für einen Orc typische grüne Haut. Seine Kapitänskluft war zerfetzt, aber das hinderte ihn nicht daran die rechte Hand unter die Reste seiner Jacke zu schieben. Ein Admiralshut, der Federn gelassen hatte, zierte seinen Kopf. Das linke Auge kniff er zu, obwohl es nicht verletzt war, es gehörte wohl zur Etikette eines Kapitäns.
Wir einigten uns darauf die Insel zu teilen bis wir gefunden wurden. In nur wenigen Minuten und einigen strengen Worten war der Haufen voneinander getrennt und ein dicker Strich im Sand teilte unsere Hälfte von der der Schiffsmannschaft. Es wurde ein Gebot erlassen niemals und wenn das Leben davon abhinge diese Linie zu überschreiten. Die ehemaligen Schläger standen nun an der jeweiligen Seite der Linie und warfen sich böse Blicke zu. Ich nutzte die Zeit um die Insel etwas auszukundschaften und um nach Nahrung und Wasser zu suchen. Im dichten Gestrüpp fand ich eine Quelle. Verschiedene Pflanzen trugen unterschiedliche Früchte. Für Nahrung und Wasser war also gesorgt. Erleichtert stellte ich auch fest, dass es hier keine Affen oder Spinnen gab. Bei Sonnenuntergang kehrte ich an den Strand zurück. Die Leichtmatrosen und meine Begleiter hockten immer noch an derselben Stelle und führten ihr Blickduell fort. Ich schüttelte den Kopf, setzte mich auf einen Felsen und betrachtete den Sonnenuntergang. Das Licht tauchte das Meer und den Stand in ein rotes glühen. Sanft bewegte sich die Brandung vor und zurück. Es ergab einen beruhigenden Klang von sich. Vielleicht war der Inselurlaub gar nicht so schlecht. Ich konnte tatsächlich einige Tage Entspannung gebrauchen. Langgestreckt legte ich mich auf den Felsen, den roten Himmel und die vorbei ziehenden Vögel beobachtend. Mittlerweile verschwand die Sonne und erfüllte den Horizont noch einen Augenblick mit einem leichten Glühen, dann wurde es nach und nach dunkel. Bei den Nachbarn gaben einige der Starrer auf und Lagerfeuer wurden angezündet, ich tat ihnen gleich. Einige sammelten Strandgut auf, darunter auch einige Flaschen Alkohol, die am ganzen Strand verstreut lagen. Offenbar sollte das ein lustiger Abend werden. Ich seufzte erneut.
Teil 15
Auch meine Begleiter entschieden sich eine Starrpause einzulegen und gesellten sich an mein kleines Feuer. Im improvisierten Hordelager waren bereits die ersten Matrosen mit Trinken beschäftigt. Manche von ihnen tanzten und sangen. Ein nackter Orc rannte zwischen den Feuern hin und her, was ihm reichlich Jubel einbrachte. Der Kapitän hockte auf einem Felsen und betrachtete die Szenerie. Ohne auch nur eine Miene zu verziehen blieb er sitzen, als einige Tauren ihn mit Blumen schmückten. Gelassen rauchte er weiter sein Pfeifenkraut.
„Was tust du da, Verdammtnochmal?“ rief Adrian den Strand hinauf. Von´rajas streifte an den Büschen entlang und erweckte den Anschein etwas zu suchen. Dann kroch er in einen nahen Busch, dass nur noch sein Hinterteil zu sehen war. Als er wieder ganz zum Vorschein kam, hatte er etwas im Maul. Hoch erhobenen Hauptes kehrte er zu uns zurück und ließ einige Blätter fallen. Fragend blickte ich die geisterhafte Wolfsgestalt an. Er zog seinen Rucksack heran.
„Du mir helfen können, Adrian?“ er kippte den Rucksack um und diverse Einzelteile verteilten sich im Sand.
„Wie viel Krimskrams passt denn in den Rucksack?“ fragte ich verblüfft. Der Rucksack war gerade groß genug für den Welpling.
„Das sein Geschenk von Meister. Rucksack sein verzaubert mit Schamanenkünsten. Es sein eine Art Rucksack ohne Boden.“ mit großen Augen starrte ich ihn ungläubig an.
„Wie soll ich dir denn helfen?“ fragte Adrian. Auch er schien ein wenig verwirrt.
„Ich dir sagen was zu tun. Mit Pfoten ich nicht kann zusammenbauen die Einzelteile.“ Von´rajas deutete auf eine Art Vase. „Yava, du können füllen Wasser in Behälter?“ ohne weitere Fragen nahm ich die blaue Vase und begab mich zur Süßwasserquelle. Als ich zurück am Lager ankam, waren die restlichen Teile bereits zu einem Gebilde aus Metall und Schläuchen gewachsen. Auf Von´rajas’ Anweisung hin steckte Adrian das Gebilde auf die Vase.
„Du nun noch nehmen ein Stück Kohle. Legen es hier drauf.“ er zeigte die gemeinte stelle. „Dann du zerpflücken Pflanze hier und es legen hier hin.“ auch die Stelle wurde Adrian an dem Gebilde gezeigt und er tat wie ihm gesagt wurde.
„Und nun?“ fragte ich, neugierig was das wohl werden sollte. Es war wohl eine Art merkwürdige Pfeife.
„Wir warten.“ langsam bildete sich Rauch in der Vase. „So, nun du kannst nehmen einen Schlauch. Nehmen in Mund und einen kräftigen Zug.“ Adrian machte den ersten Versuch. Das Wasser blubberte wie in Gläsern eines Alchimistenlabors.
„Zum Teufel damit! Das Zeug ist ja der helle Wahnsinn! Was ist das?“ gierig nahm der Krieger einen weiteren Zug. Von´rajas hatte sich einen anderen Schlauch zwischen die Vorderpfoten geklemmt und nahm ebenfalls einen kräftigen Zug. Ich verzichtete auf dieses Erlebnis.
„Es sein Wasserpfeife. Kraut ich gefunden habe da vorn. Es sein Art Trollkraut.“
„Guter Stoff, Verdammtermist!“
Einige Orcs und Tauren hatten sich an der Linie im Sand versammelt und beobachteten das Geschehen. Trolle standen auf ihrer Seite, also wussten sie wahrscheinlich was meine Begleiter da veranstalteten. Selbst Voo´doo und Sesharrim ließen sich den Genuss nicht entgehen. Die Verträglichkeit war bei den beiden nicht sonderlich hoch. Nach dem zweiten Zug entfernten sie sich ein wenig und fauchten glücklich. Es sollte wohl eine Art Gesang, in meinen Augen großer Katzenjammer, werden. Einige Meter entfernt sanken die Zwei zu Boden, grölten noch einmal auf und schliefen ein.
„Kommt ran Friends!“ schrie Adrian und winkte den Hordlern zu. Leise fügte er hinzu „Was sind Friends?“ sofort zuckte er mit den Schultern und begrüßte den ersten Neuankömmling. Er drückte ihm einen Schlauch in die Hand und der Hordler reichte Adrian seine Flasche Rum. Kurze Zeit verging und alle Hordler, die noch im Stande waren zu laufen, oder eher zu schwanken, saßen um mein kleines Feuer. Alle waren betrunken und benebelt vom Rauch. Von´rajas saß da und schluchzte, er erzählte dem Tauren neben ihm, dass er sich nicht zurück verwandeln konnte. Dieser tröstete ihn mit einem Schluck aus seiner Flasche. Adrian hatte ein Lied angestimmt und übernahm die Rolle des Dirigenten. Schiefe Töne hallten durch die tropische Nacht. Darus und Blinky hatten einige Schluck Bier bekommen und versuchten im Takt mitzuwiehern. Die zwei Tauren, die wir in Grom´Gol beobachtet hatten, saßen links und rechts neben mir. Einer reichte mir immer wieder den Schlauch der Wasserpfeife oder eine Flasche mit Alkohol, die ich dankend ablehnte und einfach weiterreichte. Der andere versuchte mit mir zu flirten, was mir reichlich unangenehm war. Betrunken torkelte Adrian zu ihm.
„Ey, Alter, das isch mein Mädschen, kapische?“
„Ich bin niemandes Mädchen, klar?“ fauchte ich sofort zurück. Der Taure erhob sich schwankend.
„Willscht wohl mit mir vor de Türe, wasch?“ provozierte er den Menschen. Adrian versuchte ihn mit der Faust zu schlagen, traf jedoch nur leere Luft. Dem Tauren erging es ebenso. Nach wenigen Luftschlägen sanken beide lachend und lallend zu Boden. Mit einmal waren sie wieder gute Freunde, zumindest für den Abend. Der nackte Orc tanzte fröhlich um die kleine Runde und wurde mit Rufen angefeuert. Dann schrie ein anderer Orc etwas.
„Die schüsche Elfe scholl tanzen!“ die Antwort war ein kollektiver Jubel und ich wurde von allen Seiten angeschubst. Stocksteif blieb ich sitzen und rührte mich kein Stück. Nach weiteren Stößen beschloss ich meine Fähigkeiten zu nutzen und mit den Schatten zu verschmelzen. Langsam verblasse meine Gestalt.
„Hey, wo isch schie hin?“ fragte einer der Hordler. Ich saß immer noch an Ort und Stelle und rührte mich keineswegs um nicht wieder aufzutauchen. Der Illusionstrick funktionierte besonders gut bei Betrunkenen, da sie alles doppelt sahen. Nur kurz schenkten die Anwesenden der leeren Lücke Beachtung, dann wendeten sie sich wieder ihren Flaschen und der sich inzwischen vermehrten Wasserpfeifen aus Von´rajas rosa Rucksack zu. Mehrere bunte Exemplare dieser Dinger standen in allen Formen und Größen um das Feuer verteilt. Mit den Schatten verschmolzen beobachtete ich die Bagage den Rest des Abends.
Als ich am Mittag erwachte und über die Verwüstung blickte, sah ich wie sich die Alkoholleichen langsam erhoben und über Kopfschmerzen klagend wieder in Richtung ihrer Hälfte wankten. Die Tiere und Adrian schliefen noch immer ihren Rausch aus. Von´rajas hingegen war hell wach und verstaute die gesäuberten Einzelteile seiner sechs Wasserpfeifen wieder im bodenlosen Rucksack.
„Guten Morgen. Du gut geschlafen hast?“ fragte mich der Troll.
„Dir auch einen guten Morgen.“ brachte ich ihm entgegen. Es sollte ein sonniger und warmer Tag werden. Bis unser Krieger wieder erwachte sammelten Von´jaras und ich einige Palmenblätter und Äste. Damit bauten wir und einen Sonnenschutz. Ich hatte immer auf eine solche Gelegenheit gewartet und kramte meinen neuen weißen Bikini aus meinen Taschen, die ich unter Treibgut gefunden hatte, hervor. Schnell verschwand ich hinter dem nächsten Baum und zog ihn an, dann legte ich mich genüsslich in die Sonne. Auch ein Nachtelf konnte gelegentlich Farbe vertragen. Nach zwei Stunden Sonnenbad meinerseits und Planscherei von Von´rajas, Sesharrim und Voo´doo erwachte auch Adrian aus dem Winterschlaf. Seine langen Haare waren zerzaust und mit welken Blüten bestückt, sein Gesicht war mit Kohlestrichen bemalt. Mit müden Augen kratzte er sich am Kopf. Plötzlich sah er etwas. Auf einmal munter und mit großen Augen starrte er in eine Richtung. Er war sichtlich verängstigt. Ich blickte in die gleiche Richtung und war geschockt. Eine kleine Gestalt kam den Strand hinauf, eine Schaufel über die Schulter geworfen. Besorgnis erregte nur der Begleiter dieser Gestalt. Riesig war gar kein Ausdruck für die Größe der Erscheinung. Sie war rotschwarz, hatte große Fledermausartige Flügel und Hufe. Eine innere Stimme sagte mir, dass dieses Wesen wahrscheinlich nicht freundlich war. Es war eindeutig ein Dämon. Mit großen Schritten näherten sich die zwei Gestalten. Dann erkannte ich ein neues Detail an dem Riesen, er trug etwas auf dem Kopf. Es war …ein Tropenhelm?
Teil 16
Die Gestalten kamen immer näher. Soweit ich wusste, war dieser Riesendämon eine Verdammniswache. Der Koloss stampfte gehorsam hinter seinem Meister, einem Hexenmeister der Gattung Mensch, her. Er trug außer seinem Tropenhelm, eine Sonderanfertigung mit Löchern für die Hörner, noch einen großen Rucksack, in dem unsere kleine Truppe bequem Platz gefunden hätte und einen Schultergurt, an dem mehrere Fläschchen baumelten. Das geradezu riesige Schwert trug der Dämon ebenfalls auf dem Rücken. Der Hexenmeister war ein junger Mann mit kurzen schwarzen Haaren und gestutzten Bart, ebenfalls schwarz. Er trug eine lange lilagraue Robe, die er so unter seinen Gürtel gestopft hatte, dass eine kurze braune Hose und käseweiße Beine sichtbar waren. Seine Schuhe Baumelten am Rucksack des Dämons. Die Ärmel der Robe waren hoch gekrempelt und zeigten ebenso weiße Arme wie es die Beine waren.
Der Hexer machte große Schritte und sein Mund bewegte sich dabei. Es sah so aus, als zähle er jeden einzelnen Schritt. Nach einigen großen Schritten blieb er stehen, drehte sich um neunzig Grad mit dem Gesicht zur Inselmitte und lenkte seine großen Schritte weiter zu den Bäumen. An der ersten Palme hielt er an und ließ sich von dem Dämon ein Stück Pergament reichen. Er entrollte das Schriftstück und betrachtete die Schrift skeptisch. Kopfschüttelnd knitterte er das Papier zusammen und ging einige Schritte zurück. Dann starrte er noch mal auf das Schriftstück. Mittlerweile hatten sich auch einige der Hordler, die wieder klar im Kopf waren, zu uns gestellt und betrachteten die zwei Gestalten am Stand. Der Blick des Hexenmeisters erhellte sich und er nickte seinem Begleiter zu.
„Sieh nur, äh, Hugo! Wir haben es, ähm, geschafft! Hier liegt der … Schatz!“ schrie er seiner Kreatur entgegen und fing an wie wild im Sand zu graben. Die Orcs und Tauren wurden hellhörig, als sie das Wort „Schatz“ vernahmen. Sofort stürmten sie auf den Hexer zu, der ihnen keine Beachtung schenkte. Der erste Orc bekam den jungen Mann an den Schultern zu fassen, zog ihn beiseite und begann mit seinen Händen an derselben Stelle zu graben.
„So eine, meine Güte, Frechheit bei allen, äh, Dämonen! Sowas muss sich ein, hm, großer Hexenmeister nicht gefallen lassen! Äh, Hugo! Los schnapp ihn dir!“ befahl der Mann. Der Dämon setzte sich in Bewegung und holte mit einer geballten Faust aus. … „Nicht mich du, ähm, Idiot! Hugo! Du blöder fetter Riesendödel! Den, hmmm, Orc mein ich!“ schimpfte er weiter. Der Dämon schien endlich verstanden zu haben und zog sein Schwert. … „Hugo! Wie oft muss ich es dir noch, ähm, erklären? Ich bin dein, äh, Meister und nicht das Ziel! Das grüne Ding da, das musst du, huh, vermöbeln!“ der Hexer war recht erleichtert, als der Riese nun auf den Orc zuwankte und ihn auf den Kopf schlug. Der Orc fiel sofort ihn Ohnmacht. Die restlichen Matrosen wichen furchterfüllt zurück, doch das nutzte nichts. Dem Dämon gefiel seine Aufgabe gut. Gefolgt von der roten Gestalt rannten nun alle Hordler den Strand schreiend auf und ab. Dann bekam „Hugo“ einen Orc an den Füßen zu fassen und benutzte die hysterisch schreiende Gestalt als Schlagstock. In der Zwischenzeit buddelte der Hexer gemütlich weiter an seinem Loch.
Das Szenario bot sich uns ungefähr ein Stunde dar, dann wurden Orcs und Tauren, die sich inzwischen systematisch mit Verschnaufen und Rennen abgewechselt hatten, müde und gaben auf. Der Dämon kratzte sich kurz am Kopf unter seinem Helm und setzte sich dann an das schon tiefe Loch seines Herren. Kurze Zeit schaute er zu wie der Sand aus dem Loch flog, dann wurde es langweilig. Die Kreatur griff in die Tasche und holte einen kleinen Schläger hervor, den er bequem mit zwei Fingern halten konnte. An diesen hing ein kleiner orange farbener Ball an einer Schnur. Der Riese bewegte den Schläger kurz und der Ball folg hoch, dann schlug er immer wieder mit dem selbigen auf die Kugel.
„Du? Ich glauben der Hexer und Dämon nicht haben alle Tassen im Schrank.“ wir saßen gemeinsam auf einigen Felsen. Adrian saß mit verschränkten Armen und im Schneidersitz im Sand und nickte zustimmend. Sesharrims Kopf ruhte auf meinem Schoß. Ich kraulte den Säbler, der laut über seinen Kater jammerte, hinter den Ohren, das beruhigte ihn ein wenig. Langsam wurde es langweilig die zwei zu beobachten und ich widmete mich wieder meinem heiß ersehnten Sonnenbad. Adrian ging zur Abkühlung mit Sesharrim ins Wasser. Dem Frostsäbler tat das sichtlich gut. Von´rajas hingegen beobachtete immer noch die zwei Gestalten, oder besser gesagt die eine Gestalt und das Loch. Sein Blick war starr auf die Utensilien am Schultergurt des Dämons gerichtet.
„Wieso starrst du den Dämon so an?“ fragte ich den Geisterwolf.
„Ich mich fragen was das sind für Tränke.“
„Geh doch hin und frag den Hexenmeister.“ antwortete ich im. Eigentlich sollte das nur ein Witz sein. Der Wolf nahm mich aber ernst. Ein großer Fehler. Er näherte sich dem Loch und blickte hinein. Ich hätte zu gern gewusst was die Zwei sagten, aber aus dieser Entfernung konnte ich nichts verstehen. Grimmig schielte der Hexer aus dem Loch zu Von´rajas und wendete sich dann wieder ab. In der Zwischenzeit hatte der Dämon sein Spielzeug in den Sand gelegt, er musterte das Tier am Loch genau. Ohne eine Antwort erhalten zu haben wollte der Troll gerade wieder zurückkehren. Doch der Dämon gestattete ihm das nicht, sondern griff nach dem kleinen Tier und grölte laut „Hundchen!“ über den gesamten Strand. Er hob ihn in den Arm und drückte ihn. Ich konnte Von´rajas Schmerz fast schon fühlen. Dann nahm er ihn in eine Hand, setzte ihn grobmotorisch auf den Boden und streichelte ihn. Es sollte eindeutig ein Streicheln sein, aber aus meiner Sichtposition sah es eher so aus, als wolle die riesige Kreatur den Wolf in den Boden rammen. Ich kniff ein Auge zu und biss mir auf die Unterlippe, es sah wirklich schmerzhaft aus. Sesharrim und Adrian kamen wieder aus dem Wasser und stellten sich, mich nass tropfend, zu mir.
„Verdammtnochmal, das sieht ziemlich schmerzhaft aus.“ bemerkte der Krieger. Sein langer schwarzer Zopf klebte an seinem Oberkörper.
„Sollten wir ihm nicht lieber helfen?“ fragte ich mitfühlend.
„Nein, warte noch. Ich will sehen ob er das überlebt. … Au, Verdammt, das sah schmerzhaft aus!“ der Dämon zog dem Wolf am %%#!**%, ließ ihn in der Luft baumeln und dann wieder fallen.
„Meinst du nicht, dass es Zeit wird ihm zu helfen?“ fragte ich noch einmal verzweifelt.
„Nun warte doch mal, Verdammtermist! … Hui! Ich wusste nicht, dass man so etwas überleben kann!“ rief Adrian mit offenen Augen, als der Dämon den Wolf in die Luft warf und dann vergaß, ihn wieder aufzufangen. Ich konnte den Anblick nicht mehr ertragen, stand auf und ging entschlossen auf diesen großen Dämon zu. Mit ausgestrecktem Zeigefinger piekste ich das Biest an.
„He du! Ja, genau dich mein ich! Das ist unser Troll!“ schrie ich das Wesen wütend an. Ein flüsterndes „Hilfe“ drang an mein Ohr, das von Von´rajas stammte, der über der Schulter des Dämons hing. Der Koloss schenkte mir kurze Beachtung, indem mich packte und beiseite stellte.
„So eine Frechheit!“ ich war empört. Vor allem war ich wütend, weil weder Sesharrim noch Adrian mir halfen. Da das Vieh mir keine Aufmerksamkeit schenkte, kniete ich mich vor das Loch und klopfte dem Hexer auf den Kopf.
„Hallo, Sie? Entschuldigt die Störung, aber Euer Dämon misshandelt gerade unseren Schamanen.“ der junge Mensch blickte mir ins Gesicht und dann lugte er aus seinem Loch. Er wurde rot vor Wut und hievte sich aus dem Loch.
„Äh, Hugo! Nein! Böser Hugo! Das ist nicht, äh, unser Schamane! Ich, äh, habe dir nicht befohlen jemanden zu quälen! Das darfst du nur, ähm, wenn ich dabei bin und, äh, zuschauen kann! So und jetzt, hmm, absetzen!“ schrie er seinen Dämon an, der nun traurig schaute, sich aber dem Willen beugte und Von´rajas wieder absetzte. Der Hexer verschwand wieder im Loch. Von´rajas konnte nicht mehr stehen, also packte ich seine Vorderpfoten und rief noch ein „Danke!“ in das Loch, bekam aber keine Reaktion. Dann zog ich den Troll über den Sand zurück zu unserem Lagerplatz. Schlaff blieb er dort liegen. Adrian hockte neben ihm und hob immer wieder seine Pfote und ließ sie los, er schaute zu wie sie wieder schlaff zu Boden sank.
„Du meinst er hat das überlebt? Verdammtermistnocheins.“
„Ich denke schon.“ Voo´doo saß mit großen Augen vor der Nase des Wolfs und drehte den Kopf seitlich. „Wenn er es nicht überlebt hätte, wäre der Drache sicher nicht so ruhig.“ selbst die Mitglieder der Schiffsmannschaft hockten auf einem Haufen an der Linie und schauten mit schmerzverzogenen Gesichtern auf den Wolf. Sie alle hatten den Dämon selbst zu spüren bekommen und konnten den Schmerz nachvollziehen.
Der Tag neigte sich dem Ende. Von´rajas war immer noch bewusstlos und wir streichelten alle sein halbtransparentes Fell. Der Hexer grub immer noch im Loch. Sein Dämon hatte bereits ein Zelt aufgebaut und versuchte nun ein Feuer zu machen. Als der Mensch für heute fertig war, kam er aus der Grube und ging zu seinem Dämon. Eine Zeltschnur versperrte ihm den Weg und er landete mit dem Gesicht voran im Sand. Dann fing er wieder an seine Kreatur zu schimpfen, die mit einem verlegenen Blick antwortete. Der junge Mann schüttelte mit dem Kopf und verschwand im Zelt. Auch wir legten uns hin, es war ein seltsamer Tag.
Teil 17
Ich wurde durch lautes Geschrei geweckt. Hugo hatte die Chance genutzt und sich einen noch verschlafenen Tauren geschnappt und benutzte ihn, wie am Vortag den Orc, als Schlagstock. Das ganze ergab die gleiche Szenerie: Hysterisch schreiende Orcs und Tauren rannten den Strand auf und ab, gefolgt von der Verdammniswache. Hinter mir erklangen zwei Stimmen. Von´rajas war wieder auf den Beinen, wenn auch etwas wacklig. Er und Adrian saßen auf einem Stein und hatten sich Ferngläser organisiert. Sie betrachteten das Geschehen.
„Ich wette 2 Gold, dass der Fette graugrüne Orc ganz links jetzt einen drauf bekommt.“
„Nein, nein, ich sagen dir der Taure mit Herztattoo auf Hintern sein dran. 5 Gold!“ dem besagten Tauren fehlte ein Stück der Hose. Dann knurrte Sesharrim etwas.
„Was hat er gesagt?“ fragte Adrian.
„Er sagen er setzen zwei Fische auf Kapitän.“
„Achso.“ eine kurze Pause folgte, dann schaute Adrian verdutzt auf den Wolf. „Das hat er gesagt? Verdammt, wieso verstehst du ihn?“
„Du vergessen ich sein Geisterwolf. Animalischer Instinkt färben ab.“ noch ein wenig verschlafen setzte ich mich zu ihnen. Adrian stupste mich an.
„Und du? Auf wen wettest du?“ ich war noch im Halbschlaf und wusste nicht so recht, was er von mir erwartete. Ein großes Fragezeichen entstand über mir. Der Krieger verstand meinen Blick sofort.
„Wir wetten, wer als nächstes geschlagen wird.“
„Oh, na dann. Aber findest du das nicht ein wenig …“ ich musste kurz überlegen. „… sadistisch?“ sagte ich dann.
„Verdammtnochmal, nein, die wollten heute Morgen Blinky zum Frühstück grillen! Das haben die jetzt mal verdient, Verdammtermistundzugenäht.“
„Na wenn du meinst. … Ich sage der Hexer bekommt eins drauf. … 2 Gold?“ und tatsächlich. In diesem Moment sprang der Hexer aus seiner Grube und suchte etwas in seinen Sachen. Als die Horde schreiend vorbei lief, holte der Dämon aus und verpasste den Hexenmeister einen Schlag mit dem Tauren in seinen Klauen. Ungläubig setzten Von´rajas und Adrian die Ferngläser ab, dann zahlten sie mich aus. Zufrieden grinste ich breit.
Ich war immer gegen Glücksspiel gewesen, aber die Tatsache, dass wir darauf wetteten, welcher Hordler geschlagen wird, gefiel mir und es machte auch irgendwie Spaß. Eine neue Wettrunde begann. Diesmal lag mein Frostsäbler richtig und wir schuldeten ihm alle einen Fisch. Das Ganze wiederholte sich noch ein paar Mal. Der Hexer hatte sich von dem Schlag erholt und war wieder im Loch verschwunden, aus dem jetzt komische Geräusche drangen. Plötzlich schoss ein Wasserstrahl aus dem Loch und es füllte sich mit Wasser. Als die Wasserfontäne nachließ blieb eine schlammige Grube zurück, in der es verdächtig blubberte. Der junge Mann steckte immer noch in dem Loch. Sein Dämon bekam davon nichts mit, er war zu sehr damit beschäftigt Hordler zu hauen. Letztendlich entschlossen wir uns den Hexer aus dem Loch zu ziehen. Adrian und ich griffen in die Brühe und zogen ein braunes Etwas heraus, es spuckte schmutziges Wasser und hustete. Als er sich wieder gefangen hatte, bedankte er sich bei uns und gleichzeitig bekam sein Dämon ärger, weil Hugo nicht Acht gab. Verstört ließ die Kreatur daraufhin ihren Tauren fallen. Mit seinem S.chwanz in den Klauen setzte er sich in den Sand und schaute mit großen feuchten Augen auf uns herab. Er schluchzte ein wenig. Mit einem „Aber, aber, äh, Hugo.“ klopfte der Hexer seiner Bestie auf das Knie und tröstete ihn so ein wenig. Als das Schluchzen nachließ verschwand der junge Mann im Zelt und zog sich etwas anderes an, die nasse Kleidung legte er an ein Feuer zum trocknen. Zusammen saßen wir nun an dem brennenden Holz und kamen ins Gespräch.
„Blackcypher?! Verdammt, das kann doch nicht dein richtiger Name sein.“
„Nun, äh, er ist es auch nicht. …“ der Hexer wurde rot im Gesicht und zerknitterte dabei seine Robe mit den Händen. „Wie soll ich sagen? Äh, … Ich, ähm, sag es mal so: Vor wem, äh, hättet ihr mehr, huh, Respekt? Vor Blackcypher, dem, äh, mächtigen Hexenmeister und Zerstörer ganzer, ähm, Städte oder vor Boris, dem tollpatschigen Hexer?“ still blickten wir uns an, dann erhob Adrian das Wort.
„Eigentlich vor keinem von beiden. Jedenfalls nicht mit so einem verdammten Dämon.“ dabei zeigte er auf die Verdammniswache, die sich wieder dem Schläger mit dem Ball widmete.
„Oh, nun, ähm, Hugo ist so eine, äh, Sache, das stimmt.“
„Eine Sache? Er sein Strohdoof und quälen arme Wölfe.“ ließ sich Von´rajas vernehmen. Vorwurf erklang in seiner Stimme.
„Nun, die Sache ist, äh, die. Er ist noch nicht, ähm, voll ausgebildet und verhält sich gern wie, äh, ein großes Baby. Und die Sache, huh, von gestern tut mir, äh, Leid. Hugo darf eigentlich nur mit, äh, Hordlern spielen. Das er einen, äh, Draeneischamanen …“ Blackcypher, oder Boris, konnte nicht zu Ende sprechen, der Wolf fiel ihm ins Wort und quiekte empört.
„Draenei?! Jetzt du mir hören genau zu, spitzen die Ohren! Ich sein …hmpf grmpf hmmm grmpf!“ Adrian hielt ihm das Maul zu und hinderte ihn so am Weitersprechen. „Grmpf?!“
„Psst, Verdammtnochmal, oder willst du, dass der Dämon noch mal mit dir spielt, zum Teufel?“ flüsterte der Krieger ins Ohr des Wolfes
„Hmmpf hmm grmpf!“ Von´rajas schüttelte energisch den Kopf, dann ließ Adrian seine Schnauze los. Der Hexer hob verwundert eine seiner Brauen.
„Was wolltest du, äh, sagen?“
„Oh, nichts ich wollten sagen. Ich sein Draenei, jawohl!“ antwortete der Wolf schnell.
Im Verlauf des weiteren Gesprächs erzählten wir, dass wir hier gestrandet waren und hier fest saßen. Von Blackcypher erfuhren wir, dass er mit einem Boot hierher gekommen ist, um einen Schatz zu suchen. Er hielt uns die Karte unter die Nase, sie war mit Buntstiften angefertigt und wirkte nicht gerade authentisch, besonders der Wasser spritzende Wal.
„Die hast du doch nicht etwa selber gezeichnet, Verdammtnocheins?“ Adrian schaute dem Hexer mit stechendem Blick ins Gesicht. Dieser errötete ein weiteres Mal und knitterte wieder an seinen Sachen. „Das kann doch nicht dein Ernst sein, Verdammt. Wie kommst du auf so einen Schwachsinn? Verdammtermist!“
„Nun, äh, mir war ein wenig langweilig. Hexer haben nicht viele, äh, Freunde, mit denen sie was, ähm, unternehmen können, wisst ihr? Also hab ich gedacht, ich gehe, äh auf Schatzsuche und, äh mit einer Karte, äh, ist das viel besser. Hier hätte es ja, ähm, einen geben können.“ Stille folgte, in der sich alle anstarrten, unterbrochen wurde sie nur von einem rhythmischen Ping, Ping, Ping, dass aus der Richtung des Dämons mit dem Schläger in der Klaue kam. Dann flüsterte Von´rajas zu uns.
„Ich ja sagen, der Kerl nicht hat alle Blätter am Baum.“ alle nickten zustimmend. Allerdings war mir diese Tatsache egal. Der springende Punkt war, dass der Hexer ein Boot hatte, dass uns von hier weg bringen konnte. Ich entschied mich das Thema zu wechseln.
„Du hast vorhin etwas von einem Boot gesagt.“ begann ich. „Könnte uns das Boot alle tragen?“ der junge Mann schien glücklich über den Themenwechsel zu sein. Er bejahte meine Frage und wollte uns gleich zu seinem Ankerplatz führen. Nicht lange und Hugo hatte alle Sachen in dem riesigen Rucksack verstaut. Einige der noch nicht angeschlagenen Hordler hatten das Gespräch mit bekommen und Bericht erstattet. Bei dem Wort „Boot“ war die ganze Mannschaft sofort wieder auf den Beinen und folgte uns mit größerem Abstand. Der Dämon machte sich einen Spaß daraus, die Verfolger zu ärgern. Er blieb immer wieder stehen, blickte sich dann ruckartig um und machte „Buh!“ Sofort bildete sich ein Haufen aus Hordlern und jeder einzelne schien bestrebt über die Köpfe der anderen einen möglichst großen Abstand zu gewinnen. Nach ein paar Gehminuten kamen wir an eine kleine Bucht.
„Das soll ein Boot sein?“ fragte ich skeptisch. Vor uns lag ein Gebilde aus einigen Baumstämmen und Seilen im Wasser. Ein geradezu winziger Mast mit einem zerfetzten Betttuch bildete die Mitte der Konstruktion.
„Ich bin bis, äh, hierher damit, ähm, gekommen.“
„Kommen wir auch damit wieder zurück? Verdammtermist.“ das Floß erweckte nicht gerade Vertrauen in uns allen. Dann meldete sich der Mannschaftskapitän zu Wort und fragte, ob der Hexer nicht auch seine Männer mitnehmen könnte. Darüber war der junge Mann nicht gerade begeistert. Ich mochte Hordler nicht, dennoch taten sie mir Leid. Blackcypher machte eine Ausnahme und schickte Hugo zu der nächsten Palme. Der Dämon entwurzelte den Baum und brachte ihn zu uns. Mit einem Seil wurde der Stamm dann an dem Floß befestigt, die Horde durfte nicht wählerisch sein. Kurz darauf verluden wir unsere Sachen und banden sie fest. Schon jetzt lag Darus am Ende des Floßes und war Seekrank. Die Orcs und Tauren kletterten auf den Stamm und setzten sich hintereinander darauf. Der letzte brachte das improvisierte Gefährt zum Kentern und alle mussten wieder auf die Palme klettern. Alle an Bord schob Hugo das Floß ins tiefere Wasser und kraxelte dann auch hinauf. Gemütlich „segelten“ wir davon.
Die Sonne brannte heiß über uns. Ich saß im Schatten des Mastes und fächelte mir mit der Hand Luft ins Gesicht. Voo´doo lag auf meinem Schoß, seine Zunge hing aus dem kleinen Maul. Adrian hockte am linken Rand des Floßes und angelte gelangweilt. Von´rajas saß neben ihm, eine Schnur um seinen *%%*##! gewickelt und versuchte ebenfalls zu angeln. Der Säbler sprang ins kühle Nass, tauchte unter dem Floß entlang und kletterte auf der anderen Seite wieder hoch. Den Vorgang wiederholte er immer wieder. In gleichmäßigen Abständen machte es Platsch! Blinky stand gelassen neben dem Hexer und kaute Heu, ich fragte mich woher es stammte, da wir nichts dergleichen mitgenommen hatten. Die Palme der Hordler kenterte ab und zu. Einige hatten bereits aufgegeben sich wieder hoch zu hieven und hielten sich lediglich am Stamm fest oder hingen wie nasse Säcke über dem Holz. So vergingen die Stunden auf See. Es wurde langsam dunkel und noch immer war kein Land zu sehen. Also mussten wir die Nacht wohl auf dem Meer verbringen.
Das Schaukeln des Floßes ließ mich nicht zur Ruhe kommen. Ich war es gewöhnt auf festem Boden zu schlafen. Die Nacht über betrachtete ich gedankenlos den klaren Himmel und die Sterne. Sesharrim und Adrian untermalten wie immer die sonst nächtliche Ruhe mit ihrem Schnarchen. Auch Blackcypher störte die Ruhe mit gelegentlichen Gesprächen im Schlaf. Ich setzte mich auf und blickte in die Runde. Der Hexer hatte sich mit einem Flügel seines Dieners zugedeckt und murmelte Wörter in seinen Bart. Der Rest meiner Begleiter schlief zusammengedrängt auf einem Haufen. Der kleine Drache bildete die Krönung des Ganzen. Die Hordler hatten es sich so bequem wie möglich auf ihrer Palme gemacht, manche nutzten den Rücken oder Hintern seines Vordermanns als Kissen, andere hingen über dem Stamm wie Mehlsäcke auf dem Rücken eines Esels. Ich drehte meinen Kopf und bemerkte ein blaues glühen in meinen Sachen. Sofort holte ich den Anhänger hervor. Genau wie bei Von´rajas begann er zu leuchten, als meine Hand auf den Hexenmeister deutete und verblasste wieder, als ich sie wieder wegnahm. Nicht schon wieder, dachte ich. Es wurde endlich Zeit, mehr herauszufinden.
Teil 18
Der Morgen dämmerte bereits und ich hatte noch kein Auge zugemacht. Es war ein wenig windig und der Seegang etwas heftiger als am Vortag. Das Gefährt der Horde wurde von einer Welle getroffen und sie wurden unsanft aus dem Schlaf gerissen. Einige fielen ins Wasser, der Kapitän hielt sich wacker an Blattresten und Kokosnüssen fest und rief aus Gewohnheit „Mann über Bord!“ Durch einige weitere Wellen wurden auch Blackcypher und Hugo geweckt. Der Dämon setzte sich auf und streckte sich soweit nach hinten über den Rand des Floßes, dass es zu kippen drohte. Der Hexer rieb sich indes die Augen und gähnte beherzt. Darus war immer noch Seekrank. Das Pferd versuchte sich zu erheben und schwankte, dabei trat es Adrian, der dadurch mit einem lauten Wehklagen erwachte. Sesharrim wurde durch den Schrei geweckt, streckte sich verschlafen und stieß mit seinem Hinterteil gegen den kleinen Drachen. Voo´doo fiel ins Wasser und beschwerte sich mit lautem Fiepen als er wieder an Deck kletterte. Dann setzte er sich auf einen kleinen Haufen zusammengerolltem Seil und wringte seine Flügel aus. Von´rajas ereilte das schlimmste Schicksal an diesem Morgen. Hugo hatte es sich wieder in den Kopf gesetzt mit den „Hundchen“ zu schmusen, packte den Geisterwolf und drückte ihn an sich. Von´rajas´ Augen quollen regelrecht hervor als die riesige Kreatur zudrückte. Wir alle stürzten uns sofort auf den Dämon und versuchten ihm den Wolf zu entreißen.
„Aus! Nein, ähm, böser Hugo! Du, äh, sollst doch nicht! Lass den Wolf sofort, huh, runter!“ schimpfte Blackcypher mit seinem Dämon. Inzwischen packte Adrian eine Pfote und zog an ihr. Sesharrim und Voo´doo hingegen schnappten den %%#@##* des Schamanen und zogen an der anderen Seite. Schmerzensschreie erklangen zwischen den großen Pranken. Ich hing an einem Arm von Hugo und versuchte den festen Griff zu lösen, was mir nicht gelang. Als der Dämon sich erhob, baumelte ich in der Luft. Blackcypher, Boris, schimpfte eifrig weiter. Das Floß schwankte dabei verdächtig.
„Kein Hundchen?“ fragte Hugo nach einiger Zeit.
„Nein, kein Hundchen.“ antworteten wir alle gleichzeitig und Hugo setzte Von´rajas grob auf den Boden. Er schluchzte kurz, war dann aber wieder abgelenkt, als ihm der Hexer den Schläger und den Ball reichte.
„Land in Sicht!“ ertönte mit einmal ein Ruf aus Richtung der Palme. Der Kapitän versuchte würdevoll auf der schaukelnden Palme zu stehen. Nachdem ihn eine Welle erfasst hatte und die Federn am Hut und der Rest seiner Kleidung schlaff und nass nach unten hingen, gelang ihm das jedoch nicht mehr. Ich drehte mich in die angedeutete Richtung und tatsächlich sah ich in weiter Ferne Land.
Für einen kurzen Moment war es der Himmel auf Erden die Brandung zu hören und das Ufer betreten zu können. Am schönsten war aber die Gewissheit, sich nicht mehr eine Insel mit saufenden und rauchenden Hordlern teilen zu müssen. Adrian küsste den Boden vor Freude, dann fasste er sich wieder und versuchte so zu tun als wäre nichts gewesen. Darus kam schwankend von dem Floß gelaufen, fiel zu Boden und rührte sich einen Moment nicht, dann begann er sich wild zu wälzen. Ich blickte in die Runde, auch die Anderen waren über die Landung glücklich. Der Frostsäbler hatte sich sofort den nächsten kleinen Nager gesucht und hüpfte wie ein kleines Kind um das Kaninchen, das nicht recht wusste, was es nun tun sollte. Es entschied sich dazu dem Säbler in die Pfote zu beißen und nutzte den Moment der Verwirrung. Ein paar Sekunden später beglückte Sesharrim ein Eichhörnchen mit seiner Anwesenheit.
„So, du Riesenvieh, hören jetzt gut zu! Ich nur einmal sagen! Wenn du wieder kommen auf den Gedanken Hundchen zu streicheln, du es gleich wieder vergessen! Hundchen dich wird sonst %#%!*!n!“ drohte Von´rajas der Verdammniswache. Ein wenig verlegen stand der Riese vor dem Wolf und leicht nickend trat er nach einem Stein.
Die Hordler waren weniger erfreut über den Ort, an dem wir gelandet waren. Sie bedankten sich rasch für die, wenn auch unbequeme, Mitfahrgelegenheit und brachen schnell Richtung Osten auf. Den Grund dafür konnte man südlich von unserer Position aus sehen. Aus leichten Nebelschwaden ragten die Türme der Hafenstadt Menethil. Ich freute mich endlich wieder Zivilisation genießen zu können. Auch meine Begleiter freuten sich auf ein richtiges Bett. Also packten wir unsere Habe zusammen und wanderten entlang der Küste durch den Nebel des Sumpflandes. Am Ufer des Meeres gab es noch keinen Morast und wir kamen schnell voran. An einer Schnur zog Hugo das im Wasser treibende Floß hinter sich her. Nach einer knappen halben Stunde erreichten wir schon eine breite Steinbrücke, die zum Stadttor führte. In einem Häuschen rechts des Tores saßen zwei Wächter und spielten Karten, sie interessierten sich nicht für uns. Selbst den Dämon übersahen sie einfach.
Seit meinem letzten Besuch in Menethil war die Stadt stark gewachsen. Sie befand sich in einem Übergangsstadium von einer normal großen Stadt zur Großstadt. An mehreren Häusern konnte ich einige Männer arbeiten sehen, die die Häuser erweiterten oder reparierten. Es war wohl ein Markttag. Überall standen kleine Stände mit Lebensmitteln. Schmiede, Lederer und Schneider boten ihre Dienste an. Auf einem kleinen Planwagen stand ein Gnom mit einem albern wirkenden lila Zylinder. Er versuchte die neueste Technik auf den Markt zu bringen, doch die Zuschauermenge löste sich auf als eines seiner Geräte mit einem Plop in die Luft flog, ich hätte einen Knall erwartet, aber es blieb bei dem einfachen Plop.
Blackcypher folgte uns mit Hugo und die beiden blieben immer noch unbemerkt. Die Leute stießen gegen den Dämon und gingen einfach weiter. Manche fragten sich wogegen sie gestoßen waren, zuckten aber dann mit den Schultern und liefen weiter.
„Woran liegt es, dass Hugo so unauffällig ist, Boris?“ fragte ich den jungen Mann.
„Blackcypher. Nun, äh, das liegt daran, dass, ähm, viele Leute zu sehr in der, äh, Realität leben.“ antwortete er mir.
„Wie soll ich das verstehen?“ hakte ich nach.
„Die Leute, huh, sehen ihn nicht, weil sie es, öh, nicht für möglich halten, dass, öhm, sich ein solches Wesen hier aufhält. Es verhält sich wie, äh, mit einen Pferd, huh, auf einem Flur weit oben in einer, äh, Burg. So was kann gar nicht, äh, da sein.“ ich verstand das zwar nicht ganz, aber nahm die Antwort so hin. Gemütlich schlenderten wir zum nächsten Gasthaus. Plötzlich ertönte hinter uns eine Stimme. Sie schrie über den gesamten Platz.
„Mausebärchen!“ bei diesem Wort zuckte Adrian unweigerlich zusammen.
„Verdammtermistnochein.“ fluchte er leise.
„Was sein los mit dir?“
„Passt gut auf, verdammt. Ich werde jetzt etwas sehr sehr dummes machen, Verdammtermistundzugenäht. Ich erwarte von euch weder Lachen, noch Kichern oder Scherze. Am Besten ist, ihr vergesst sofort wieder, was ich nun tun werde.“ schweigend und gespannt nickten wir dem Krieger zu, dann drehte er sich um. Eine Frau mit roten lockigen Haaren trat aus der Menge. Sie trug ein mit Blümchen gemustertes Kleid. Als Adrian sie sah ballte er seine Hände zu Fäusten und zwang sich zu etwas, dass ihm arg zu widerstreben schien. Dann fasste er sich, blickte auf und rief:
„Meine Mami!“
Teil 19
Unaufhaltsam, wie ein riesiges Kodo, bahnte sich die schier gewaltige Frau einen Weg zu uns. Adrian wurde bei jedem Schritt blasser. Die Frau grinste breit als sie uns erreichte und drückte den Krieger fest an ihre Brust.
„Ich habe dich ja so vermisst Schätzchen! Wo warst du nur so lange? Wie siehst du denn überhaupt aus? Ganz zerzaust und schmutzig! Wechselst du auch täglich deine Unterwäsche?“ die Frau zog ein Taschentuch aus den endlosen Weiten ihres Blümchenkleids und wischte Adrian durch das Gesicht. „Und wen du da alles dabei hast. Sind das alle deinen Freunde?“ mit offenen Armen trat sie nun auf uns zu und kollektiv wichen wir zurück. Zuerst griff sie nach Blackcyphers Hand und schüttelte sie kräftig. „Oh, ein netter junger Mann. Du solltest dir ein Beispiel an ihm nehmen, Mausbär.“ Sagte sie über die Schulter hinweg. Adrian wirkte immer noch ein wenig entsetzt. „Und was für ein niedlicher Hund! Ich hab ja schon immer gesagt, du brauchst ein Haustier. Gutschi, gutschi.“ Von´rajas setzte zu einer Antwort an, aber ich trat ihm schnell auf eine Pfote. Er jaulte kurz auf, verstand aber was ich von ihm wollte.
„Wuff!“
„Und wer ist das? Du hast aber eine komische Haut, so blasslila, bist du vielleicht krank? Und diese Ohren, Kind! Auch noch blaue Haare, tztz, die Jugend von heute!“ Adrians Mutter beäugte mich argwöhnisch.
„Ähm, Mami, Yava ist eine Nachtelfe. Ihr aussehen ist völlig normal.“
„Du meinst diese komischen Leute, die meist abends und nachts hierher kommen um mit dem Schiff sonst wohin fahren und oft nie einen Ton sagen?“
„Genau die.“
„Komische Leute, sage ich ja.“ kritisch wurde ich betrachtet. Scheinbar sollte ich nicht gerade der Liebling dieser Frau werden. „Und dieses Katzenvieh, tztz, auch ganz blau. Das ist doch keine natürliche Farbe! Das arme Tier.“ sie bedachte Sesharrim mit einem kurzen tätscheln und wandte sich dann Hugo zu.
„Und wer ist das?“ fragte sie mit großen Augen.
„Sie können ihn sehen?“ fragte Blackcypher ungläubig.
„Natürlich kann ich das. Er ist ja schließlich sicher mehr als drei Meter groß. Ich müsste blind sein und selbst dann wäre es schwer ihn nicht zu sehen.“ Blackcypher war ein wenig verwirrt. Es kam noch nie vor, dass Hugo von jemandem gesehen wurde.
„Ahm, das ist Hugo, er gehört zu mir.“ sagte der Hexer schließlich. Die Frau trat vor den Dämon und griff nach einer Pranke.
„Guten Tag Herr Hugo.“ auch Hugo war ein wenig überrascht. „Und wie heißt dieser junge Mann eigentlich?“
„Er heißt Blackcypher, Mami.“ meldete sich Adrian zu Wort.
„Du scherzt wohl, das ist doch kein Name!“ Blackcypher seufzte.
„Mein richtiger Name ist Boris.“ antwortete er enttäuscht. Er dachte wohl, dass Blackcypher ein guter Name für einen Hexer sei.
„Schon besser. Ach wie unhöflich von mir! Ich habe mich ja gar nicht vorgestellt! Bitte nennt mich Brigitte.“
Nach der kleinen Vorstellungsrunde, in der ich nicht so gut abgeschnitten hatte, bestand Adrians Mutter darauf, dass wir bei ihr übernachteten, statt im Gasthaus. Sie mochte den Wirt nicht, er war auch ein Nachtelf. Adrians Familie besaß ein kleines Haus am Stadtrand. Ein Stall gehörte auch dazu, er bot Platz für Blinky und einen alte Mähre. Darus fand auch einen kleinen Platz in dem Stall. Das Haus an sich war weiß gestrichen und die Fassade war von dunklen Holzbalken durchzogen. Auf den Fenstersimsen standen Blumentöpfe. Das innere des Hauses verriet, dass hier sehr oft ein Putzteufel wütete. Alles hatte einen festen Platz. Das Wohnzimmer war groß und wirkte fast schon überfüllt. An den Wänden starrte ein Heer Porzellanpuppen auf uns herab. Zwischendrin hing eine Kuckucksuhr die fleißig vor sich hin tickte. Ein weißer Kamin durfte in so einem Raum nicht fehlen, genauso wenig wie der große rote Sessel davor, in dem jemand am Feuer schlief, Adrians Großvater. Ein Bärenfell lag ebenfalls vor dem Kamin, dass Sesharrim sofort für sich beanspruchen wollte, jedoch von Brigitte wieder verscheucht wurde. Traurig blickte er mir entgegen, ich konnte nur mit einem Schulterzucken antworten. In der Mitte des Raumes stand ein kleiner Tisch, umgeben von einem roten Sofa, auf das wir uns setzten. Hugo musste sich in dem Zimmer ducken. Er war zu groß für die Sitzgelegenheit und nahm deswegen auf dem Boden platz und vertrieb sich die Zeit mit seinem geliebten Schläger und dem Ball.
Brigitte verschwand hinter einer Schwenktür für eine Weile. Sofort atmeten wir auf und ließen die Anspannung entweichen.
„Deine Mutter sein … sehr nett, reden jedoch gern ohne Punkt und Komma.“
„Ich weis. Sie kann noch sehr viel aufdringlicher sein. Ich hoffe, dass wir sobald wie möglich wieder von hier verschwinden.“ der Krieger seufzte.
„Der Krieg, jaja, ich sag es dir … Hat aus uns Männer gemacht … zZzZzZ“ kam es aus der Richtung des Sessels.
„Was, ähm, war das?“
„Mein Großvater. Er wacht immer kurz auf, redet vom Krieg und schläft dann wieder ein.“ große Augen blickten zum Sessel. Nach kurzer Zeit kam Adrians Mutter mit einem Tablett zurück. Sofort versteiften wir uns wieder, besonders Hugo wollte eine gute Figur im Gradesitzen machen. Brigitte stellte kleine Tassen und Gebäck auf den Tisch. Die Frau schien eine Vorliebe für Blumen zu haben, sogar die Kekse hatten die Form von Blüten. Der Reihe nach wurden wir während des Tees von Adrians Mutter ausgefragt. Manchmal versuchten wir mit Bemerkungen wie „Sehr leckere Kekse.“ und dergleichen vom Thema abzulenken. Von´rajas blieb, als Adrians neuestes Haustier, davon verschont. Nicht nur mir, sondern auch Blackcypher und vor allem Adrian war die Fragerei unangenehm, doch keiner traute sich ein Wort in der Gegenwart dieser Frau zu sagen. Nach dem Tee wurden wir fast dazu gezwungen Mensch-beziehungsweise-Elfe-ärgere-dich-nicht zu spielen. Hugos Hände waren etwas zu groß für die kleinen Spielsteine, also beschränkte er sich auf Zuschauen. Selbst das bereitete ihm große Freude und er klatschte aufgeregt in die Hände. Von´rajas und Sesharrim hatten sich bereits gelangweilt zurück gezogen.
Das Abendessen sollte auch nicht viel angenehmer werden. Brigitte schien einfach immer wieder irgendetwas zu finden, worüber sie uns ausfragen konnte. Sie begriff auch nicht ganz, warum ich ihre Auffassung über das Hausfrauen-Dasein nicht teilte und schon hatte ich weitere Minuspunkte bei ihr gesammelt. Kurz bevor wir nun alle schlafen gingen erwähnte Brigitte jemanden, der sich freuen würde Adrian zu sehen und wollte gleich am nächsten Morgen die betreffende Person besuchen. Als der Name fiel erbleichte Adrian ein weiteres Mal.
Ich stand vor dem mir zugewiesenem Schlafzimmer und drückte gerade die Klinke, als Adrian mich am Arm packte und mich ins Zimmer zog.
„Du musst mir unbedingt helfen. Bitte.“ fast verzweifelt und mit großen traurigen Augen – das hatte er sich von Von´rajas abgeschaut, weil er wusste, dass ich dann nicht „Nein“ sagen konnte – schaute er mich an. Ich seufzte und ließ die Schultern hängen.
„Wobei soll ich dir denn helfen?“ fragte ich.
„Sie ist ja so furchtbar, das kannst du dir gar nicht vorstellen. Du musst mir helfen sie loszuwerden.“
„Wen meinst du mit „Sie“?“
„Sibylla.“
„Und wer ist Sybilla?“
„Die Frau, die ich, laut meiner Mutter, heiraten soll.“ ich seufzte ein weiteres Mal. Auch das noch, dachte ich bei mir. Ich konnte mir bereits jetzt vorstellen, was Adrian von mir verlangen wollte und ich war eigentlich ziemlich abgeneigt.
Teil 20
Diese Nacht sollte ich wieder keinen Schlaf bekommen. Adrian belagerte für schier eine Ewigkeit mein Bett und sah mich immer wieder hilflos an. Er hatte wegen dieser Sibylla die Stadt verlassen und wollte so schnell eigentlich nicht wieder kehren. Ich wusste nicht wieso, aber ich stellte mir diese Frau als Abbild seiner Mutter vor, nur noch ein wenig schlimmer. Während er auf der Bettkante hockte kam er auf viele Ideen, die ich alle samt ablehnte. Sie reichten von irgendwelchen Hochzeits- bis hin zu Bettgeschichten – bei Letzteren schien er ein wenig enttäuscht zu sein, aber auf so etwas wollte ich mich nun wirklich nicht einlassen.
Es wurde spät und Adrian saß immer noch auf meinem Bett. Ich wollte endlich schlafen. Während er so weiter erzählte musste ich einige Male gähnen. Schließlich entschied ich mich zu einer Maßnahme und warf ihn aus meinem Zimmer, irgendwann musste auch Schluss sein. Ich wollte mir am nächsten Tag Sibylla ansehen und mir dann spontan etwas einfallen zu lassen. Darin war ich besser, als vorher irgendwelche Pläne zu machen, die dann nicht funktionieren sollten. Sesharrim schlief bereits seit einer ganzen Weile. Er lag auf dem Kissen im Bett und schnarchte wie immer vor sich hin. Da er sich nicht wecken ließ wurde der Säbler kurzer Hand in ein Kopfkissen verwandelt und endlich konnte ich auch etwas schlafen.
Als der nächste Morgen graute war ich bereits wach. Sesharrim ist in der Nacht aufgewacht und wollte ein wenig raus. Er machte nie lange Nachtspaziergänge, wenn er überhaupt welche machte und es wunderte mich ein wenig, dass er noch nicht wieder da war. Plötzlich erklang ein lauter Schrei von Unten. Irgendetwas sagte mir, dass der Frostsäbler nicht weit von dem Schrei entfernt sein konnte. Rasch zog ich mir meine Sachen an und trippelte die Treppe hinunter. Kaum unten angekommen stand schon Adrians Mutter vor mir und schaute mir böse ins Gesicht. Sie wies mit einer Hand zu einer Tür, die zur Küche führte. Ohne ein Wort ging ich an ihr vorbei und öffnete die Tür. Ich traute meinen Augen kaum. Die Küche glich einem Schlachtfeld. Überall war Mehl verteilt, Eier klebten an Schränken, ange*!%%#@nes Fleisch aus der Speisekammer lag auf dem Boden und mitten drin im Chaos saß ein nun weißer Frostsäbler und ein kleiner Drache mit der Nase in einem Marmeladenglas. Ich war sprachlos als ich die Szene betrachtete.
Nach und nach kamen auch die anderen aus ihren Zimmern und spähten durch die Küchentür. Von´rajas konnte sich nicht beherrschen und fing an zu schimpfen. Mit großen Augen starrte Brigitte ungläubig auf den Wolf. Als Blackcypher ihn anschupste um ihm zu bedeuten, dass er still sein sollte fragte er nur "Was sein?" daraufhin fiel Adrians Mutter in Ohnmacht. Hugo musste sie ins Wohnzimmer tragen und dort auf das Sofa legen, Adrian holte einen kalten Lappen und legte ihn ihr auf die Stirn. Dann klopfte es laut an de Tür.
"Ich glaube ich weis, wer das ist. Verdammtermistnocheins!" fluchend trat Adrian in den Flur. Ich schaute um die Ecke und sah, dass er nur widerwillig öffnete und sich ein lächeln aufzwang. Kaum war die Tür offen, fiel ihm eine junge Frau um den Hals. Sie war recht dünn und hatte ein Gesicht, dass ich mit den Porzellanpuppen in den Regalen verglich. Ihre langen blonden Haare hatte sie zu einem Zopf geflochten und mit Blumen geschmückt, wie es kleine Mädchen gerne machten. Sie öffnete ihre blauen Augen und sah mich aus der Zimmertür spähen, wie aus einem Reflex versuchte ich in den Schatten zu verschwinden, beherrschte mich aber. Sie wirkte sehr naiv und ich wollte verhindern, dass sie dachte einen Geist gesehen zu haben. Sie ließ von Adrian ab, der sich sofort umdrehte und mich flehentlich anblickte. Die junge Frau trat auf mich zu und musterte mich von oben bis unten und nocheinmal umgekehrt. Ich fühlte mich wie auf dem berühmten Präsentierteller. Ihre skeptischen Blicke kommentierte sie mit einem "Hm." dann wendete sie sich dem Rest im Wohnzimmer zu. Hoch erhobenen Hauptes bewegte sich die Frau auf Blackcypher und Von´rajas zu, sie legte dabei eine Gangart an den Tag, die ich - aus keinem ersichtlichen Grund - mit Enten in Verbindung brachte. Auch die beiden wurden von oben herab angesehen. Den mehligen Säbler und den mit Marmelade beschmierten Drachen beachtete sie nicht. Dann drehte sie sich ruckartig um.
"Wer sind diese Leute, Schmusipuh?" hinter ihr erklang ein zischen, dass ein unterdrücktes Lachen sein sollte. Auch meine Gesichtsmuskeln mussten bei ihrem letzten Wort unweigerlich zucken, doch ich versuchte es zu ignorieren, da sie mir direkt gegenüber stand und grimmig in mein Gesicht blickte. Gekonnt überhörte sie die Geräusche, die hinter ihr erklangen.
"Würdest du mich bitte nicht so nennen, Sibylla?" verlegen starrte Adrain auf den Boden, eine Verhaltensweise, die er bis jetzt nur seiner Mutter gegenüber zeigte.
"Ich habe dich etwas gefragt. Lenke nicht vom Thema ab, Adrian!" bei ihrem Satz schien sie zu wachsen. Mir kam sofort ein Gedanke an Papas Liebling, der alles bekam was er wollte, kurz: eine verwöhnte Göhre. Meine Vorstellugen der vorigen Nacht wurden also nicht enttäuscht. Ein wenig tat mir der Krieger Leid. Bevor Adrian antworten konnte erwachte seine Mutter stöhnend. Sibylla vergaß sofort ihre letzten Worte und stürmte zum Sofa. Ihre ganze Aufmerksamkeit gehörte nun Brigitte.
"Gitty, was ist los mit dir? Geht es dir gut?"
"Gitty?" fragten alle sofort wie aus einem Mund. Als sie ihre Augen öffnete, erblickte sie als Ersten Von´rajas, dann stotterte sie etwas unverständliches und sank ohnmächtig wieder zurück auf das Sofa. Sibylla gab der großen Frau einen Klaps an die Wange. Als Adrians Mutter nicht erwachte, blickte sie zornig auf und fragte, was wir mit Brigitte gemacht hatten. Gleichzeitig erhoben sich alle Hände und Klauen und zeigten auf den Geisterwolf.
"Wuff?" fragte dieser sofort und blickte unschuldig.
"Was hat der Hund damit zu tun?"
"Nichts haben der Hund zu tun damit." wieder richteten sich alle Blicke auf den Trollschamanen. "Wuff!" ungläubig schaute Sibylla auf Von´rajas herab. Adrian wollte vom Thema ablenken um lästige Fragen zu vermeiden und griff nach meinem Arm. Er zog mich zu sich und drückte seine Hände auf meine Schultern. Die nächsten Worte wollte ich nicht gehört haben, genauso wie alle anderen auch. Nach diesem Satz hielten alle den Atem an.
"Ach, übrigens, Sibylla, darf ich dir meine Freundin vorstellen?" als er ungläubige Blicke erntete drehte er mich um und küsste mich. Sibylla fiel wie ein Stein in Ohnmacht, dann entwich der angehaltene Atem wieder und mit einem lauten klatschen traf meine Hand das Gesicht des Kriegers.
Teil 21
„Au, Verdammtnochmal! Was ist denn in dich gefahren?“
„Was in mich gefahren ist? Das frage ich dich!“ ich war zu recht mehr als nur wütend. Hinter mir hievte Hugo Sibylla auf die Ecke des Sofas.
„Du hast doch gesagt man entscheidet so was spontan!“
„Was?! Oh nein! Ich sagte, ich entscheide spontan!“
„Das werden wohl ausgewachsener Ehekrach. Wir besser gehen.“ die noch nicht ohnmächtig gewordenen Anwesenden verließen den Raum vorsichtig. Adrian und ich schrieen uns derzeit weiter heftig an. Nach einer Weile erwachte Adrians Mutter wieder und mischte sich ein.
„Was geht denn hier vor?“ fragte sie, als sie sich etwas gefangen hatte. Wir beachteten sie nicht und ereiferten uns einen immer lauteren Tonfall. Brigitte mochte es nicht, wenn sie keine Beachtung erhielt und deswegen begann sie kräftig mit zu streiten. Zwischendrin bekam Adrian von zwei Seiten eine Ohrfeige, war kurz still und dann ging der Streit in vollem Gange weiter. Nach kurzer Zeit wachte auch Sibylla wieder auf und blickte fragend in die Runde, dann fing sie an zu weinen. Sofort bekam sie die Aufmerksamkeit von Brigitte. Sibylla schilderte ihr das ganze und Adrians Mutter schien noch zorniger zu werden. Währendessen schrie ich Adrian weiter an und er mich. Dann stemmte sich auch die junge Frau vom Sofa und mit Tränen in den Augen nahm sie nun auch am Streit teil. Als Adrian und ich sie nicht beachteten, griff sie nach einer Vase und warf sie gegen die Wand. Für kurze Zeit herrschte Stille und alle blickten sich fragend an. Von´rajas und Blackcypher schielten durch den Türspalt.
„Das war ein Erbstück von meiner Ururururururgroßmutter aus Sturmwind!“ schrie Brigitte plötzlich und schon begann ein weiterer heftiger Streit zwischen Mutter und Möchte-gern-Schwiegertochter. Es war recht amüsant ihnen zu zusehen und meine Wut verflüchtigte sich einen Moment und wurde zu purer Verwirrung. Auch Adrian wusste nicht so recht, ob er nun dazwischen gehen sollte. Er versuchte es, bekam jedoch weitere Ohrfeigen und entschloss sich zurück zu ziehen. Der Krieger blickte mich an, beleidigt drehte ich mich weg und beschloss in mein Zimmer zu gehen. Demonstrativ knallte ich die Tür zu und unten fiel ein Bild von der Wand. Seufzend ließ ich mich aufs Bett fallen und starrte an die Decke. Mein Gesicht war rot vor Wut.
Es kratzte an der Tür und ich öffnete. Sesharrim kam geduckt ins Zimmer, er wusste, dass mit mir nicht zu spaßen war, wenn ich wütend war. Der Säbler ließ sich auf dem Bettvorleger nieder und schaute mir treudoof entgegen. Von unten drang immer noch heftiges Geschrei nach oben. Weiteres Porzellan klirrte und andere Gegenstände fielen um. Ich setzte mich zu dem Frostsäbler und kraulte ihn ein wenig, das beruhigte mich ein wenig. Dann kratzte es wieder an der Tür. Der Trollschamane saß davor.
„Du dir nichts draus machen. In jeder guten Beziehung es geben immer mal Streit.“ meinte der Wolf. Sofort schmiss ich die Tür wieder ins schloss. Ein kurzes „Au!“ verriet, dass das Holz die Nase des Trolls getroffen hatte. Dann setzte ich mich wieder zu Sesharrim, der zufrieden schnurrte. Unten hielt der Streit wegen der Vase immer noch an. Ich stellte mir vor, wie die anderen zuschauten und wetteten welcher Gegenstand als Nächstes zu Bruch geht. Irgendwie war es typisch für sie.
Der Tag neigte sich bereits dem Nachmittag zu und der Krach wurde immer noch nicht weniger. Zwischendurch hörte ich wie Besuch kam. Kurze Zeit war es still, dann wurde weiter gestritten. Diesmal waren es mehr Stimmen. Blackcypher klopfte und meinte, dass Sibyllas Eltern gekommen waren und sich nun ebenfalls in den Streit einmischten. Das erklärte die zusätzlichen Stimmen. Draußen vor dem Fenster standen bereits einige belustigte Zuhörer und lauschten gespannt dem Geschehen. Einige lugten durch die Fenster, andere klatschten bei weiterem Klirren. Eigentlich musste langsam das komplette Mobiliar des Hauses kaputt sein, dennoch krachte es weiter. Ich entschied mich mit nach unten zu kommen. Das Haus glich einem Schlachtfeld. Der Streit hatte sich in die Waschküche verlegt, da das Wohnzimmer nichts mehr zum werfen bot. Das Einigste was verschont geblieben war, war der Sessel mit dem schlafenden Großvater. Ein kleiner Radius ohne irgendwelche Hinterlassenschaften des Streits bildete sich um den Sessel.
Wir standen nun alle in der Tür zur Waschküche und beobachten das Geschehen. Die Fraktionen waren bereits außer Atem und keuchten mehr, als das sie schrieen. Adrians Mutter war bereits heißer und die Wurfgeschosse ließen ebenfalls nach. Bald gab es nichts mehr in dem Haus, was man werfen konnte und die Stimmen wurden ebenfalls leiser, flüsterten fast nur noch. Adrian räusperte sich um Aufmerksamkeit zu bekommen. Prompt drehten sich die Köpfe in seine Richtung.
„Ähm … Ich will euch ja nicht unterbrechen, aber wie wäre es mit einer Pause?“ verwirrt starrten sich die Personen im Waschraum an. Ein Mann – offensichtlich Sibyllas Vater – hüstelte verlegen. Der Rest starrte zu Boden oder an die Decke.
„… Soll ich vielleicht Tee machen?“ fragte Brigitte ein wenig zerstreut und tippelte schnell in einen anderen Raum, kam mit einer zerbrochenen Kanne zurück.
„… Äh… Tut mir Leid. Offenbar ist da wohl ein Missgeschick passiert.“ die Frau wirkte etwas verstört, als wüsste sie nicht, was gerade geschehen war. Sibylla klopfte ihren Rock sauber und blickte sich mit großen Augen um. Es war, als stünden auf einmal völlig andere Personen in dieser Waschküche. Dann begaben sich alle in das Wohnzimmer. Mit einem Handbesen wurden einige Porzellanreste beiseite gekehrt und man nahm zwischen hervor schauenden Federn platz. Adrian schuldete den Anwesenden einige Erklärungen. Ich beteiligte mich nicht an der Sache. Für den heutigen Tag hatte ich genug.
Stattdessen ging ich nach draußen. Vor dem Haus löste sich die Menge auf. Einige Leute blieben noch kurz und hofften, dass es bald weiter gehen würde, verzogen sich aber schnell, als nichts weiter geschah. Mit einem tiefen Atemzug holte ich Luft, dann lief ich zum Stall. Blinky vertrieb sich die Zeit mit @**%*@n, wie immer. Darus begrüßte mich mit einem freundlichen wiehern und ich klopfte dem Pferd auf den Hals. Der Tag neigte sich bereits dem Ende. Einige Sterne konnte ich bereits sehen und es wurde schnell dunkel. Ich setzte mich auf eine kleine Holzbank. Voo´doo leistete mir Gesellschaft. Er hatte bei dem Gekeife Angst bekommen und sich im Heu versteckt. Nun lag er auf meinem Schoß und ließ sich den dicken Drachenbauch streicheln.
Als die Nacht bereits weiter fortgeschritten war verließen Sibylla und ihre Eltern das Haus. Adrian folgte ihnen ein Stück, drehte dann aber ab und bewegte sich auf den Stall zu. Er setzte sich neben mich auf die Holzbank und seufzte ein wenig. Bewusst starrte ich auf eine Blume die vor mir an einem Stein blühte und versuchte dem Krieger keine Beachtung zu schenken.
„Ich glaube, ich schulde dir eine Entschuldigung.“ begann er nach einer Weile des Schweigens. Ich antwortete ihm nicht und blickte weiter stur geradeaus. Als er merkte, dass er von mir keine Antwort erwarten durfte, redete er einfach drauflos. Der Krieger rasselte einige Sätze ohne Punkt und Komma runter. Nach einer halben Stunde war er mit seinem Monolog fertig und wurde kurz still. Dann holte er Luft um einem weiteren Satz zu beginnen.
„Aber du musst schon zugeben, dass es dir auch gefallen hat.“ er begann herausfordernd zu grinsen und schielte zu mir. Verdattert blickte ich Adrian, so eine Aussage hatte ich nicht erwartet und irgendwie juckte es mir in den Fingern, beherrschte mich aber. Dann musste ich ein wenig lächeln und senkte den Blick wieder zu der Blume.
„Nun, wenn ich ehrlich sein soll …“ war meine Antwort.
Teil 22
Ich schloss den Satz nicht und Adrian schaute mich erwartungsvoll an. Stattdessen stand ich auf und ging in Richtung Haustür. Die Klinke in der Hand drehte ich mich noch einmal um und lächelte süß.
„… Nein.“ beendete ich nun den Satz und ging ins Haus. Ich musste zugeben es war nicht gerade nett, aber irgendwie wollte ich ein wenig Genugtuung. Zufrieden und immer noch lächelnd ließ ich mich auf mein Bett fallen. Sesharrim schaute mich fragend an, in letzter Zeit geschah es nicht oft, dass ich so guter Laune war. Ich bedachte ihn mit einem kurzen Kraulen und beschloss dann mich schlafen zu legen. Sobald wie möglich wollte ich weiter Richtung Norden reisen um endlich mehr über den Anhänger in Erfahrung zu bringen.
Diese Nacht schlief ich ein wenig unruhig. Verschiedene Bilder tanzten in meinem Kopf, doch alles, bis auf ein Buch, blieb verschwommen. Im Traum konnte ich auch Worte hören, sie waren undeutlich und nur geflüstert. Das Buch in meinem Traum klappte zu und ich erwachte schweißgebadet. Das bekannte Schnarchen ertönte nun wieder hinter der Bettkante und irgendwie war ich erleichtert. Ich stand auf und ging zum Fenster. Noch immer war es tiefe Nacht und Sterne leuchteten hell am schwarzblauen Horizont. Langsam drehte ich mich um und sah den Anhänger auf der Kommode liegen. Ich griff danach, ging durch das Zimmer, stolperte über Sesharrim - was ihn im Geringsten störte - und setzte mich auf das Bett. Fragend drehte ich den blauen Stein. Dann drückte ich die Hand fest zu und kam zu der Erkenntnis, dass das Buch aus Burg Schattenfang mir sicher einiges erklären konnte. Mein Körper sank zurück in die Kissen. Eine Weile starrte ich an die Decke. Nach einiger Zeit schlief ich wieder ein.
„Kikeriki, Kikeriki! Es sein schon hell und du immer noch schlafen. Kikeriki! Aufstehen Schlafmütze!“ Von´rajas hüpfte gut gelaunt durch mein Zimmer. Als ich nicht reagierte sprang er auf mein Bett und hüpfte immer wieder auf und ab. „Kikeriki, Kikeriki!“ schrie er dabei immer wieder. So etwas war unerträglich und ich erhob mich langsam. Dann wiederholte der Geisterwolf das gleiche Spiel bei Sesharrim, selbst die morgendliche Ignoranz der Katze hielt dem Schamanen nicht stand. Als ich einigermaßen klar sehen konnte fiel mir auf, dass der Troll Unterhosen – mit Teddybären – trug. Dann hörte ich wütende Schreie.
„Du blödes, äh, Mistvieh! Wo, huh, steckst du?! Warte, ähm, wenn ich dich, äh, erwische!“ Blackcypher kam ins Zimmer gestürmt und versuchte sich auf den Wolf zu stürzen. Von´rajas hüpfte aber schnell genug und ziemlich glücklich aus dem Zimmer und die Treppe hinunter. Noch immer verschlafen blickte ich an die Wanduhr. Sie zeigte zehn Minuten vor fünf Uhr. Seufzend fiel ich in die Kissen zurück, schlafen konnte ich aber nun nicht mehr. Ich stand auf und zog mich an. Währendessen hörte ich lautes Gekreische aus dem Schlafzimmer von Adrians Mutter, Von´rajas war sicher nicht weit. Immer wieder ertönten Kikeriki-Rufe und gelegentliches Schimpfen von einem gewissen Hexenmeister. Angezogen und noch immer nicht ganz wach ging ich nach Unten um zu sehen was sich dort abspielte. Im unteren Stockwerk roch es stark nach Kräutern und Rauch. Adrian stand verdattert und auch noch nicht ganz munter im Flur. Ich gesellte mich zu ihm.
„Der verdammte Schamane hat den Kräutergarten meines Großvaters entdeckt, Verdammtermistnocheins.“ sagte er ohne eine Frage bekommen zu haben. Zu müde den Mund auf zu machen nickte ich nur. Innerlich fragte ich mich, ob Adrian mir wegen gestern böse war, er wirkte recht enttäuscht. Eine Tür schwang auf und der Geisterwolf sprang uns entgegen, gefolgt von einem Hexer, der seine Unterhose zurück wollte und einer kolossalen Frau mit einem Besen in der Hand. Der Mob rannte an uns vorbei.
„Gehen wir Frühstücken?“ fragte ich und Adrian nickte. Hugo und Sesharrim leisteten uns Gesellschaft. Nach dem Frühstück wurde es verdächtig still und ich beschloss nach dem Rechten – wenn man das so nennen konnte – zu sehen.
Von´rajas hatte wohl sehr viel oder einfach eine zu hohe Dosis geraucht. Er lag nun im Flur und klagte über Kopfschmerzen, während Blackcypher ihm die Unterhose triumphierend entriss. Der Wolf hatte jetzt auch eine Beule am Kopf. Brigitte war scheinbar geübt im Zielen. Auf einem Läufer liegend rollte der Schamane hin und her und jaulte fürchterlich. Das Gejammer tat in den Ohren weh. So schlimm konnte nicht einmal der Frostsäbler jammern. Die Hände auf den Ohren zogen wir uns kollektiv in die Küche zurück.
„Kann man das denn nicht abstellen?“ fragte Adrians Mutter die Hände immer noch leicht auf die Ohren gedrückt.
„Verdammtnochmal, schlag ihm doch noch einmal auf den Kopf, dann ist Ruhe!“
„Ich denke ein Mittel gegen den Schmerz wird wohl reichen.“ vermutete ich. Brigitte nickte und fing an in den Schränken zu wühlen. Sie stellte einiges auf den Tisch, was sehr gut gegen Schmerzen helfen sollte. Dann holte Hugo den klagenden Wolf herein. Zuerst versuchten wir es mit sauren Gurken und Hering, es half nichts. Heiße Suppe verbrannte die Zunge des Schamanen und es gab ein Elend mehr. Ein rohes Stück Fleisch kühlte die Beule und scheinbar ließ der Schmerz nach. Bis Sesharrim auf die Idee kam das Stück zu f.ressen. Der Säbler leckte sich das Maul und zeitgleich begann das Jaulen vom Neuen.
Dann kam Brigitte ein Einfall. Auf dem Markt stand zurzeit ein kleiner Wagen, der einem Gnom gehörte. Er verkaufte Allheilmittel aus so genannten „Naturprodukten“, genaueres wollte man nicht wissen. Wir wollten nichts unversucht lassen und Hugo klemmte sich Von´rajas unter den Arm. Gemeinsam machten wir uns so nun auf den Weg. Zu unserer Erleichterung war Hugo, mit dem schreienden Wolf unter dem Arm, ebenso auffallend wie ein Spatz auf dem Kirchturm. Der Marktplatz war nicht weit entfernt und ehe wir uns versahen standen wir mitten in der kauflustigen Menge. Ich musste kurz Halt machen um mich zu einem Obst- und Gemüsestand zu kämpfen. Voo´doo saß auf den Äpfeln und biss jeden Einzelnen an, warf ihn dann über die Schulter weg. Ich packte nach dem kleinen Drachen, der sich gerade einige Melonen vornehmen wollte, und steckte ihn in Von´rajas´ rosa Rucksack, dass er noch hinaus schauen konnte. Der Welpling beschwerte sich lautstark mit Fiepgeräuschen, als ich den Rucksack auf meinen Rücken schwang und die etwas verstörte Händlerin bezahlte. Einen angebissen Apfel drückte ich dem Tier noch zwischen die Pfoten damit es Ruhe gab. Nicht lange und Adrian und ich kämpften uns zu einem weiteren Stand, den sich Sesharrim genauer betrachtete. Der Säbler verscheuchte nicht nur einige Kundschaft, sondern machte sich auch über die Angebote, bestehend aus Duftwasser, her. Der Säbler saß auf dem Warentisch und mit großer Mühe zogen ich und der Krieger das Tier am #%!#*#! davon. Wieder musste ich den Händler bezahlen. Der Tag war bereits teuerer als jeder andere. Gefolgt von einer ein Eigenleben führenden Duftwolke bahnten wir uns weiter einen Weg zu dem kleinen Wagen, der in der Mitte des Marktplatzes parkte.
„Nun passen Sie auf, werte Damen und Herren, dieses Mittel wird Ihre Erwartungen übersteigen! Nehmen Sie nur einen Tropfen täglich und Sie werden großen Erfolg beim anderen Geschlecht haben!“ drang die Stimme eines kleinen Gnoms zu unseren Ohren. Einige der Zuschauer hoben die Hände und reichten dem Gnom ein paar Geldscheine. Zufrieden mit ihren Mittelchen zogen einige ab, machten Platz für uns. Langsam aber sicher kamen wir dem Karren immer näher. Der Händler war ein typischer Vertreter seines Volkes, klein und mit verhältnismäßig großen Ohren versehen. Er hatte kurze dunkle Haare, die von einem weißen befleckten Hut gekrönt wurden. Der Gnom setzte ein freundliches Lächeln auf und erzielte offenbar höhere Umsätze je mehr er grinste.
Bald standen wir ganz vorn am Karren. Der kleine Kerl verkaufte fleißig weiter seine Mittel. Brigitte zupfte ihn an der ebenfalls fleckigen Schürze, um seine Aufmerksamkeit zu erregen. Auf der Ladefläche des Wagens war er genauso groß wie sie. Er blickte ihr in die Augen.
„Kann ich Euch helfen, Verehrteste?“ fragte er entzückt.
„Nun, wir haben hier einen sprechenden Wolf, der heute Morgen Kräuter geraucht hat und nun über Kopfschmerzen klagt.“ treffender hätte ich es auch nicht formulieren können. Der Gnom kratzte sich am kahlen Kinn und überlegte. Als ihm ein Einfall kam schnippte er mit den Fingern und verschwand in der Dunkelheit des Planwagens. Mit einem Fläschchen, das grüne Flüssigkeit enthielt, kam er zurück. Von´rajas weigerte sich das merkwürdig blubbernde Zeug zu schlucken. Kurzerhand wurde er von Hugo festgehalten und Adrian und ich hielten ihm das Maul auf, während Adrians Mutter ihm den Trunk in den Rachen goss. Der Wolf hustete einen Augenblick lang und blickte dann verwundert in die Runde. Er setzte zu einer Antwort an, als der Gnom ihn unterbrach.
„Oh, ich fühle ein Kribbeln in meinen Fingern …“ begann er, dann knisterten kleine Blitze über die Hände des Gnoms. Ein kurzes „Wusch“ folgte. Dann verzog sich ein wenig Rauch und nichts geschah. Alle Augen schauten erwartungsvoll in die Runde. Dann drehte ich mich zu dem Geisterwolf um, der etwas sagen wollte. Verdutzt schaute ich den Schamanen an.
„Von´rajas?“ fragte ich und alle drehten sich zu dem am Boden sitzenden Tier.
„Määäääähhhhhh!“
Teil 23
Schlagartig drehten sich alle zu dem Gnom um, teilweise mit wütenden Gesichtern. Besonders das des Schafes sah ziemlich finster aus. Auf der Stirn des Gnoms bildeten sich Schweißperlen und er trat einige Schritte zurück.
„Oh, äh, hihi. Das tut mir jetzt aber wahnsinnig Leid. So etwas passiert mir ab und zu mal. Hihi.“ diese Entschuldigung machte die Sache nicht gerade besser und das Schaf versuchte bedrohlich zu knurren, was ihm nicht gelang. „Ähm, wenn es euch hilft: Wenn man das Schaf haut, wird es wieder normal. Hihi.“
„Das ist wohl, äh, eine Aufgabe für, ähm, Hugo.“ sagte Blackcypher.
„Mäh?!“ Hugo holte aus.
„Au! Nicht mich du, äh, Idiot! Das, huh, Schaf!“ wütend deutete der Hexer zum Schaf und Hugo holte erneut mit der Faust aus.
„Mäh!“ Von´rajas wich der großen Faust aus und Hugo schlug noch einmal zu. Der Schamane sprang in die Luft und wich erneut dem Dämon aus. Er sträubte sich vehement gegen einen Schlag und hüpfte immer wieder davon. Adrian reichte es und er beteiligte sich an der Sache, in dem er versuchte das flüchtige Schaf zu Steinigen. Der Troll blökte laut und sprang hin und her. Voo´doo nutzte die Chance und machte sich einen Spaß daraus einen Rodeoversuch zu starten. Das Hüpfen weckte auch den Jagdinstinkt in Sesharrim. Der Säbler ging in die Hocke und setzte zum Sprung an. Mit einem Satz schoss er auf das Schaf zu und bekam es zu packen, dann rannte der Frostsäbler mit seiner zappelnden Beute los.
„Oh nein, er wird Von´rajas f.ressen!“ schrie ich. „Verfolgt ihn!“ wir stürzten los und folgten dem Blöken. Sogar einige der Bürger beteiligten sich an der Jagd, weil sie nicht wollten, dass das flauschige Schaf gef.ressen wird, andere, weil sie nicht wussten was vorgefallen war und dachten, dass es etwas umsonst gab.
Schnell wurde aus einigen Verfolgern eine riesige Masse, scheinbar rannte die ganze Stadt durch die Straßen. Leider war der Säbler um einiges schneller als wir. Kurzerhand entschloss ich mich das nächste Reittier, was im Weg stand, zu leihen. Einige, die nicht wussten, was wir eigentlich verfolgten, taten das Gleiche. Die Ironie des Moments verlangte nach einem Jagdhorn und nach vorbei rennenden Bluthunden. Bellend schossen einige Exemplare an der Masse vorbei als ein Horn ertönte. Fragend blickte ich nach hinten zu Adrian, der sich das gleiche Reittier ausgesucht hatte und sich nun an mir festklammerte, er zuckte nur mit den Schultern. Nicht lange und der Mob erreichte den Stadtrand. Einige der Hunde standen nun ziellos in der Gegend oder markierten einen Baum. Das Ziel aus den Augen verloren drehten die meisten Einwohner wieder um und begannen wieder mit ihrem Tagwerk. Das geliehene Pferd wurde uns entrissen und nun standen wir in die Leere blickend auf der Brücke.
Blackcypher stieß einige Zeit später keuchend zu uns. Voo´doo hatte die Verfolgung noch nicht aufgegeben und hoppelte auf der Brücke auf und ab, suchte nach einer Spur. Dann fing er an laut zu fiepen und hüpfte vor unseren Füßen auf und ab. Dann begann er mit seinen kleinen Flügeln zu flattern und flog unbeholfen zum anderen Ende der Brücke. Mit einmal hörten wir ein wässrig klingendes „Mäh“. Es kam von der Unterseite des Übergangs. Mit schnellem Schritt trabten Adrian und ich zu dem Smaragddrachen, gefolgt von einem asthmatisch hustenden Hexer. Unter der Brücke saßen ein ziemlich nasser Frostsäbler und ein im Wasser paddelndes Schaf. Unter der dicken Wolle hatte sich Luft gebildet und bot dem Schamanen auftrieb. Als uns das Tier entdeckte begann es wieder sich mit blöken zu beschweren. Ich kletterte unter die Brücke und fischte Von´rajas aus dem Wasser, klemmte mir das Schaf unter den Arm. Beraubt um seine Beute kam nun auch Sesharrim unter der Brücke hervor. Beleidigt schüttelte er sich.
Adrian nahm mir den zappelnden Schamanen ab und setzte ihn auf den Boden.
„Jetzt pass mal auf, du verdammter Schamane. Au!“ das Schaf biss ihm ins Bein. „Jetzt lass dich kurz schlagen und dann ist gut, Verdammtnochmal.“ widerwillig schüttelte das Schaf den Kopf. Dem Hexer war es nun zuviel und er trat dem Schamanen in den Hintern. Es machte „Plop“ und vor uns saß wieder ein Geisterwolf. Ungläubig starrte er an sich herab.
„Ich sein wieder normal!“ freudig sprang er hoch und runter. Dann verfinsterte sich seine Miene wieder. „Wo sein der kleine Gnom? Ich ihn werde f.ressen!“ boshaft drehte er sich zu Sesharrim. „Und du blödes Katzenvieh sein der Nächste!“ er drehte sich wieder um und stapfte entschlossen Richtung Marktplatz.
Auf dem Marktplatz angekommen, bemerkten wir, dass der Karren samt dem Gnom verschwunden war. Mich wunderte das nicht. Von´rajas fluchte laut und übertraf Adrian bei Weitem. Dann wandte er sich dem Säbler zu, der nicht lange wartete und die Flucht ergriff. Der Schamane folgte ihm laut schreiend. Ich seufzte und ließ die Schultern hängen, dann gingen wir zurück zu Adrians Haus, irgendwann tauchten die Zwei sicher wieder auf. Wir waren schon lange genug hier und die Gefahr, dass Von´rajas sich wieder auf den Kräutergarten stürzte war recht hoch. Gemeinsam beschlossen wir am nächsten morgen Menethil zu verlassen und weiter Richtung Arathi zu reisen.
Den Rest des Tages mussten wir mit Adrians Mutter Karten spielen, was sich nicht gerade als einfach erwies. Wir mussten versuchen zu verlieren und durften es nicht nach Absicht aussehen lassen. Nebenbei erklärte Brigitte Hugo das Spielprinzip. Der Dämon kratzte sich immer wieder am Kopf und konnte die kleinen Karten kaum unterscheiden, da er die Anzahl der Symbole nicht zählen konnte. Am späten Abend kam Adrians Mutter auf die Idee noch eine kleine Abschiedsfeier veranstalten zu müssen. Da alle Verwandten und Freunde bereits schliefen, beschränkte sich der Personenkreis auf die bereits anwesenden Personen. Die Frau verschwand kurz mit Hugo, als Helfer, im Keller und kam mit einigen Kisten wieder. Es dauerte nur einige Minuten und eine Fahne mit der Aufschrift „Mach´s gut Adrian, wir werden dich vermissen“ hing an der Wand. Sogar Luftballons und Luftschlangen flogen nun durch das Zimmer, in dem immer noch Scherben und Trümmerteile verteilt waren. Wir bekamen alle ein buntes Hütchen und ein Tröte, selbst Adrians Großvater wurde nicht verschont. Mit einem Hut auf dem Kopf und umringt von Luftschlangen schlief er seelenruhig weiter.
Dann kramte Brigitte zwischen den Kaputten Regalteilen noch einige heile Gläser hervor und köpfte eine Sektflasche. Der Korken traf Von´rajas an der Nase, sofort kamen heftige Beschwerden. Der Sekt sprudelte aus der Flasche und verteilte sich teilweise in den Gläsern und teilweise auf den Tischresten. Als ich ein Glas ablehnte wurde es mir regelrecht mit bösen Blicken aufgezwungen. Gegen diese kolossale Frau hatte ich keine Chance. Mir gefiel es nicht, dass sich mein Glas scheinbar nicht zu leeren schien. Jedes Mal befand sich neue unter anderem seltsam gefärbte Flüssigkeit in dem Glas. Der Schamane zerrte seinen Rucksack hervor und kippte ein weiteres Mal die Einzelteile seiner geliebten Wasserpfeife aus. Adrian war bereits geübt und wusste was zu tun war.
„Wasch ischt denn dasch?“ lallte Brigitte.
„Dasch du gleisch schehen wirscht.“ war die kurze Antwort. Ich rollte mit den Augen. Der Welpling wurde nach draußen in den Kräutergarten geschickt und kam mit verschiedenen Blättern zurück. Nicht lange und der Raum war erfüllt von Rauch. Alle waren bereits betrunken. Ich fühlte mich wie ein Außenseiter, da ich immer noch nüchtern war. Alkohol wirkte bei Elfen nicht so schnell. Der Rest torkelte durch den Raum, sang und versuchte zu tanzen. Selbst Hugo war benebelt und tanzte mit dem Geisterwolf, in dem er seine Pfoten hielt und ihn durch den Raum wirbelte. Dann landete eine leere Flasche auf dem Tisch und mein Glas füllte sich von Neuen.
Irgendwann musste ich auch betrunken gewesen sein, denn am nächsten Morgen wachte ich auf einem Haufen namens Hugo auf und mein Oberteil hing am Deckenleuchter. Ich hatte derbe Kopfschmerzen und erinnerte mich an nichts weiter. So war es vermutlich auch besser. Bevor der Rest erwachte angelte ich mein Hemd von dem Leuchter und torkelte noch ein wenig hoch in mein eigentliches Zimmer um meine Sachen zu packen.
Eine gute Stunde später gab es Frühstück. Verschlafen saßen alle in der Küche. Auch der Rest hatte ordentliche Kopfschmerzen. Als ich erwähnte, dass ich mich nicht an das erinnerte, was nach dem „Flaschen-Drehen“ passiert ist antwortete der Krieger:
„Welchen Teil willst du denn hören? Den, wo du Von´rajas mit einer Pinata verwechselt hast oder den, wo du auf dem Tisch getanzt hast?“ bei Letzterem erschien ein breites grinsen in seinem Gesicht und ich hatte das Bedürfnis ihm ein Auge blau zu schlagen, doch ich beherrschte mich.
Teil 24
Ich konnte es nicht fassen, sollte ich wirklich so etwas Dummes angestellt haben? Vorher war ich noch nie betrunken gewesen und hatte mir auch nie etwas zu Schulden kommen lassen. Adrians Gedächtnis funktionierte verdächtig gut, wenn es um Frauen ging, in welcher Weise auch immer. Daher stimmte es wohl, dass ich auf dem Tisch getanzt hatte. Das erklärte auch mein am Leuchter hängendes Oberteil und die blauen Flecken, die unter dem Fell des Schamanen leuchteten. Ich musste es so hinnehmen und Adrian glauben. Was geschehen war, war geschehen, auch wenn es etwas peinlich war.
Nach dem Frühstück machten wir uns zum Aufbruch fertig. Blinky war bereits bepackt mit allen möglichen Dingen und in manche Löcher zwischen dem Gepäck schob Adrian noch einige Dosen bis jeder Spalt effektiv genutzt wurde. Brigitte hatte uns bereits verabschiedet und sich in den Garten begeben. Das gestrige Erlebnis erweckte in ihr den Drang neue Kräuter zu züchten. Boris half dem Schamanen den rosa Rucksack um zu schnallen. Kurz darauf waren alle bereit zum Aufbruch. Blackcypher kletterte auf seinen voll bepackten Dämon Hugo und krönte damit das Gepäck, dann stapfte der Dämon Richtung Stadttor. Bevor ich mich auf den Rücken meines Pferdes schwang schaute ich dem seltsamen Duo kurz hinterher. Kopfschüttelnd stieg ich auf und wir folgten dem Hexer.
Nebel wallte an diesem Vormittag über das Sumpfland und ließ die Sonne fahl scheinen. Einige Frösche quakten an den Sumpfufern und sprangen ins Wasser als Sesharrim sich ihnen näherte. Unsere Gruppe wurde von dem Dämon reitenden Hexer angeführt. Ich und Von´rajas folgten dicht auf. Adrian – manchmal auch Sesharrim – bildete das Schlusslicht. Der Krieger hockte im Schneidersitz auf dem Pony, hielt dem kleinen Tier eine neue Karotte am Stiel vor die Nase und grinste dabei zufrieden und auch ein wenig anzüglich. Manchmal kicherte er auch ein wenig in seinen Drei-Tage-Bart und schien dabei sehr glücklich zu sein. Ich ärgerte mich ein wenig über dieses Verhalten, da es mich immer an meinen kleinen „Ausrutscher“ erinnerte, den ich verzweifelt versuchte zu vergessen. Ich trieb Darus an, vor Einbruch der Nacht wollten wir an der alten Ausgrabungsstätte ankommen. Dort war es ein wenig sicherer als mitten im Sumpf. Die Zwerge gruben hier schon seit vielen Jahren nicht mehr nach Schätzen. Nachdem ein Zwerg vor ungefähr dreiundzwanzig Jahren in Loch Modan eine riesige Goldader entdeckt hatte, hatte sich ein großer Teil der Zwerge in Thelsamar niedergelassen und die Stadt wuchs zu einer blühenden Metropole.
Stumm setzten wir unseren Weg fort. Am späten Nachmittag hatten wir bereits eine beachtliche Strecke zurückgelegt, trotz einiger Pausen, wenn der Frostsäbler im Nebel verschwunden war und Frösche jagte. Kurz vor unserem heutigen Zielort hörten wir seltsame Geräusche, die vom Sumpf zur Straße drangen. Dann ertönte ein Hilferuf. Ohne irgendwelche Worte beschlossen wir kollektiv dem Besitzer der Stimme zu helfen. Die Pferde ließen wir am Straßenrand zurück. Im Nebel war die Sicht arg eingeschränkt und wir mussten uns vorsichtig bewegen. Nicht weit von der Straße entfernt steckte ein umgekippter Karren im trüben Wasser, Fellreste und ein Teil Zaumzeug erinnerten an das Zugtier. Wieder hörten wir den Hilferuf. Der Lautstärke nach zu urteilen war der Hilfesuchende nicht weit. Einige Schritte weiter tauchte ein vermoderter Baum vor uns auf. Im seichten Wasser bewegten sich zwei Schemen. Auf dem Baum hockte der Gnom vom Marktplatz und schrie aus vollem Hals. Wir gingen noch einige Schritte weiter auf den Baum zu und aus den Schemen wurden zwei ausgewachsene Krokilisken, die drohend ihre scharfen Zähne präsentierten. Solche Tiere waren äußerst kurzsichtig und sie bemerkten uns nicht. Den Gnom hatten sie sicher nur durch Zufall entdecken können und nun reagierten sie auf sein Geschrei.
„Wir wieder sollten gehen.“ meinte der Geisterwolf.
„Warum sollen wir ihm nicht helfen?“ fragte ich verwirrt.
„Du schon vergessen, das er mich hat verwandelt in Schaf? Es sein nur gerechte Strafe.“ fauchte der Troll zurück.
„Aber wenn wir ihm helfen, kannst du dich persönlich an ihm rächen.“ erstaunlicher Weise funktionierte diese Taktik bei dem Schamanen recht gut und er bestand nun sogar darauf dem Gnom zu helfen. Hugo bekam die Anweisung ein wenig mit den Krokilisken zu spielen. Sofort stapfte der Dämon los und packte beide Exemplare an den S.chwänzen. Die Tiere zappelten und fauchten in den Fängen des Dämons. Hugo gefiel das gut und er begann auf seine Weise mit den Tieren zu spielen, indem er sie mehrmals in die Luft warf und sie nach einigen Malen wie Schmuck in einem Baum hing. Freudig klatschte der Dämon in die Pranken und bekam dann einen halb zerkrümelten Keks von Boris.
Wieder auf der Straße angekommen sprang Von´rajas sofort auf den Gnom zu und drohte ihn zu f.ressen. Sichtlich in Panik versuchte der Gnom Entschuldigungen hervor zu bringen. Irgendwann gelang es ihm und es folgte noch eine Erklärung.
„Wisst ihr, ich bin eigentlich ein Magier.“ der Gnom seufzte.
„Und was heißen eigentlich?“ fragte der immer noch erregte Wolf scharf.
„Nun, hihi, eine komische Sache.“ er versuchte zu lachen und kratzte sich am Kopf. Als er merkte, dass das nicht ganz ausreichte fuhr er fort. „Äh, ihr wisst sicherlich, dass Gnome gern Experimentieren, oder? … Ich hatte mich mit einigen magischen Experimenten befasst und dann WUSCH!“ der Gnom sprang auf und zeigte eine passende Geste.
„Und dann?“ fragte ich.
„Oh, dann war meine Magie auf einmal weg, hihi.“
„Man kann doch nicht, äh, so einfach seine, ähm, Magie verlieren.“ meinte Blackcypher darauf.
„Ich weis es auch nicht, jedenfalls ist sie weg. … Manchmal passiert es aber, das sich einiges an magischer Kraft in meinen Fingern bündelt und dann löst sich ein unkontrollierter Zauber, hihi.“
„Du damit sagen mich auch hätte treffen können Feuerball oder so was?“
„Schon möglich, hihi.“ der Gnom lachte kurz, verstummte aber sofort als er die Miene des Wolfes sah. Dann seufzte er. Er erzählte noch ein wenig mehr und einige Tränen kullerten über sein Gesicht, als er berichtete wie er aus Versehen in Eisenschmiede das Auktionshaus in Brand gesetzt hatte und darauf hin aus der Stadt geworfen wurde. Seither versuchte er sich ein wenig Geld als reisender Händler zu verdienen. Es ging noch einige Zeit so weiter.
Langsam wurde es dunkel und wir waren noch immer nicht weiter gekommen. Ich machte den Anfang und drängelte meine Begleiter ein wenig zum Aufbruch. Bevor es Nacht wurde wollte ich an der Ausgrabungsstätte sein. Der ehemalige Gnomenmagier namens Seldig bettelte regelrecht ein Stück mit uns kommen zu dürfen, da sein Karren im Sumpf versunken war und sein Maulesel gef.ressen wurde. Der Einzige, der etwas dagegen hatte war der Trollschamane. Er wurde aber einfach überstimmt. Freudig hüpfte Seldig auf und ab und suchte sich schnell ein Reittier aus. Selbst Blinky war zu groß für ihn und der Wolf knurrte ihn immer bedrohlich an. Also wurde Sesharrim zum neuen Reittier auserkoren. Den Säbler störte das Gewicht reichlich wenig und stöberte gelassen weiter nach Fröschen und anderen Dingen, mit denen er spielen konnte. So konnten wir nun endlich unseren Weg fortsetzen.
Mit der einbrechenden Schwärze der Nacht erreichten wir den Schutz der verlassenen Ausgrabungsstätte. Der Nebel hatte nachgelassen und der aufgehende Mond erhellte den Ort ein wenig. Die Überreste der Ausgrabung waren bereits verwittert und von Gras überwuchert. Ein tiefer gelegener Bereich der Ausgrabungsstätte bildete nun einen Teich, dessen Wasser im Mondlicht glitzerte. Ein paar Bäume wuchsen hier ebenfalls und lieferten uns Feuerholz. Wenige Minuten später blubberte der Inhalt einer Dose im Topf über einem kleinen Feuer. Der Krieger grinste immer noch fröhlich vor sich hin und gab außer einigen Pfeifgeräuschen keinen Ton von sich. Ich hatte bereits einen starken Drang ihn zu erwürgen. Seldig erzählte noch ein wenig mehr, er war sehr redselig und merkte nicht einmal, dass außer mir bereits alle eingeschlafen waren. Ich wollte nicht unhöflich sein und rang mit meinen immer wieder fallenden Augenlidern. Irgendwann hielt ich ihnen aber nicht mehr stand. Ich war mir nicht ganz sicher, aber ich dachte, dass der Gnom es, wie bei den anderen auch, sicher nicht bemerkt hatte.
Teil 25
Sonnenstrahlen kitzelten meine Nase und ich erwachte mit einem Niesen. Meine Augen öffneten sich träge und das Erste, was sie erblickten war eine längliche hellgraue Nase, die Gras kaute. Dann erhob ich mich langsam. Das Schaf vor mir kaute gemütlich an einigen Grashalmen und blickte zu mir auf. Ich drehte mich nach links. Der Gnom lag auf einem Stein, die Arme und Beine von sich gestreckt und schlief tief und fest. Mein Blick schweifte in die Runde. Der Säbler lag unter einem Baum am Teich, Voo´doo in das blaue Fell gekuschelt. Von´rajas streckte sich gerade und gähnte dabei. Auch Hugo lag noch schlafend an der Feuerstelle, unter einem Flügel hatte sich der Hexer verkrochen. Also fehlte nur einer.
„Adrian?“ ich stupste das Schaf sachte an.
„Mäh!“
„Guten Morgen! … Oh, ein Schaf. Wen es hat erwischt?“ der Geisterwolf trabte auf das Schaf zu.
„Adrian.“ antwortete ich knapp.
„Mäh!“
„Ich glaube er wollen kurz gehauen werden um wieder zu sein normal.“ ich überlegte kurz und antwortete dann:
„Ach nein, als Schaf gefällt er mir viel besser. Lassen wir ihn doch eine Weile so.“ unverzüglich musste ich lächeln, als das Schaf mir böse Blicke zu warf. Dann tätschelte ich Adrians weichen Schafskopf und er versuchte mir in die Hand zu beißen, was ihm misslang. Er schien nun ein wenig zu schmollen.
Langsam erwachten auch die anderen und betrachteten das Schaf interessiert. Hugo stupste den Krieger ab und zu an, der nicht dergleichen tat und sich auf schmollend schauen beschränkte, nebenbei kaute er ein Gänseblümchen. Seldig saß mittlerweile vor dem Schaf und entschuldigte sich bei selbigem. Er wollte dem Krieger helfen, bekam aber ein striktes Verbot von mir. Als Paarhufer konnte der Krieger wenigstens nicht anzüglich grinsen. Sesharrim näherte sich langsam und vorsichtig. In gleicher Weise versuchte Adrian sich von der Katze zu entfernen. Als sich die Großkatze die Schnauze leckte geriet Adrian in Panik und versuchte sich in seinem Gepäckberg zu verstecken. Bei dem Versuch blieb er allerdings stecken und die hintere Hälfte des Schafes hing aus dem Loch. Ein kurzes „Mäh!“ kommentierte das Unterfangen. Dann stemmte der Krieger seine Hinterläufe gegen das Gepäck und befreite sich so mit einem Plop! wieder. Bevor Sesharrim wieder auf dumme Gedanken kommen konnte griff ich nach dem Schaf und hob es hoch. Mit zappelnden Beinen hing Adrian in der Luft. Ich schaute dem wütend blökenden Schaf ins Gesicht und überlegte, wie ich für sein gestriges Grinsen Genugtuung erhalten konnte.
Der Krieger befand sich nun in meinen Fängen und musste einiges über sich ergehen lassen, Hugo half mir dabei. Das Ergebnis war ein sauber gekämmtes Schaf mit einer lila Schleife und einem Schildchen mit der Aufschrift „Wölkchen“ um den Hals. Behutsam setzte ich den Krieger mit einem Lachen im Gesicht ab. Alle streichelten das Tier noch einmal und kommentierten das mit „Oh, wie süß!“ Adrian wackelte beleidigt davon und hockte sich einige Meter weiter ins Gras, die Nase gen Himmel gereckt. Dieser Anblick war mehr als nur Genugtuung für mich.
Während Adrian, oder besser Wölkchen, eingeschnappt im Gras saß und eine Blume kaute, sattelten wir die Pferde und machten uns zum Aufbruch bereit. Als alle soweit waren, sollte Hugo unser Wölkchen holen gehen – Wölkchen wurde einstimmig zum Gruppenmaskottchen ernannt. Der Dämon hielt unaufhaltsam auf das Schaf zu. Plötzlich gab der Boden unter den Hufen des Dämons nach und eine Staubwolke erfüllte die Luft. Ein großes Loch war im Boden entstanden und Flüche drangen aus diesem empor, der Aufprall hatte Adrian wieder zurück verwandelt, traurig ließ ich die Schultern hängen. Die Flüche verklangen langsam und der Rest, der noch Oben verweilte, pirschte sich vorsichtig an die Grube. Als ich über den Rand des Loches lugte begannen die Schimpfereien von neuem. Neugierig schauten nun auch die anderen über den Rand und die Flüche wurden lauter. Hugo saß neben dem wütenden Krieger da unten und hielt sich den Kopf.
„Hugo au gemacht.“ wiederholte der Koloss immer wieder. Währendessen überlegten wir, wie wir die Zwei aus dem Loch holen könnten. Der Raum im Untergrund bot wenig Platz und Hugo konnte seine Schwingen nicht ausbreiten. Uns blieb nur die Möglichkeit Beide hoch zu ziehen. In Adrians Gepäck fand sich schnell ein Seil, das wir verwenden konnten um zumindest den Krieger aus dem Loch zu ziehen. Als das Seil nach unten hing, griff der immer noch fluchende Krieger danach und zog kurz daran um die Stabilität zu testen. Ich wusste nicht was im Kopf des Dämons vor sich ging, jedenfalls griff ebenfalls nach dem Seil und zog, ahmte den Menschen nach. Es dauerte nur einen Moment und uns blieb keine Zeit zu reagieren. Kurz darauf fanden sich alle im Loch wieder. Hoch oben drangen Sonnenstrahlen durch die Öffnung.
Von links und rechts hörte ich Schmerzensklagen und sah wie sich Seldig das Becken rieb. Voo´doo, der als Einziger nicht gefallen war, segelte nun langsam zum Grund des Lochs und landete auf Von´rajas Kopf mit einem „Fiep!“ Ich blickte um mich. Das Loch ragte weit über uns und war nicht erreichbar, wir mussten also einen anderen Ausgang finden. Das Sonnenlicht erhellte matt eine kleine sechseckige Kammer. In den Ecken stützten Säulen die Decke. In einer Wand gab es einen dunklen Durchgang, dieser, so hofften wir, sollte uns nach draußen führen. Ansonsten blieb alles undeutlich. Voo´doo war als Einziger in der Lage den Raum zu verlassen und wurde nach oben geschickt. Der kleine Drache hörte aufmerksam Von´rajas´ Stimme zu und nickte, als er verstanden hatte. Bald fielen einige Stöcke auf unsere Köpfe, gefolgt von dem Welpling, der den Rucksack des Schamanen in den Pfötchen hielt. Mit etwas Stoff von Blackcyphers nun zerrissener Robe bastelten wir uns fackeln und entzündeten sie mit Von´rajas´ Streichhölzern. Dann beschlossen wir unser Glück in dem dunklen Gang zu versuchen. Die Luft war stickig und ich konnte nur schwer atmen.
Der uralte Gang war zu unserem Erstaunen noch intakt, nur ab und zu lag ein Steinbrocken im Weg, der aber nicht weiter störte. Entlang der kunstlosen Mauern erreichten wir schließlich einen weiteren Raum. Er war etwas größer wie unser Ausgangspunkt, ansonsten genau gleich. Der Raum teilte sich in zwei Durchgänge. Die Fackeln loderten ein wenig, ein Zeichen für Luft. Wir folgten dem Gang, aus dem die Luft strömte, mussten aber schon bald umkehren, da der Gang eingestürzt war. Der zweite Gang führte tiefer in das alte Gemäuer hinein. Er brachte uns in eine riesige Halle. Säulen ragten majestätisch vor uns auf und verschwanden weit oben in der Dunkelheit. Anders als die kleinen Vorräume, waren die Wände mit halb verblassen Bildern geschmückt und die Säulen zeigten feine Reliefs. An manchen Stellen blätterte noch goldene Verzierung ab. Unser Erstauen ließ uns nur noch miteinander flüstern. Ich ging an einer Wand entlang und blickte auf die Bilder. Drachenmotive waren von dem Künstler bevorzugt. Am anderen Ende des Saals erhob sich ein Podest, auf dem ein zerbröckelter Opfertisch seinen Platz fand. An jeder Ecke stand eine Kohlenpfanne, wie auch zwischen den Säulen, ließen sich aber nach all den Jahren nicht mehr entzünden. Langsam gingen wir auf die Wand hinter dem Opfertisch zu. Ein riesiges Relief zeigte Wolken und einen Drachen, der mit ausgebreiteten Schwingen herrisch in den Himmel brüllte.
Wir hielten uns noch ein wenig länger in dem Raum auf bis wir einen weiteren Gang fanden. Dieser war breit und von Statuen gesäumt. Es überraschte kaum noch, dass auch die Statuen Drachen darstellen. Zwei unserer Fackeln erloschen langsam und die Sicht schränkte sich noch weiter ein. Dann stolperte Adrian und fiel hin, eine weitere Fackel erlosch.
„Verdammtermistnocheins!“ schrie er und stand wieder auf. Als sein Fluch durch den Gang hallte bröckelten Steine von der Decke und den Wänden. „Pscht!“ kam es gleichzeitig von uns. Der Krieger putzte sich Staub von seinen Sachen und trachtete danach den mutmaßlichen Stein, über den er gestolpert war, zu treten. Als er mit dem Fuß ausholte begann es in der Finsternis zu rascheln. Wir dachten ein weiterer Stein hatte sich aus dem Gemäuer gelöst. Adrian zuckte mit den Schultern und holte noch einmal mit dem Fuß aus. Er trat lediglich in leere Luft. Fragend schaute er mir ins Gesicht. Dann raschelte es erneut in der Dunkelheit und wuchs zu einem bedrohlichen Knurren an, das mich bis ins Mark erschütterte.
Teil 26
Leuchtend rote Augen funkelten uns entgegen und das Knurren wurde lauter. Ein kalter Schauer lief mir über den Rücken als schier riesige Krallen über den alten Steinboden kratzten und auf uns zu hielten. Reglos standen wir an Ort und Stelle.
„Ich habe gehört, dass Echsen reglose Ziele nicht sehen können, hihi.“
„Wer sagt denn, dass das Vieh hier eine verdammte Echse ist? Verdammtermistnocheins!“ im gleichen Moment gab das Wesen in der Dunkelheit ein ohrenbetäubendes Donnern von sich und Flammen züngelten uns aus der Dunkelheit entgegen. Sofort warfen wir uns auf den Boden. An den Wänden entzündeten sich uralte Fackeln und ließen den Gang mit den Statuen in hellem Schein erstrahlen. Langsam öffnete ich meine Augen und riskierte einen Blick.
„Seldig? Wie war das noch einmal, Echsen können reglose Ziele nicht sehen?“
„Ja.“
„Dann sollten wir uns nicht bewegen.“ im Gang hockte ein feuerroter Drache, der ein wenig verwirrt in unsere Richtung schielte mit suchenden Blicken. Offenbar konnte er uns wirklich nicht sehen. Ich hatte mir das Tier wesentlich größer vorgestellt – dieses Exemplar schien ungefähr so groß zu sein wie Hugo.
„Oh, da wäre noch etwas, hihi. Hab das ganz vergessen.“ gab der Gnom flüsternd von sich.
„Und was, verdammtnochmal?“
„Solche Biester können ziemlich gut riechen, hihi.“ antwortete der Magier. Sofort erhob der Drache seine Schnauze und begann unsere Fährte zu suchen. Ohne zu zögern drehten wir mit bösen Blicken unsere Köpfe zu dem Gnom. Schweiß bildete sich auf seiner Stirn. Der Drache kam uns inzwischen immer näher, drückte dann seine Nüstern auf den Kopf des Kriegers. Dann blickte er auf und nieste laut. Putz fiel von der Decke und die Wände wackelten ein wenig. Mit einer Kralle kratzte sich das Wesen an der Nase und richtete dann wieder seine Aufmerksamkeit auf uns.
Da das reglos am Bodenliegen nichts nützte, hatten wir die Zeit genutzt und uns hinter der Verdammniswache verkrochen. Der rote Riese stierte auf den Dämon der sofort grüßend eine Pranke hob und den Drachen mit einem „Hallo!“ winkte. Das Tier schaute nun ebenso verwirrt drein wie wir, während Hugo versuchte zu lächeln. Dann fing sich der Drache wieder, breitete seine rot beschuppten Schwingen aus und stieß bedrohlich glühende Flammen in die Luft. Daraufhin wackelte Voo´doo auf den Drachen zu, begann mit den Flügelchen zu flattern bis er auf Augenhöhe mit der Bestie war. Das kleine grüne Exemplar fiepte vor sich hin und versuchte ebenfalls Feuer zu speien, was sich in Form von Rauchringen äußerte. Der Drache blieb sichtlich unbeeindruckt.
„Lasst mich mal da ran. Ich werde es dem verdammten Mistvieh zeigen!“ mutig wollte Adrian nach seiner Axt greifen, bemerkte dann aber, dass diese im Gepäck auf Blinkys Rücken ruhte. Er fluchte kurz und schob Blackcypher nach vorn. „Du machst das schon!“ aufmunternd klopfte er ihm auf die Schulter. Blackcypher hatte eine Idee. Der Hexer kramte in einer der Taschen seiner Robe und zog etwas heraus.
„Hier, ähm, Putt putt. Schau doch mal. Will der, äh, liebe Drache einen, huh, Keks?“ der Hexer warf dem Tier den halb zerbröckelten Keks zu. Während der Keks nun volle Aufmerksamkeit erhielt, versuchten wir so vorsichtig wie möglich die Tür hinter dem schuppigen Körper zu erreichen. Als wir die Tür erreichten beschnupperte der Drache den Keks immer noch. Hinter der Tür angekommen hörten wir ein knusperndes Geräusch.
„Ich glaube jetzt sollten wir uns beeilen.“ riet ich den anderen. Sofort rannten sie panisch in die Dunkelheit. Dann ertönte ein Brüllen des Drachen und der schuppige S.chwanz schlug die Tür ein. Licht fiel nun fahl in den Raum und wir konnten einen weiteren Gang erkennen. Wütend versuchte sich der Angreifer durch die für ihn zu enge Tür zu quetschen. Er stemmte den Körper in den Türrahmen und drückte fest bis die ersten Steine der Wand nachgaben. Wetteifernd rannten wir auf den Gang zu, als der Drache in den Raum schoss und danach trachtete uns mit seinen Kiefern zu zermalmen. Im Rücken das Brüllen des Riesen rannten wir so schnell wir konnten und wie es die Dunkelheit zuließ, immer eine Hand an der Wand. Zwischendurch musste Blackcypher einige Kekse fallen gelassen haben, denn der Drache hielt ab und zu inne und wir gewannen wieder etwas Vorsprung. Dann funkelte Licht in der Dunkelheit. Instinktiv hielten wir darauf zu.
Der Gang endete zwischen den Hügeln, die die Ausgrabungsstätte umgaben. Von hier oben konnten wir unser Lager und die Pferde erkennen. Ein weiteres Brüllen ließ uns zusammen zucken und dann versuchten wir so schnell es möglich war nach unten zu kommen. Ich rannte den glatten Hang hinab, Adrian rollte an mir vorbei und schrie. Seldig hatte sich auf Sesharrims Rücken geschwungen und ritt auf dem Säbler den Hang hinunter. Voo´doo flatterte gemütlich hinterher. Unten angekommen schwang ich mich sofort auf Darus und trieb ihn an, musste aber wieder inne halten, da Blinky es wieder nicht eilig hatte – die Karotte hatte er während unserer Abwesenheit gef.ressen. Ich bemerkte, dass es still war und es schien nicht den Anschein zu haben, als würde der Drache uns weiter verfolgen. Vielleicht steckte er im engen Gang irgendwo fest. Also entschlossen wir uns in Blinkys Tempo weiter zu reisen.
Trotz der gemütlich schlendernden Geschwindigkeit waren wir weit gekommen. Am nächsten Tag konnten wir sicher Dun Modr hinter uns lassen. Ich drehte mich im Sattel und blickte nach hinten. Ein rot beschupptes Tier folgte uns gemütlich in geringen Abstand. Es blickte mich bettelnd an. Ich hielt meine Hand auf und der Hexer reichte mir einen Keks, den ich über meine Schulter warf, der Drache fing ihn im Flug.
„Du hättest ihm keine Kekse geben dürfen.“ meinte ich zu dem Hexer.
„Was, äh, hätten wir sonst tun sollen? Und das ist, ähm, eine Sie.“ antwortete er. Mit der Hand am Kopf schüttelte ich selbigen. „Vielleicht ist, ähm, Giselle noch, äh, nützlich.“
„Du hast dem verdammten Vieh einen Namen gegeben!?“ Adrian drehte sich im Sattel und blickte dem Hexer mit großen Augen entgegen. Auch er schüttelte den Kopf und drehte sich dann wieder um.
„Und was wir machen mit IHR, wenn wir gehen unter Leute?“ fragte der Wolf. „Mitnehmen wir sicher nicht können. So ein Vieh man kann nicht übersehen.“ einige reisende Händler kamen uns entgegen und trachteten sofort danach sich irgendwo zu verstecken als sie uns sahen. Zwischen einigen Sträuchern schauten sie unsicher hervor und beobachteten uns. Sesharrim näherte sich einem von ihnen vorsichtig und hockte sich vor den Busch. Der Händler versuchte verzweifelt den Säbler mit einem „Kusch!“ zu vertreiben. Sesharrim blickte nun noch interessierter und umrundete den Busch. Der Händler versuchte immer auf der anderen Seite des Blattwerks zu bleiben. Nun hockte er auf der Vorderseite und stierte mit schweißnasser Stirn in große Pferdenüstern. Er wollte vor Schreck davon krabbeln, aber der Frostsäbler sprang los und landete auf dem Zwerg, der sofort im Schutz lag. Mit einer rauen Katzenzunge leckte er dem zappelnden Zwerg übers Ohr, der um Hilfe schrie. Die anderen Händler trauten sich jedoch nicht aus ihren Verstecken. Der Säbler ließ erst nach einigen Ermahnungen von dem Zwerg ab. Dieser stand sofort auf und kroch zurück hinter den Busch und verfluchte uns dann lautstark.
„Siehst du was ich meinen.“ sagte Von´rajas nachdem wir uns etwas von der Händlerkarawane entfernt hatten. Blackcyphers Antwort war ein Schulterzucken. Der Drache sollte sicher noch ein Problem werden, dachte ich bei mir und seufzte.
Stumm setzten wir unseren Weg fort bis die Sonne langsam unter ging. Erschöpft von dem heutigen Tag beschlossen wir unser Lager nahe der Straße zu errichten. Mit der Hilfe von „Giselle“ war ein Feuer schnell entzündet und wir setzten uns kollektiv. Eine Weile unterhielten wir uns noch über Gott und die Welt, sowie das Wetter und alles sonst was die Einfallslosigkeit so hergab. Seldig konnte wieder ewig reden, dabei ließ er Punkte und Kommas gänzlich weg. Worte sprudelten ihm buchstäblich aus dem Mund und quollen ihm aus den Ohren. Adrian schlief dabei als Erster ein und Voo´doo tobte sich mit einem Stück Kohle an dem Krieger aus. Erst jetzt bemerkte ich, dass er immer noch die Schleife um den Hals trug, was mich zum kichern brachte. Irgendwann konnte ich das Gequassel des Gnoms auch nicht mehr ertragen und schlief ebenfalls ein. Dabei bemerkte ich nicht das blaue Leuchten in meiner Tasche, wie die Tage zuvor auch.
Teil 27
Ich wurde von einem Krachen geweckt, als der Rotdrache gegen einen Baum sprang und ihn entwurzelte. Ein wenig verschlafen schaute ich in die Runde und kratzte dabei meinen Bauch. Blackcypher war bereits munter und spielte mit seiner neuen Freundin, indem er immer wieder einen Stock in irgendeine Richtung warf. Wie besessen sprang der Drache hinterher um den Stock zu fangen. Von´rajas und Sesharrim verspürten scheinbar denselben Drang und rannten ebenfalls dem Ast hinterher. Allerdings mussten die Zwei immer einen Rückzieher machen, wenn der Drache böse fauchte und nach dem Stück Holz schnappte. Erneut wurde ein morscher Baum gefällt. Adrian nutzte die Gelegenheit und sammelte Feuerholz. Der Krieger trug immer noch die Schleife um den Hals und bemerkte sie nicht. Erst als ich deswegen anfing zu kichern fiel ihm auf, dass er sie noch trug und riss sie beleidigt ab. Als er mir den Rücken kehrte sammelte ich das Schild und das lila Band ein und verstaute es in meiner Gürteltasche. Ich dachte, dass man die Dinge noch einmal brauchen könnte.
Nach dem Morgensport saßen wir alle an der Feuerstelle und frühstückten Dosenfutter, wie es Adrian gern nannte. Seldig schlief währenddessen seelenruhig weiter. Der Gnom war durch nichts zu wecken, nicht einmal Sesharrims feuchte Zunge half. Da wir nicht warten wollten, hoben wir den Gnom auf den Rücken des Säblers und brachen auf. Es ging nur schleppend voran. Seldig schlief immer noch wie ein Stein und fiel ab und zu von Sesharrims Rücken, merkte davon aber nichts. Wir mussten immer wieder halten um den Gnom zurück auf den Frostsäbler zu heben. Nach dem fünften Mal waren wir es Leid und Von´rajas begann in seinem Rucksack zu wühlen bis er ein Seil fand. Damit knoteten wir den Gnom am Säbler fest. Giselle folgte uns im weiten Abstand und sammelte die am Boden liegenden Kekse auf. Geschlagene drei Stunden brauchten wir bis zur Grenze nach Arathi. Ohne den Gnom, der noch immer schlief und den kekssüchtigen Drachen wäre unsere Gruppe schneller vorangekommen.
Eine Brücke bildete den einzigen Weg in das Arathi Hochland. Sie war vor einigen Jahren noch stark zerfallen und schwer zu überqueren, aber ein Bautrupp aus Zwergen und Gnomen konnten in nur zwei Jahren die Brücke erneuern. Erfinderische Zwerge und Gnome gaben sich aber nicht einfach mit einer neuen Steinbrücke. Stattdessen erstreckte sich eine Symbiose aus Stahl und Steinpflaster vor uns ohne Gleichen. In der Mitte der Brücke erhob sich eine meterhohe Säule von der aus mehrere sehr dicke Seile zum Boden gespannt waren. Ich war beeindruckt von dieser Bauweise, obwohl ich als Elfe Holz bevorzugte. Nicht nur ich war sprachlos von dem Anblick des riesigen Bauwerks, auch Von´rajas staunte mit großen Augen. Adrian und Blackcypher hatten die Brücke bereits mehrmals gesehen und waren minder erstaunt.
Ein kleines Haus stand am Wegrand nahe der Brücke und ein langes Holzstück, das rotweiß gestrichen war, versperrte den Weg. Wir näherten uns dem Haus. Die Inneneinrichtung bestand aus einem Tisch, einem Stuhl und einer Geldkassette. Ein Buch lag aufgeschlagen auf dem Tisch und auf dem Stuhl hockte ein Zwerg, die Füße verschränkt auf der Tischkante und schlief. Die Hände hielt er verschränkt unter dem rotbraunen Bart, der von zwei Zöpfen geziert wurde. Der Kopf war nach hinten gelehnt und der Mund geöffnet. So schnarchte der Zwerg vor sich hin. Ein Namensschild am Fenster des Häuschens verriet allen Vorbeireisenden, dass der Zwerg den Namen Belegar Stahlhammer trug.
Adrian ging auf den Zwerg zu und tippte ihn auf die Brust. Das Schnarchen verklang und der Stuhl kippte nach hinten. Ein wütender Zwerg zog sich nun an der Tischplatte nach oben und schaute böse in die Runde.
„Bei meinem heiligen Bart, was wollt ihr?“ fragte er lautstark.
„Wir wollen über die Brücke.“ sagte ich und deutete aus dem Fenster. Der Zwerg nickte und trat aus dem Haus.
„Dann wollen wir mal sehen …“ kritisch betrachtete er unser Gepäck. „Der Hund da.“ begann er und fragend blickten wir ihn an, Von´rajas knurrte. „Habt ihr einen Schein für das Tier?“ gleichzeitig schüttelten wir unsere Köpfe. „Wieso ist er nicht an der Leine?“ fragte der Zwerg weiter und deutete auf ein Schild, das am Brückenrand stand. Adrian trat darauf zu und las laut vor:
„Höret! Höret! Neueste Forschungen ergaben eine ansteigende Rate von Tollwut und anderen von Hunden übertragbare Krankheiten. Deswegen hat jeder Hundebesitzer einen Schein, der die Gesundheit des Tieres bestätigt, vorzuweisen oder das Tier mit Leine und Maulkorb zu führen. Wir wünschen Ihnen einen schönen Tag und eine angenehme Weiterreise. Gezeichnet Ihr Doktor Zwergen-Team und Co.“ wir starrten den Zwerg groß an.
„Ihr habt also keine Leine?“ wieder schüttelten wir stumm den Kopf. „Zufälligerweise habe ich da ein sehr komfortables Modell da …“ sprach er weiter, brach dann aber ab als er Seldig auf Sesharrims Rücken entdeckte.
„Was ist denn das? Ein Gnom festgebunden auf einem Säbler? Gnomenschmuggel ist verboten! Das gibt eine hohe Strafe!“ er zog ein Notizbuch hervor und schrieb alles auf. „Mal sehen, wir haben eine Leine, einen Maulkorb, geschmuggelte Gnome … Ohoh, das wird nicht billig.“ ein lächeln kam unter dem dicken Bart zum Vorschein. „Und was ist das da?“ er deutete auf den Rotdrachen, der genüsslich einen Keks verschlang. „Sieht nach einem Drachen aus. Verbotene Fütterung einheimischer Tiere und weiteres Schmuggeln von Exoten?“
„Drache? Ähm, welcher Drache?“ begann Blackcypher unschuldig. „Was, äh, sagst du dazu, huh, Yava? Siehst du hier einen, ähm, Drachen?“
„Kann keinen erkennen.“ unschuldig blickte ich in den Himmel und zuckte mit den Schultern. Wütend trat der Zwerg auf Giselle zu, die nach einem weiteren Keks auf dem Boden suchte.
„Ihr wollt mir erzählen, dass das hier kein Drache ist?“ Belegar tippte mit seinem Stift an die schuppige Haut, der sofort im Rachen des Drachens verschwand. Gleichzeitig ließen wir unsere Schultern hängen und seufzten. Das Gesicht des Zwerges lief rot an und er zog einen neuen Stift unter seinem Bart hervor. Wieder notierte er etwas in seinem Buch. Dann schaute er wutentbrannt auf, blickte auf Von´rajas Rucksack. Er forderte uns auf, ihm den Inhalt vorzuweisen. Ängstlich schüttelte der Schamane seinen Kopf, doch es half keine Gegenwehr. Mit hängenden Ohren musste er zusehen, wie seine Tabaktütchen und andere Rauchutensilien auf dem Tisch im Haus landeten. Darunter auch einige Säckchen mit weißem Pulver, das wir versuchten als Mehl zu tarnen. Andere Dinge ließ der Zwerg mit skeptischem Blick als Medikamente durch gehen. Immer noch mit hochrotem Kopf kritzelte der Zwerg weiter.
„Mal sehen … Also Leine und Maulkorb, macht fünf Gold und zwanzig Silber. Gnomenschmuggel und Eintrag ins Strafregister fünfundzwanzig Gold. Verbotene Fütterung einheimischer Tiere … dreizehn Gold, siebzig Silber und elf Kupfer. Ersichtlicher Exotenschmuggel dreihundert Gold. Mitführen berauschender Substanzen dreihundertachtzig Gold und sechzig Kupfer und nicht zu vergessen fünf Gold Mautgebühren … Das macht dann zusammen siebenhundertachtundzwanzig Gold, neunzig Silber und einundsiebzig Kupfer. Dazu kommen noch Bearbeitungsgebühren, Lagerkosten für Schmuggelware und Lohn. Also schuldet ihr mir … zweitausend Gold auf den Kupfer genau.“ bei dem Betrag fielen mir fast die Augen aus dem Kopf.
Adrian hingegen rollte seine Ärmel hoch und ließ die Fingerknöchel knacken. Freundschaftlich klopfte er dem Zwerg auf die Schulter und zog ihn in das Häuschen. Mit gespitzten Ohren lauschten wir dem folgenden Gespräch an der Tür. Nur wenige Minuten später trat Adrian zufrieden aus dem Haus, der Zwerg winkte ihm hinterher.
„Und?“ fragte ich gespannt.
„Nun, es waren nur ein paar kleine Worte nötig.“ der Menschenkrieger machte eine Pause. „Jetzt sind wir um zwanzig Gold reicher, bekommen alles Beschlagnahmte wieder und dürfen ohne irgendwelche Eintragungen und sonstigen Mist passieren.“ bei seinen Worten grinste er glücklich und kletterte in Blinkys Sattel. Adrian nickte dem Zwerg zu, der jetzt ein schwarzes Etwas hob und darauf drückte. Das rotweißgestreifte Holz erhob sich in die Senkrechte und gab den Weg frei. Ich blickte mich noch einmal um, bevor wir unseren Weg fortsetzten. Der Zwerg saß in dem kleinen Haus und schlug seinen Kopf auf die hölzerne Tischplatte.
Teil 28
Das Arathi Hochland war eine saftig grüne Ebene, die sich bis zu den angrenzenden Bergen erstreckte. Einige Felsen, Sträucher und Felder brachten ein wenig Abwechslung in das grüne Bild. Am frühen Nachmittag erwachte auch Seldig aus seinem Schönheits-Schlaf, wie er es ausdrückte. Nach heftigen Beschwerden mussten wir den Gnom von seinen Fesseln befreien, die ihn auf dem Rücken des Säblers hielten. Dann brach wieder Stille unter uns aus. Die angenehme Ruhe hielt aber nicht lange an. Seldig hatte immer einen unglaublichen Rededrang. Erst erzählte er uns von einigen „Sehenswürdigkeiten“, die wir uns ansehen sollten. Gemeinsam lehnten wir Anderen allerdings ab, da wir schon genug Zeit verloren hatten und endlich nach Burg Schattenfang wollten. Von´rajas meldete sich auch zu Wort und erinnerte mich daran, dass ich ihm helfen wollte einen Schamanen zu finden, der ihn aus seiner Gestalt befreien konnte. Ich hatte das bereits wieder vergessen, es gab in letzter Zeit genug Probleme. Es folgte wieder die berühmte schweigsame Stille, die Seldig krampfhaft versuchte zu füllen, indem er gnomische Volkslieder anstimmte. Ein furchtbares Gekrächze entstand, als Blackcypher und Adrian bei bekannten Liedern mit einstimmten. Sesharrim stäubte das Fell und rannte ein Stück voraus um einen möglichst großen Abstand zu gewinnen. Aus nahe gelegenen Sträuchern stoben Wachteln auf und ergriffen die Flucht. Innerlich schauderte ich als ich daran denken musste, dass unser nächster Halt in der Zuflucht noch einige Stunden entfernt war.
Den einzigen Vorteil, den das Gesinge – wenn man das so nennen konnte – hatte, war der, dass sich alle potenziellen Angreifer fluchtartig von der Straße entfernten. Nach einigen Leidensstunden erreichten wir dann endlich die Zuflucht und ich atmete auf. In den Jahren ist aus dem kleinen Zeltlager eine kleine Stadt geworden, umgeben von einigen Bauernhöfen. Kleine graue Steinhäuschen säumten grau gepflasterte Wege. Von einem Hügel aus betrachtet wirkte die Zuflucht ein wenig trist und farblos. Als wir vor der Stadt ankamen änderte sich der Eindruck nicht, Grau war wohl eine der bevorzugten Farben. Bevor wir uns jedoch um eine Schlafgelegenheit kümmern konnten standen wir vor einem Problem: Den Drachen konnten wir unmöglich mitnehmen. Giselle wollte aber nicht vor der Stadt bleiben und blieb dicht bei ihrem Kekslieferanten. Es brach eine Diskussion aus mit anschließender Abstimmung, die entschied, dass der Hexer ebenfalls vor der Stadt bleiben musste. Kameradschaftlich wie wir waren bauten wir ihm auch ein Zelt auf. Mit Gemurmel im Rücken betraten wir nun die Zuflucht von Arathi.
Die Inneneinrichtung des Gasthauses war genauso trist wie der Rest der Stadt. Boden sowie Möbel bestanden aus rustikalem schwarzbraunem Holz. Der Wirt war sehr unfreundlich und drückte uns unsere Zimmerschlüssel in die Hände. Er nickte kurz in Richtung einer Treppe und wandte sich dann ab. Es war schon spät und wir gingen die Treppe hinauf. Die Zimmer erinnerten mich an die im Dämmerwald. Eine Spinne in der Ecke ließ mich aufschreien. Hektisch rannte ich aus dem Zimmer und hämmerte an die nächste Tür. Wortlos reichte mir eine Hand die Dose mit dem „Insektenstop“. Zufrieden sprühte ich mein ganzes Zimmer damit ein und nach einer Stunde intensiver Lüftung konnte ich endlich schlafen. Bevor ich einschlief hörte ich noch Von´rajas’ Stimme, die lautstark die weltliche Ungerechtigkeit mitteilte. Er, Voo´doo und Sesharrim mussten sich wegen Tierverbots im Gasthaus eine Hundehütte im Hof teilen.
Mitten in der Nacht wurde ich von Schreien geweckt. Als ich aus dem Fenster blickte sah ich eine junge Frau über den Hof rennen, die immer wieder „Hilfe! Ein Drache!“ schrie. In meinem Inneren dachte ich nur, dass ich diesen Hexer umbringen werde. In anderen Fenstern flackerte Licht auf und Leute betraten die Straße. So auch ich. Unten empfingen mich bereits Seldig und Adrian, ein meckernder Wolf kam gerade um die Ecke. Hysterisch kreischende Leute rannten durcheinander. Einige Straßen weiter brannte bereits das erste Haus. Ich kochte vor Wut. Wieso mussten wir auch unbedingt den Drachen mitnehmen? Adrian saß nun auf der Straße und versuchte so schnell es ging in seine Plattenstiefel zu schlüpfen. Als er es geschafft hatte, griff er nach seiner riesigen Axt, die er immer beim Schlafen in den Armen hielt. Mit einer in der Luft flatternden Stoffhose rumpelte er dann fluchend davon. Ich ließ die Schultern hängen.
„Passen wir auf, dass er sich nichts tut.“ sagte ich und trottete hinterher. Seldig und Von´rajas folgten mir. Wir bogen um die nächste Ecke und Adrian flog uns schreiend entgegen, landete in mehreren Gemüsekisten. Grüne Flammen stoben uns entgegen. Schnell sprangen wir hinter das nächst Beste, was uns Schutz bieten konnte. Die Flammen lichteten sich ein wenig und ich schaute vorsichtig hinter einigen schmelzenden Gegenständen hervor. Ein weitaus größeres Exemplar der Gattung Drache blickte mir genau in die Augen und ich sank langsam zurück in der Hoffnung, dass mich die grüne Bestie nicht bemerkt hatte. Ich hörte wie der Drache tief Luft holte und zu einer weiteren Flamme ansetzen wollte.
„Na wartet mal ab! Dem Tierchen zeig ich es!“ rief Seldig und rollte seine Ärmel nach oben. Instinktiv kroch ich einen Schritt zurück und hielt die Hände über dem Kopf. Es passierte nichts und der Gnom ließ enttäuscht die Schultern hängen. Erleichtert atmete ich auf. Dann jedoch knisterte es über die Fingerspitzen des Magiers. Wir wurden in eine Rauchwolke gehüllt.
„Äh, Seldig?“ als sich der Rauch verzog blickte mir eine schüchtern schauende Schildkröte entgegen. Ich rollte mit den Augen und gab dem Tier eine Kopfnuss. Ein kurzes Plop! folgte und der Gnom weilte wieder unter uns. Mit einmal sprang Blackcypher um die Ecke und hielt einen Keks in der ausgestreckten Hand. Dicht auf folgte ihm Giselle.
„Hier, ähm, komm. Putt! Putt!“ rief er dabei. Sofort erhielt er volle Aufmerksamkeit. Ich drehte mich kur um und erschrak, als ich Hugo sah.
„Wah! Hugo! Was machst du denn hier?“ der Dämon kauerte bei uns hinter dem geschmolzenen Haufen.
„Hugo angst.“ sagte er und Seldig klopfte ihm sofort tröstend auf das Knie des Dämons – Höher kam er nicht. Es wurde langsam ruhig und wir wagten es erneut aus unserer Deckung zu spähen. Der grüne Drache lag auf dem Rücken und Blackcypher kraulte ihm den Bauch. Giselle stand ein wenig eifersüchtig daneben. Langsam trauten wir uns hervor und beobachteten alles mit erstaunten Blicken. Auch andere Bürger sahen verdutzt zu, wie der Hexenmeister auf dem Bauch des Drachen saß und ihm Kekse ins Maul warf.
Innerlich schauderte ich als ich daran dachte, dass uns ein weiterer Kekssüchtiger Drache uns folgen würde. Nach einiger Zeit rutschte Blackcypher vom Bauch des Tieres und der Drache erhob sich. Genügsam grinste uns der Hexer entgegen. Der grüne Riese breitete seine enormen Schwingen aus und stieg in die Luft. Er ließ sich noch einen Keks von Blackcypher zuwerfen, dann verschwand er in der Nacht. Es erstaunte mich, wie effizient ein Keks doch nur sein konnte. Giselle blickte ihm eine Weile hinterher und wimmerte ein wenig. Scheinbar war sie traurig, dass der Drache nun weg war. Sie fasste einen Entschluss und breitete ebenfalls ihre etwas kleineren Flügel aus. Der Rotdrache stupste Blackcypher sanft gegen die Brust und verabschiedete sich so. Der Hexer gab ihr noch einen Keks, dann verschwand auch Giselle in der Nacht. Etwas betrübt winkte Blackcypher ihr hinterher. es war wohl gut, dass der Rotdrache uns verließ: Für uns, weil wir dadurch weniger Probleme hatten und für sie, da sie sicher lange alleine in den Ruinen war und nun mit Artgenossen zusammen sein konnte.
Still standen wir noch einen Augenblick da und blickten gen Himmel, dann begannen einige Leute zu klatschen und es brachen Jubelschreie aus. Die Masse lief auf den Hexer zu und feierte ihn wie einen Helden. Die Stadt wurde wohl oft von dem Drachen heimgesucht. In weniger als zehn Minuten war eine Heldenfeier organisiert. Meine Begleiter stürzten sich sofort auf das Bier und sangen lautstark mit dem Rest der Bürger. Ich hingegen war müde und nicht gerade in Feierlaune, also ging ich zurück ins Bett. Als ich über den Hof schritt bemerkte ich, dass mein Frostsäbler wieder einmal die ganze Aufregung verschlafen hatte. Irgendwie beneidete ich ihn darum.
Teil 29
Am frühen Morgen ging ich nach draußen. Die Straßen waren nass vom nächtlichen Regen und auch jetzt noch bedeckten dunkle Wolken den Himmel. Das hinderte die Leute jedoch nicht daran ihren Helden zu feiern. Einige der Einwohner saßen immer noch auf dem Festplatz und tranken Bier, Adrian hockte heiser singend neben den Männern. Auf einer anderen Bank lehnte Blackcypher und schlief seinen Rausch aus. Ein Geräusch lenkte meinen Blick zu einem Haufen Kisten. Der Geisterwolf lag darin, er hatte eine Papiertröte im Maul und pustete immer wieder in diese. Sein Fell war durchnässt vom Regen, genau wie sein Papierspielzeug. Von Seldig fehlte jede Spur. Ich ging zu Adrian, da er noch halbwegs ansprechbar aussah. „Wo ist Seldig?“ fragte ich ihn. „Wasch?“ „Wo ist unser Gnomenmagier?“ „Wer?“ ich seufzte. „Klein, dunkle Haare, große Ohren, singt gern?“ Adrian sah mich verwirrt an und kratzte sich am Kopf, dann winkte er ab und begann sein Lied von neuem. Ich ließ die Schultern hängen und versuchte es bei Von´rajas. Der Wolf war in einem noch schlechterem Zustand und ignorierte mich völlig, widmete sich ganz seiner Tröte. Blackcypher war genauso wenig ansprechbar. Seufzend setzte ich mich an auf eine Bank am Stadtbrunnen. Ein kleines Schwein kam plötzlich angerannt und sprang auf meinen Schoß. Zwei Kinder verfolgten das Tier, kehrten dann aber um als das Ferkel versuchte sich hinter mir zu verstecken. Ich griff nach dem rosa Schweinchen und hob es hoch, betrachtete es skeptisch. Hoffnungsvoll blickte es mir entgegen und wackelte mit den Ohren. „Seldig?“ „Quiek!“ sofort war mir alles klar. Ich klemmte mir den Gnomenmagier unter den Arm und ging zurück zu unserer Unterkunft. In dieser Gestalt konnte er wenigstens keinen Ärger machen. Ich holte schnell unsere Sachen und machte Blinky und Darus bereit. Hugo sammelte inzwischen Blackcypher, Adrian und Von´rajas ein. Seldig wurde auf Adrians Gepäckberg geschnallt, er quiekte laut um mir seinen Protest mitzuteilen. „Sei still oder du bekommst eine Schleife und ein Schild auf dem „Charlotte“ steht.“ sofort verstummte das quieken und Seldig freundete sich mit seinem Zustand an. Mit den drei Betrunkenen und dem Nüchternen Rest machte ich mich nun auf in Richtung Thoradins Wall. Kurz hinter der Zuflucht hörte Adrian endlich auf mit singen und ich hatte endlich Ruhe vor dem Gejaule. Allerdings hielt die Stille nicht allzu lang an. Blackcypher wachte nach einiger Zeit auf und begann zu jammern. Er machte mir Vorwürfe, dass ich ihn mitgenommen hatte. Der Hexer bekam am Vorabend mehr als fünf Heiratsanträge und noch andere Angebote, schließlich war er der gefeierte Held. Ich rollte mit den Augen und ließ das Gejammer an mir vorbeiziehen. Der Rest des Weges gestaltete sich recht langweilig. Stunden später erreichten wir endlich Thoradins Wall, der Arathi vom Vorgebirge des Hügellands trennte. Die Zeit war nicht spurlos an dem Wall vorbei gezogen. Teile von dem Grenzposten waren verwittert. Dennoch war er immer noch eine imposante Erscheinung. Dem Rest schien die Tatsache jedoch recht egal zu sein und klagte lieber über einen starken Kater. Nachdem wir Thoradins Wall passiert hatten trotte Sesharrim auf einmal davon und blieb an einem Baum stehen. Der Säbler betrachtete ihn argwöhnisch. Plötzlich lugte ein seltsames Wesen hinter dem Baum hervor. Es war recht groß und hatte graues Fell. Der Kopf sah aus wie eine Eule mit Geweih. Sesharrim beäugte dieses Geschöpft skeptisch. Auch Blackcypher und ich schauten neugierig in Richtung des Baumes. Dann stieg der Hexer ab und kramte nach einem Keks in seinen Taschen. „Was hast du vor?“ „Ich, ähm, finde es ganz, äh, niedlich. Vielleicht kann ich es, ähm, behalten. So als, huh, Haustier?“ bevor ich etwas sagen konnte schritt der Hexer bereits auf das Wesen zu und hielt ihm den Keks hin. „Hier putt, putt.“ machte er dabei. Das Geschöpf starrte ihn an als der Hexer vor ihm stehen blieb und dann sah es auf den Keks. Hoffnungsvoll schaute Blackcypher auf das Tier als es mit einer Pfote zwischen seinem Fell wühlte. In Sekunden hatte es einen Stock in der Hand und schlug dem Hexer damit auf den Kopf. Danach verschwand es schnell hinter den nächsten Bäumen mit einem „Schuhu!“ Verwirrt schaute ich dem flüchtigen Wesen hinterher. Nach kurzer Verwirrung beschlossen wir unseren Weg fort zu setzten. Es wurde bereits dunkel und es begann zu regnen. Adrian und Von´rajas fühlten sich auch wieder besser und wir schlugen unser Lager zwischen einigen Eschen auf. Adrian stellte ein großes Ding auf, das er Regenschirm nannte und uns vor der Nässe schützte. Gemeinsam saßen wir am Lagerfeuer gedrängt unter dem kleinen Schirm. In der Dunkelheit raschelte es immer wieder bis das Wesen, dem wir an diesem Tag begegnet waren, wieder auftauchte. Es stapfte auf uns zu und setzte sich ans Lagerfeuer, zog seinen Stock unter dem Fell hervor, steckte etwas kleines Weißes darauf und hielt es ins Feuer. Stumm schauten wir der Gestalt zu. Es winkte uns zu. Als das plüschige Etwas am Stockende knabberte meldete sich Adrian zu Wort. „Wer oder Was, zum Henker, ist das?“ mit diesen Worten sprang die graue Kreatur auf. „Schuhu!“ schrie es und schlug mit seinem Stock dem Ferkel auf den Kopf. Dann verschwand es wieder. Nach einem Plop! saß der Magier wieder bei uns, der sich sofort mit heftigen Beschwerden an mich wandte. Eine Weile versuchte ich, den Gnom zu beruhigen, dann gab ich auf und ignorierte Seldig einfach. Noch immer regnete es und wir saßen gedrängt unter dem Schirm. Sesharrim schnarchte bereits friedlich vor sich hin, er hatte sich an einem nahen Baum nieder gelegt. Auch ich war etwas müde. Also lehnte ich mich an Adrians Rücken, schloss meine Augen und ließ den Gnom einfach weiterreden. Am nächsten Morgen brachen wir früh auf. Das komische Wesen beunruhigte die Anderen ein wenig. Es lugte immer hinter irgendwelchen Bäumen, Sträuchern oder Felsen hervor. Als wir Richtung Süderstade zogen ließ uns das Geschöpf nicht aus den Augen. Es huschte von Baum zu Baum oder zu Felsen und machte immer wieder „Schuhu!“ Es war wirklich merkwürdig. Von´rajas war so verängstigt von dem grauen Tier, dass er von Hugo getragen werden musste, ansonsten wäre er wie festgewurzelt auf der Straße stehen geblieben. Selbst Adrian hockte auf Blinky, schaute immer wieder von rechts nach links und hielt seine Axt fest in den Händen. Der Frostsäbler freute sich über die Gesellschaft und rannte dem Wesen fröhlich hinterher. Immer wenn das Tier die Position wechselte, folgte ihm der Säbler. Ab und zu lugte Sesharrim neben dem Wesen hinter einem Felsen hervor und maunzte. Wenn Sesharrim sich über die Gesellschaft freute, konnte keine Gefahr bestehen. Sonst hätte er versucht einen großen Abstand zu wahren. Ab und zu warf Blackcypher mit Keksen nach dem Tier, die dann aber Sesharrim auf sammelte, weil „Thippel“, wie Blackcypher das Wesen bereits nannte, keine Kekse mochte. Dennoch schien der Hexer bestrebt zu sein ein neues Haustier zu bekommen, da Giselle weg geflogen war. So ging es noch den ganzen Weg lang. Vor Süderstade blieb die Gestalt stehen und winkte uns als wir die Stadt betraten, dann versteckte es sich hinter dem nächsten Baum mit einem erneuten „Schuhu!“ Süderstade war immer noch ein kleines Fischerdorf mit einigen Holzhütten. Ebenso klein Gestaltete sich unsere Übernachtungsmöglichkeit. Im Gasthaus standen uns nur zwei Zimmer zur Verfügung. Leider waren sie zu klein für Blackcypher, Adrian, Seldig und Hugo zusammen. Also wurde Adrian kurzerhand zu mir ins Zimmer gesteckt, wogegen ich und der Krieger heftig protestierten. Seldig hingegen schloss einfach die Tür mit einem Kichern. Nun standen wir zwei stumm in dem kleinen Zimmer. Von draußen Drang nur ein gedämpftes schimpfendes Geräusch. Es stammte von dem Geisterwolf, der sich wieder eine Hundhütte mit Sesharrim und Voo´doo teilen musste. Ein weiteres Übel war, dass es keine Einzelbetten gab, sondern nur ein großes Doppelbett. In Adrians Gesicht zeigte sich bereits wieder sein typisches Grinsen. Ich ließ mich aufs Bett sinken und schaute dem Krieger entgegen, der daraufhin noch breiter grinste. Seinen Blick erwiderte ich mit einem Lächeln. Mitten in der Nacht wurde ich von Adrians lautem Schnarchen geweckt. Bei dem Krach konnte ich nicht schlafen. Ich kroch über das große Doppelbett und griff über die Bettkante. Der Krieger lag neben dem Bett auf einem Bärenfell in eine dünne Steppdecke gewickelt und mit seiner Zweihandaxt im Arm. Bis das laute Geräusch aufhörte hielt ich ihm die Nase zu. Dann kuschelte ich mich wieder in die weichen Federkissen und schlief zufrieden weiter.
Teil 30
Am Morgen stand der Gnomenmagier kichernd im Zimmer als ich aufwachte. Ich wollte mich aufrichten um zu sehen was Seldig so lustig fand, doch irgendwie konnte ich nicht. Ein Arm, der über meinem Oberkörper lag, drückte mich fest in die Kissen. Es war nicht schwer zu erraten zu wem dieser Arm gehörte. Schnell versuchte ich mich aus der Umklammerung zu befreien indem ich mich hin und her wandte. Als ich es geschafft hatte sprang ich so schnell es nur ging aus dem Bett und zupfte verlegen an meinem Hemd. Währenddessen griff Adrians rechte Hand nach der Bettdecke, kuschelte mit ihr weiter und nuckelte dabei am linken Daumen. Einen äußerst seltsamen und zugleich witzigen Anblick bot der Krieger. Seldig lag vor Lachen bereits auf dem Boden. Das Gelächter des Magiers lockte auch Blackcypher in das kleine Zimmer, der sofort losprustete als er den Krieger sah. Von draußen Drang Von´rajas’ Stimme durch das geöffnete Fenster. Er wollte auch wissen, warum wir so laut lachten. Langsam erwachte Adrian aus seinem Schönheitsschlaf und blickte verwirrt in die Runde, die linke Hand verschwand schnell hinter dem Rücken. Fragend musterte der Krieger jeden Einzelnen von uns. In einem Augenblick war alles still und jeder versuchte sein Lachen zu unterbinden. Kollektiv verschränkten wir die Hände hinter dem Rücken, wippten auf den Füßen vor und zurück und sahen dabei unschuldig pfeifend nach oben. Blackcypher schlich sich rückwärts aus dem Zimmer und verschwand um die Ecke, Seldig folgte ihm. Nun stand ich alleine mit dem Krieger im Raum und pfiff tapfer weiter. „Was ist los?“ fragte er nach einer Weile. „Nichts.“ antwortete ich und versuchte noch etwas lauter zu pfeifen und noch unschuldiger an die Decke zu starren. Ich erntete einen bösen Blick. Noch bevor Adrian zu einem Satz ansetzen konnte krachte es plötzlich im Nebenzimmer und das ganze Gasthaus wackelte. Blackcypher kam in unser Zimmer gestürmt, seine Hasenpantoffel waren verkohlt und dampften. „Ihr müsst, äh, schnell kommen! Etwas, hm, furchtbares ist passiert!“ schrie er uns an. „Boris?“ fragte Adrian, der noch immer im Bett saß. „Ja, was ist?“ „Du brennst.“ sagte der Krieger nüchtern. „Achja?“ kam die Antwort und kurz starrte der Hexer in den Raum, bevor er die letzten Worte realisierte. Als er verstanden hatte rannte er schreiend die Treppe hinunter. „Naja, dann wollen wir mal sehen was der Gnom wieder angestellt hat.“ sagte ich dann und streifte meine Hose über. Adrian folgte mir unauffällig zum Nachbarzimmer. Das Erste was mir ins Auge stach war, dass zwei Wände fehlten. Von einer Seite schaute eine verängstigte Frau – nur in Unterwäsche, was Adrian sofort zum Anlass nahm die Frau zu fixieren – ins Zimmer. Das andere Loch wies nach draußen. Ein kleines Schaf wackelte zwischen dem verkohlten Mobiliar hin und her. Seldig hockte an dem einen Loch, beugte sich nach draußen und unterhielt sich inzwischen mit Von´rajas, der auf der Straße stand. Eine Zuschauerschar hatte sich eingefunden, unter anderem auch ein äußerst verärgerter Gastwirt. „Was geht hier vor?!“ kam der Wirt wütend den Gang entlang. Alle Zuschauer deuteten auf den Gnom, der sich inzwischen umgedreht hatte. Seldig erhob schnell einen Finger und zeigte in eine Zimmerecke. Dort stand wieder dieses seltsame Wesen vom Vortag. „Schuhu!“ schrie es, schlug Seldig mit seinem Stock auf den Kopf und verschwand dann indem es durch das Loch nach draußen sprang. Ein kurzer Moment der Stille folgte und der Wirt hob erwartungsvoll eine Braue. Der Gnomenmagier stockte für einen Moment und nach kurzem Überlegen fing er an: „Schaut euch das an! Was für eine Innovation! Ein einziger Feuerball und man hat ein riesiges Zimmer mit Panoramafenster!“ er schwieg kurz, damit sein Satz wirken konnte und machte dabei eine präsentierende Geste. Als die Wut im Wirt wuchs und er bereits rot anlief fuhr er fort. „Und … äh … und … und ein Schaf gibt’s gratis dazu!“ er hob das Schaf hoch und lächelte stolz. „Mäh!“ der Kopf des Wirts war nun hochrot und er hob drohend seine Fäuste. Seldig wich zurück. „Äh … Ich muss ganz dringend weg … War sehr schön hier.“ der Gnomenmagier sprang aus dem „Panoramafenster“ und landete auf einigen Mehlsäcken. Er krabbelte unter einigen geplatzten Exemplaren hervor, rannte zu dem gähnenden Frostsäbler und schwang sich auf seinen Rücken. „Hü, mein treues Ross!“ schrie er, doch Sesharrim tat nicht der gleichen. Schweißperlen bildeten sich auf der Stirn des Gnoms. Langsam stieg er ab und blickte dabei auf den wütenden Gastwirt, der neben uns aus dem Loch schaute. Dann rannte der Gnom davon, vorbei an Blackcypher, der im Wassertrog lag und verschwand zwischen einigen Bäumen. Der Hexer winkte ihm hinterher. Als Seldig aus Sichtweite war packte mich eine Hand an der Schulter. Ich drehte mich um und blickte in das zornige Gesicht eines Gastronoms. „Entschuldigung, aber ich muss mal schnell für kleine Elfen.“ sagte ich ohne zu zögern und tippelte aus dem ehemaligen Gästezimmer, das Schaf unter den Arm geklemmt. Ich begab mich in mein Zimmer und schloss die Tür hinter mir. Das Schaf mähte vergnügt vor sich hin. Als ich ihm eine Kopfnuss gab erschien mit dem bekannten Plop! Hugo. Der Dämon mähte noch einmal bevor er merkte, dass er wieder seine alte Gestalt hatte. Ich drückte Hugo mein Gepäck in die Pranken und wies ihn an auch Adrians Gepäckberg zu nehmen. Danach schlich so gut es nur ging durch den Flur nach unten, den Dämon zog ich an der Pranke hinter mir her. Komischer Weise bemerkte uns keiner bis wir zum Stall kamen. Dort empfing uns der Stallbursche, der ein wenig dämlich zu sein schien. „Gnä’ Frau möchten abreisen?“ ich und Hugo nickten nur. „Dann möchte ich Euch bitten mir Eure Parkplatzmünze zu geben, dann bringe ich Euch euer Tier.“ sagte er dann. Ich kramte in meinen Taschen, bis ich die Münzen von mir und Adrian fand. Mit einem aufgezogenem Lächeln streckte ich sie dem Stalljungen entgegen, der sofort davon watschelte – von laufen konnte ich nicht sprechen. Ungeduldig trat ich auf der Stelle während wir warteten. Aus dem Gasthaus drang fürchterliches Geschrei, das Adrian über sich ergehen lassen musste, nachdem ich geflohen war. Nach schier einer Ewigkeit kam der junge Mann mit Blinky und Darus wieder. Während Hugo das Bergpony belud gab ich dem Stallburschen etwas Trinkgeld, der es freudestrahlend annahm. Nachdem alles verladen war sammelten wir Von´rajas, Voo´doo und Sesharrim ein. Hugo schwang sich Blackcypher über die Schulter und trabte mit Blinky und dem Gepäck davon. Ich wartete unten am Brandloch mit Darus auf den Krieger, der immer wieder verzweifelt zu mir schielte. Als ich Darus in Position gebracht hatte sprang Adrian aus dem Fenster. Mit einem Krachen landete er auf dem harten Boden. „Verdammtnochmal, park gefälligst ordentlich! Ich sag’s ja, Frauen und reiten! Das kann ja nicht gut gehen, Verdammtermist!“ er rieb seine Nase und stieg fluchend auf. Ich trieb mein Pferd zur Eile an. Der Wirt kam bereits aus dem Gasthaus gestürmt und folgte dem davon galoppierenden Hengst ein Stück, bis er asthmatisch keuchend stehen blieb. Ein wenig erleichtert folgte ich Hugo und den anderen. Wir trafen uns an einem kleinen Teich wieder, unweit von Süderstade. Wütende Bürger folgten uns mit Mistgabeln, Schaufeln und anderen Dingen. Gemeinsam setzten wir unsere Flucht Richtung Westen fort. Bereits ein kleines Stück weiter und nur einige Minuten später verklangen die zornigen Schreie und wir konnten eine kurze Pause einlegen. „Wo Seldig mögen hingerannt sein?“ fragte der Geisterwolf. Als Antwort bekam er zuckende Schultern zu Gesicht. In dem Moment trat die seltsame Mischung aus Eule, Hirsch und Bär – der auf zwei Beinen läuft – hinter einem Felsen hervor. In einer Pranke hielt er seinen geliebten Stock, in der Anderen einen zappelnden Seldig. „Thippel!“ rief Blackcypher sofort glücklich strahlend und trat auf das graue Etwas zu. „Schuhu!“ machte es und ließ den Gnom fallen. Dann schloss es den Hexer in seine plüschigen Arme und drückte ihn fest an sich. Dem Menschen liefen vor Glück Tränen über die Wangen, als hätte er seine lang vermisste Geliebte wieder gefunden – wenn er denn eine gehabt hätte. Mit offenem Mund starrte ich das Wesen und den Hexer an. Von einem Moment zum nächsten ließ es den Hexer los, schlug ein weiteres Mal mit dem Stock auf den nächst gelegenen Kopf und rannte mit einem „Schuhu!“ davon. Noch einmal starrte es hinter einem Felsen hervor und verschwand dann ganz. „Also ich würde mir das mit dem Haustier noch mal überlegen, Black.“ sagte Adrian, während der Hexer sich den Kopf hielt und dem grauen Plüschtier hinterher schaute.
Teil 31
Es begann wieder zu regnen als wir weiterzogen. Thippel folgte unserer Gruppe wieder. Es huschte zwischen den Bäumen hin und her, gefolgt von Sesharrim, der seinen Spaß dabei hatte. Zwischendurch schlenderte das Tier gemütlich neben uns her und verschränkte seine Arme hinter dem Kopf. Gelegentlich inspizierte es uns sorgfältig, wühlte in Darus’ Mähne und begutachtete Hugos Tropenhelm. Dann verschwand es wieder so schnell wie es erschienen war. Am späten Nachmittag waren wir der Grenze zum Silberwald schon sehr nahe. Blinky hatte wieder seine gewissen Stunden in denen nichts vorwärts oder rückwärts ging. Also schlugen wir unser Lager früher als geplant unter einer kleinen Baumgruppe auf. Auf einen Tag später, an dem wir Burg Schattenfang erreichten, kam es nun nicht mehr; jetzt wo unser Ziel in greifbare Nähe rückte. Blackcypher vertrieb sich die Zeit, indem er Eine Spur aus Keksen legte, die Sesharrim und Voo´doo hinter ihm auffraßen. Doch der Hexer blieb hartnäckig und verteilte immer mehr Kekse zwischen den Bäumen, die immer wieder in zwei gefräßigen Mäulern landeten. „Wo er nur her hat die ganzen Kekse?“ fragte Von´rajas nebenbei, während ich gelangweilt im Feuer stocherte. Adrian zuckte mit den Schultern und blickte genauso gelangweilt drein wie ich. „Spielen wir doch ein Spiel! Das wäre lustig, hihi!“ fragend schauten wir den Gnom an. „Und was stellst du dir da genau vor?“ fragte ich ein wenig neugierig. Wenigstens gab es so ein wenig Abwechslung. Der Magier überlegte kurz. „Fang das Schaf. So wie es heißt spielt man es auch. Ist sehr beliebt bei uns Magiern, vor allem bei den Magiestudenten, hihi.“ „An euren Universitäten muss es wirklich langweilig sein.“ meinte Adrian. „Außerdem haben wir kein Schaf.“ „Nein, aber wir haben ein Wölkchen, hihi.“ antwortete Seldig und hob gleichzeitig seine Hände. Er vollführte eine Kreisbewegung und richtete seine Finger dann auf den Krieger. Nichts geschah. Stille breitete sich aus in der wir uns anstarrten. „… Wie? Du verdammter Gnom wolltest mich in ein Schaf verwandeln! Na warte!“ wütend stand Adrian auf und ging zu seinem Gepäck. Zwischen Töpfen, Strickpullovern und einigen Dosen kramte er einen riesigen Kriegshammer hervor. „Ich weis ein neues Spiel … Es heißt „Schlag dem verdammten Gnom den Schädel ein“, so wie es heißt spielt man es auch. Und was für ein Zufall, wir haben einen Freiwilligen.“ sagte er als er bedrohlich seinen Hammer hob. Ohne ein weiteres Wort zu verlieren sprintete Seldig davon, der Krieger blieb ihm dicht an den Fersen. „Naja, wenigstens die Zwei nun haben ihren Spaß.“ gab Von´rajas einige Momente später seufzend von sich. Mit einmal traf ein kleiner Stein Von´rajas Hinterkopf. Ruckartig drehten wir uns um. Auf der anderen Seite des Feuers saß wieder dieses plüschige Etwas und knabberte an klebrig aussehendem Zeug, dass es vorher über die Flammen hielt. Blackcypher bemerkte es nicht, er war noch immer mit seiner Keksspur beschäftigt. Das Wesen winkte uns mit einem kleinen Beutel zu. Ich runzelte die Stirn und blickte ihm fragend entgegen. Daraufhin öffnete es den kleinen Sack und fischte ein neues weißes Ding daraus. Vorsichtig wurde es von Thippel auf einen Stock gesteckt. Dann reichte mir der Waldbewohner den Stock und gab mir mit Bewegungen und Schuhu-Ausrufen zu verstehen, dass ich ihn ins Feuer halten sollte. Von´rajas bekam ebenfalls einen Ast. Als ich mit einem „Schuhu“ angewiesen wurde, das vom Feuer gebräunte Ding zu essen, drehte ich den Stab zunächst skeptisch. Nach kurzem Bedenken probierte ich schließlich. Das Zeug schmeckte fast widerlich süß und klebte an den Zähnen. Dennoch wollte ich noch eins dieser kleinen weißen Dinge. Thippel reichte mir den ganzen Beutel und stand dann auf. Mit einem erneuten „Schuhu!“ verabschiedete es sich, doch in meinem Zuckerwahn bemerkte ich es nicht. Erst als das Geschöpf ein Stück weiter weg wahr machte es noch einmal auf sich aufmerksam. „Du Yava, ich glauben das da sehen aus wie dein Rucksack.“ „Hm?“ ich schaute auf und sah, dass das Wesen uns zuwinkte. Dann hob es seine Pranke und zeigte auf meinen Rucksack, der in der anderen Pranke baumelte. „Das Mistvieh hat meinen Rucksack!“ schrie ich mit einmal los. Erzürnt sprang ich auf und stapfte zu den restlichen Sachen. Ich griff wütend nach meinem Bogen und Köcher. Dann zielte ich auf die gehörnte Eule. Hinter mir hörte ich die Stimme des Geisterwolfs: „Sein doch nicht so hastig! Oder Adrian etwa färben ab?“ im gleichen Moment spannte ich stumm meinen Bogen. Der Geisterwolf duckte sich und hielt sich mit den Pfoten die Augen zu. Ich ließ die Sehne los und mein Pfeil sauste davon. Er blieb genau im Boden vor den Füßen des Geschöpfs stecken. Erschrocken hüpfte es auf und fast spöttisch trabte es davon. Thippel forderte mich regelrecht heraus. Meine ohnehin schon miese Laune verschlechterte sich abrupt. Wütend schrie ich nach Sesharrim. Ihm fiel es nicht schwer meine schlechte Laune zu erkennen. Ohne zu zögern ließ er von den Keksen ab und folgte mir. Von´rajas blieb am Feuer zurück und begann mit den Pfoten ein neues weises Ding auf den Stock zu stecken. Es ärgerte mich, dass diese Eulen-Hirsch-Mischung mit Absicht an einigen Stellen auf mich wartete um dann hinter dem nächsten Felsen zu verschwinden. Kurz darauf war es plötzlich verschwunden und die Spuren im Matsch brachen ab. „Schuhu! Schuhu!“ diese unverkennbaren Geräusche lenkten meinen Blick zu einer nahe gelegenen Eiche. Gemütlich lehnte das Tier auf einem Ast und wedelte mit meinem Rucksack. Empört plusterte ich mich auf. „Jetzt hör mal du blöder, fetter Riesenvogel! Gib mir sofort meine Sachen wieder oder es setzt was!“ es Tat so als hörte es mich nicht und öffnete mit zufriedenen Lauten den Rucksack. Ich spürte wie mir die Hitze in den Kopf stieg als es einige Sachen glücklich aus der Tasche zog und sie fortwarf. Als meine verdunkelte Brille im Dreck landete drohte ich vor Wut zu platzen. „Sesharrim!“ der Frostsäbler zuckte unweigerlich zusammen. „Rauf mit dir und hol meine Sachen! Sofort!“ um den Ernst meiner Stimme zu untermalen deutete ich in die Baumkrone. Ein wenig geduckt kletterte die Großkatze den Stamm hinauf. Oben angekommen begab er sich auf einen Ast und fauchte widerwillig. Thippel begrüßte ihn mit einem sanften Tätscheln und postwendend vergaß der Säbler alles um ihn herum. Überlegend trat ich auf der Stelle. Seldig eilte, immer noch flüchtend, an mir vorbei und ich packte ihm am Kragen. Adrian folgte mit erhobenem Hammer. Verwirrt schauten die Zwei in meine funkelnden Augen. „Adrian, hol mir deine Axt!“ befahl ich. „Was willst du damit?“ fragte er zögernd als er meinen Gesichtsausdruck sah. „Die Axt! Hopp, Hopp!“ er ließ den Hammer sinken und holte gehorsam seine Zweihandaxt. „Gib sie mir!“ „Wofür, Herrgottnochmal?!“ schrie er zurück. Ich deutete nach oben, wo Thippel gerade an meinem Kompass knabberte. „Aber …“ „Kein Aber!“ „Aber die Axt ist doch …“ „KEIN ABER!“ unterbrach ich ihn. „ … viel zu schwer für dich.“ beendete er murmelnd den Satz. Dann drückte er mir den Griff in die Hände. Das Gewicht ließ mich taumeln und ich kippte nach vorn. „Ahhh! Die hatte ich vorhin erst poliert!“ schrie er nachdem die Klinge im Matsch stecken blieb. Räuspernd stand ich wieder auf. „Hier, mach du das.“ sagte ich und reichte ihm schwerfällig den Griff. Mit schon feuchten Augen starrte er mich groß an. Der Kompass fiel mir auf den Kopf und zitternd ballte ich meine Fäuste. Ängstlich baumelte Seldig noch immer in meinem Griff, wie ein Säblerjunges im Maul seiner Mutter. „Bist du taub?! Jetzt fäll diesen blöden Baum und hol den verdammten überdimensionalen Bettvorleger da runter!“ erneut lief ich rot an. Erschrocken zuckte Adrian zusammen. Er wollte noch etwas sagen, aber meine erhobene Braue ließ ihn verstummen. „Ich dachte ihr Elfen seid so naturverbunden.“ meldete sich der Gnom zu Wort. Wütend funkelte ich ihn an. „Es geht hier um die Tasche einer Frau von Welt, da muss das eine oder andere Opfer sein. Und nun, Hopp, Hopp.“ zischte ich ihm gereizt entgegen. Adrian setzte zögernd zum ersten Schlag an. Mit leichten Tränen in den Augen fluchte dabei so gut er konnte. Der Baum wankte ein wenig als die Axt ins Holz traf, doch Thippel blieb unbeeindruckt. Es kramte fröhlich weiter in meinen Sachen, während Adrian weiter den Stamm bearbeitete. Mit Schuhu-Rufen beschwerte es sich über den wankenden Baum, da der Lipgloss verschmierte, den es sich dick auf den Schnabel pinselte. Verzweifelt musste ich zuschauen, wie es auch den letzten Rest meines Lieblingsparfums über sein Fell kippte. Langsam aber sicher kippte der Baum immer weiter und Thippel musste sich an seinen Ast klammern um nicht zu fallen. Auch Sesharrim krallte sich mit aller Kraft an den Stamm und maunzte. Ein weiterer Schlag brachte den Baum zum fallen. „Baum fällt!“ rief der Krieger ein wenig zu spät. Die Baumkrone begrub Blackcypher unter sich, der immer noch mit seinen Keksen beschäftigt war. Einen Moment später erschien sein Kopf zwischen den Blättern, ihm folgten Thippel und Sesharrim. Alle drei lugten mit großen Augen aus der Baumkrone. Dann stapfte ich auf das graue Etwas zu und entriss ihm meine Tasche. „Danke.“ zischte ich ihm noch im umdrehen entgegen, drückte meine Tasche glücklich an mich und begann meine Sachen einzusammeln.
Teil 32
Diese Nacht konnte ich nicht schlafen. Thippel hockte neben mir und piekste mich immer wieder in die Seite. Wenn ich ihn daraufhin böse anschaute, blickte er mir wehleidig entgegen. Er wollte sich scheinbar bei mir für seine Frechheiten entschuldigen. Anfangs versuchte ich Thippel zu ignorieren, da er aber nicht locker ließ, musste ich mich doch geschlagen geben und nahm seine Entschuldigung an. Glücklich verschwand das graue Etwas wieder hinter den Bäumen. Endlich konnte ich in Ruhe schlafen, das heißt nachdem ich Sesharrims Schnarchen abgestellt hatte.
Am Morgen weckte ich die anderen mit einem lauten Schrei, der durch den Wald hallte und Vögel die Flucht ergreifen ließ.
„Was denn los?“ fragte Adrian und kratzte sich verschlafen am Bauch. Müde beobachtete er mich wie ich in einer Pfütze wühlte.
„Er ist weg!“ antwortete ich verzweifelt.
„Wer ist weg?“
„Der Anhänger!“ verzweifelt schaute ich den Krieger an, während meine Hände weiter den Boden abtasteten. Adrian gähnte aber nur und drehte sich, immer noch am Bauch kratzend, zu den Anderen, die sein Gähnen erwiderten. Währenddessen wühlte ich weiter fleißig im Matsch. Das große graue Plüschtier saß plötzlich neben mir und ahmte meine Bewegungen nach. Ich frage mich wie etwas so Großes und Plumpes nur so leise und schnell sein konnte. Thippel schien es Spaß zu machen im Dreck zu wühlen, machte dabei immer wieder „Schuhu!“ Nach kurzer Zeit begann das Wesen klumpen zu formen und zu stapeln. Dann visierte es Balckcypher an, der ein weiteres Mal beherzt gähnte und griff nach einem Klumpen Matsch. Mit einem Fatschen traf Thippel ihn so stark am Kopf, dass der Hexer nach hinten taumelte. Der Eulenhirsch kicherte dabei belustigt. Nun bückte sich der Menschenhexer ebenfalls und formte eine braune Kugel, die er in Thippels Richtung warf. Der Batzen verfehlte sein Ziel und traf mich am Hinterkopf. Ich stockte und lief langsam rot an. Einige Minuten später war eine Schlammschlacht ausgebrochen. Kein Auge blieb dabei trocken. Seldig erwies dabei größte Treffsicherheit, im Gegenzug war er jedoch das am schwersten zu treffende Ziel. So verstrich die Zeit rasch.
Als ich zu einem neuen Wurf ausholen wollte, bemerkte ich ein blaues Leuchten im Augenwinkel, das aus Thippels Richtung kam. Sofort brach ich meine Ausholbewegung ab und drehte mich in Richtung der am Boden liegenden Gestalt. Zwischen seinem verschmutzten Fell flackerte es blau.
„Du …“ begann ich und kniff dabei die Augen böse zusammen. Unschuldig stand Thippel mit seinen Schuhu-Geräuschen auf. Ich fixierte meinen Blick auf das Wesen und ignorierte den Matschball, der mich gerade am Hinterteil traf. „Du …“ wiederholte ich, bemüht meinen Gesichtsausdruck weiter verfinstern zu können. Thippel zuckte mit den Schultern, als wüsste er nicht, was ich von ihm wollte. Ein kurzer Moment der Stille schloss sich an, bevor ich mich wütend auf die graue Fellkugel stürzte. Überrascht viel Thippel zu Boden. Ich hockte nun auf dem Bauch des Wesens und versuchte nach dem Anhänger zu greifen, der um seinen Hals baumelte. Mit spottenden Schuhu-Rufen streckte Thippel seine Arme aus und hielt mich so auf Abstand. Gespannt schaute der Rest zu. Nicht lange und Adrian begann Wettbeträge einzutreiben. Da mein ursprünglicher „Plan“ misslang, musste ich mir etwas anderes einfallen lassen. Ich wechselte meine Strategie von Aggressivität zu gleichgültigem Schmollen. Als ich beleidigt die Arme verschränkte näherte sich das graue Wesen neugierig und begann wieder mich zu pieksen. Ruckartig drehte ich mich, bestrebt nach dem Anhänger zu greifen. Doch das scheinbar träge Tier erwies sich ein weiteres Mal als äußerst flink. Ich verlor den Halt und stürzte kopfüber in den Matsch.
„Nun, das war jetzt 2:0 für das komische Vieh.“ begann Adrian, während er sich seinen Wettgewinn auszahlen ließ. Langsam erhob ich mich. Mir fiel ein, dass sich Thippel gestern sehr für meine Sachen interessierte, ganz besonders für einen bestimmten Gegenstand. Alle Blicke folgten mir gespannt, während ich im Rucksack wühlte. Triumphierend hob ich meinen Kompass hoch. Er war von der gestrigen Aktion etwas zerkratzt, glänzte aber immer noch ein wenig in der Morgensonne. Aufmerksam betrachtete Thippel das kleine runde Ding. Wie hypnotisiert wollte er danach greifen. Ich zog ihn aber außer Reichweiter und hob mahnend den Zeigefinger, streckte dann die offene Hand aus. Ein wenig widerstrebend zog die Gestalt den Kopf ein und rückte ein wenig weg von mir. Noch einmal hob ich den Kompass einladend hoch. Thippel schien fasziniert von dem Ding zu sein und ließ sich schließlich auf den Tausch ein. Er reichte mir zaghaft den Anhänger und ich überreichte ihm seine neueste Errungenschaft. Glücklich und mit großen funkelnden Augen drehte er den Kompass hin und her, ab und zu knabberte er mit dem Schnabel daran. Dann verzog er sich wieder. Adrian ließ den Kopf hängen, da er seinen Wettgewinn nun wieder verloren hatte. Ein letztes Mal klatschte ich ihm lachend einen Matschball an den Kopf.
In der Nähe gab es keine Möglichkeiten auf ein Bad und nach Süderstade zurück konnten wir nicht. Also mussten wir es, so schlammbedeckt wie wir nun waren, bis nach Lohenscheit – unserem letzten Ziel vor Burg Schattenfang – aushalten. Ich wollte dringend ein Bad nehmen und drängte die Anderen deswegen vorwärts. Als es dunkel wurde, waren wir bereits weit in den Silberwald vorgedrungen. Dunkle Nadelbäume verdeckten den Himmel und verdichteten somit die Dunkelheit im Wald. Unheilverkündend kreischte eine Eule. Dennoch dachte ich nicht an ein Lager, zwang den Rest weiter. Ich wollte unbedingt Lohenscheit diese Nacht noch erreichen. Von´rajas war vom Laufen müde und baumelte nun vor mir auf Darus’ Rücken. Sesharrim machte sich derweil mit den einheimischen nachtaktiven Tieren vertraut. Sein blaues Fell leuchtete hell in der Dunkelheit und so konnte er nicht verloren gehen. An einer Lichtung schien das Mondlicht hell auf uns herab. Als ich zum Himmel blickte runzelte ich die Stirn. Oben am Himmel bewegten sich helle Kreise und Ringe hin und her. Ich fragte mich was das nur sein sollte. Auch der Rest der Gruppe, sogar Seldig - obwohl er zum erfinderischen Volk gehörte – wusste nicht so recht, was dies war. Es schien als ginge dieses Licht von Lohenscheit aus, also warteten wir nicht lange und setzten unseren Weg fort.
Als wir uns dem Dorf näherten hörten wir eigenartige Musik. Sie klang seltsam, doch irgendwie weckte sie den Drang sich in irgendeiner Weise dazu zu bewegen. Immer näher rückten wir an Lohenscheit heran und die Musik wurde immer lauter. Schließlich erreichten wir den Dorfeingang. Die Straßen waren leer. Wir stiegen ab und schauten uns im Dorf um. Nicht lange und wir hatten die Musikquelle und den Auslöser für die komischen Lichter am Himmel gefunden. Auf dem Dach eines Hauses in der Ortsmitte bewegten sich zwei Lampen. Sie leuchteten so hell, dass ihr Licht den Himmel und einige Wolken anstrahlte. Die Worte „Club & Hotel“ leuchtete in so hellen Farben an der Hausfassade, dass man davon verrückt wurde. Da sich keiner auf den Straßen aufhielt, bestanden meine Begleiter förmlich darauf das Haus zu betreten. An der Tür hockte ein Arkanwächter im schwarzen Anzug. Er rührte sich nicht und schien außer Betrieb zu sein. Also betraten wir das Haus, Adrian und Blackcypher vorn an. Kronleuchter an denen kitschige nachgemachte Diamanten hingen erhellten den Eingangsbereich, der mit rotem Teppich ausgestattet war. Spiegel schmückten die Wand. Eine Treppe führte nach unten zu einem Raum, aus dem die Musik drang. Mit Abstand folgte ich dem Rest, der erwartungsvoll die Treppe nach unten stürzte. Die Treppe endete in einem verrauchten Raum. An der linken Wand stand eine Theke, über ihr leuchteten die Buchstaben „B-A-R“ in rottönen. Ein Blutelf stand dahinter und schüttelte einen silbernen Behälter. Der Raum wurde gefüllt von Tischen, an denen weitere Blutelfen in schwarzen Anzügen saßen. Sie rauchten gemütlich und tranken dabei mit Schirmchen und Obst verzierte Getränke. Ein Tisch stach mir ins Auge. Er stand recht nahe an einer Bühne, die ebenfalls beitrug den Raum zu füllen. Zwei Fraktionen saßen sich Gegenüber und schienen zu verhandeln. Ein recht gut aussehender Blutelf mit hellem schulterlangem Haar saß einem anderen, jüngerem Elf gegenüber. Der Jüngere wurde von zwei stämmigen schwarzhaarigen Blutelfen in ebenfalls schwarzen Anzügen bewacht. Der Ältere redete auf ihn ein und streichelte dabei ein Krokoliskenjunges, das er auf einem Arm hielt. Währenddessen tanzten drei zierliche blonde Blutelfinnen in knappen Bikinis auf der Bühne.
Ich fühlte mich nicht wohl in diesem „Club“, wie es das Schild draußen verkündete und wollte wieder verschwinden. Als ich etwas sagen wollte, bemerkte ich, dass meine Begleiter verschwunden waren. Nur Hugo stand verwirrt schauend neben mir. Ein kurzer Blick durch den Raum und ich fand sie alle wieder. Von´rajas saß auf einem Hocker und ließ sich von dem Blutelf an der Bar ein verziertes Glas reichen. Voo´doo hockte bei ihm auf der Theke. Blackcypher hatte sich zu vier kartenspielenden und rauchenden Blutelfen gesellt und schloss sich dem Spiel an. Sesharrim beschnupperte den Krokolisken des zwielichtigen Blutelfs und wurde daraufhin von einem der Anderen am Kragen gepackt und zu einer anderen Tür hinaus befördert. Kurz danach kam er die Treppe wieder runter und führte seine Aktion fort. Adrian hatte sich zur Bühne begeben und wedelte geifernd mit Geldscheinen, während Seldig auf die Bühne geklettert war und versuchte die Aufmerksamkeit einer der Damen zu erringen.
Kopfschüttelnd drehte ich mich um und wollte nach draußen gehen. Stattdessen stieß ich gegen einen weiteren Blutelfen, der in Begleitung eines Arkanwächters war. Er grinste breit als er mit den Fingern schnippte. Sofort regte sich der Wächter im Anzug und packte mich. Kurze Zeit später wurde ich in einen hellen Raum gebracht. Spiegel hingen an der gegenüberliegenden Wand, an denen zwei Blutelfinnen saßen und sich frisierten. Kleider hingen an Gestellen, die im ganzen Raum verteilt waren.
„Meine Damen“, begann der Blutelf und die zwei rothaarigen drehten sich erwartungsvoll um, begannen sofort mich von oben bis unten zu mustern. „Da Michelle krank ist, habe ich euch Ersatz verschafft. Ihr wisst was zu tun ist.“ mit diesen Worten schloss er die Tür und die zwei Frauen stürzten sich sofort mit Waschlappen, Haarbürste und Puderdose auf mich.
Teil 33
Entsetzt drehte ich mich um, wollte zurück zu den Anderen. Der Arkanwächter war jedoch zurück geblieben und bewachte nun die Tür. Eine der Blutelfen packte mich am Arm und zog mich auf einen Stuhl. Anfangs protestierte ich heftig, dachte dann aber, dass diese Tortur möglicherweise mein einziger Weg wieder nach draußen sein könnte. Ich ließ es also über mich ergehen. Die Zwei fingen an sich herzhaft an meinen Haaren auszutoben. Kleine Spangen in Form von Schmetterlingen und mit Federn wurden über meinen gesamten Kopf verteilt. Eine Blutelfin griff danach nach einer Dose. Ich ahnte grausames, während sie die Dose energisch schüttelte. In dem Moment als mich eine schrecklich riechende Wolke umnebelte, die mich zum husten brachte und mir Tränen in die Augen trieb, verfluchte ich in Gedanken alle dosenartigen Erfindungen der Gnome. Die Wolke verzog sich und zurück blieb furchtbar klebendes Zeug in meinen Haaren. Damit das Grauen komplett wurde, streuten mir die Zwei auch noch blau glitzerndes Zeug auf meine Haare. Innerlich weinte ich um meine nunmehr gequälten Haare. Der Schrecken nahm leider weiter seinen Lauf als mir Sachen gebracht wurden, die ich anziehen sollte. Ich bezeichnete das, was vor mir lag, in einem Wort als grauenhaft. Nichtsdestotrotz musste ich mich hinein zwängen. Schon der knappe mit silbernen Pailletten bestückte Bikini war furchtbar. Aber der Rest war zum Schreien. Ein blauer Rock – der diesen Namen wegen seiner Kürze gar nicht verdiente – wurde mir aufgezwängt. Überall baumelten Federn und Glitter. Das Oberteil war genauso knapp und glitzerte im Licht. Die Träger bestanden ebenfalls aus weißen und blauen Federn. Kurz und knapp, ich sah aus wie ein fröhlich glitzernder Falkenschreiter. Die Krönung bildeten aber die Schuhe. Sie bestanden einzig und allein aus drei silbernen Riemen. Es waren solche komischen Absatzschuhe, die gerade arg in Mode waren. Ich fragte mich, wie man darin nur laufen sollte. Mir wurde noch eine Federboa um den Hals geschlungen, bevor ich auf meine wackelnden Beine gezerrt wurde. So peinlich, wie ich nun aussah, stakste ich den zwei plaudernden Blutelfinnen hinterher. Der Arkanwächter folgte uns zum Bühnenaufgang.
Ein Blutelf kündigte etwas sehr exotisches an. Irgendwie hoffte ich, dass nun ein Untoter auf einem Einrad auftreten würde und mit Bällen jonglierte. Ich wurde bitter enttäuscht als meine zwei Begleiterinnen förmlich auf die Bühne stürzten und mit rasendem Applaus und von einem mit Geldscheinen wedelnden – mir recht bekannten – Krieger empfangen wurden. Als ich hinten stehen blieb schubste mich der Arkanwächter nach vorn. Stolpernd torkelte ich auf die Bühne. Alles wurde still und erwartungsvolle Blicke starrten zur Bühne. Im Hintergrund dudelte die Musik.
„Was machst du da oben, verdammt nochmal? Ich hab mich auf eine …“ Adrian räusperte sich „… Vorstellung gefreut und nun, naja, du eben.“ in mir wuchs der Drang dem Krieger ein Auge blau zu schlagen. Da ich aber bereits schon wackelig auf den Beinen unterwegs war, hätte ich ihn sicher verfehlt.
„Schuhu, Schuhu!“ ruckartig drehte ich mich um, geriet dabei ins Schwanken.
„Wie kommst du denn hier her?“
„Schuhu.“ Thippel zuckte mit den Schultern und führte dann seinen Tanz auf der Bühne fröhlich fort. Er packte meine Hand. Mit einem Ruck wirbelte er mich quer über die Bühne. Nur mit großer Mühe gelang es mir auf den Beinen zu bleiben. Das Plüschtier ließ nicht nach, nahm wieder meine Hand und zog daran. Ich drehte mich erneut und kippte dann nach hinten. Thippel fing mich mit seiner anderen Pfote auf. Kopfüber hing ich nun da und wollte Adrian böse anschauen. Der Krieger beschäftigte sich jedoch bereits mit einer der zwei Tänzerinnen.
Seldig befand sich ebenfalls noch auf der Bühne. Er zog der Blutelfe links von mir am Rock. Lächelnd beugte sie sich zu dem Gnom herab, dass er ihr bei der lauten Musik etwas mitteilen konnte. Er flüsterte ihr etwas ins Ohr und ihr Lächeln verschwand schnell aus ihren Zügen. Während Thippel weiter an mir zerrte, sah ich nur im Augenwinkel wie der Magier von der Bühne flog und auf Adrian landete, der sich gerade einen kleinen Kuss von der anderen Tänzerin abholen wollte. Das graue tanzende Ding hob mich hoch. Als ich in der Luft baumelte erkannte ich wie Blackcypher die anderen Kartenspieler am Tisch ausnahm. Eine der blonden Tänzerinnen, die vor einigen Minuten noch auf der Bühne standen, saß auf seinem Schoß und kraulte ihm den Kopf, in der freien Hand hielt sie ein Glas Champagner. Der Hexer genoss die Aufmerksamkeit sichtlich. Grob wurde ich wieder abgesetzt und ein weiteres Mal wirbelte mich mein „Tanzpartner“ über das Parkett.
Es kam mir wie eine Ewigkeit vor bis es eine Pause zum umziehen gab. Eine der Blutelfen hatte mit Adrian zu kämpfen. Sie zog an ihrem Oberteil, das der Krieger sich im Kampf gegen vier andere Zuschauer erbeutet hatte. Wie besessen drückte er den Stoff an seine Wangen und grinste wie benommen. Schließlich gab sie auf und ließ Adrian seine „Beute“. Ich hatte zuviel für den einen Abend und kletterte unbeholfen von der Bühne. Bestrebt den Ausgang so schnell wie möglich zu erreichen, stakste ich durch den Raum. An der Bar blieb ich kurz stehen. Ich hörte wie der Geisterwolf schluchzte. Sein Kopf lag auf dem Tresen und der Blutelf hinter Theke tätschelte ihm tröstend den Kopf, während er verständnisvoll nickte. Sesharrim saß neben ihm und schlürfte an einem Strohhalm.
„Da ja meihneee Freundschin Dschafa schein.“ lallte er als er mich bemerkte. Der Blutelf zwinkerte mir zu. „Komm du disch zu unsch schetzen.“ ich musste zugeben, dass ich, nach allem was an diesem Tag geschehen war, einen kleinen Drink vertragen konnte. Schließlich setzte ich mich mit an die Bar. Von´rajas schluchzte weiter und lallte immer wieder davon wie schlecht es ihm doch ging; weil er sich nicht zurück verwandeln konnte, weil er einmal als Pinata dienen musste, weil er ab und zu ein Schaf war. Die alte Leier eben. Untermalt wurde das Gejammer von einem kontinuierlichen Schlürfen aus Richtung des Frostsäblers. Immer noch kopfnickend stellte mir der Blutelf ein Glas hin. Das Getränk war blau und sah nicht gerade gesund aus. Skeptisch drehte ich das mit Ananas, Kirschen und Schirmchen geschmückte Glas. Das zeug schmeckte sehr süß und machte in irgendeiner Weise süchtig.
„Wie nennt sich dieses Getränk?“
„Ich nenne es „Badewanne“. Eine Eigenkreation.“ antwortete der Blutelf stolz. Zögernd schaute ich ihn an, bevor ich eine weitere „Badewanne“ bestellte. Mit dem Glas in der Hand drehte ich mich um und beobachtete das Geschehen. Der Krieger war noch immer mit seiner Beute beschäftigt. Seldig saß bei ihm und wartete geduldig auf die nächsten Tänzerinnen, die bereits am Bühnenaufgang standen. Blackcypher war immer noch mit Kartenspielen und der blonden Elfe, die die ganze Zeit süß kicherte, beschäftigt. Hugo stand mit verschränkten Armen hinter dem Hexer und versuchte, so gut er konnte, eine andere Blutelfe zu ignorieren, die bestrebt war mit dem Dämon zu flirten. Einige Gegner hatten aufgegeben und Neue kamen wieder dazu. Nach ungefähr vier weiteren „Badewannen“ saß ihm aber nur noch der Blutelf mit dem kleinen Krokolisken gegenüber. Hinter ihm standen die zwei schwarzhaarigen Blutelfen und beobachteten alles genau. Auch er hatte eine hübsche kichernde Blondine an seiner Seite. Thippel saß am gleichen Tisch und mischte die Karten. Ich fragte mich wo er nur die weiße Schirmmütze her hatte, die er nun trug. Seriös verteilte er die Karten und legte einige offen hin, nachdem die Kontrahenten Münzen in die Mitte gelegt hatten. Eine weitere Runde folgte. Irgendwann deckten die zwei Spieler ihre Karten auf. Der Menschenhexer begann fröhlich zu grinsen als er nach den Münzen griff. Ein Messer landete plötzlich zwischen seinen beiden Armen.
„Niemand, auch nicht du, betrügt Don Giovanni.“ sagte sein Gegenspieler und kraulte gelassen das Tier auf seinem Arm. Der Hexer schaute ihn fragend an als der Blutelf einen seiner Begleiter heran winkte. „Luigi, zeig ihm was ich meine.“ der Blutelf trat vor und packte Blackcypher schroff am Arm. Zwei Karten fielen aus dem Ärmel seiner Robe. Hartnäckig versuchte der Mensch weiter unwissend zu bleiben. Die anderen Blutelfen, die ebenfalls gegen ihn verloren hatten ballten bedrohlich die Fäuste. Auch der Rest unserer Gruppe schaute interessiert oder wenigstens betrunken zum Zentrum des Geschehens. Gerade als Don Giovanni etwas sagen wollte machte es Plop. Auf dem Stuhl hockte nun ein Schaf, das mit trüben Augen verwirrt schaute. Seldig huschte mit dem benommenen Krieger an der Hand am Tisch vorbei und packte auch den Hexer am Ärmel und zog ihn vom Tisch weg. Hugo stapfte gehorsam hinterher und gab jedem Elf eine Kopfnuss, der den Weg blockieren wollte. Ich packte mir unbeholfen den Smaragddrachen unter den Arm und torkelte dann mit Von´rajas und Sesharrim hinterher.
Frische Luft wehte mir draußen um die Nase. Ich schwankte stärker als vorher und musste mich an Hugo festhalten um nicht zu fallen.
„Was geht denn bei Yava grad im Kopf vor?“ fragte Seldig als ich laut lachend an Hugo klammerte. Die Anderen zuckten mit den Schultern. Ich ließ Hugos Arm los und torkelte über den Platz. Mit einmal stieß ich gegen etwas und taumelte zurück. Das Bild vor meinen Augen war verschwommen.
„Ffonn`raajasch? Bischt du dasch? Bischt aber ganz schön grosch geworden.“ mein Gegenüber knurrte mich an. „Puh! Du hascht vielleischt Mundgerusch!“ von hinten fasste mir Adrian an die Schulter. „Adrian! Alde Hütte! Schau mal wie unscher Schschamane gewachschen ischt.“ lallte ich ihm entgegen. Er schaute das Tier vor sich an, das ihn bedrohlich anknurrte. Verschwommen erkannte ich nur noch wie der Krieger dem schwarzen Tier den Kopf tätschelte und dann etwas warf, die Gestalt rannte dem Gegenstand hinterher. Ein Schemen folgte der Gestalt, die etwas von einem neuen „Haustier“ faselte. Ich vermutete, dass es der Hexer war. In meinem Rausch merkte ich noch wie Adrian mich hoch hievte. Während er mich zum nächsten Gasthaus trug, baumelte ich mit den Beinen in der Luft und lachte laut. Mein Kopf lag auf seiner Schulter. „Weischt du wasch? Isch hab disch lüp.“ lallte ich kurz, dann wurde es dunkel um mich herum.
Teil 34
Am Morgen gab es ein böses Erwachen für mich. Noch nie in meinem Leben hatte ich derartige Kopfschmerzen. Ich drückte mir den Handballen an die Stirn wie aus einem Reflex heraus, in der Hoffnung die Schmerzen würden verschwinden. Langsam stand ich brummend auf und quälte mich regelrecht zum nächsten Spiegel. Blutunterlaufene Augen schauten mit träge entgegen. Mein azurblaues Haar stand zu allen Seiten ab. Es glitzerte noch ein wenig. Einige kleine Schmetterlingsspangen baumelten noch hier und da. Ich bemerkte, dass ich immer noch diesen grauenhaften Bikini anhatte. Der Rest der Kleidung hing über einem Stuhl. So schnell es nur irgendwie ging wollte ich das Zeug loswerden und riss mir beherzt das Bikinioberteil runter. Gerade als ich mich regelrecht erleichtert umdrehen wollte sah ich wie ein ziemlich munterer Adrian auf einem Stuhl neben dem Bett saß und in meine Richtung starrte. Der Anblick des grinsenden Kriegers im Spiegel traf mich wie ein Schlag. Trotz meiner dröhnenden Kopfschmerzen zog ich mir, so schnell ich konnte, das Oberteil wieder an.
„Was tust du hier?“ fragte ich ihn immer noch in den Spiegel schauend.
„Ich beobachte.“ antwortete er mir grinsend. Mein Gesicht lief rot an und für einen kurzen Moment vergaß ich den Schmerz, der sich hinter meiner Stirn eingenistet hatte. So eine Frechheit, dachte ich bei mir, während ich mich wütend am Tisch festhielt um nicht den nächsten schweren Gegenstand auf Adrians Kopf zu zertrümmern. Dann nahmen die Kopfschmerzen wieder zu. Vor Schmerz ließ ich mich auf den Boden sinken und drückte wieder meine Hände an den Kopf. Ich ließ meinen Oberkörper auf die kühlen Holzdielen sinken und jammerte dabei fast so gut wie Sesharrim. Der Krieger stand auf und beugte sich über mich.
„Ich denke du solltest in Zukunft weniger trinken, dann passiert so was auch nicht.“ er griff nach meiner rechten Hand und zog mich hoch. „Komm mit. Seit seinem letzten Kater hat Von´rajas immer etwas in seinem Rucksack dagegen, hat er gemeint.“ der Krieger zog mich hinter sich her in den Flur. Das Haus, in dem wir uns befanden war zweifellos ein Gasthaus. Es wirkte auf mich wie neu. Am Vortag schien die Stadt verlassen zu sein, bis auf den Untergrundtreff der Blutelfenmafia. Der Umstand verwunderte mich ein wenig.
Adrian blieb an der nächsten Tür stehen und drückte die Klinke. Hugo saß in einer Ecke und kuschelte einen schlafenden, mir unbekannten Mann an sich. Dann sah ich zum Bett. Sofort wanderte meine Linke vom Kopf über die Augen.
„Ich glaube wir sind im falschen Zimmer Adrian. Es sei denn unser Geisterwolf ist zu einer Blutelfe mutiert und findet großen gefallen an Hexenmeistern.“ sagte ich als ich mir die Augen zuhielt. Der Krieger räusperte sich kurz und zog mich dann wortlos zurück in den Flur. Erleichtert hob ich erst wieder meine Augenlider als wir im richtigen Zimmer standen. Von´rajas stopfte sich gerade eine saure Gurke ins Maul und versuchte Sesharrim davon zu überzeugen ebenfalls eine zu essen. Der Säbler lag auf dem Boden und jammerte. Offenbar hatte auch er starke Kopfschmerzen. Vor Von´rajas stand ein kleiner Klapptisch. Darauf lagen Brotscheiben, saure Gurken und weiße Tabletten. Die Krönung des Ganzen bildete ein kleiner Drache, der ein Schild mit der Abbildung eines schwarzen Katers in den Pfoten hielt.
„Ihr rechtzeitig kommen zum Frühstück.“ skeptisch setzte ich mich zu dem Wolf. Der Reihe nach sollte ich nun eine dieser weißen Tabletten nehmen und dann Brot und Gurken essen. Ein seltsames Frühstück, aber es half. Schon wenige Minuten später ließen meine Kopfschmerzen nach. Einige Zeit später gesellte sich auch Seldig zu uns. Ohne zu zögern begann er sich an meiner Schulter auszuweinen, weil er so neidisch auf den Hexer war. Kollektiv trösteten wir den Gnom. Nicht lange und auch Hugo stapfte zur Tür herein. Er hatte diesen Mann im Arm, der versuchte sich aus Hugos Klammergriff zu befreien.
„Kein Hundchen mehr.“ sagte der Dämon dann und setzte den Mann ab. Er strich sich seine Sachen demonstrativ glatt.
„Wir uns kennen?“ fragte der Geisterwolf, während er auf einer weiteren sauren Gurke kaute. Der Mann räusperte sich.
„Ich bin Tim, der Dorfschmied.“ antwortete er. Tim war ein schlaksiger alter Mann mit grauem Haar. Wie ein Schmied sah er nicht gerade aus. Mit ein wenig anderer Kleidung hätte ich ihn für einen unterernährten Alchimisten gehalten, der zuviel Zeit mit seinen Gläsern und Fläschchen verbrachte. Das komische war, dass er ein Halsband und eine Leine trug. Auf die Frage nach dem Warum antwortete er: „Keine Ahnung. Ich bin heute Morgen in den Klauen dieses Monstrums da aufgewacht und weis nicht wieso.“ Mit einmal schwang die Tür auf und ein ziemlich zerzauster Hexer stand in der Tür.
„Da ist ja unser Casanova. Wo hast du denn deine kleine Freundin gelassen?“ erkundigte sich der Krieger.
„Wer? … Oh du, ähm, meinst Stella? Äh, sie ist gerade, ähm, gegangen. Aber ich suche, hm, gerade nach Herrn Müller. Habt ihr ihn, äh, gesehen?“
„Wer ist Herr Müller, Verdammtnochmal?“
„Nun, etwa die Größe…“ der Hexer zeigte eine entsprechende Handbewegung. „Dunkelgraues Fell, lange Nase, große Ohren, läuft auf zwei Beinen.“
„Klingt wie ein Wolf, der gelernt hat auf zwei Beinen zu laufen.“ stellte der Krieger klug fest und nickte dabei. Tim, der Schmied, hüstelte kurz.
„Wer ist, ähm, das? Und wieso, äh, trägt er Herrn Müllers, hm, Halsband?“ alle starrten auf den dürren Alten, der mit den Schultern zuckte.
„War halt ein cleverer Worg, der Herr Müller.“ sagte er kurz und knapp. Ein weiteres Mal räusperte er sich. „Wenn ihr mich entschuldigen wollt …“ Tim stand auf und verließ den Raum. Der Hexer ließ die Schultern hängen und knabberte verdrießlich an einer Gurke. Wieder ein Haustier, das einfach so verschwunden war.
Kurz war es still. Gerade als Seldig etwas sagen wollte begannen seine Finger zu knistern. Instinktiv ging ich in Deckung. Kleine Rauchwolken verteilten sich im Zimmer und zum Vorschein kam wieder einmal ein Schaf.
„Mäh!“ machte es erzürnt.
„Wölkchen ist wieder da!“ freudig wollte ich die Schleife und das Schildchen aus meinen Taschen kramen, merkte aber bald, dass meine Tasche unten bei Darus war. Als Sesharrim das Schaf erblickte beleckte er sich sein Maul. Der Säbler hockte sich auf den Boden und machte Anstalten zum Sprung anzusetzen. Verängstigt wich Wölkchen zurück. Sesharrim sprang. Das Schaf wich aus, sah aber keine Möglichkeit zur Flucht. Ein weiteres Mal sprang Sesharrim auf das Schaf zu, das keinen anderen Ausweg fand als das offen stehende Fenster. Eine weiße Wollflocke flog aus dem Fenster, gefolgt von einer blauen Fellkugel.
„Passen wir auf, dass Adrian nicht gef.ressen wird.“ sagte ich und stand auf.
„Willst du so, wie du angezogen bist nach draußen? Hihi.“ fragte mich Seldig. Ich blickte an mir herab. Der hässliche Bikini klebte mir immer noch am Körper. Leider waren meine anderen Sachen alle zurück geblieben und diese blauen mit Federn besetzten Sachen wollte ich auf keinen Fall auch nur anfassen. Kurzer Hand musste Adrians Kuschelpullover als Kleid für mich herhalten. Ich sah darin zwar aus als stecke ich in einem Kartoffelsack, aber es war mir lieber als dieses glitzernde Zeug. Von draußen hörte ich ein verzweifeltes Schaf mähen. Der Rest war bereits unten und versuchte das fliehende Wölkchen zu fangen. Als ich nach draußen kam sah ich nur noch wie sich eine weiße Flauschkugel durch ein Loch in einer Mauer zwängte.
„Hm… Das sein ganz schön hoch.“ bemerkte Von´rajas als wir nebeneinander vor der Mauer standen und an ihr nach oben schielten. Sesharrim beschäftigte sich mittlerweile mit den Hühnern im Dorf. Federn flogen, wenn die Hühner versuchten davon zu flattern. Ein mutiger Hahn drängte sich zwischen die Großkatze und die verängstigten Hühner. Er plusterte sein buntes Gefieder auf, scharrte auf dem Boden und griff dann wagemutig den nun ziemlich erschrockenen Säbler an. Sesharrim rannte davon und wurde von den wütenden Hühnern verfolgt. Währenddessen standen wir immer noch starrend vor der Mauer. Voo´doo flatterte empor und nahm auf der Mauer platz. Dem Geisterwolf kam eine Idee. Nur wenige Sekunden später baumelte der Schamane in den Pranken des Dämons und ermahnte ihn die ganze Zeit, dass er es mit dem Werfen nicht übertreiben sollte. Zum Glück verstand der Dämon nach einigen böswilligen Androhungen des Schamanen. Von´rajas landete sicher auf der Mauer. Entsetzt legte er die Ohren an.
„Du, Yava? Das du solltest dir anschauen.“ ich nickte und Hugo bot mir sofort seine Hände an, die ich dankend ablehnte. Ich machte es mit einfach, indem ich einige Meter weiter einen Berg aus Kisten empor kletterte. Mit großen entsetzten Augen blickte ich auf das, was hinter der Mauer war. Neben mir flog der Hexer über die Mauer und landete im Gras dahinter. „Das nicht gut sein.“ bemerkte Von´rajas als er die Wand hinab zu Blackcypher kletterte. Ich folgte ihm. Unten angekommen standen wir mitten in einer Schafherde. Überall sah man nur kleine weiße Tiere, die mähten und grasten. Hinter uns krachte es. Hugo stand mit einmal hinter mir. Ich spähte an dem Dämon vorbei. In der Mauer zeigte sich nun ein hugoförmiges Loch. Seldig und der Frostsäbler kletterten durch die Trümmer. Ich seufzte.
„Also suchen wir unser Schaf.“ wir schwärmten aus. Der Dämon pflügte sich durch die Schafe. Er hob eins nach dem anderen hoch.
„Schäfchen?“ sagte er.
„Mäh!“ das Schaf flog hinter dem Dämon zurück ins Gras. Diesen Vorgang wiederholte er mehrmals. Verängstigte Schafe rannten an mir vorbei. In einer schaffreien Zone saßen der Geisterwolf und der Frostsäbler. Ich schüttelte den Kopf und griff nach einem Schaf.
„Adrian?“
„Möh!“
„Schuhu, Schuhu?“
„Mäh!“
„Bist du das, äh, Adrian?“
„Mäh! Möh! Mäh!“ so ging es noch einige Zeit weiter. Dann zog Seldig an meinem improvisierten Kleid. Er zeigte auf einen Hügel zwischen den Bäumen. Dort stand ein einzelnes Schaf, das etwas kleiner als die Anderen war. Es machte einen vertrauten Eindruck. Hugo pflügte auf das Schaf zu, wir folgten dicht auf in der freien Schneise. Als das Schaf den Säbler sah mähte es ihn erzürnt an, was Sesharrim sofort zum Anlass nahm ein weiteres Mal zum Sprung anzusetzen. Wölkchen sprang zur Seite, wartete nicht lang und rannte erneut davon.
Das Schaf sprintete so schnell es die kurzen Beine zuließen einen Berg hinauf. Oben auf dem Hügel thronte Burg Schattenfang. Die Burg erhob sich majestätisch über den Baumwipfeln. Dunkle Fahnen wehten sanft im Wind. Wölkchen blieb an einer Burgmauer stehen und drückte sich ängstlich an die Wand als der Frostsäbler näher pirschte. Dann öffnete sich plötzlich eine kleine Holztür, die in die Mauer eingelassen war. Ein Untoter, gekleidet in einer weißen Hose und einem weißen Hemd, kam pfeifend aus der Tür. Er trug auch eine weiße Mütze. Gerade als Sesharrim springen wollte griff der Untote nach dem Schaf.
„Mäh!“
„Heute gibt es Hammel. Die Herrin wird sehr zufrieden sein.“ sagte er wie beiläufig und verschwand wieder in der Tür. Starr vor Verwirrung standen wir nun vor der Holztür.
„Ich glaube, Adrian wird ziemlich wütend sein, falls er da wieder rauskommt. Hihi.“ meinte Seldig im Plauderton.
Teil 35
Auf der Suche nach Wölkchen liefen wir über den Burghof. Ein leichter Hauch von Zitrone hing in der Luft. Einige Untote gingen ihren Aufgaben nach, beachteten uns aber nicht. In einer Schmiede versuchte ein Untoter mit etwas Draht verschiedene Knochen an einem Skelettpferd zu befestigen. Davor wartete bereits ein weiteres Pferd, dessen Kopf auf dem Boden lag. In den offenen Ställen standen weitere Skelettpferde, die zufrieden Heu kauten. Ein Dämonenhund lag in einer Hundehütte und schlief. Eine Gruppe halbverwester Hühner flatterte an uns vorbei. Sprachlos ließ ich meinen Blick über den Hof gleiten. Sesharrim kam uns mit einem Knochen im Maul entgegen gerannt. Ihm folgte hüpfend ein Verlassener, der seinen Oberschenkelknochen zurück wollte und winkte mit dem restlichen Teil des fehlenden Beins. Bei uns angekommen entriss er dem Säbler den Knochen. Vorerst klemmte der Untote seine Knochen unter den Arm. Er betrachtete uns skeptisch.
„Wer seid ihr denn?“ fragte er entsetzt. So unauffällig wie möglich blickten wir alle gen Himmel. Der Verlassene hob eine Braue. Als er gerade zu einem Satz ansetzen wollte hörten wir Töpfe klappern. Aus einer offen stehenden Tür vor uns flogen ein Hackbeil und mehrere Gabeln. Ein großer Topf versuchte so schnell es nur ging das Weite zu suchen. Aus seinem Inneren drangen dumpfe schafartige Geräusche an mein Ohr. Der Topf stieß gegen ein Fass und blieb daraufhin kurz reglos am Boden liegen, dann nahm er nochmals Anlauf und stieß wieder dagegen. Diese Szene wiederholte sich noch einmal bis der Topf begriff, dass er die Richtung wechseln musste um voran zu kommen. Der Untote mit Kochmütze näherte sich derweil unaufhaltsam dem Gefäß. Der mähende Topf hatte den Weg in unsere Richtung eingeschlagen und rammte nun den einbeinigen Verlassenen. Er fiel und verlor dabei sein linkes Ohr. Schnell griff ich nach dem Topf und hob ihn an. Ein kleines Wölkchen mit großen feuchten Augen kam zum Vorschein und mähte mir verzweifelt entgegen.
Zielstrebig kam der Koch immer näher. Ich griff nach dem kleinen Tier.
„Ich glaube es wird Zeit zu gehen.“ sagte ich nebenbei und wollte mich umdrehen. Hinter uns blockierten einige Untote den Ausgang. Einem von ihnen steckte eine Gabel in der Schulter.
„Aus dem, äh, Weg oder Hugo, ähm, macht uns Platz!“ schrie Blackcypher den Verlassenen energisch entgegen. Die Angesprochenen schauten auf den Dämon, der sich inzwischen auf den Boden gesetzt hatte und mit seinem Ball an der Schnur spielte. Sie begannen zu lachen und die Zuversicht aus Blackcyphers Miene verschwand.
„Was geht hier vor?! Wieso werde ICH bei meiner Meditation unterbrochen?!“ das Lachen verstummte als eine weibliche Stimme über den Hof hallte. Alle Augen richteten sich zu einem Balkon. Ich traute meinen Augen kaum. Von oben blickte eine Nachtelfe auf uns herab. Ihre Blicke fixierten mich und sie begann entzückt zu lächeln. „Ah, wir haben Besuch. Bringt sie zu mir! Ich möchte unsere Besucher persönlich empfangen!“ befahl die Nachtelfe kurz und verschwand sofort wieder hinter schwarzen Vorhängen.
Ein Untoter in einer lilaschwarzen Robe geleitete uns durch die Burg, zwei Andere folgten hinter uns. Ein Rattenskelett rannte an mir vorbei und ich schauderte. So viel Untod auf einmal war einfach zu viel für mich. Meine Muskeln versteiften sich. Ein protestierendes Schaf teilte mir mit, dass ich es fast erdrückte. Auch hier hing der sonderbare Geruch von Zitrone in der Luft. Ich hätte eher mit Verwesungsgestank gerechnet, aber nicht mit Zitrone. Es wunderte mich ein wenig. Stumm folgten wir dem Untoten durch die Gänge. Überall hingen Portraits von der Nachtelfe, die auf dem Balkon stand. An einer großen Holztür blieb der Verlassene stehen.
„Geht hinein, die Herrin wartet bereits.“ sagte er, dann verschwand er in einem dunklen Gang. Die anderen Zwei blieben rechts und links von der Tür stehen. Ich kam mir vor als stünde ich vor der Höhle des Löwen und schluckte. Knarrend öffnete sich die Pforte wie von selbst. Starr blieben wir stehen. Nur Seldig betrat munter den dahinter liegenden Saal und blickte sich um.
„Oh! Ah!“ gab er immer wieder von sich. „Schaut euch diesen gnomischen Kronleuchter an! Ein technisches Meisterwerk! Wunderbare Erfindung diese Glühbirnen!“ unsicher starrte ich nach oben. „Ich frage mich nur, wer den Dynamo für den Strom antreibt! Unglaublich! Und hier …!“ er rannte quer durch den Saal und warf mit technischen Begriffen nur so um sich. Ich verstand keinen Einzigen davon. Am Ende des Raumes erhob sich ein Thron, in dem die "Herrin" saß. Die Nachtelfe verfolgte mit gleichgültigen Blicken den Gnom. Einer der Untoten gab mir einen Stoß und nur widerwillig betrat ich den Saal. Der Rest folgte mir dicht an mich gedrängt. In der Mitte des Raumes blieben wir stehen. Seldig torkelte wie benommen von einer „technischen Errungenschaft“ zur nächsten, obwohl es sich einzig um Wandleuchter handelte.
Die Nachtelfe lehnte in dem Thron, der mit Knochenmustern verziert war. Ihren Kopf stützte sie auf eine Hand. Ihr lilaschwarzes Haar war zu einem Zopf gebunden. Sie trug eine nachtschwarze Satinrobe. Neben dem Thron lag ein Skelett einer Katze, das für meinen Geschmack zuviel leben zeigte. Leere Augenhöhlen starrten uns an.
„Kommt doch näher. Ich beiße nicht. … Nur ab und zu vielleicht.“ sagte die Elfe mit einem lächeln auf den Lippen. Sie hob ihre freie Hand und winkte mit einem Finger. Meine Beine entwickelten ein seltsames Eigenleben und setzten sich in Bewegung. Den Anderen erging es ebenso. „Mich würde interessieren wer ihr seid und was euer Begehr ist.“ plauderte die Nachtelfe, während wir näher kamen. Mit einmal verfinsterte sich ihre Miene als Seldig an dem Thron vorbei stolperte. „Phineus!“ rief sie erzürnt. Sofort erschien der Verlassene, der uns zum Thronsaal begleitete. „Stell diesen Gnom ab. Er stört mich.“ der Untote nickte und begann einen Zauber zu wirken. Nur eine Sekunde später flitzte eine Schildkröte durch den Saal.
„Schon besser. So, wo waren wir? … Ach ja, verzeiht meine Unhöflichkeit. Ich habe mich gar nicht vorgestellt.“ sie erhob sich und der Satin knisterte leise. „Mein Name ist Valeria Seelenklinge, Herrscherin über die Verlassenen. Aber meine Untertanen und Freunde kennen mich als Charmi, die Schreckliche, weil ich so charminant, äh, charmant und schrecklich bin. Hahahahahaha!“ ihr Lachen hallte durch den Saal.
„Wenn du mich fragen, die nicht haben alle Tassen im Schrank.“ flüsterte mir Von´rajas zu, ich nickte.
„Was ich mich gerade frage ist: Wieso „Herrscherin der Verlassenen“? Ist das nicht normalerweise Sylvanas?“ Blackcypher zuckte mit den Schultern. Auch Von´rajas wusste keine Antwort. Die Nachtelfe lauschte unserem kurzen Dialog mit gespitzten Ohren und versuchte die Sachlage kurz und knapp zu erklären:
„Nun, Sylvanas ist nach einiger Zeit verrückt geworden. Also haben die Verlassenen sie abgesetzt, an der nächsten Wegkreuzung vergraben und einen Wegweiser aus Stein drauf gestellt, damit sie sich nicht wieder ausgräbt. Und dann wurde ich von den Verlassenen auserkoren, weil ich hübscher, klüger und vor allem charminanter, äh, charmanter bin.“ erläuterte Charmi.
„Du hast recht, die Frau hat wirklich nicht mehr alle Tassen im Schrank.“ flüsterte ich zu Von´rajas.
„Ich stell mir, äh, grad vor, wie, ähm, verrückt Sylvanas wohl, äh, war, dass sie gegen, höh, diese Irre da, ähm, getauscht wurde.“ meinte der Hexer.
„Mäh!“ stimmte Wölkchen zu. Die Schildkröte huschte vorbei und verfing sich im Stoff des schwarzen Satinkleides. Charmi gab ihr einen Tritt und mit einem Plop! verwandelte sie sich zurück in den Gnomenmagier. Die Nachtelfe räusperte sich. Sie schritt auf uns zu, ließ den benommenen Gnom auf der Thronstufe sitzen. Direkt vor mir blieb sie stehen. Ihre Augen fixierten mich, dass es mir regelrecht unangenehm wurde.
„Und wer seid Ihr?“ stellte sie die Frage direkt an mich, während sie nach einer meiner blauen Haarsträhnen griff und sie um ihren Finger wickelte. Verstört wollte ich zurückweichen, rempelte aber gegen Sesharrim der hinter mir stand. Deshalb wich ich nur mit dem Oberkörper ein wenig zurück und stotterte dabei. Erwartungsvoll drehte die Nachtelfe immer noch an meinen Haaren und lächelte entzückt. Den Anderen blieb die Sprache weg und beobachteten mich nur.
„Was ist denn hier los?“ vernahm ich eine neue Stimme. Ruckartig wich Charmi zurück und drehte sich in die Richtung, aus der die Stimme kam. Wölkchen wollte ihr gerade in die Hand beißen, verfehlte sie aber. In einer Seitentür lehnte eine andere Nachtelfe mit dunkelblauem offenem Haar. Sie war auf ihre Weise sehr attraktiv. Intensiv schaute sie in unsere Richtung. „Flirtest du schon wieder mit Anderen?“ fragte sie mit erhobener Braue.
„Ich? Nein! Wie kommst du nur darauf, Kitane?“ unschuldig schaute Charmi, die Schreckliche der anderen Nachtelfe ins Gesicht.
„Einiges weißt daraufhin, Valeria.“ meinte Kitane wie beiläufig als sie sich vom Türrahmen löste und mit verschränkten Armen zu uns trat. „Was wollt ihr hier?“ richtete sie eine Frage an uns. Der Klang ihrer Stimme war herrisch und verlangte geradezu nach einer Antwort ohne jede Widerrede.
„Äh.“ begann ich, noch immer ein wenig verstört. „Wir wollten nur unser Schaf vor dem Kochtopf retten.“ unsicher hob ich Wölkchen hoch.
„Möh!“ prüfend wanderte Kitanes strenger Blick von meinem Gesicht zu dem Schaf.
„Ihr habt was ihr wollt, also verschwindet.“ sagte sie schließlich.
„Da wäre noch etwas…“ zornige Blicke durchbohrten mich.
„Nun?“ die Art und Weise dieser Elfe schüchterte mich regelrecht ein und ich schluckte.
„Äh, wir würden gerne … einen Blick in die hiesige Bibliothek werfen.“ Schweiß rann mir über die Stirn. Von´rajas und Sesharrim versteckten sich hinter Hugo, der immer noch mit seinem Ball spielte. Beide legten die Ohren an und schauten ängstlich.
„Und dann verschwindet ihr wieder, sehe ich das richtig?“ ein Kloß im Hals verhinderte eine Antwort, ein Nicken musste genügen. „Zur Tür hinaus und links die Treppe hoch. Phineus! Bring sie hin und sorg dafür, dass sie danach wieder verschwinden!“
Ohne ein weiteres Wort zu verlieren ließen wir uns erleichtert von dem Untoten den Weg zeigen.
Teil 36
Die Bibliothek erwies sich als ein recht staubiger Ort. Bücher stapelten sich teilweise am Boden und auf Tischen. Voll gestopfte Bücherregale erstreckten sich über die Wände. Durch eine gläserne Kuppel drang Licht in den Raum. Gegenüber der Tür war ein verstaubter Kamin in die Wand eingelassen und über ihm starrte der vorherige Besitzer der Burg, ein Magier namens Arugal, in Form eines riesigen Portraits auf uns herab. Phineus begab sich zum Kamin. Er drehte an einem Knopf und ein Feuer entfachte sich.
„Ich wünsche euch viel Spaß beim Suchen, was auch immer das sein möge.“ sagte der Untote kurz bevor er in einer kleinen Seitentür verschwand. Ich starrte ihm hinterher und schaute mir dann die gewaltige Büchermenge an. Seufzend setzte ich Wölkchen ab und ließ mich in einen nahe gelegenen Sessel fallen. Staub wirbelte auf.
„Es wird ewig dauern bis wir das richtige Buch gefunden haben.“ meinte ich als ich den blauen Anhänger aus meiner kleinen Tasche zog. Eine Skelettratte huschte vorbei und ich schauderte ein weiteres Mal. Möglichst bald wollte ich von hier wieder verschwinden. „Fangen wir an. Je eher wir ein Buch finden, das uns weiterhilft umso besser.“
Wir verteilten uns in der Bibliothek und begannen mit der Suche. Im Augenwinkel sah ich noch wie Wölkchen davon wackelte. Ich fand es seltsam, seit einiger Zeit beschwerte sich Adrian nicht mal über seine jetzige Gestalt. Sesharrim stupste mich an und ich ließ den Blick zu dem Frostsäbler wandern. Er hatte ein Buch im Maul, das er mir zeigen wollte. Ich tätschelte seinen breiten Kopf und nahm das vergilbte Buch entgegen.
„Katzenkratzbäume zum selber bauen – Einsteigerhandbuch.“ las ich den Titel laut vor. Mit einem skeptischen Blick starrte ich den Säbler an, der mir unschuldig entgegenschielte. Ich legte das Buch beiseite und kraulte Sesharrim am Ohr. Dann tapste der Säbler wieder davon.
Auf einem Tisch hatte ich mir einen Stapel Bücher zurechtgelegt, die sich alle mit Anhängern, Schmuck oder magischen Gegenständen befassten. Daneben lag der Anhänger, der gemütlich vor sich hin glimmte. Ich hockte auf einem Sessel, die Beine angewinkelt und Adrians Pulli darüber gezogen. Trotz des Kaminfeuers war es recht kalt in dem alten Gemäuer. Ein Buch ruhte auf meinen Knien. Neben meinem Sitzplatz stapelten sich weitere Bücher mit Titeln wie „Katzen-Spiele. Spaß und Spannung garantiert“, „Tellington Touch für Katzen, Der neue Weg zu Harmonie, Gesundheit und Wohlgefühl“ oder „Clickertraining für Katzen. Erziehung macht Spaß“. Hinter mir erklang ein dumpfes Poltern. Voo´doo saß in einem oberen Regalbereich und hatte eine Bücherlawine ausgelöst, die Von´rajas unter sich begrub. An einem anderen Regal stöberte Blackcypher, Hugo folgte ihm gehorsam und trug eine Auswahl verschiedenster Bücher und Schriftrollen. Seldig beschäftigte sich die ganze Zeit mit einem einzigen Buch. Es befand sich in der Mitte des Raumes auf einem mit Schlangen verzehrtem Ständer. Das Buch war an einer eisernen Kette befestigt. Daneben stand ein Schild: „Bitte nicht füttern“. Der Magier umrundete das Buch und beobachtete es genau. Leise Knurrgeräusche gingen von dem Folianten aus und ab und zu schnappte es nach dam Gnom.
Mein letztes Buch brachte genauso wenig Erfolg wie die anderen. Ich stand auf um mir neue Lektüre zu suchen.
„Blackcypher? Wir suchen ein Buch über den Anhänger. Ich glaube nicht, dass „Der perfekte Verführer. Wie Sie garantiert jede Frau erobern“ irgendeine Information bezüglich eines gewissen blauen Anhängers enthält.“ meinte ich im Vorbeigehen. Der Hexer lief rot an, sagte aber nichts dazu. Ein wenig grinsend ging ich an ihm vorbei und blieb zwischen zwei Regalen stehen. Die Buchthemen befassten sich mit Zauberstäben, magischem Schmuck und anderen Utensilien für Magier, Hexer und Priester. Ich zog an einem dicken Gesamtwerk mit dem Titel „Leuchtet Euer Schmuck merkwürdig? Wir helfen!“. Als ich das Buch aus dem Regal holte erschrak ich furchtbar. Gelb leuchtende Augen und ein Schnabel, umrundet von grauem Pelz, glotzten mich an.
„Schuhu!“ ein kurzer Schrei kam über meine Lippen. Vor Schreck wich ich ein Stück zurück und stieß gegen jemanden. Ich drehte mich um und schaute geschockt in das mit roten Tätowierungen verzierte Gesicht Kitanes. Erneut schrie ich auf, beruhigte mich aber schnell wieder. Die Nachtelfe stand in einem weißen Bademantel vor mir.
„Ist das nicht euer Schaf?“ fragte sie mich und hielt mir Wölkchen entgegen.
„Mäh!“
„Äh, leider ja.“ antwortete ich ihr und nahm Kitane das Schaf ab.
„Sollte es mich noch einmal bei meinem Bad in der heißen Quelle stören, landet es im Kochtopf.“ meinte sie erzürnt und verließ dann wieder die Bibliothek. Als die Nachtelfe verschwunden war hob ich das Schaf so, dass es mir direkt in die Augen schauen musste.
„Mäh!“
„Also deswegen wolltest du ein Schaf bleiben. Damit du der Nachtelfenkriegerin hinterher spionieren kannst.“
„Möh!“ ein wenig beleidigte mich diese Tatsache und ich ließ das Schaf fallen. Dann widmete ich mich wieder den Büchern. Ein kurzes Plop! und der Krieger saß auf den Steinfliesen. Er fluchte ein wenig.
„Lass einem Mann doch seine Freuden, Verdammtnochmal.“ sagte er und rieb sich seinen Hintern.
„Ich hab doch gar nichts weiter gesagt.“ entgegnete ich, ihm den Rücken zugewandt. Der Krieger straffte seine Gestalt.
„Dann ist ja gut.“ nun wandte sich auch er den Büchern zu, um nicht weiter auf das Thema eingehen zu müssen. Kurz danach hockten er und Blackcypher an einem Tisch und blätterten in dem Buch für perfekte Liebhaber. Beide grinsten breit, manchmal kicherten die Zwei. Kopfschüttelnd kämpfte ich mich weiter durch die Regale.
Es wurde bereits dunkel und wir hatten immer noch keinen Erfolg. Nur noch das Kaminfeuer spendete ein schwaches Licht. Adrian lag halb auf einem Tisch und machte sich auf einem Zettel Notizen, die er dem Verführer-Buch entnahm. Den blauen Anhänger nutzte er als Lichtspender. Knarrend öffnete sich die Bibliothekstür. Im Türrahmen stand die Herrscherin der Burg, Charmi. Sie trat auf uns zu und zwinkerte mir lächelnd entgegen, was mich erneut verunsicherte. Bedrängend nah blieb sie vor mir stehen.
„Seid Ihr nicht fündig geworden?“ wollte Charmi von mir wissen. Als ich stumm den Kopf schüttelte zeigte sie ihr schönstes Lächeln. „Dann erlaube ich Euch morgen Eure Suche fortzusetzen. Seid heute Nacht meine Gäste.“ in mir keimten böse Vorahnungen, doch die Anderen schienen nichts gegen Charmis Angebot zu haben. Wieder spielte sie an meinen Haaren. Vorsichtig versuchte ich ihre Hand wegzuschieben. Dann richtete sich ihr Blick auf Adrian. Die Nachtelfe ließ von mir ab und gesellte sich zu dem Krieger. Verführerisch setzte sie sich auf den Tisch und starrte ihn an.
„Und wer seid ihr? Ich glaube, wir wurden uns noch nicht vorgestellt.“ meinte sie entzückt. Sie überschlug ihre Beine und ein Schlitz in ihrer schwarzen Robe gab nackte Haut frei, die der Krieger sofort fixierte. Ich hielt diese Verhaltensweise bereits für einen männlichen Reflex.
„Was, äh, ist denn mit der, ähm, los? Ich dachte, die … öhm … ach du weist schon.“ flüsterte der Hexer mir zu, Seldig nickte zustimmend.
„Ich habe da so eine Vermutung.“ antwortete ich. „Soweit ich das gemerkt habe, üben Frauen eine starke Anziehungskraft auf sie aus. Nun, vielleicht verhält es sich bei Kriegern genauso. Immerhin ist ihre „Freundin“, wenn man das so nennen kann, eine Kriegerin. Könnte ja sein.“ Seldig stupste mir an mein Bein.
„Vielleicht ist das auch nur Zufall und Adrian hat eine gewisse weibliche Ausstrahlung, hihi.“ flüsterte er mir zu und kämpfte mit einem Lachanfall. Charmi rückte näher an den Menschenkrieger heran und lächelte entzückend. Knarrend rutschte der Stuhl, auf dem Adrian saß, zurück. Er sah ein wenig verzweifelt aus. Ich räusperte mich. Sofort erhielt ich die Aufmerksamkeit der Nachtelfe zurück.
„Ich denke wir sind alle sehr müde. Es war ein ... nun ... harter Tag.“ versuchte ich auf das eigentliche Thema zurück zulenken. Adrian holte tief Luft als sich Charmi erhob und mir wieder ihre volle Aufmerksamkeit schenkte.
„Fein, dann werde ich persönlich euch eure Gemächer zeigen. Ich bestehe darauf.“ sagte sie freudestrahlend. Ein eiskalter Schauer lief mir bei ihren Worten über den Rücken, da ich wieder schreckliches ahnte.
Die Nachtelfe führte uns durch einen breiten Korridor. Wandteppiche zierten beide Seiten. Durch Fenster in der linken Wand schien das Mondlicht in den Gang. Die Fenster zeigten in ein Atrium, in dessen Mitte ein Brunnen leise plätscherte. Es hätte recht friedlich, vielleicht auch romantisch, ausgesehen, wäre da nicht diese halb verweste Eule gesessen. An der ersten Tür blieb Charmi stehen und drückte die Klinke. Ein großer Schlafsaal mit Himmelbett wurde Seldig zugewiesen. Das nächste Zimmer bekamen Blackcypher und Hugo. Während wir weiter dem Korridorverlauf folgten schaut Adrian immer wieder aus dem Fenster. Er fixierte immer wieder Kitane, die im Atrium erschienen war und nun auf einer Steinbank saß, dem Plätschern des Brunnens lauschend.
„Yava? Dich nicht stören, dass Adrian sich interessieren für Kitane?“ fragte mich der Geisterwolf, während wir Charmi zum nächsten Raum folgten. Sie summte fröhlich beim Laufen.
„Wieso sollte es?“ stellte ich eine Gegenfrage. Innerlich störte es mich tatsächlich ein wenig, aber das hätte ich nie zugegeben.
„Weil du gestern haben gesagt, du ihn lieb haben.“
„Hab ich das?“ der Geisterwolf nickte.
„Ich muss wohl ganz schön betrunken gewesen sein.“ damit war das Thema für den Wolf und mich erledigt.
Den Anderen wurden ihre Zimmer zugewiesen. Nur ich folgte der Nachtelfe weiter den Gang entlang. Wenigstens war Sesharrim noch bei mir. Die letzte Tür führte in mein Zimmer. Verschwörerisch lächelte mir die Elfe entgegen.
„Und nun …“ begann sie und mir kamen ungute Gedanken.
Teil 37
Vorsichtig blätterten wir durch die vergilbten Seiten des Buches. Es schnurrte immer noch leise vor sich hin. Mit jeder Seite wurde das Leuchten des Anhängers heller. Nach einigen Seiten blitzte der blaue Stein blendend hell auf, dann erlosch das Licht völlig. Gespannt schauten wir auf die halb zerfallene Buchseite. In der unteren rechten Ecke zeigte eine blasse Zeichnung den Anhänger. An manchen Stellen war die Schrift von Tintenflecken bedeckt worden. Die Buchstaben waren sehr klein und nur halbherzig auf die Blätter geschmiert. Sie formten sich zu Worten einer alten Sprache, die keiner von uns beherrschte. Uns kam der Gedanke, dass vielleicht einer der Untoten hier in der Burg helfen könnte. Plötzlich knallte es hinter uns. Ich zuckte zusammen. Als ich mich umdrehte sah ich einen Bücherhaufen, unter dem ein blau getigerter S.chwanz hervor schaute. Das Bücherregal daneben wackelte verdächtig, bis es nach hinten gegen ein Weiteres stieß. In regelmäßigen Abständen donnerte nun ein Bücherregal an das Nächste und Bücher regneten. Reihum fielen alle Regale bis keins mehr stand. Staub wirbelte stark, erst als er sich wieder legte konnte ich das pure Chaos erblicken. „Wir sagen einfach, dass wir nichts damit zu tun haben, hihi.“ meinte Seldig. Ich atmete tief ein, um mir einen Kommentar zu verkneifen und ging zu dem Bücherhaufen, der verdächtig maunzte. Buch für Buch kam langsam ein gestreiftes Fell und große unschuldig blickende Augen zum Vorschein. Gerade als sich Sesharrim vom Rest der Bücherlawine befreite hörte ich ein neues Geräusch. Es klang wie eine reißende Buchseite. Kurz stutzte ich, dann drehte ich mich um. Die Anderen standen mit offenem Mund da. Voo´doo saß auf der einen Hälfte des Buches. Er schaute uns mit großen Kulleraugen an und hielt eine Buchseite zwischen den Pfoten. „Das ist doch, äh, die Seite mit dem, ähm, Anhänger.“ begann Blackcypher. Von´rajas ging langsam auf das kleine grüne Geschöpf zu, das ihn verwundert anschaute. „Lieber Voo´doo. Du jetzt schön geben Papa die Seite.“ vorsichtig rückte der Wolf immer näher. „Fiep!“ der kleine Drache erhob sich und spannte seine kleinen Flügel, setzte aber nicht zum Flug an, sondern wartete gespannt. Der Trollschamane schlich weiter auf den Drachen zu, der nicht der Gleichen tat und Von´rajas gekonnt ignorierte. Ich verlor langsam die Geduld. Der Smaragdwelpling hielt seinen „Ziehvater“ zum Narren. Er knabberte bereits an einer Seite des herausgerissenen Blattes. Ich ballte eine Hand zur Faust, um nicht die Beherrschung zu verlieren mit der Anderen wühlte ich in einer Tasche an Blackcyphers Robe. Er zog sonst immer sofort einen Keks heraus, wenn er hineingriff. Ich hingegen bekam Schnürsenkel, zerknüllte Notizzettel oder kleine Holzfiguren zu fassen, aber keinen einzigen Keks. „Wie machst du das immer?“ fragte ich den Hexer, als ich wieder erfolglos eine Taschenlampe aus der Tasche zog. „Wie, äh, mach ich, huh, was?“ „Die Kekse.“ deute ich kurz an. „Oh, achso. Warte kurz.“ seine Hand verschwand in einer Tasche der Robe. Leer holte er sie wieder hervor und steckte sie in eine andere Tasche. Währenddessen war bereits ein kleines Stück der Buchseite im Magen des kleinen Drachen verschwunden. „Hm, … Tut mir, ähm, Leid. Ich glaube, die, äh, Kekse sind, huh, alle.“ entsetzt schaute ich ihn an. Wie konnte so etwas nur sein? Normalerweise hatte er immer genug davon in den Taschen. „Oh, hier ist noch, äh, ein halber Keks.“ Blackcypher zog ein trauriges zerbröseltes Keksstück aus der Tasche und gab es mir. Es war immerhin besser als gar nichts. Bewaffnet mit der Kekshälfte ging ich zu Voo´doo. „Schau mal was ich hier habe. Einen leckeren Keks. Der ist doch viel besser als die komische Buchseite, meinst du nicht auch. Wollen wir tauschen?“ fragte ich das Tier, das mich aufmerksam beobachtete als ich versuchte keine hektische Bewegung zu machen. Es betrachtete den Keks und die heraus gerissene Seite. Voo´doo überlegte kurz, auf einmal zerriss er die Buchseite. Die Hälfte mit der Schrift schob er sich ins Maul und schluckte, die Andere mit der Zeichnung hielt er mir wedelnd entgegen und forderte den halben Keks. Ich gab ihm den Keks und nahm ihm die Zeichnung ab, während ich seufzte. Der Rest der Gruppe stand sprachlos daneben. „Und was wir sollen jetzt tun?“ fragte Von´rajas nach einer Schweigeminute. „Wir schneiden dem verdammten Vieh den Bauch auf und kleben die blöden Teile wieder zusammen.“ antwortete Adrian und zückte einen kleinen Dolch, den er im Stiefel stecken hatte. Gleichzeitig schüttelten wir den Kopf. „Wir müssen wohl mit unserer Unwissenheit leben.“ sagte ich gleichgültig. „Ja und jetzt? So kann das doch nicht aufhören. Irgendwo gibt es sicher noch ein anderes Buch.“ meinte der Gnomenmagier. Der Foliant auf dem Ständer klappte knurrend zu als Voo´doo herunter kletterte und noch einmal demonstrierend rülpste. Ich zuckte mit den Schultern. „Was mich betrifft, ich hab Von´rajas versprochen ihm zu helfen, sich wieder zurück zu verwandeln.“ kurz zuckte ich mit den Schultern. Ich dachte bei mir, dass es vielleicht besser war nicht mehr über das blaue Juwel zu wissen. Der Geisterwolf nickte energisch. „Und wie wollt ihr zwei das anstellen?“ fragte Adrian skeptisch. Als Antwort hob ich erneut mit den Schultern. „Ich denke wir gehen nach Mulgore. Die Taurenschamanen dort können sicher helfen. Außerdem hat mir der Anhänger gestern Nacht Donnerfels gezeigt. Ich bin immer noch ein wenig neugierig, was es mit dem Stein auf sich hat. Vielleicht findet sich dort eine Antwort.“ Lange Rede kurzer Sinn. Schnell beschlossen die Anderen, den Wolf und mich zu begleiten. Blackcypher wollte nicht alleine wieder mit Hilfe selbst gemalter Karten nach Schätzen suchen. Seldig hatte nichts Besseres zu tun und wollte außerdem seine Magie wieder finden. Und Adrian sträubte sich vehement gegen eine Heimkehr, nicht zuletzt wegen Sybilla. Auf die Frage, ob er nicht lieber hier bleiben wolle, reagierte er nicht. Das Chaos ließen wir einfach so zurück. Der Krieger kritzelte noch schnell etwas auf einen Zettel, den er dann unschuldig schauend an der Tür befestigte. Ein Untoter kam pfeifend durch den Flur und wollte die Tür zur Bibliothek öffnen, zögerte aber. „Hm? … Wegen Renovierung geschlossen? …“ er überlegte kurz, ließ die Klinke aber wieder los und schlurfte gleichgültig an uns vorbei. Verwundert schaute ich ihm nach. Kurz darauf begaben wir uns in den Thronsaal, um uns von Charmi und Kitane zu verabschieden. Charmi umarmte mich. Dann hielt sie meinen Kopf fest und gab mir einen Abschiedskuss. Sie lächelte mir entgegen und hinter ihr erkannte ich eine ziemlich wütend aussehende Kitane. Bevor noch etwas dergleichen passierte, verschwanden wir schnell aus dem Saal. Im Hof ging man der gleichen Geschäftigkeit nach, wie am Tag zuvor. Einen Unterschied bildete Phineus, der mit einem ziemlich lebendig aussehenden blauen Drachen an der Leine über den Hof spazierte. Der Drache war um ein vielfaches größer als der Untote und sah nicht gerade aus wie ein Frostwyrm. Wir winkten dem Untoten zu als er gerade versuchte dem Drachen seinen Arm wieder abzunehmen. „Wo ist Adrian?“ fragte ich als wir das Burgtor passierten. „Ich glaube, er wollte sich noch etwas intensiver von den beiden Elfen verabschieden, hihi.“ Seldig lief rot an und lachte. Er hielt sich die Hände vor dem Mund, um nicht loszuprusten. Ich nickte verstehend und auch ein wenig verärgert. In Lohenscheit warteten Darus und Blinky auf uns. Seldig schwang sich auf den Rücken des Frostsäblers. Ich nahm Blinkys Zügel in die Hände, damit mir das gescheckte Pony folgte. „Mäh!“ ließ sich ein Schaf vernehmen, dass in Sesharrims Maul steckte. Gedanklich zählte ich die Anwesenden. Keiner, außer Adrian, fehlte, aber der Krieger hielt sich noch in der Burg auf. Der Säbler musste also auf sein Schaf verzichten. „So, äh, und wo soll es, ähm, lang gehen?“ fragte der Hexer. „Nun, in Unterstadt es geben ein Luftschiff ...“ „NEIN!“ schrie ich dazwischen. Innerlich schauderte ich als ich an den letzten Flug dachte. Zusammen mit dem Krieger in einer Kiste wollte ich nie wieder reisen. Der Geisterwolf zuckte unweigerlich bei meinem scharfen Tonfall zusammen. Ein wenig beruhigter meinte ich dann: „In Süderstade fahren kleine Fischerboote nach Menethil um Fisch zu liefern. Ich denke da könnten wir mit reisen.“ „Du aber schon wissen, was Seldig dort angerichtet haben?“ „Es ist immer noch besser als mit Adrian in einer Kiste zu reisen.“ entgegnete ich ihm. „Kommt, holen wir den Krieger und machen uns auf den Weg.“ „Schuhu! Schuhu!“ Thippel hockte auf dem gelangweilten Bergpony und gab ihm spielerisch die Sporen. Ich musste ein wenig lächeln. „Wie es scheint, möchte Thippel auch gern Donnerfels kennen lernen.“ sagte ich und trieb Darus in Richtung Burg. Sobald Adrian zu uns stieß wollten wir wieder zurück nach Süderstade reisen.
Teil 38
Wir warteten bereits eine Stunde. Es tat sich immer noch nichts. Ich lehnte auf Darus’ Hals, ließ die Arme hängen und seufzte immer wieder. Ein rhythmisches Pochen untermalte die gelangweilte Stimmung. Hugo spielte wieder mit seinem Ball an der Schnur. Selbst Thippel saß gelangweilt auf dem Boden und malte Bilder in die weiche Erde. Nachdem er mir und den Pferden Zöpfe geflochten hatte fand er keine kurzweilige Beschäftigung mehr. Der Säbler lag bei dem grauen Wesen und gähnte herzhaft. Dem Rest erging es genauso. Eine weitere halbe Stunde verging viel zu langsam. Endlich sah ich Adrian durch den Hof schlendern. Er machte einen zufriedenen Eindruck als er zu uns stieß. Sein fröhliches Grinsen wich jedoch aus seinen Zügen als er in unsere ernst schauenden Gesichter sah. Der Krieger räusperte sich und stieg auf Blinky. „So, wollen wir?“ fragte er und zog an Blinkys Zügeln. Das Pony kaute das Gras in seinem Maul noch fertig und setzte sich dann gemütlich in Bewegung. Wegen des Ponys ging es nur schleppend vorwärts. Als es dämmerte waren wir nicht einmal in der Nähe der Grenze angekommen. Es war ein Jammer, dass Blinky die Karotte am Stiel gef.ressen hatte. Ohne einen Anreiz wollte das Pony einfach nicht schneller laufen. Als wir am Lagerfeuer saßen versuchte ich mir etwas für das Bergpony zu überlegen. Mir kam zwar keine gute Idee, aber immerhin fiel mir eine Lösung ein. Schnell wurde ein Keks an der Schnur gebastelt. Am Morgen würde sich zeigen, ob er etwas nutzte. Den Rest des Abends saß ich etwas abseits im feuchten Gras und beobachte gedankenlos den klaren Himmel, der durch die Baumwipfel zu sehen war. Die Anderen schliefen bereits alle. Erst einige Zeit später legte auch ich mich schlafen. Der nächste Tag begann mit dem Schlimmsten, was mir je passiert war. Als ich die Augen aufschlug blickte ich direkt in die Nüstern eines kleinen Ponys, das graste. Das Schlimme daran war, dass es auch auf meinen Haaren kaute. Mir entfuhr ein greller Schrei und Vögel flohen aus nahe gelegenen Büschen und Bäumen. Träge wachten die Anderen auf. „Was ist denn los, verd…“ Adrian stockte als ich ihm meine ausgefransten Haarspitzen zeigte und ihn wütend anschielte. „Schau an was dein blöder Gaul angestellt hat!“ ich versuchte ihm die Haare direkt vor die Nase zu halten, was mir jedoch misslang. Meine Haare waren nun um einiges kürzer. Abgeknickte Spitzen und Fransen standen zu allen Seiten ab. Adrian hob besänftigend die Hände und dachte sich eine Antwort aus. Währenddessen löste ich den Lederriemen, mit dem mein Bogen am Sattel meines Pferdes befestigt war. Ich zog einen Pfeil aus dem Köcher und legte an. „Was, äh, hast du vor?“ fragte Blackcypher noch ein wenig verschlafen. „Ich verarbeite das Mistvieh zu Salami!“ schrie ich wütend. Niemand durfte sich an meinen Haaren vergreifen und erst recht nicht abfressen. Es war eine bodenlose Frechheit. Ich zielte auf das grasende Pony. Geistesgegenwärtig sprang Adrian auf und fasste meine Schulter. Er zog mich zurück. Ich ließ den Pfeil los und er sauste gen Himmel. Dann verlor ich das Gleichgewicht. Ich fiel nach hinten und riss den Krieger mit. Als ich mich langsam wieder aufrichtete fiel der Pfeil wieder zu Boden. An seinem Ende steckte ein Rebhuhn. „Naja, wir jetzt wenigstens haben Frühstück.“ meinte der Geisterwolf. Hugo bekam den Auftrag mich festzuhalten als Adrian das Huhn bearbeitete. Seldig sammelte inzwischen meine Waffen ein, damit ich nicht wieder auf Mordgedanken kommen konnte. Ich zappelte und fluchte wie eine Irre, blieb aber unbeachtet. Blackcypher hatte Wattebällchen verteilt, die nun jeder in den Ohren stecken hatte. Langsam ging mir die Energie aus. Schlapp baumelte ich in Hugos Pranken. Thippel kramte in meinen Taschen, doch ich hatte keine Energie mehr etwas dagegen zu sagen. Er bewaffnete sich mit einer Schere und einem Kamm. Ich ahnte nichts Gutes. Dennoch wehrte ich mich nicht. Thippel tobte sich nun fröhlich an meinen Haaren aus. Als er fertig war kramte er eine Dose aus Adrians Gepäck und sprühte mir dieses klebrige Zeug in die Haare, das ich noch aus dem Mafiatreff kannte. Ich musste Husten. „Schuhu!“ das Tier machte eine präsentierende Geste und alle schauten auf. Sesharrim legte den Kopf schief. „Also das ich nenne eine gute Frisur.“ sagte Von´rajas und der Rest stimmte nickend zu. Thippel hielt mir meinen kleinen Taschenspiegel vor mein Gesicht. „Schuhu! Schuhu!“ skeptisch blickte ich hinein. Ein fransiges Pony lag locker auf meiner Stirn. Meine restlichen Haare waren nun nicht mehr als schulterlang. Thippel hatte sie in verschieden Längen und ein wenig gefranst geschnitten. Noch immer skeptisch betrachtete ich mein Spiegelbild. Ich atmete tief ein und akzeptierte letztendlich meine neue Frisur. Dennoch fehlten mir meine alten Haare. Langsam legte sich auch mein Zorn auf Blinky, zumindest hegte ich in nächster Zeit keine Mordgedanken. Nach dem Frühstück brachen wir schnell auf um nicht noch mehr Zeit zu verlieren. Der Keks an der Schnur trug Früchte und wir kamen schnell voran. Bis zum Abend waren wir bereits im Vorgebirge des Hügellands angekommen. Bei diesem Tempo sollten wir am nächsten Tag Süderstade erreichen. Als wir am abendlichen Feuer saßen seufzte ich. „Was ist los?“ fragte der Gnomenmagier. „Langsam sollte uns etwas einfallen, wie wir auf eins der Fischerboote kommen. Einfach hingehen wird nicht funktionieren, nachdem was du dort angestellt hast, Seldig.“ zustimmendes Murmeln ging durch die Runde. „Wir könnten doch …“ begann Adrian. „Keine Kisten!“ sagte ich schnell. Enttäuscht fuhr er seinen Satz nicht fort. „Wie wäre es mit Bestechung? Hihi.“ „Von welchen Geld? Unser Geld würde dafür kaum reichen.“ „Dann tanzt du halt wieder …“ unschuldig blickte Adrian zum sternenklaren Himmel. Energisch schüttelte ich den Kopf. „Wäre zumindest eine Idee.“ meinte er weiter. „Wieso schleichen, ähm, wir uns nicht, äh, an Bord?“ „Weil das Fischerboote sind. Die haben nur einen Laderaum voller Fisch und ein Führerhäuschen. Vielleicht noch ein kleines Lager mit Vorratskisten.“ ich seufzte. „Dann also doch die Kistenidee.“ begann Adrian. „Verrat mir mal wie wir Darus und Blinky in eine Kiste bekommen sollen. Von Hugo ganz zu schweigen.“ der Dämon ließ die Flügel hängen. Es schien so als schäme er sich für seine Größe. Der Geisterwolf gähnte. Damit beendeten wir vorerst die Diskussion und beschlossen wie immer vor Ort zu improvisieren. Der Morgen war grau und neblig. Wir warteten nicht lange, schlangen das Frühstück regelrecht runter und brachen auf. An diesem Tag wollten wir Süderstade erreichen. Mit Hilfe des Kekses an der Schnur näherten wir uns im vollen Galopp dem Dorf. Thippel huschte wie immer von Baum zu Baum und machte immer wieder „Schuhu“ dabei. Der Säbler ahmte ihn, mit Seldig auf dem Rücken, nach. Von´rajas baumelte auf Hugos Schulter, da er mit den Pferden nicht mithalten konnte. Der Nebel lichtete sich nach einiger Zeit und die Wolken verschwanden. Nach einigen Stunden konnten wir im Sonnenschein bereits die Dächer von Süderstade erkennen. Bis zum frühen Abend konnten wir dort sein. Wenn wir Glück hatten fiel uns schnell genug eine Idee ein, um noch mit einem der abends auslaufenden Boote abzulegen. Das einzige Problem waren die Bürger, die sich sicherlich noch gut an uns erinnerten, allem voran der Gastwirt. Auf einem Hügel vor dem kleinen Dorf machten wir Halt. Von hier aus konnte ich das Gasthaus erkennen. Es war in ein Gerüst eingehüllt und Männer hämmerten an einer neuen Wand. Wir standen im Kreis. Adrian hatte Süderstade aus kleinen Tannenzapfen, Steinen und Eicheln nachgebaut und entwickelte einen Schlachtplan. Mit einem Stock zeichnete er Linien in die weiche Erde. „Also passt auf: Yava, du gehst hier um diese Häuser und gehst hier in Position. Blackcypher, du wirst hier mit Hugo und Seldig stehen. Von´rajas und ich werden diesen Weg nehmen.“ skeptisch schauten wir auf das Gebilde mit Linien. Thippel hatte kleine Papierschiffchen gebastelt und sie in den nachgebauten Hafen gestellt. „Und was werden wir dann tun?“ fragte ich verwirrt. „Nun, auf mein Zeichen stürmen wir auf ein Boot zu, fesseln und knebeln den Kapitän und entern das Schiff.“ triumphierend grinste er uns an. Wir schauten nur argwöhnisch und ich hob meine linke Augenbraue. Adrian ließ die Schultern hängen. „Dann halt nicht …“ Langsam neigte sich der Tag dem Ende. Die Sonne verschwand hinter dem Horizont und tauchte das Meer in ein rotes Glühen. Der Plan des Kriegers wurde einstimmig abgelehnt, wenn man Sesharrims Stimme nicht mitzählte. Ideenlos beschlossen wir erstmal zu der kleinen Anlegestelle zu kommen, ohne dass uns jemand sieht. Dieses Unterfangen war nicht gerade leicht, da Darus’ und Blinkys Hufe auf der Straße klapperten. Wir „schlichen“ uns so um einige Häuser und näherten und dem Steg. Zwei Fischerboote ankerten hier und machten sich zum Ablegen bereit, damit sie im Morgengrauen Menethil erreichen würden. Unbemerkt – sieht man von dem Passanten ab, den Hugo auf den Kopf gehauen hat und der darauf ohnmächtig zusammen sank, ab – erreichten wir den Steg. Vorsichtig lugten wir um eine Hausecke. „Und was wir tun jetzt?“ wir zuckten mit den Schultern. „Pscht!“ hörte ich plötzlich hinter mir. Erschrocken drehte ich mich um. Eine Gestalt, größer als ich, lehnte an einer Hauswand. Sie trug einen Nachtschwarzen Umhang und eine Kapuze verdeckte das Gesicht. Gelb leuchtende Augen, die unter der Kapuze hervor schimmerten, verrieten aber, dass es sich um einen Nachtelf handeln musste. „Pscht!“ machte die Gestalt ein weiteres Mal.
Teil 39
Nach einer kurzen Geste der Gestalt gingen wir auf sie zu. Als ich vor ihr stand blitzte mir ein helles Licht entgegen. Ich wurde geblendet. Nachdem ich einigermaßen wieder etwas in der dunklen Ecke erkennen konnte sah ich wie die Kapuzengestalt eine schwarze unförmige Box in der einen Hand hielt, in der Anderen hatte sie einen Zettel, mit dem sie in der Luft wedelte. Nach einiger Zeit starrte der Nachtelf auf den Zettel und hielt den Zettel in verschieden Abständen vor sein Gesicht, dann ließ er das Stück Papier unter seinem Mantel verschwinden.
„So, ihr wollt also auf eines der Fischerboote. Sehe ich das richtig?“ fragte uns die in schwarz gekleidete Gestalt nach einer kurzen Pause. Unschlüssig, ob wir ihm antworten sollten, starrten wir ihn an. Dann erhob Adrian das Wort:
„Wer, zum Teufel, bist du?“ fragte er schroff. Wieder war es kurz still und der Nachtelf lauschte aufmerksam. Schritte näherten sich rasch. Die Gestalt schaute mit einmal verstört in alle Richtungen und verschwand auf der Stelle. Verwirrt schaute ich auf den nun leeren Fleck, an dem der Nachtelf gestanden war. Die Schritte kamen immer näher. Eine weitere Gestalt, ebenfalls in schwarz gekleidet, kam an der kleinen Gasse entlang. Als sie uns sah, blickte sie uns flüchtig an, schwang sich einen Sack über den Rücken und zog dann mit einer freien Hand das Mundtuch runter. Ein etwas älterer blonder Mann kam zum Vorschein. Er winkte in unsere Richtung und rief dann:
„Hey, Mephisto! Lange nicht gesehen altes Haus! Wie geht’s Faust?“ der Mann brach in Gelächter aus und ging dann seelenruhig weiter. Mit einer erhobenen geballten Faust kam der Nachtelf plötzlich wieder zum Vorschein.
„Ich heiße Mephissto! Mit zwei „s“ du Idiot! Ich zeig dir gleich meine Faust und die wird dir gleich wehtun!“ der Nachtelf zitterte arg, um nicht die Beherrschung zu verlieren. Er atmete tief ein, strich sich den Stoff des Umhangs glatt und schaute uns dann verblüfft an, als hätte er uns jetzt das erste Mal gesehen. Wieder hob er die schwarze Box und erneut blitzte es mir entgegen. „Wer seid ihr? Was wollt ihr? … Wollt ihr eine goldene Taschenuhr kaufen?“ mit beiden Händen öffnete er seinen Umhang und zum Vorschein kam ein ganzes Arsenal aus goldenem Schmuck, getrockneten Pflanzen und kleinen Tütchen. Vermutlich alles Diebesgut. An einem Gurt hingen verschiede Fläschchen mit Totenkopfaufdruck und am Gürtel hingen Dolche verschiedener Formen und Größen. Skeptisch schauten wir dem Nachtelf in das halbsichtbare Gesicht unter der Kapuze.
„Du hattest uns, äh, gerade gefragt, ob wir auf eins der, ähm, Fischerboote wollen.“
„Achso … Hab ich das wirklich?“ nicken. „Hm …Nun gut … wie wäre es dann vielleicht mit ein paar Fahrkarten? 10 Gold das Stück und das ist ein Spottpreis!“ aus einer Innentasche zog er längliche Zettel. Er hielt sie mir vor die Nase.
„Fahrkarten? Für ein Fischerboot?“ fragte Adrian skeptisch. Ich zog dem Nachtelf eine der Karten aus der Hand und betrachtete sie misstrauisch.
„Hier steht: 2-Personen, Traumschiff „AIDA“, 5 Sterne, all inclusive, Hochzeitssuite Nummer 315?“ mit großen Augen starrte ich den vor mir stehenden Nachtelf an. Er wäre sicher zurück gewichen, hätte er nicht bereits an einer Wand gestanden. „Und das Beste: Wir wünschen dem glücklichen Paar wundervolle Flitterwochen! …“ der Nachtelf rutsche an der Hauswand entlang.
„Äh, ich habe etwas wichtiges vergessen …“ als er an uns vorbei huschen wollte, biss ihm Voo´doo ins Hinterteil. Ein schmerzvoller Aufschrei drang unter der Kapuze hervor. Ich konnte mir bildlich vorstellen, wie sich Tränen in seinen Augen bildeten. Adrian packte den Nachtelf am Mantel und zog ihn zurück.
„Was hast du zu deiner Verteidigung zu sagen?“
„Ich, äh … ich …ähm …nun ja …“ Mephissto seufzte. „Tut mir nichts! Ich habe doch zu Hause drei Kinder, meine Frau ist krank und letzte Woche mussten wir den Hund essen!“ Von´rajas begann zu knurren. Der Schurke zuckte unweigerlich zusammen.
Nach einigen weiteren Ausreden und Angeboten hatte es der Nachtelf aufgegeben sich aus Adrians Griff zu winden. Er bot uns schließlich an uns nach Menethil zu bringen, wenn wir ihm nichts tun. Adrian hatte seinen Kriegshammer aus seinem Gepäck gekramt und schlenderte dem Nachtelf hinterher. Falls er irgendetwas versuchen sollte, bekam sein Kopf den Hammer zu spüren. Schnell führte er uns zum Steg, ging aber zu keinem der Boote, sondern kletterte unter den Steg. Knietief stand er im Wasser und zog etwas aus der Dunkelheit.
„Das sind ja gnomische Gummiboote! Und sie sind rot! Hihi!“ Seldig sprang auf und ab. „Mit sowas wollte ich schon immer mal fahren!"
„Du willst uns doch nicht etwa erzählen, dass wir mit diesen Dingern nach Menethil fahren?" fragte ich skeptisch und seufzte gleichzeitig als der Nachtelf nickte.
„Rate doch mal, wie ich von Beutebucht bis hierher gekommen bin.“
„Ich schätze, ähm, in einem, hm, roten Gummiboot?“
„Richtig. Der Kandidat erhält hundert Punkte! Sie haben eine Überfahrt nach Menethil mit „Mephisstos kleinem Lieferservice“ gewonnen!“ die Anderen seufzten ebenfalls. So eine Aktion konnte ja nur schief gehen.
„Und was machen wir mit Blinky und Darus?“ Darus hielt großen Abstand zu den roten Dingern, er hatte Angst vor Booten jeglicher Art. Ich musste jedes Mal große Überredungskunst beweisen um ihn an Bord eines Schiffes zu bekommen, aber diese Gummiboote waren zuviel für das Pferd. Sesharrim hatte sich als Einziger bereits mit der Situation angefreundet und hockte in einem der schwimmenden Dinger. Er begann zu schnurren und mit den Krallen zu scharren. Dann machte es plötzlich ein Geräusch wie „Pfffffffff!“ und das Gummiboot ging langsam samt dem Frostsäbler unter. Verstört schaute er mich an. Sprachlos starrten wir zu Mephissto. Dieser zuckte mit den Schultern.
„Berufsrisiko.“ meinte der Schurke kurz.
„Mir reicht es. Hugo, komm mal mit.“ sagte ich und packte den Dämon an der Pranke. „Du hast doch nichts dagegen, wenn ich mir Hugo kurz ausleihe?“ der Hexer schüttelte den Kopf. Mit dem Dämon im Schlepptau ging ich zu einem der Fischerboote. Skeptisch schaute er mich und Hugo an. Zuerst musterte er den Dämon mit Tropenhelm, dann starrte er in meine funkelnden Augen. Er wollte gerade etwas sagen, doch Hugo holte aus und verpasste dem Bootsbesitzer eine riesige Beule. Benommen torkelte der grauhaarige Mann und fiel dann in Ohnmacht.
„Was hast du nur getan. Tztz.“ tadelte mich Seldig, nachdem der Rest der Gruppe ebenfalls auf dem Steg standen.
„Ich bin unschuldig. Hugo war das. Ich hab nicht einmal ein Wort gesagt.“ wies ich die Schuld von mir. So hatte ich mir das nicht vorgestellt, aber immerhin hatten wir jetzt ein Boot. Sobald der Kapitän sich erholt hatte wollte ich mich entschuldigen. Aber solang das nicht der Fall war, liehen wir uns das Boot.
Darus sträubte sich an Bord zu gehen und wurde kurzerhand von Hugo an Bord gehievt, was dem Hengst sichtlich missfiel. Als wir alle auf dem Boot waren lichteten wir den Anker.
„Hey! Und was ist mit mir?“ Mephissto stand auf dem Steg, die Kapuze zurück geschlagen, und schaute wehleidig.
„Was sein soll mit dir?“ fragte Von´rajas.
„Ich will auch nach Menethil! Ihr könnt mich doch mitnehmen!“ mit großen jammernden Augen schaute er uns an. Instinktiv hielt Adrian mir die Augen zu, weil er wusste, dass ich einem solchen Blick nur schwer widerstehen konnte. Der Nachtelf jammerte immer lauter und weckte damit die nahen Anwohner. Wir wollten auf keinen Fall entdeckt werden. Also wurde der Schurke in eines seiner Gummiboote verfrachtet und mit dem Fischerboot vertäut. Das letzte Tau würde gelöst und langsam schipperte das Boot los. Sesharrim stand am Heck des Bootes und beäugte neugierig den Neuzugang, der es sich in einem seiner Gummiboote bequem gemacht hatte und sich gemütlich eine Pfeife ansteckte. Seldig übernahm das Ruder.
„Weist du, ähm, eigentlich, wohin wir, äh, fahren müssen?“
„Nein, ich schätze. Darin bin ich gut, hihi.“ ich verkniff mir einen Kommentar, die Anderen offenbar auch. Stillschweigend nahmen wir die Fahrt ins Blaue so hin - wenn wir nicht schwimmen wollten, mussten wir es so hinnehmen -, während Seldig ein gnomisches Volkslied anstimmte. Adrian war im Frachtraum verschwunden und schaute nun durch die Luke auf das Deck.
„Hier unten lagert Zwergenbier und getrocknete Filzdisteln!“ rief er.
„Filzdistel?! Wo sein!“ freudig sprang der Geisterwolf die Luke hinunter.
„Wo denn!?“ Mephissto kletterte am Boot hoch, landete unsanft an Deck. Er rappelte sich auf und verschwand sofort Unterdeck. Ich hoffte nur, dass Seldig den Weg richtig riet und wir schnell in Menethil ankommen würden.
Teil 40
Es dauerte keine Stunde und unser kleines geliehenes Fischerboot wurde von einem regionalen, komisch riechenden Nebel umgeben, der einem Tränen in die Augen trieb. Von´rajas hatte sein Arsenal aus Wasserpfeifen über das Deck verteilt. Sesharrim war Unterdeck und fraß sich durch den gelagerten Fisch. Er ließ sich davon nicht abhalten, egal was ich auch versuchte. Selbst Bestechung, die sonst immer gut funktionierte, zeigte keinen Erfolg. Hugo saß an Deck auf einem zusammengerollten Tau und stellte einen Unfall mit zwei kleinen Holzkutschen nach. Seldig hatte sich einen Papierhut gefaltet und sich auf den Kopf gesetzt. Fröhlich drehte er das Steuerrad hin und her. Die Anderen hockten um eine blaue Wasserpfeife auf bunten Kissen mit Fransen. Ich stand daneben, ein wenig über die Reling gebeugt, um wenigstens etwas von der nicht vorhandenen Frischluft zu ergattern. Mephissto wickelte gerade einige dieser Filzdisteln in ein Stück Papier. Er griff nach Voo´doo und drückte kurz auf seinen Bauch. Unweigerlich entwich dem kleinen grünen Drachen eine Flamme, die das Papier in Brand setzte. Zufrieden ließ der Nachtelf den Drachen wieder runter, der dann verärgert davon wackelte.„Hey, Yava! N-nimm doch auch m-mal einen Sch-schluck von dem B-bier!“ grölte mir Adrian entgegen. Wortlos starrte ich ihn an und beugte mich dann wieder über die Reling. Der Rauch war unerträglich. „Dann e-eben nicht. Weischt ja g-gar nischt, wasch d-dir entgeht.“ er zuckte mit den Schultern und nahm einen großen Schluck von dem Zwergenbier.„Schagt mal. Wo eigentlisch schein Thippel?“ warf unser Trollschamane in die Runde.„Wasch ischt ein Thippel?“ fragte Mephissto neugierig. „Kann man dasch rauchen?“ der Geisterwolf schüttelte den Kopf. Enttäuscht ließ der Schurke die Schultern hängen.„Hey! Woher, äh, kommt diesche, hm, M.uschik?“ alle wurden hellhörig. Ich vernahm die Musik, die vom Wasser her drang, schon eine ganze Weile, hielt sie aber für eine Halluzination, die der stinkende Rauch verursachte. Mühsam rappelten sich die Anderen auf und schauten zum Wasser. Wegen der kleinen regional begrenzten Nebelwand konnte keiner etwas entdecken. Seldig nahm eine der Sicherheitslampen, die über das Deck verteilt für „stimmungsvolles Licht“ – wie es Adrian nannte – sorgten. Durch den angestrahlten Nebel ließ sich eine Gestalt erkennen. Der leichte Wellengang trieb sie zu uns. Der Schatten trug ein Geweih.„Dasch schein ein Thippel.“ sagte Von´rajas zu Mephissto als eine kleine Gummiinsel mit Palme sichtbar wurde. Thippel lehnte gemütlich auf dem schwimmenden Inselimitat und trank etwas, das ich als „Badewanne“ wiedererkannte. Neben ihm stand ein schwarzer Kasten mit kleinen rot leuchtenden Lichtern, aus dem Musik dudelte.„Schuhu! Schuhu!“ das graue Etwas nippte noch einmal an dem Getränk und warf es dann in die Dunkelheit. Ein „Platsch!“ verkündete, dass der Meeresboden nun ein Haus mehr für Krabben zu bieten hatte. Als die Insel gegen das Fischerboot stieß richtete sich Thippel auf und reichte uns den schwarzen Kasten. Seldig nahm ihn mit neugierigen Blicken entgegen. Dann kletterte Thippel an Bord und verknotete seine Insel mit dem Boot.„Dasch ischt alscho ein Thippel. Schehr … plüschig.“ meinte Mephissto als er das graue Wesen umrundete.„Schuhu!“ zur Begrüßung kramte er seinen Stock unter seinem Fell hervor und schlug ihn Mephissto auf den Kopf. Nur ein Sekundenbruchteil später war der Stab wieder spurlos verschwunden und Thippel stand tanzend neben seinem schwarzen Kasten. Er griff nach meinem Arm und zog mich über das Deck, drehte mich ab und zu. Als er mich losließ torkelte ich ein wenig schwindelig quer über das Boot. Ich stieß gegen die Reling und verlor den Halt. Die Anderen vernahmen nur noch ein Platschen.„Nachtelfe über Bord!“ hörte ich als ich auftauchte. An Deck sah ich mehrere Gestalten stehen. Eine davon, die sich als Mephissto identifizieren ließ, zog etwas aus seinem Umhang hervor. Er faltete es auseinander und drückte es Seldig in die Hand.„Hier. Dasch muscht du aufpuschten. Dasch nennt man Rettungschring oder scho.“„Warum gerade ich?“ fragte der Gnom entsetzt.„Isch bin zu betrunken!“„Dito!“ schrie Adrian um sich sofort aus der Affäre zu ziehen. In der Zwischenzeit schwamm ich zum Heck des Bootes und kletterte die kleine Leiter nach oben. Klatschnass stand ich an Deck und beobachtete wie Mephissto den aufgeblasenen Ring ins Wasser warf.„Hier, Yava, fang! … Hm? Wo ischt schie denn?“ alle spähten über die Reling, während ich über das Holz patschte und es mir auf einem zusammengerollten Seil hinter ihnen bequem machte.„Oh, bei allen heiligen Schamanengöttern! Yava schein ertrunken!“ jammerte der Wolf. „Halten noch ein wenig Luft an, Yava! Isch disch retten werden!“ als der Wolf wagemutig lossprang, packte ihn Adrian am S.chwanz und zog ihn zurück.„Dasch mache isch!“ rief er und setzte zu einem Sprung an. Der Wolf biss ihm ins Bein und eine kleine Keilerei begann, die ich interessiert beobachtete.Während sich die Zwei stritten sprang Blackcypher in den kalten Ozean. Sofort folgte ihm Mephissto. Auch Adrian und Von´rajas ließen voneinander ab und begaben sich ins Wasser. Mit einem zufriedenen lächeln kramte ich eine Kuscheldecke aus Adrians Gepäck – egal was man suchte, im Gepäck des Kriegers fand man es mit ziemlicher Sicherheit. Ich nahm wieder Platz und Thippel brachte mir einen Tee. Seldig stand mit offenem Mund an der Reling. Er glotzte mich regelrecht an, zeigte zum Wasser und dann auf mich. Ich konnte förmlich das klacken nicht vorhandener Zahnräder in seinem Kopf hören als der Gnom versuchte die Geschehnisse zu kombinieren. Ein nicken meinerseits bestätigte seine Vermutungen. Lächelnd schlürfte ich an der Tasse. Seldig zuckte mit den Schultern und ging zurück an sein Steuerrad, vorbei an Hugo, dessen Kutschen zum ungefähr zehnten Mal einen Unfall bauten. Die Kutscher lernten aber auch gar nicht dazu. Von unten konnte ich die Anderen hören, die sich gegenseitig beschimpften und sich die Schuld an meinem Ertrinken gaben. Sie lallten nicht mehr. Das kalte Wasser ließ sie scheinbar wieder nüchtern werden.„Wartet mal!“ Mephissto erhob das Wort. Es wurde kurz still. „Hat nicht diese komische Fusselbürste Yava über Bord geworfen?“ eine nachdenkliche Stille folgte.„Den schnapp ich mir!“ schrie Adrian nach einer Bedenkzeit. Sofort fiel ihm Von´rajas ins Wort und der Streit entfachte erneut. Diesmal war das Thema: Wer durfte das Fusselding töten?Fast gleichzeitig purzelten die vier nassen Gestalten an Bord. Die wütenden Gesichter verschwanden fast sofort als sie sahen, wie ich mit Thippel zusammen saß und munter mit ihm plauderte, was eigentlich recht schwierig war, da mein Gesprächspartner nur „Schuhu“ sagte. Nur Mephisstos Gesichtsausdruck blieb gleich. Sein nasser lilaner Zopf klebte in seinem recht kantigen Gesicht. Verzweifelt versuchte er die nassen Haare aus seinem Gesicht zu entfernen. Zuerst versuchte er es mit starkem kopfschütteln, was ihn ins taumeln brachte und ihn wieder über Bord warf. Schnell kletterte er wieder nach oben, strich sich die Haare aus dem Gesicht und versuchte sich nichts anmerken zu lassen. Auch der Rest räusperte sich nur und widmete sich wieder anderen Dingen. Thippel brachte mir eine neue Tasse Tee.Nach einiger Zeit begann ich ohne Grund zu lachen und konnte nicht mehr aufhören. Mein Oberkörper schwankte ein wenig und alles um mich herum verdoppelte sich. Mein lachen wurde immer lauter. Zwischendurch nippte ich an einer weiteren Tasse Tee.„Was trinkst du da?“ ich erkannte die Stimme. Sie gehörte zu Adrian, dessen verschwommenes Gesicht sich vor mir verdreifachte. Es war rosa und blau gepunktet. Wieder musste ich lachen. Unter dem Gekichere brachte ich noch ein „Teeeheeeeeeeeee!“ hervor. Ich fand gefallen an dem „e“ und ließ es nur widerwillig los. „Teeeeeheeeeeeeeeee ist das.“ ich merkte noch wie mir meine Tasse aus der Hand genommen wurde. „Heeeeee!“ ich versuchte böse zu schauen, begann dann aber wieder zu lachen als ein rosa Elefant balancierend auf einem rotweißem Ball vorbei kam und in eine Trompete blies.
Teil 41
Langsam öffnete ich meine Augen. Das Kreischen von Möwen umspielte meine Ohren. Mit den Händen fühlte ich den Boden. Vorsichtig richtete ich meinen Oberkörper auf. Meine Blicke sondierten langsam die Umgebung. Ich saß auf einem Stein. Unweit erkannte ich ein großes Loch im weißen Sand. Es kam mir verdächtig bekannt vor. Ich überlegte, woher ich diese Umgebung kannte. Als es mir dämmerte bekam ich Kopfschmerzen. Das konnte alles nicht wahr sein. Vorsichtig drehte ich mich um. Eine Wand aus Palmen und Büschen ragte dort auf. Um noch sicherer zu gehen, dass ich nicht nur einen bösen Traum hatte, kniff ich mir in den Oberarm. Es tat weh, also träumte ich wohl nicht. Dieselbe Insel, auf der wir schon einmal gestrandet waren. Ich schrie vor lauter Fassungslosigkeit. „Hey! Unser Dornröschen ist erwacht!“ ich drehte mich nach rechts und traute meinen Augen kaum. Noch einmal dachte ich daran, dass alles nur ein schlechter Traum sein könnte, als die Anderen in Baströcken und Blumenketten den Strand hinauf liefen. Mephissto hielt dabei einen bunt gestreiften Ball unter dem Arm geklemmt. „Wieso tragt ihr Röcke?“ fragte ich entsetzt. Selbst Voo´doo hatte einen Bastrock an und eine Blume an einem Horn aufgespießt. Es sah lächerlich aus. „Nun, Mephissto meinte, dass sieht authentischer aus, solange wir hier gestrandet sind, hihi.“ antwortete mir Seldig. Er trug einen Blumenkranz auf dem Kopf und wirkte damit, wie ein zu klein geratener Kannibale, der unscheinbar aussehen wollte. Thippel trat von hinten an mich heran und hing mir Blumen um den Hals. „Und wie sind wir hierher gekommen?“ „Äh, der Kapitän ist, ähm, irgendwann wieder, huh, zu sich gekommen und, äh, war sehr aufgebracht als er, ähm, das Chaos sah. Vor allem war er, hm, wütend, dass wir, ähm, seine Filzdistel geraucht, huh, haben und dass Thippel sie zu, äh, Tee verarbeitet hat.“ „Wir konnten uns schlecht wehren. Ein wütender alter Mann ist schlimmer als eine aufgebrachte Herde Elekks.“ rechtfertigte sich Adrian. „Er hat uns dann hier ausgesetzt und ist wütend davon geschippert.“ gab Mephissto seinen Senf dazu. Ich starrte die vor mir stehenden Gestalten fassungslos an. Eine schier ewig andauernde Stille folgte. „Hey, du nicht wollen ein wenig Ball spielen mit uns? Wir ihn getauft haben auf Willson. Was du halten davon? Man aufblasen können Willson.“ warf Von´rajas ein, um die Stille zu brechen. „Willson …“ wiederholte ich langsam. „Ich denke nicht. Ich will lieber wissen, was passiert ist. Irgendwie war Thippels Tee nicht ganz gut.“ die letzten Worte sprach ich mit einer besonderen Schärfe aus. Thippel winkte mir unschuldig und rückte seinen Bastrock zurecht. „Willst du wirklich alles genau wissen?“ fragte Mephissto skeptisch. Ich nickte vorsichtig. Der Schurke ging zu seinen Sachen und kramte nach etwas. „Autsch! Verdammter Dolch!“ er steckte sich einen blutenden Finger in den Mund und kramte mit der freien Hand weiter. Wortlos reichte er mir einige Zettel. „Sind gut geworden die Bilder, meinst du nicht auch?“ fragte Adrian grinsend. In den Grundfesten meiner Selbst erschüttert schaute ich auf die Bilder. Während ich mir die Restlichen ansah, blitzte es. Mephissto reichte mir einen weiteren Zettel. Es zeigte sich nur Gräue, bis langsam andere Farben hinzu kamen und meinen entsetzten Gesichtsausdruck bildeten wie ich auf die Abbildungen schaute. „Hab ich das wirklich gemacht?“ ich blinzelte. „Ja, hast du.“ „Ich muss wirklich ziemlich benebelt gewesen sein.“ meinte ich während ich weiter durch den Stapel blätterte. „Ach, komm schon. Das hättest du sicher auch im nüchternen Zustand getan. Gib es doch zu.“ „Nicht mit dir, Adrian.“ antwortete ich knapp. „Oh bei Elune! Was macht Thippel da mit Von´rajas?!“ „Er mich haben benutzt als Schal und dann er haben ein Schild gehalten. … Was da nochmal drauf standen, Thippel?“ „Schuhu, Schuhu.“ „Genau.“ der Wolf nickte wissend. Immer noch entgeistert sah ich den Schamanen an und blätterte weiter. „Sieht ein wenig schmerzhaft aus. Und wieso hängt Seldig geknebelt in den Seilen?“ „Ich wollte eine Anekdote über Magie erzählen, hihi.“ „Ahja. Was Adrian und Blackcypher da treiben frage ich besser erst gar nicht.“ der Hexer wurde rot. „Er, äh, hatte angefangen.“ „Stimmt nicht!“ „Stimmt ja wohl! … Moment. Er, ähm, hat das, huh, wie heißt das?“ „Fotografiert.“ sagte der Nachtelf und fast gleichzeitig stürzten sich der Hexer und der Krieger auf ihn. Sesharrim kam den Strand entlang getaumelt. Der Säbler sah nicht gut aus und auch dicker als sonst. Er legte den Kopf auf meinen Schoß und ließ den Rest des Körpers zusammen sacken. Mit müden Augen schaute er mich an. Ich kraulte ihn am Kopf nachdem ich die Bilder weggelegt hatte. Scheinbar hatte sich der Säbler am Fisch überf.ressen. Seldig baute inzwischen eine Sandburg. Er sang dabei ein Lied über Manasteine. Seufzend blickte ich zum Horizont. „Adrian?“ die Drei brachen ihre kleine Schlägerei ab und schauten mich an. „Yava?“ „Das ist doch dieselbe Insel, auf der wir schon einmal gestrandet waren, oder?“ „Ja, schon. Wieso?“ auch der Troll konnte diese Tatsache bestätigen. „Dann sag mir doch, warum wir das letzte Mal das Land, was ich da vorn sehen kann, nicht gesehen haben und in die andere Richtung mit dem Floß gefahren sind.“ die Anwesenden schwiegen als auch sie zum Horizont schauten. Flach ansteigendes Land war dort in Sicht. Als immer noch kein Kommentar zu hören war, seufzte ich erneut. Ich wollte wieder von dieser Insel weg. Einmal hier gestrandet zu sein, reichte für ein ganzes Leben. Erst recht mit einem Haufen Männern – wenn man den Rest der Gruppe als Männer bezeichnen konnte. Kurze Zeit später saßen Mephissto und Adrian mit hochroten Köpfen im Sand und pusteten zwei Gummiboote auf. Seldig drückte mir ein Einmachglas aus dem Gepäck des Kriegers in die Hand. „Was ist das?“ „Schau hinein, hihi.“ in dem Glas lag ein an Blättern kauender Blinky und ein Darus in Miniaturformat versuchte mit dem Kopf voran dem Glas zu entkommen. „Aber … Wie?“ „Gnomenschrumpfstrahl, hihi.“ er präsentierte mir eine Vorrichtung, die wie ein kleines Gewehr aussah. „Ich habe extra Luftlöcher in den Deckel gebohrt, schau.“ kommentarlos akzeptierte ich den Umstand. Gnomische Erfindungen waren für mich ein Buch mit sieben Siegeln, das ich nie öffnen sollte. Blackcypher baute währenddessen mit Hugo an Seldigs Sandburg weiter. Sie war bereits ungefähr zwei Meter hoch und der Erste Burgturm hatte bereits Fenster, Balkone und andere Dekorationen. Thippel steckte Muscheln an die Sandburg. Eine halbe Stunde später schwammen die zwei Gummiboote im Wasser. Der Krieger und der Schurke lagen am Strand und rangen nach Luft. Thippel hockte daneben und piekste die Beiden mit einem Stock. Nach einigen Minuten wurden Adrian und Mephissto von Hugo in eins der Boote getragen. Immer noch nach Luft ringend hingen beide über den Rand des Bootes. Der Dämon nahm im vorderen Boot platz, das unter seinem Gewicht fast unterging. Er bekam zwei Paddel und ohne zu zögern pflügte er damit durch das blaue Wasser. Das hintere Boot wurde von uns besetzt. Thippel trieb auf seiner schwimmenden Insel neben uns her. Aus seinem schwarzen Kasten kam wieder Musik. Die kleine Gummiboot-Karawane kam schnell voran. Schon bald erreichten wir den erhofften Strand. Hugo fand gefallen an dem Paddeln und war sehr traurig, als er auf Grund lief. Der Sand an diesem Ufer war rot und Kakteen wuchsen an einigen Stellen. Unweit unseres Landeplatzes stand ein Wachturm. Eine Fahne wehte im Wind und zeigte das Wappen der Horde. Unterhalb lag ein kleines Lager. Von diesem ging eine Staubwolke aus, die sich uns rasch näherte. Ein bellendes Geräusch ließ die Vermutung zu, dass sich Wölfe näherten. Meine Vorahnung bestätigte sich als sich Speerspitzen auf uns richteten. Am Ende eben dieser Speere saßen ein Orcs auf Reitwölfen. Ihre finsteren Mienen ließen nichts Gutes hoffen.
Teil 42
Die Speerspitzen näherten sich unseren Gesichtern. Die Wölfe knurrten bedrohlich und ein Exemplar mit glasigen Augen und hängenden Ohren sabberte Seldig auf die Schulter. „Hey. Pscht …“ machte Mephissto. Er erhielt sofort die Aufmerksamkeit der Speere. „Habt ihr vielleicht Interesse an einer Uhr?“ er holte eine goldene Armbanduhr hervor und hielt sie den Orcs vor die Nasen. Die Gesichter der Reiter verfinsterten sich und der Schurke überlegte kurz. „Ich hätte da auch noch eine schöne Kuckucksuhr aus Dun Morogh…“ der Schurke kramte in seinem Rucksack und holte ein ziemlich mitgenommenes Exemplar einer Uhr hervor. Wie auf Kommando sprang ein kleiner Holzvogel aus einem Türchen und verkündete lautlos, dass es Mittagszeit war. Die Orcs schienen wenig begeistert zu sein. Hinter mir trat Hugo die ganze Zeit über auf der Stelle und schien einen starken Drang unterdrücken zu wollen. Schließlich gab der Dämon dem Drang nach. Er griff nach einem der Speere und zog heftig daran. Der Orc am anderen Ende hing sehr an seiner Waffe und ließ nicht los. Er landete im roten Staub. Hugo hob ihn auf, klemmte ihn unter seinen Arm und rieb mit der Faust kräftig über den kahlen grünen Schädel. Die anderen Orcs wichen bei dem Anblick ihres zappelnden Kameraden zurück. Der Dämon ließ seine Beute wieder fallen, die nach dem Aufprall einen Zahn ausspuckte. Ein weiteres Mal wich der Rest zurück als Hugo freudig mit einem Huf aufstampfte und Staub wirbelte. Dann widmete er sich dem herrenlosen Reitwolf, tätschelte ihm kurz den Kopf und griff nach dem nächsten Speer. Ein anderer Orc trat den Rückzug zum nahen Lager an. Ich rechnete damit, dass er Hilfe holen würde. Mittlerweile lagen drei der Orcs im Staub und klagten über Schmerzen. Adrian fluchte inzwischen ebenfalls herzhaft, da er Hugo nur zu gern unterstützt hätte. Allerdings hatte Seldig nicht nur Blinky und Darus geschrumpft, sondern auch Adrians sämtliches Gepäck und Ausrüstung. Blackcypher versuchte Hugo ein wenig zu zügeln, was im deutlich misslang. Der Orc auf dem sabbernden Reitwolf wurde von Hugo verschont. Er zeigte großes Interesse an Mephisstos Kuckucksuhr und ignorierte die Rangelei, während er mit dem Schurken feilschte. Thippel war schon wieder spurlos verschwunden. Seldig, Von´rajas und ich saßen auf den Boden und spielten mit einigen Ästen Mikado. Gerade als ich am gewinnen war erschien eine neue Staubwolke nahe dem Lager. Wir waren uns in Sekundenschnelle einig, dass es Zeit war zu gehen und stürzten uns gleichzeitig auf Hugo, um auch ihn von dieser Tatsache zu überzeugen. Schließlich gelang uns das mit Hilfe seines Ballspiels und eines Bestechungskekses. Der Dämon verpasste dem letzten noch stehen den Orc eine Kopfnuss und stapfte dann hinter uns her. Die Wölfe ließen sich von uns nicht reiten und Darus und Blinky waren immer noch geschrumpft, also blieb uns nur die Flucht zu Fuß. Die neuen Angreifer kamen schnell näher. Als die Orcs in Reichweite waren zückten sie ihre Kurzbögen. Pfeile regneten auf uns herab. Es war unser Glück, dass die Orcs auf den wackelnden Rücken der Wölfe nicht gut zielen konnten und uns verfehlten. Ohne mich umzudrehen rannte ich weiter. Erst als ich einen Schrei hörte blickte ich zurück. Meine Augen weiteten sich als ich sah, wie Blackcypher zu Boden sank und reglos im Staub liegen blieb. Ich blieb fassungslos stehen. Auch die Anderen konnten nicht wirklich realisieren was gerade geschehen war. Als ich auf die Knie sank und immer noch den leblosen Körper des Hexers anstarrte umzingelten uns die Orcs. Sie richteten ihre Waffen auf uns, insbesondere auf Hugo, der reglos da stand und nicht recht wusste, was er nun tun sollte. Einer der Grünhäute stieg ab und stupste die Leiche mit dem Fuß an. Ein humorloses Lächeln lag dabei auf seinen Lippen. Er wandte sich von dem Hexer ab und trat auf uns zu. Mit einer Hand hielt ich mir den Mund zu, um nicht laut schluchzen zu müssen, während Tränen über meine Wangen glitten. Der Orc wandte sich grinsend uns zu und richtete seine Waffe auf uns. Er setzte zu einem Satz an, wurde aber unterbrochen von einem Geräusch. Es klang wie ein Husten hinter ihm. Sein Gesichtsausdruck veränderte sich schlagartig als er sich umdrehte. Entgeistert starrten auch wir in diese Richtung. Blackcypher stand auf einmal ziemlich lebendig vor uns und klopfte sich hustend den roten Staub von der Robe. „Du ...“ begann der Orc und unterbrach sich kurz. „Aber … Wie kann das sein? … Du warst tot!“ der Hexer starrte ihn ungläubig an. „Wie? Ich, ähm, bin doch, hm, nur gestolpert.“ stellte der Hexer fest. „Aber … Aber … In deinem Rücken stecken drei Pfeile! … Du musst tot sein!“ stotterte der zernarbte Orc. „Ach so?“ skeptisch versuchte sich der Hexer zu verrenken. Schließlich gab er auf. „Stecken da, huh, wirklich drei, äh, Pfeile drin?“ wir nickten ihm sprachlos zu. Er zuckte mit den Schultern. „Dann bin ich, hm, wohl wirklich, äh, tot. … Aber irgendwie, ähm, hatte ich mir, äh, das anders vorgestellt.“ Blackcypher stockte kurz und schien angestrengt zu überlegen. „Moment, ich, äh, hab da doch, ähm, etwas für solche Fälle.“ alle Anwesenden starrten gespannt auf den Hexer als er begann in seinen Taschen zu wühlen. Triumphierend hielt er uns schließlich eine kleine lila Kugel entgegen. „Das nennt man, äh, Seelenstein. Damit, huh, kann ich wieder, äh, leben, ja.“ er präsentierte mit gestreckter Hand die kleine Kugel. Sesharrim verstand diese Geste falsch und schnappte nach seinem Arm. Die Hand des Hexers, samt dem Stein verschwand im Maul des Säblers. Verwundert stellte der Hexer fest, dass er keine Schmerzen spürte und zog seine Hand aus dem Maul. Allerdings vergaß er dabei seinen Stein, den der Frostsäbler freudig schluckte. „Du blödes, äh, Mistvieh!“ schrie der Hexer los. „Was hast du, äh, nur getan?! Das war mein, äh, letzter! Weißt du eigentlich, huh, wie viel, äh, Arbeit in so einem, ähm, Ding steckt?! … Oh mein Gott! Jetzt, äh, muss ich Untot, ähm, bleiben!“ „Mach dir doch einen Neuen.“ warf Mephissto ein. „Neuen? Neuen?! Das ist, äh, nicht so einfach! …“ „Genug!“ schrie ein Orc. Der Hexer zuckte zusammen. „Das könnt ihr woanders noch ausführlich besprechen.“ meinte er weiter mit einem Grinsen im Gesicht. Eine halbe Stunde später saßen wir im Gefängnis von Orgrimmar. Meiphissto saß auf einer Pritsche. Die Wand neben ihm wurde bereits von fünf Strichen geziert und er setzte zu einem sechsten an. Den nun Untote Hexenmeister lief in der Zelle nebenan Kreise und jammerte, von wegen untot sein sei so schön und anderen Dingen. Hugo spielte gemütlich mit seinem Ball an der Schnur und schien glücklich zu sein, dass sein Meister Leben zeigte, wenn auch untotes Leben. In der Zelle gegenüber wurde währenddessen Seldig von Adrian gewürgt, weil der Magier die Ausrüstung von dem Krieger mit geschrumpft hatte. Der Krieger gab dem Gnom an allem die Schuld. Neben meiner Zelle krachte es, als der Trollschamane gegen die Gitter sprang. „Ich kein Draenei bin! Ihr mich jetzt rauslassen!“ schrie er immer wieder, wenn er gegen die Gitter sprang. Die zwei Gefängniswächter amüsierten sich dabei köstlich. In den Zellen waren kleine Fenster eingelassen, die ein wenig Sonne in die feuchte Dunkelheiten ließen. Ein weiterer Strich wurde von Mephissto an die Wand gekritzelt als ein Schatten das spärliche Licht bedeckte. Der Schatten gehörte zu einem ziemlich großen Tier, das trotzig brüllte. Neugierig schaute ich aus dem Fenster. Das Wesen kam mir sehr bekannt vor. Ein Halsband baumelte um seinen Hals und verkündete der Welt, dass der lebende Frostwyrm Fluffy hieß. Der Untote, der neben ihm stand und den Drachen an einer Leine hielt, kam mir ebenso bekannt vor, wie die helle Stimme, die uns alle hellhörig werden ließ.
Teil 43
Ich drehte mich um als es hinter mir klirrte. Die beiden Wächter hatten das Glas, indem sich Blinky und Darus befanden, auf ihren Holztisch gestellt. Sie hatten Freude daran immer wieder dagegen zu klopfen. Nun zerbrach das Gefäß als die Schrumpfwirkung nachließ. Die Pferde wuchsen zu ihrer vollen Größe an und brachten den Tisch zum bersten. Einer der Orcs wurde unter Blinky begraben, der Andere war geistesgegenwärtig genug um zurück zu weichen. In dem engen Gang und durch das Geschrei der beiden Orcs wurde Darus schnell nervös, trat aus und wieherte laut. Ein weiterer Orc betrat den Zellentrakt durch eine Holztür um nach dem Rechten zu sehen. Er wurde umgerannt als der Hengst sofort seine Chance nutzte um der Enge zu entgehen. Blinky folgte im gemütlichen Trapp. Die Drei Orcs fluchten. Als sie sich beruhigten wurde der Schaden begutachtet. Neben einem gebrochenen Arm, einer ziemlich hässlichen Platzwunde und verlorenen Zähnen war noch der zerbrochene Tisch zu erwähnen, an dem die Drei scheinbar gerne saßen und Karten spielten oder geschrumpfte Pferde in einem Einmachglas quälten.
In der Gefängniszelle gegenüber krachte es. Die Gitter wurden aus der Wand gerissen und Steine lösten sich aus den Wänden, die zwei der Orcs unter sich begruben. Seldigs Händen war wieder ein ungewollter Zauber entglitten. Als der Staub sich legte lief ein kleines Schaf auf dem Boden hin und her. Der Gnomenmagier hustete kurz und putzte sich Staub von der Robe. Er räusperte sich kurz als er bemerkte, dass der letzte Orc ihn mit offenem Mund beobachtete. Seldig sammelte schnell das kleine Schaf ein, winkte dem Wächter zu und kletterte über den Schutthaufen nach draußen. Verwirrt schaute ihm der Orc hinterher, bis er wieder zu Sinnen kam und die Verfolgung aufnahm. Von draußen drang ein heftiges Stimmgewirr in den Zellentrakt. Unsere Zellen blieben in ihrem ursprünglichen Zustand, was sehr zu bedauern war. Neben mir malte Mephissto einen weiteren Stich an die Wand.
„Ich wusste doch, dass ich den Gnom schon einmal gesehen habe.“ erklang eine helle Stimme im Gang. Die neueste Schuhmode klackerte über den Boden als sich ein bekanntes Gesicht näherte. „Huch? Seit wann bist du denn tot?“ fragte die Nachtelfe und blieb vor Blackcyphers Zelle stehen.
„Mephissto? Wie viele, ähm, Striche hast du, äh, an der Wand?“
„Siebzehn.“ der Hexer überlegte kurz.
„Seit ungefähr, äh, einer Stunde und zwanzig Minuten, ähm, bin ich tot. Kann man das, huh, schon sehen?!“
„Du bist ein wenig blass um die Nase.“ antwortete Charmi und der Hexer nickte enttäuscht. Es folgte eine kurze Pause, bis die Nachtelfe das Wort an mich erhob. „Wie dem auch sei. Was treibt denn eine kleine hübsche Nachtelfe an einen Ort wie Orgrimmar?“
„Im Gefängnis sitzen.“ antwortete ich knapp. Mephissto stupste mich an.
„Kleine hübsche Nachtelfe?! Die meint doch nicht etwa dich?“ der Spott in den Worten war kaum zu überhören.
„Dich wird sie sicherlich nicht meinen!“ entgegnete ich ihm scharf. Charmi faltete die Hände und beobachtete uns, wie wir danach trachteten uns an die Kehlen zu gehen. Schimpfworte flogen durch die Luft.
„Wie süß.“ sagte sie voller entzücken, dass einem schlecht werden konnte. Es brachte uns dazu sofort still zu werden. Um dennoch das letzte Wort zu haben, boxte ich den Schurken noch einmal gegen die Schulter. Entsetzt starrte er mich an und hielt sich die entsprechende Stelle. Ich räusperte mich, dann setzte ich mein bestes Lächeln auf.
„Du kannst uns nicht zufällig hier rausholen, oder? Bitte, bitte.“ ich klimperte noch ein wenig mit den Augen und irgendwie kam ich mir dabei ziemlich dumm vor – aber was tat man nicht alles …
„Für wen hältst du mich? Ich bin Charmi, die Schreckliche! Natürlich kann ich.“ sie lächelte triumphierend. „Und, hoppla, was haben wir denn hier?“ die zog einen Schlüsselbund aus ihrer Handtasche hervor. „Diese hier habe ich gefunden. Ich finde, die sehen so aus, als könnten sie in diese Schlösser passen. Was meint ihr?“ sie hielt mir den Schlüsselbund entgegen. Als ich danach greifen wollte zog sie ihn zurück. „Tztztz, so einfach ist das nicht. Was bekomm ich denn dafür, dass ich euch hier raus lasse?“ fragend schaute ich sie an.
„Eine, äh, Hand voll, ähm, Kekse könnte ich, huh, anbieten.“ meldete sich der Hexer zu Wort. Charmi lehnte dieses Angebot allerdings dankend ab.
„Nein, ich möchte etwas anderes.“ sie überlegte kurz. „Wie wäre es mit einem Küsschen und einem gemeinsamen Abendessen bei Kerzenschein?“ sie zwinkerte mir allerliebst zu, dass mir ein eiskalter Schauer über den Rücken lief.
„Nein!“ schrie ich ihr entsetzt entgegen.
„Nun, wenn das so ist …“
„Oh bitte, darf ich? Darf ich?“ Mephissto sprang aufgeregt in der Zelle auf und ab.
„Ich habe nicht mit dir geredet.“ wandte sich Charmi an den Schurken. „Willst du es dir nicht noch einmal überlegen?“ die großen feuchten Augen, die mir entgegen schauten waren unerträglich. Die Nachtelfe würde nicht eher locker lassen, bis sie hatte was sie wollte.
„Was ist mit Kitane?“ fragte ich, in der Hoffnung mich aus der Affäre ziehen zu können.
„Wenn du unbedingt möchtest, können wir auch zu dritt essen gehen und dann noch andere Dinge tun.“ bei den letzten Worten kicherte die Nachtelfe verschwörerisch. Zwei Gedanken schossen mir in den Kopf: Hätte ich doch nur nichts gesagt! und: Womit hab ich das nur verdient?! Seufzend schüttelte ich den Kopf.
„Uh! Uh! Darf ich? Bitte! Bitte!“ Mephissto sprang immer aufgeregte auf der Pritsche auf und ab. Er erntete einen abwertenden Blick und verstummte. Seine Augen wurden feucht und er begann zu schluchzen.
„Das funktioniert bei mir nicht.“ sagte Charmi knapp.
„Mist …“ zischte der Nachtelf hinter mir.
„Nun?“ wendete sich Charmi an mich und klimperte mit den Schlüsseln.
„Muss das denn sein?“ fragte ich verzweifelt. Ein kurzes nicken war Antwort genug. Ich seufzte ein weiteres Mal. „Na schön, aber ich darf bestimmen, wo wir essen gehen.“ damit war Charmi vorerst zufrieden und schloss die Zellentüren auf.
Schnell bewegten wir uns Richtung Ausgang. Doch noch bevor ich ihn erreichen konnte, zog mich eine Hand zurück.
„Hast du nicht was vergessen?“ fragte mich Charmi und spitzte auffordernd die Lippen. Ich schauderte und wich mit meinem Kopf zurück. Ein Auge kniff ich zusammen und verzog mein Gesicht, aber Charmi ließ nicht locker. Sie zog ruckartig an meinem Arm, dass ich den Widerstand nicht halten konnte. Mit der freien Hand griff sie an meinen Hinterkopf und drückte mich zu ihr. Im Augenwinkel erkannte ich nur noch einen hellen Blitz als die Nachtelfe mich küsste. Hastig drückte ich sie von mir und eilte davon. Der Kuss war schon schlimm genug, aber schlimmer war die Tatsache, dass Mephissto davon ein Foto machen musste. Er würde dafür sorgen, dass ich diesen Moment mein Leben lang nicht vergessen würde. Ich malte mir sogar ein Bild im Kopf, wie er mich nach dem Tod noch mit diesem Foto verfolgen würde.
Teil 44
Draußen sorgten ein flüchtiger Gnom und ein Schaf, die jederzeit explodieren könnten für regen Aufruhr. Dadurch hatten wir es nicht schwer durch die Straßen Orgrimmars zu laufen. Keiner schenkte uns Beachtung. Blackcypher quiekte plötzlich auf. Erschrocken stierte ich ihn an und dann in die Richtung, in die er zeigte.
„Sowas, äh, wollte ich schon, huh, immer mal haben!“
„Was? Einen Troll? Aber so etwas haben wir doch schon.“ meinte Mephissto, der ebenfalls in die Richtung schaute. Ein Troll lehnte dort an einem Gatter. Seine nach oben stehenden roten Haare leuchteten auffallend. Dieser Troll war dank seiner Haarfarbe nur schwer zu übersehen. Nun lief, nein schlurfte, der Hexer auf ihn zu. Zögernd folgten wir. Der Troll betrachtete den Untoten und uns, zuckte aber dann mit den Schultern.
„Der, äh, wie heißt, ähm, die Farbe? Oliv? Ja, äh, ich glaube so. Wie viel kostet, ähm, der?“ der Troll schaute das entsprechende Tier an.
„Zweihundert Gold.“
„Was?! Soviel?!“ der Troll nickte nur. Der Hexer kramte in seiner Robe und holte einige Goldmünzen hervor, die er mit traurigem Blick auf seiner Handfläche hin und her schob. Eine panische Orcin lief an uns vorbei. „Wie wäre es, äh, mit zwanzig Gold?“ setzte der Hexenmeister an, aber der Troll schüttelte nur den Kopf. Hinter uns hatte Hugo wieder die Beherrschung verloren und prügelte fröhlich auf vorbei rennende Orcs und Trolle ein. Währenddessen schaute uns Blackcypher wehleidig an und bettelte um hundertachtzig Gold.
„Es ist jetzt nicht gerade der Richtige Zeitpunkt einen Raptor zu kaufen.“ meinte ich nur und versuchte den Blicken stand zu halten. Hugo schmiss mittlerweile mit Steinen um sich. Einer traf den Verhandlungspartner am Kopf und er ging sofort zu Boden. Der Hexer nutzte seine Chance und kletterte über das Gatter, nachdem er dem bewusstlosen Troll seine zwanzig Gold in eine Tasche gesteckt hatte. Das Tier seiner Wahl schaute ihn skeptisch an als der Untote mit einem Keks in der Hand durch das Gehege stakste. Der Raptor schnüffelte kurz an dem Keks und biss dem Hexer dann den kompletten Arm mit ab.
„Hey! Das, äh, ist aber mein, ähm, Arm! Böser Fritz!“ er versuchte seinen Arm wieder zu bekommen, was ihm nach einigen Sekunden gelang. Dem Tier schmeckte scheinbar untotes Fleisch nicht. Den verlorenen Arm klemmte sich der Hexer unter den anderen Arm und stieg auf. Erst protestierte der Raptor lautstark, benahm sich dann aber und der Hexer stürmte samt Raptor davon.
„Und was sein mit uns nun? Wir wieder müssen laufen.“ der Wolf ließ die Ohren hängen und trippelte davon. Sesharrim hüpfte ihm fröhlich hinterher.
Hinter uns explodierte eine Wand und aus dem Rauch sprang eine kleine Gestalt hervor, die ein blökendes Schaf in dem Armen hielt. Ihm folgten einige bewaffnete Orcs als er panisch an mir vorbei stürmte in Richtung Stadttore. Im Vorbeieilen grüßte mich Seldig kurz, konzentrierte sich dann aber wieder auf die Straße. Gemütlich folgte ich ihm. Über uns zog Fluffy weite Kreise. Auf dem Weg aus der Stadt heraus entdeckte ich eine Traube aus Orcs, die etwas ziemlich faszinierend fanden und das Chaos nur beiläufig wahrnahmen. Neugierig drängelte ich mich an einigen Orcs vorbei, bis ich Musik und andere bekannte Geräusche hören konnte. Ein Hut lag auf dem Boden, er enthielt einige Münzen, dahinter stand ein kleiner schwarzer Kasten, der für die Musik verantwortlich war. Ein mir ziemlich bekanntes graues Geschöpf stand auf einem Stein und tanzte fröhlich.
„Schuhu!“ machte Thippel und winkte mir, als er mich entdeckte, tanzte dann aber weiter.
„Tanz mal den Macarena!“ rief ein Orc dazwischen. Thippel nickte und beugte sich zu dem schwarzen Kasten, die Musik wechselte und das graue Wesen begann fröhlich die Hüften zu schwingen und mit den Armen zu wackeln. Einige Orcs kannten den Tanz scheinbar und wackelten mit. Weitere Münzen flogen in den Hut. Mir fiel der Abend in Lohenscheit wieder ein und schnell zog ich mich zurück um nicht noch einmal Thippels Opfer zu werden. Ich lief kurzerhand weiter zum Stadtausgang. Einige Orckrieger auf Reitwölfen stürmten an mir vorbei und schrieben immer wieder „Wo ist der blöde Gnom?!“
Am Stadtrand warteten bereits Blackcypher, Von´rajas und Sesharrim. Hugo saß an einem Stein und schmollte. Sein letztes Opfer klemmte unter seinem Arm und stellte sich tot. Nicht weit entfernt hatte es sich Blinky unter einer Schirmakazie gemütlich gemacht. Darus war sicher auch nicht weit.
„Wo ist Mephissto?“ fragte ich in die Runde. Alle zuckten mit den Schultern. Wie auf Befehl traf nun auch Mephissto ein. „Was ist denn das?!“ schoss es mir aus dem Mund.
„Ein Raptor.“ antwortete er. „Damit ich nicht immer laufen oder mir mit dir dein Pferd teilen muss.“
„Aber er sein pink!“ warf der Geisterwolf ein.
„Schwarz war leider ausverkauft.“ damit war das Thema für den Schurken erledigt. Nach einigen Minuten rannte ein Schaf zum Stadttor hinaus und auf uns zu.
„Mäh! Mäh! Möh! MÄH!“ aufgeregt sprang es auf und ab.
„Irgendwas er wollen uns sagen, ich nur nicht verstehen was.“ sagte der Wolf. Mephissto gab dem Schaf einen Tritt. Mit dem allzu bekannten Plop! erschien Adrian wieder, der sofort wütend seine Hände um Mephisstos Hals schlang und ihn schüttelte. Wäre der Krieger nicht kleiner gewesen als der Nachtelf hätte er ihn sicher auch in die Luft gehoben und noch ganz andere Dinge mit ihm getan. Ich tippte dem Krieger auf die Schulter.
„Was wolltest du uns gerade mitteilen?“ fragte ich ihn.
„Achso, ja, das war …Ahja, die verdammten Orcs haben den verdammten Gnom. Ja, das war es, glaube ich.“
„Glaubst du, ähm, oder weißt du?“ der Krieger schielte ihn kurz an und schaute aber dann auf den pinken Raptor. Ein Lachanfall war die Folge. Ich versuchte ihn wieder zu beruhigen.
Kurz darauf standen wir wieder in Orgrimmar – Hugo wurde zur Sicherheit vor der Stadt zurück gelassen. Eine wütende Menge hatte sich vor dem „Orgrimmar 3, 2, 1 Auktionshaus“ eingefunden. Scheinbar wollten sie Seldig an den Meistbietenden verkaufen, damit er dann sonst etwas mit ihm machen konnte. Er steckte in einem kleinen Käfig zwischen zwei Hühnern, die vor sich hin gackerten. Vorher wurden noch einige Restposten günstig versteigert um die Stimmung ein wenig zu heben. Thippel bot fleißig mit und gehörte zu den Höchstbietenden. Wir setzten uns hinter einigen Kisten in den staubig roten Boden.
„Also, was machen wir?“ fragte ich in die Runde. „Mitbieten wird wohl schlecht gehen. Ich kann mir besseres vorstellen, als einen Gnom zu ersteigern.“
„Ich, äh, weiß was.“ meinte der Hexenmeister und stand auf. Er nahm seinen Arm und lief ein Stück in die Menge. Über die Köpfe hinweg sah ich ein herrenloses Gliedmaß fliegen, das einen Troll am Kopf traf. Er drehte sich wütend schauend zu Blackcypher um. Sofort fiel dieser auf die Knie.
„Oh, mein, äh, Gott! Seht nur, ähm, ich habe meinen, äh, Arm verloren!“ er versuchte zu schluchzen. Jedoch blieb die erhoffte Aufmerksamkeit aus. Nur ein Untoter schenkte ihm etwas Beachtung und reichte ihm eine Tube.
„Hier, Kumpel, das Hilft. Nehm’ ich auch immer, wenn ich was verliere.“ er versuchte zu lächeln, was ihm wegen eines Lochs in der Wange nur noch abstoßender aussehen ließ. Aufmunternd klopfte er dem Hexer auf die Schulter und reichte ihm den herrenlosen Arm. Blackcypher las die Aufschrift der Tube als er zu uns zurück kehrte. Kleine Bildchen erklärten die Gebrauchsweise.
„Johnnys Superkleber – hält einfach alles.“ las der Hexenmeister vor. Während er und Mephissto versuchten den Arm wieder an seinen rechtmäßigen Platz zu befestigen, überlegten Adrian, Von´rajas und ich uns einen neuen Plan. Voo´doo saß auf einer Kiste und wurde von einem kleinen Trolljungen mit Zwieback gefüttert. Genüsslich knusperte der kleine grüne Drache an seinem Leckerli und ließ sich von dem Troll tätscheln.
„Wie wär’s, wenn Yava nackt tanzen würde?“ schlug Adrian vor.
„Oh, das würde mir gefallen!“ sagte eine Stimme hinter mir, die zu einer gewissen Nachtelfe gehörte - Ich fragte mich, wie sie sich nur anschleichen konnte. Scheinbar war sie mit Thippel verwandt.
„Mir aber nicht!“ warf ich schnell ein. „Wie wäre es, wenn Adrian seine Wölkchennummer vorführt und auf einem Ball balanciert?“ böse Blicke flogen mir entgegen.
„Ich können vorführen Kunststücke! Sprechende Hunde es nicht geben so oft!“ der Troll sprang aufgeregt auf und ab.
„Ach, und du meinst, dass das bei mehreren Schamanen, die unter den Anwesenden sind, nicht auffällt?“ Adrian hob eine Augenbraue skeptisch. Der Wolf ließ seine Ohren hängen und legte sich murrend hin. Ich rollte mit den Augen.
„Dann also die Nummer mit der kranken Katze.“ Sesharrim verstand sofort und trippelte los. In dieser Übung war der Säbler ein Meister. Er bahnte sich einen Weg durch die Leute, bis er einen geeigneten Platz gefunden hatte. Dort legte er sich auf den Rücken und begann laut zu jammern. Er streckte seine Beine von sich, hob sie flehend nach oben und maunzte dabei herzzerreißend. Die ersten Köpfe drehten sich zu ihm.
„Der Kater ist ein guter Schauspieler!“ stellte Adrian fest.
„Ja, ich falle auch manchmal darauf herein.“ das jammern wurde immer wehleidiger.
„Das arme Kätzchen!“ rief eine junge Trollin, die sich neben den Säbler gehockt hatte und ihm die Pfote hielt. Ihr eigener, noch junger Säbler, stand fragend neben ihr.
„Lasst mich durch! Ich bin Tierarzt!“ ein Orc mit weißer Kleidung schob sich durch die interessierte Menge. Nun hatte Sesharrim die Aufmerksamkeit aller Anwesenden. Thippel huschte um den Säbler und piekste ihn prüfend mit
seinem Stab, schüttelte dann den Kopf und drückte seine Pfoten vor die Augen.
Er hatte scheinbar den Frostsäbler für tot erklärt und trauerte nun um ihn.
Während Sesharrim ein ernstes Sterbeszenario vorführte, schlichen wir um die abgelenkte Menge. Aus Zeitgründen versuchte keiner das Schloss des Käfigs zu knacken. Stattdessen nahmen wir den gesamten Käfig mit dem Gnom und den Hühnern mit. Sesharrim kannte das Prozedere aus früheren Situationen und wusste, wann er lossprinten konnte. Gerade als wir uns davon schlichen wurde er von dem Tierarzt untersucht. Der Orc wollte seinen Kopf in einen Schraubstock spannen. Das war für den Säbler zu fiel des Guten und seine Lebensenergien kehrten plötzlich zurück. Ein Stück von der Stadt entfernt stieß Sesharrim wieder zu uns. Mephissto befreite Seldig mit einem Dietrich aus seinem Gefängnis. Die Hühner blieben gelassen sitzen und gackerten weiter vor sich hin. Adrian beschloss die zwei als Suppenhuhnvorrat mitzunehmen. Nach einigen Minuten kehrten wir Orgrimmar nun ganz den Rücken und zogen weiter Richtung Westen. Zumindest wollten wir das, aber ein landender Frostwyrm versperrte uns den Weg.
„Hast du nicht etwas vergessen?“ richtete sich eine Frage an mich. Ich seufzte verzweifelt.
Teil 45
Unschuldig schaute ich gen Himmel als wenn nichts gewesen wäre. „Was denn vergessen?“ fragte Seldig neugierig. Auch Adrian schaute mir fragend entgegen. Sofort zog Mephissto das grausige Foto aus einer Tasche hervor und wedelte damit herum. „Ihr wart ja gar nicht da. Schaut mal, meine Kriegsbeute!“ triumphierend reichte der Nachtelf das Bild an Adrian weiter, dessen Augen sich sofort weiteten. Nach intensiver Begutachtung und einem alles sagenden Pfeifen wanderte das Bild zu Seldig, der das Bild mit einem „Ui“ kommentierte. „Es gewesen sein furchtbar, ich euch kann sagen!“ meinte Von´rajas dazu, bekam aber keine Beachtung. „Davon will ich eine Kopie!“ ließ sich Adrian vernehmen. Ein Funkeln leuchtete sofort in Mephisstos Gesicht auf. „Das kostet dich dann fünfzig Gold.“ grinsend bedachte er den Krieger. „Wahaaaas?! Fünfzig Gold, Verfluchtnocheins! … Das ist doch keine fünfzig Gold Wert! Verdammtnochmal! Ich gebe dir dafür zwanzig, mehr nicht.“ „Fünfzig!“ „Zwanzig!“ „Fünfzig!“ „Fünfundzwanzig!“ „Nein! Fünfzig und nicht weniger!“ „Dreißig! Und das ist jetzt mein letztes Angebot!“ „Dann wirst du wohl ohne Bild leben müssen …“ Seldig sprang dazwischen. „Uh! Uh! Ich biete Vierzig!“ „Rede ich nicht in derselben Sprache wie ihr? Fünfzig! Das ist eine Fünf und eine Null in Folge!“ „Schuhu!“ „Nein! … Äh, was?“ „Schuhu!“ Thippel wühlte kurz unter seinem Fell und zog einen klimpernden Beutel hervor und reichte ihn Mephissto. Erstaunt öffnete der Schurke den Beutel und überlegte kurz. „Hm, wenn ich richtig zähle, dann bietet Thippel jetzt hundert Gold. Wer bietet mehr?“ grinsend beobachtete der Nachtelf, wie die Kinnladen der beiden Mitbieter nach unten klappten. Sie fingen sich wieder und steckten die Köpfe zusammen, wobei sich Adrian erheblich bücken musste. „Okay, wir machen das so: Du bekommst es die eine Woche, ich die Andere.“ schlug der Krieger laut vor. Seldig nickte und dann zählten die Beiden ihr Geld. Nach kurzer Zeit drehte Seldig sich um: „Wir bieten einhundertsiebenundzwanzig Gold, fünf Kupfer und einen Schnürsenkel.“ „Einen Schnürsenkel?“ „Ja, der ist auch etwas Wert. Ich habe ihn aus Resten meines Goldenen Zauberfadens geknüpft.“ der Schurke überlegte kurz. „Fünfzehn Gold und Fluffy frisst dich nicht.“ warf Charmi ein. „Verkauft an die wunderhübsche und kluge Nachtelfe mit dem Frostwyrm!“ rief Mephissto ohne große Überlegungen. Voller Zufriedenheit ließ Charmi das Bild in ihrer Lederhandtasche verschwinden. „Also, wollen wir los? Wir müssen noch Kitane abholen.“ „Was? Jetzt? Aber … aber … aber ich bin gar nicht richtig angezogen und außerdem … ja, außerdem …“ verzweifelt suchte ich nach einer weiteren Ausrede und Charmi hob erwartungsvoll eine Augenbraue. Plötzlich sprang ein Kojote aus einem nahe gelegenen Busch und blieb verstört schauend vor uns stehen. Kurz darauf rieb das Tier sein struppiges rötlichbraunes Fell an Charmis Robe. Staub und Kletten blieben daran hängen. Sichtlich angewidert versuchte die Nachtelfe den Schmutz zu entfernen. Dann sprang der Kojote nach vorn und schnappte nach Seldig. Zappelnd baumelte der Gnom im Maul des Tieres. Er versuchte sich mit Zaubern zur wehr zu setzen, was ihm misslang. Stattdessen wackelte Hugo in Form eines Schafes vor Sesharrim hin und her. Mephissto begann am S.chwanz des Tieres zu zerren und Adrian an Seldigs Arm um ihn zu befreien. Blackcypher wollte den Angreifer mit Keksen bestechen, während ich versuchte Hugo aus den Fängen eines gierigen Frostsäblers zu retten. Charmi stand mittendrin und trauerte um die neue Samtrobe. „Calua, spuck ihn aus. Du weist nicht wo der Gnom rumgelegen ist.“ grollte eine raue Stimme hinter uns. Ein Taure stapfte uns gemütlich entgegen. Sein braunweißes Fell war genauso staubig und struppig wie das des Kojoten. Auf seinem breiten Rücken ruhte ein halb verrostetes Gewehr. Eindringlich starrte er den Kojoten an, bis dieser von Seldig abließ und sich zurück zog. „Braves Mädchen.“ sagte er als sich das Tier neben Von´rajas setzte und sich ankuschelte. Vorsichtig rückte der Schamane beiseite, ohne Erfolg. Adrian und Mephissto versuchten ein Lachen zu unterdrücken als der Schamane vergeblich versuchte sich hinter einem Stein zu verstecken. Der braun-weiß gefleckte Taure musterte die Runde mit seinen gutmütigen braunen Augen. Dann fixierte er Charmi, die an Fluffy lehnte und sich die Nase vor einem kleinen Handspiegel puderte. Er klopfte sich ein wenig Staub von seiner ledernen Kleidung und griff mit einer riesigen Hand nach dem Arm der Elfe. Er wirkte wie ein Streichholz zwischen den großen Taurenhänden. Vor Schreck ließ Charmi den Spiegel fallen als der Taure die zarte Hand und den ganzen Rest des Nachtelfenkörpers schüttelte. Freudig sprach er, während die sicher stundenlange Arbeit an der Hochsteckfrisur zu Nichte gemacht wurde. „Ihr seid Valeria Seelenklinge! Die große Charmi! Ich kann meinen Augen nicht trauen. Dass ich Euch einmal begegnen werde, hätte ich nie für wahr gehalten! Ich bin einer Eurer größten Fans! Ich habe eine ganze Sammlung von Bildern von Euch. Das Foto aus der letzten Ausgabe des Playmouh ist das Beste von allen!“ „Playmouh? Hast du da noch eine Ausgabe davon?“ warf Mephissto grinsend dazwischen. Der Taure beachtete ihn nicht und schüttelte Charmi fröhlich weiter, die mittlerweile einer Vogelscheuche ähnelte. „Darf ich ein Foto von Euch machen?“ er ließ kurz von der Nachtelfe ab und drückte mir einen dieser Apparate in die Hand, mit denen man Bilder machen konnte. „Einfach auf den Knopf drücken.“ erklärte er kurz. Dann drehte er sich um, packte Charmi – deren Fluchtversuch damit misslang – und stellte sie vor sich schroff auf den Boden. Lächelnd winkte er in die Kamera. Ich drückte den Knopf und vorn aus einem Schlitz kam das noch graue Bild. „Würdet Ihr mir das noch sig… sig… ach … unterschreiben? Einfach hier unten. Am Besten noch mit: Für meinen lieben Freund Altan Schwarzhorn. Das wäre Klasse!“ verstört nickte Charmi nur. Ich konnte mir ihre Gedanken gut vorstellen: Ich mache alles, aber bitte nicht wieder schütteln. „Verschwinden wir von hier, solange Charmi noch mit dem Tauren beschäftigt ist.“ flüsterte ich den Anderen zu. „Nicht bevor ich das Bild im Playmouh gesehen habe!“ beharrte Mephissto. Thippel schlug ihm mit einem Stock auf den Kopf und kicherte. Ich stellte mich hinter den Schurken und nur widerwillig ließ er sich zu seinem pinken Raptor schieben. Erst als ich ihm ersprach, dass wir ihm eine Ausgabe des Playmouh in Donnerfels kaufen würden stieg er murrend auf. Nur wenige Minuten später war Orgrimmar außer Sicht. Nun standen wir vor einem unleserlichen Wegweiser und stritten uns darum welcher Weg nun nach Mulgore führt.
Teil 46
„Pah! Wenn wir nach rechts gehen, kommen wir nach Mulgore … Ha! Meine Familie lebt seit Generationen in Orgrimmar, ich kenne mich hier gut aus … Ha! Und was haben wir jetzt davon? Wir stehen mitten in der Pampa und haben keinen Schimmer wo wir sind, Verfluchtnocheins! Ich höre nie wieder auf einen Wolf! Pah! Da könnten wir auch gleich darauf vertrauen, dass eine Frau den richtigen Weg findet!“ „Was soll denn das heißen?!“ schrie ich dem Krieger mit funkelnden Augen entgegen. „Schlagt euch! Fünf Gold auf Yava!“ warf Mephissto dazwischen. „Falls ihr es haben nicht bemerkt, ich gestanden habe auf der anderen Seite des Wegweisers … Aber auf mich keiner hören!“ „Und warum hast du nichts gesagt als wir alle in die falsche Richtung geritten sind?!“ fragte der Krieger lautstark den Geisterwolf. „Ich doch haben, aber mich wohl keiner haben gehört!“ „Doch ich, hihi.“ dafür erntete Seldig unfreundliche Blicke. „Und warum hast du nichts gesagt?!“ schrie Adrian weiter. „Keine Ahnung, hihi.“ kurze Stille breitete sich aus, die von einem konstanten Pochen aus Hugos Richtung untermalt wurde. Eine Steppenhexe rollte vorbei. Ich atmete tief aus, um mich zu beruhigen. Unter meinem Hemd funkelte der Anhänger, den ich inzwischen immer um den Hals trug, damit Thippel ihn nicht wieder stehlen konnte, blau und fühlte sich warm auf meiner Haut an. Sofort stand Thippel neben mir und starrte neugierig auf den blauen Schimmer, der durch den Stoff schimmerte. Ungeniert griff er danach und zog an der Kette. Empört darüber, dass der Anhänger an meinem Hals hing, zog Thippel fester und schnürte mir die Luft ab. Ich versuchte mich krampfhaft zu wehren, doch jede Bewegung schloss die Kette enger um meinen Hals. „Schuhu!“ Mephissto und Adrian hingen an den Armen des grauen Wesens und wollten mir helfen. Thippel war mittlerweile sehr verärgert und wollte mir den Anhänger, der blau zwischen seinen Krallen leuchtete, vom Hals reißen. Das blaue Licht wurde immer intensiver. Dann blitzte es hell und ich wurde geblendet. Als das Licht langsam wieder verschwand saßen wir auf dem staubigen Boden. Thippel saß hinter mir und stand als Erster auf. Während er sich den Staub abklopfte Schuhute er fröhlich. Auch ich stand auf und drehte mich zu den Anderen. Ich erstarrte mit großen Augen. Vor mir stand Adrian, Schuhute vor sich hin und hüpfte umher. „Adrian? Ist mit dir alles in Ordnung?“ fragte ich den Krieger. „Ja, warum fragst du?“ ich drehte mich um. Es war eindeutig Adrians Stimme, aber hinter mir stand Mephissto. „Mephissto?“ „Ja?“ seine Stimme kam von Links. Ich neigte den Kopf in die Richtung aus der die Stimme kam und starrte ungläubig. Ich sah mich, wie in einem Spiegel. „Mephissto?“ fragte ich noch einmal. „Ja, was denn?“ „Wieso siehst du so aus wie ich?“ „Andere Frage: Wieso siehst du so aus wie Thippel?“ ich riss meine Augen auf und starrte an mir herab. Das was ich sah war meinem Körper nicht annähernd ähnlich. Statt dem erwarteten Elfenkörper erblickte ich einen grauen runden Bauch unter dem ein paar Fußzehen hervor lugten. Vorsichtig tastete ich meinen Kopf ab und blieb an einem Geweih hängen. „Bei Elune! Ich bin ein fetter Eulen-Hirsch!“ stellte ich verwirrt fest. „Schuhu!“ schrie Adrian oder eher Thippel, der aussah wie Adrian. „Juhu! Ich bin eine s.exy Nachtelfe!“ rief Mephissto, der in meinem Körper steckte. „Los, tanz' uns mal was vor!“ meinte Adrian und grinste dabei anzüglich. „Oben ohne?“ erwiderte Mephissto mit süßem lächeln. Ob ich auch immer so komisch aussah, wenn ich süß lächeln wollte? „Jaaaaaahaaaa!“ kam es aus allen Richtungen gleichzeitig. „Du würdest es nicht wagen!“ schrie ich den Schurken an, der daraufhin begann mein Hemd auf zu knöpfen. Mir fiel ein, dass Thippel unter seinen Federn einen Stab hervor zieht. Hektisch wühlte ich durch das graue Gefieder und wurde tatsächlich fündig. Zuerst zögerte ich, immerhin war es mein Körper der den Schlag abbekommen würde, aber als Mephissto den letzten Knopf öffnete schlug ich zu. Ich kniff ein Auge zu und dachte, dass das eine riesige Beule werden würde. Der Schurke taumelte kurz und der blaue Anhänger baumelte um meinen Hals. Sofort stürzte Thippel sich auf den Stein. „Hey! Greif meinen Körper nicht da an!“ rief ich empört. „Ein Jammer, dass ich gerade nicht in meinem Körper stecke.“ meinte Adrian, der neben mir stand und sich Mephisstos Kinn rieb. Sofort traf mein neu gefundener Stock seinen Kopf. Nach einer kurzen Rangelei, einigen Streitgesprächen und Stockschlägen kamen wir zu dem Schluss, dass jeder gerne seinen Körper wieder haben wollte. Nur Mephissto war anderer Meinung und bekam dafür einen Stockschlag mehr auf den Kopf. Mein Körper würde es mir vergeben. Zum späten Nachmittag saßen wir um einen Stein, auf den wir den Anhänger gelegt hatten. Seldig, Von´rajas und Blackcypher beschäftigten sich in der Zwischenzeit mit einem Kartenspiel, das Mephissto in Orgrimmar „besorgt“ hatte. Sesharrim ärgerte einen Präriehund und Hugo hockte geduldig unter einem Baum mit seinem Ball an der Schnur. „Also, wie genau ist das nochmal passiert?“ fragte Adrian nochmals. „Keine Ahnung. Wir haben alle dran gezogen und dann blitzte es.“ kurz schauten wir uns an. Einige Zeit später rissen wir wie Verrückte an dem kleinen blauen Stein. Nichts geschah. Von´rajas unterbrach uns: „Wieso wir nicht gehen nach Mulgore? Wenn dort wir finden was auch immer wir suchen, dann wir vielleicht auch wissen wie funktionieren der Stein.“ „Und das fällt dir jetzt erst ein?!“ fragte Mephissto keuchend. Sofort zog der Schamane den @*@%%## ein und legte die Ohren an. „Es sein ja nur logisch.“ gleichzeitig rollten wir mit den Augen. Es waren nur noch einige wenige Stunden bis Sonnenuntergang, deswegen beschlossen wir an Ort und Stelle unser Lager aufzuschlagen und am nächsten Morgen Richtung Mulgore aufzubrechen. Adrian setzte sich ans Feuer um wie jeden Abend irgendetwas zusammen zu kochen, was komisch aussah und auch so roch, aber dennoch süchtig machen konnte. „Au, Verdammt! Mephissto wo hast du nur überall Dolche und Wurfmesser versteckt? Das ist jetzt das siebte Mal, dass ich mich irgendwo schneide! Du willst nicht wissen wo das letzte Messer steckte!“ „Wahas?! Du misshandelst meine Dolche?! Ich bin ein Schurke, das sind Berufsutensilien! Die brauche ich noch! Und jetzt hör bitte auf meinen Körper zu schinden!“ „Ich hab noch gar nicht damit angefangen!“ zwei gezielte Stabschläge von mir brachten beide zum schweigen, dann verschränkte ich wieder die herrisch die Arme und schaute Mephissto und Adrian grimmig an. Um ein wenig die Stimmung aufzuheitern begann Seldig ein gnomisches Volkslied zu singen. Aufmunternd stieß er mir zwischen die Federn und augenrollend stimmte ich brummig mit ein. Der Abend verging so recht schnell und als der nächste Morgen dämmerte machten wir uns auf den Weg. Wo wir uns derzeit genau aufhielten und wo es lang ging wussten wir nicht. Stur folgte die Gruppe dem Geisterwolf, der immer wieder betonte, dass er ganz genau wusste wie wir nach Mulgore kommen. Tatsächlich kamen wir gegen Mittag an einen sehr bekannten Wegweiser an. Blackcypher lobte den Schamanen und gab ihm einen Keks. Nachdem er S.chwanz wedelnd den Keks im Maul hatte stutze Von´rajas kurz. „Schaut mal, da vorn ist irgendjemand, hihi.“ meinte Seldig und zeigte in die entsprechende Richtung. „Das, ähm, ist ein, äh, Widder.“ stellte Blackcypher klug fest. „Ja, das auch. Aber da ist doch noch jemand, hihi.“ wir schauten genauer hin. Hinter dem Widder kam ein blauer Kopf zum Vorschein und lange schlanke Hände zogen eine Decke am Sattel des Widders wieder fest. „Also, wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, dass das eine Draenei mit einem Widder ist.“ meinte Mephissto darauf.